Interview

Interview mit Asger Mygind (Vola): Eine Blase voll spannender Abenteuer

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Mit ihrem neuen Album „Witness“ am Horizont (Link zu unserer Rezension hier) haben die Dänen von Vola vieles vor und hinter sich. Ich die Chance erhalten ein Interview mit Gitarrist und Sänger Asger Mygind zu führen und stellte ihm ein paar Fragen zur neuen Platte, Zukunftsplänen und was er denn im Lockdown so für Musik hört.

Elias (Rockmagazine): Hallo Asger! Wie würdest du Vola jemandem beschreiben, der noch nie zuvor von euch gehört hat?

Asger Mygind: Eine Möglichkeit wäre es unsere größten (musikalischen) Vorbilder aufzuzählen. Wir hören in letzter Zeit beispielsweise viel Porcupine Tree. Ich persönlich höre im Moment viel Soilwork. Man hört die Präsenz dieser Einflüsse in unserer Musik. So könnte man uns beschreiben, als Verschmelzung verschiedener Einflüsse. Doch im Großen und Ganzen würde ich sagen, dass Vola einen Kernsound von Metal oder Aggressive Rock hat. Dann gibt es Elemente von elektronischer Musik, Ambient Music, Industrial und Djent. Eine Mischung aus vielen Dingen eben.

Elias (Rockmagazine): Dann zu eurem neuen Album „Witness“. Ich hab die Platte jetzt schon unzählige Male angehört und sie ist wirklich großartig. Ihr habt das Album mit Singles und Videos beworben, aber auch durch andere Dinge wie einen Cover-Contest, einen Remix-Contest und ein Reddit QnA (Questions and Answers). Wie kamen euch diese Ideen in den Sinn?

Asger Mygind: Die erste Single (von „Witness“) kam letztes Jahr im November raus, also mit großem Abstand zum Album-Release, und wir überlegten uns wie wir diese Übergangszeit für die Fans gut gestalten konnten. Dann kam uns die Idee die „Audio-stems“ (Aufnahmen der einzelnen Instrumente eines Songs) unserer Singles zu veröffentlichen damit unsere Fans Spaß damit haben konnten.

Ein weiterer praktischer Aspekt den wir uns dabei dachten war, dass viele Leute in der Zeit bis zum Album-Release wegen Covid-19 mehr Zeit zu Hause verbringen würden. Diese Aktionen sollten den Leuten etwas geben auf das sie sich fokussieren können, das sie spannend finden und womit sie sich auch etwas von den vielen Ereignissen ablenken können, die gerade in der Welt vor sich gehen. Es hat sich für uns in vielerlei Hinsicht richtig angefühlt.

Elias (Rockmagazine): Ja, das kann ich verstehen. Gab es irgendwelche Dinge die ihr auf „Witness“ im Vorfeld schon anders machen wolltet als auf dem Vorgängeralbum „Applause Of A Distant Crowd“?

Asger Mygind: Das neue Album war so ziemlich eine Reaktion auf „Applause Of A Distant Crowd“. Auf dem experimentierten wir mit einem organischeren, lebendigerem Sound und es war im Allgemeinen etwas sanfter als unser unser Debütalbum. Danach fühlte es sich einfach frisch an dieses Mal wieder etwas härteres mit einer Art „in your face“-Sound zu schreiben. Ich weiß nicht wie bewusst wir zu dieser Entscheidung kamen, aber damit es für uns als Band frisch und aufregend sein konnte, haben wir uns diesen Weg ausgesucht. Eben eine Reaktion auf das was vorher kam.

Elias (Rockmagazine): Trotzdem ist „Witness“ vom musikalischen Standpunkt aus sehr vielseitig. Es gibt Songs wie Stone Leader Falling Down, die sich mehr nach eurem Debüt „Inmazes“ anhören, aber auch Tracks wie 24 Light-Years die den Stil von „Applause Of A Distant Crowd“ weiterführen. Wie kamen diese Unterschiede in der Härte der Songs zustande? Kamen euch schon während des Schreibprozesses Gedanken welche Songs Balladen und welche Songs härter werden sollten?

Asger Mygind: Wir folgen quasi dem Song selbst und hören darauf, was er will das wir tun. Wenn wir beispielsweise eine Idee für einen Intro-Riff haben, dann machen wir uns Gedanken darüber wie wir diesen Riff in einer Strophe nutzen, zum Beispiel: „Wie können wir diesen Rhythmus erneut nutzen damit es sich logisch anhört?“ Dann von der Strophe zum Refrain geht es darum das Gefühl, das die Strophe vermittelt, im Refrain beizubehalten, damit sich auch der Übergang vom einen zum anderen natürlich anhört. Es ist also eine Reihe von Vorfällen.

Wie hart ein Song am Ende sein wird kommt sehr stark darauf an wie hart diese erste Idee ist. 24 Light-Years ist beispielsweise kein so harter Track, weil die erste Idee für den Song von einem Drum-Groove kam, der dann von (unserem Keyboader) Martin (Werner) in ein elektronisches Stück umgewandelt wurde. Von diesem Punkt aus wurde es dann eben Schritt für Schritt zum vollständigen Song.

Elias (Rockmagazine): Wenn ich neue Musik für mich entdecke suche ich vor allem nach einem einzigartigen Sound und die Atmosphäre von Volas Songs ist genau so etwas sehr Besonderes. Wie kamt ihr zu dieser speziellen Atmosphäre? Vielleicht irgendwelche Synthesizer die ihr regelmäßig nutzt?

Asger Mygind: Wir nutzen definitiv viele Keyboard-Layers. Das gefällt uns auch sehr gut. Da ich der einzige Gitarrist in der Band bin wollen wir auch nicht zu viele Gitarren-Spuren gleichzeitig in den Songs. Deswegen bauen wir eben viele Keyboard-Layers aufeinander bis wir einen vollen Sound erreichen. Das gibt uns auch die Möglichkeit viele schräge Geräusche und Geräuschlandschaften zu nutzen. Mit Keyboard-Sounds hat man gefühlt eine unbegrenzte Anzahl an Experimentiermöglichkeiten. Das ist auf jeden Fall ein wichtiges Element unseres Sounds – die Option Keyboard.

Elias (Rockmagazine): Wenn wir schon beim Thema Layering sind: Vocal-Layers und Vocal-Effekte sind auch Kernelemente des neuen Albums. Die erste Strophe von Head Mounted Sideways mit dem Vocoder-Effekt oder der Refrain von 24 Light-Years mit seiner schier endlosen Fülle an Vocal-Layers würden ohne diese Effekte ganz anders klingen. Wie kamen euch diese Ideen während dem Schreibprozess?

Asger Mygind: Für Head Mounted Sideways wollten wir in der ersten Strophe etwas Aggressives, aber es hat sich nicht richtig angefühlt die Strophe zu screamen. Als Sänger ist das nicht mein natürliches Habitat weswegen ich auch nicht so viel screame. Also habe ich einen anderen Weg gesucht und der kalte, robotische Vibe des Vocoders hat der Strophe einen leicht gruseligen und unangenehmen Sound verliehen, so wie es auch ein Scream kann. Für mich war es ein anderer, experimentellerer Weg um aggressiv zu klingen.

Vocal-Layering ist etwas, das mir persönlich schon immer sehr gut gefallen hat. Beispielsweise in der Musik von Porcupine Tree oder Devin Townsend. Ich bin sehr begeistert von diesem großen, weiten Sound. Wenn es nach mir geht kann ein Song niemals zu viele Vocal-Layers haben (*lacht*).

Elias (Rockmagazine): (*lacht*) Auf jeden Fall!

Asger Mygind: Es ist immer sehr cool zu hören wenn andere Künstler viele Vocal-Layers verwenden, also warum sollten wir das nicht auch mal ausprobieren?! (*lacht*)

Elias (Rockmagazine): Auf eurem neuen Album gibt es sehr viele sofort hervorstechende Songs, aber Future Bird hat bei mir etwas gebraucht um wirklich zu zünden. Was ist die Geschichte hinter dem Lied?

Asger Mygind: Musikalisch gesehen hab ich damals am Refrain eines ganz anderen Songs gearbeitet und dabei hat es sich frisch angefühlt eine andere Taktart als in den Strophen zu nutzen. Also hab ich versucht das ganze nicht im 4/4 Takt zu schreiben. Der Song wurde am Ende verworfen, aber mir hat der Refrain-Teil so gut gefallen, dass er zum Hauptriff von Future Bird wurde. Deswegen ist der Track auch in einer so komischen Taktart die wir nicht oft verwenden. Textlich gesehen war der Song inspiriert von einem Facebook-Beitrag über ein Paar, das sein ungeborenes Kind verloren hatte. Als ich an Future Bird arbeitete kam mir diese Geschichte wieder in den Sinn.

Elias (Rockmagazine): Sehr interessant! Habt ihr als Band schon Pläne für Auftritte oder auch einen Livestream?

Asger Mygind: Wir haben im Moment fünf Shows in Dänemark geplant. Wahrscheinlich werden die Shows mit sitzendem Publikum stattfinden und natürlich auch weniger Zuschauern als unter normalen Umständen. Aber zumindest haben wir die Möglichkeit die neuen Songs zu spielen, was ja für die Album-Veröffentlichung sehr wichtig ist. Das sind im Moment unsere Möglichkeiten. Wir würden gerne international auf Tour gehen, aber das ist eben unter den gegebenen Umständen erst in ferner Zukunft möglich. Die Länder der Welt sind im Moment in unterschiedlichen Phasen zum Thema Grenzöffnung und das erschwert die Planung, aber wir arbeiten daran zumindest für nächstes Jahr etwas auf die Beine zu stellen. Außerdem haben wir uns unterhalten wie wir eine aufgenommene Live-Performance gestalten wollen, die unsere Fans daheim genießen können.

Elias (Rockmagazine): Dann bin ich mal gespannt was noch kommt. Wie hat Covid-19 und die Quarantäne eure Arbeitsabläufe und Gewohnheiten in der Band beeinflusst (im Kontext der Aufnahme des neuen Albums)?

Asger Mygind: Die Drums konnten wir noch vor dem Lockdown letztes Jahr zusammen in den Top Floor Studios (in Göteborg) aufnehmen. Kurz danach kam dann der Lockdown. Das war für uns aber nicht wirklich hinderlich, da wir so oder so vor unseren Computern saßen (zum Aufnehmen) und nicht viele Leute treffen mussten. Der Aufnahmeprozess hat also relativ normal funktioniert. Die große Herausforderung war die Entscheidung wann wir das Album veröffentlichen wollten, da wir um jeden Preis eine Tour machen wollten. Ab einem bestimmten Punkt haben wir einfach den Finger auf den Kalender gelegt und uns für den Mai entschieden. Das ist ein guter Monat in der Jahresmitte und wir hofften zu der Zeit tourmäßig zumindest etwas machen zu können.

Elias (Rockmagazine): Ich dachte mir schon letzten November als die erste Single (Head Mounted Sideways) rauskam: „Sehr gut, dann kommt das Album so im März!“…Nix war’s (*lacht*). Jetzt zu einer etwas persönlicheren Frage: Warum machst du Musik? Was bedeutet Musik machen für dich?

Asger Mygind: Es macht einfach riesigen Spaß. Es gefällt mir sehr im Schreibprozess vertieft zu sein. Dabei kann ich alles andere vergessen, es gibt dann nur diese Blase voll spannender Abenteuer. Das ist der Hauptgrund warum ich so gern Musik mache. Manchmal werden daraus Lieder die andere Leute dann anhören können, aber das ist nur ein Bonus für mich. Spaß am Musik machen ist die Hauptsache.

Elias (Rockmagazine): Hast du irgendein großes Ziel, dass du mit Vola noch erreichen möchtest?

Asger Mygind: Das klingt jetzt sehr banal, aber ich wünsche mir einfach nur mit Musik meinen Lebensunterhalt verdienen zu können. Wir haben als Band immer noch sehr viele Ausgaben, die schwer abzudecken sind. Eine Welt in der ich meiner Leidenschaft nachgehen kann ohne mir Sorgen über das Finanzielle machen zu müssen wäre einfach super. Und vom künstlerischen Standpunkt aus will ich weiter Alben rausbringen, auf die ich stolz bin und auf die wir als Band stolz sind. Wir schreiben Songs die wir selbst so hören wollen würden, die uns Freude bereiten – mit diesem Mindset weiter Lieder zu schreiben und zu veröffentlichen ist ein stetiges Ziel für uns.

Elias (Rockmagazine): Das ist auf jeden Fall ein gutes Ziel. Nun zur letzten Frage: Was sind im Moment deine Top 5 Lieblingssongs?

Asger Mygind: Das ist eine sehr gute Frage (*lacht*). Zum Glück hab ich grad Spotify auf meinem Rechner offen. Ich höre im Moment viel von der Band Silverchair, der Track The Greatest View ist ziemlich gut. Mir gefällt auch bury a friend von Billie Eilish. Der Song hat eine Art Dunkelheit an sich. Außerdem höre ich auch gerade viel von Mode Selector, ein deutsches Elektro-Duo. Ich kann dir zwar keinen bestimmten Song nennen, aber ihr neues Album „Extended“ ist sehr gut. Vor ein paar Tagen hab ich mir das Meshuggah-Album „Nothing“ angehört, Rational Gaze von dem Album würde ich noch nehmen. Und der letzte ist If You Tolerate This Your Children Will Be Next von Manic Street Preachers.

Elias (Rockmagazine): Wunderbar, danke! Hast du noch ein paar letzte Worte an unsere Leser?

Asger Mygind: Wir (Vola) sind bald wieder unterwegs und spielen (Auftritte) so bald wie möglich. Hoffentlich treffen wir einige von euch dort!

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Elias

Schreiberling aus Leidenschaft, Metal-Enthusiast seit der Schulzeit. Verirrt sich gern in den Tiefen des Prog und bestaunt moderne Ansätze zu Rock und Metal.

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