Inzwischen ist die Festivalsaison 2026 schon in vollem Gange. Neben den großen Festivals wie Rock Am Ring, Rock Im Park oder dem Summerbreeze gibt es in Süddeutschland jedoch auch jede Menge kleinerer Festivals, die einen Besuch wert sind.
Eines der ganz kleinen aber trotzdem feinen lokalen Festival gehört sicherlich auch das Red Horse Festival in Stutensee bei Karlsruhe, das in diesem Jahr bereits seinen 10. Geburtstag feiert.
Ich muss gestehen, dass auch ich erst Ende letzten Jahren bei meinem ersten Besuch im Jugendzentrum Graubau von dem Festival gehört habe, aber nachdem die Organisatoren vom Jugendzentrum die britischen Newcomer Fortune Teller nach ihrem begeisternden Auftritt im November 2025 gleich wieder engagierten, war das Red Horse Festival natürlich eine Pflichtveranstaltung für mich. Und ich habe den Besuch definitiv nicht bereut, soviel vorweg!

Das Red Horse Festival ist eigentlich kein reines Metal Festival wie man es sonst kennt, vielmehr ist es ein Festival für unterschiedlichste Musikrichtungen, dass als Plattform für junge Musiker dient und Treffpunkt zum Interessenaustausch bietet. Dabei schafft man bewusst einen Platz auch für ganz junge Künstler, die teils ihre ersten Bandauftritte auf einer Bühne vor größerem Publikum bestreiten. Von Rock über Pop bis Rap und Poetry Slam bis Metal, an den 4 Tagen des langen Christi-Himmelfahrt- Wochenendes gibt es ein sehr buntes Programm. Und auch die ganz Kleinen bekamen am Sonntag mit Kinderschminken und Töfs Rappelkiste etwas altersgerechtes auf der Bühne im großen Außenbereich des Jugendzentrums geboten.
Neben dem Musikalischen Genüssen für die Ohren wurde aber auch für den Gaumen allerhand Interessantes und Abwechlungsreiches geboten. Eine kleine Foodstreet mit kulinarischen internationalen Gerichten aus dem Irak, aus Polen, Indien oder Ungarn sorgte für das leibliche wohl und lies keine Wünsche offen, es sei denn man war Anhänger der Standardfestivalfressalien wie Wurst, Pommes und Steak.
Ich selbst war von den Leckereien aus dem Irak angetan, den die Damen vom Grill sehr lecker zubereiteten.
Für Rockfans war neben dem Freitag vor allem der Samstag sehr interessant, stand er ganz im Zeichen des Rock und Metal. Mit Fortune Teller aus Großbritannien und Spitfire aus Karlsruhe gab es u.a. zwei sehr interessante Band live zu bestaunen. Nachdem am Donnerstag und Freitag der Wettergott nicht ganz nach dem Wunsch der Veranstalter spielte und es leider eher bescheidenes Aprilwetter statt frühsommerliches Festivalwetter gab, hatte Petrus am Samstag Erbarmen und lies nach frühmittäglichen Regengüssen zum Beginn des Programms am Nachmittag die Schleußen für den Rest des Tages zu. Doch auch an den beiden ersten Tagen war das Interesse der Besucher groß, und so war Vlado vom Graubau Team auch mit den Besucherzahlen zufrieden und zog ein insgesamt positives Fazit für den Start ins Festival.
Leider kam ich am frühen Nachmittag etwas zu spät in Stutensee an und verpasste den Auftritt der ersten Band Schee. Fractured war dann die erste Band die ich auf der Indoorbühne sehen konnte Inzwischen waren auch die Regenschauer passé und es durfte bei trockenem teils sogar sonnigem Wetter losgerockt werden. Fractured, die im November noch als Rumbled Eardrums im Vorprogramm von Fortune Teller auftraten, waren heuer nur noch als Trio am Start, nimmt sich doch ihr Gitarrist gerade eine musikalische Pause. Doch Nick, Leonie, und Henry gaben auch zu dritt ihr Bestes um die leider noch überschaubaren Fans und Bekannten mit Coversongs wie „Teenage Dirtback“ von Wheatus und anderen Rockklassikerzu begeistern. Kenn schlechter Einstieg in den Tag für mich.
Bevor es mit der nächsten Band auf der Innenbühne weitergeht, geht’s kurz beim Soundcheck von Fortune Teller vorbei. Auch wenn die Briten noch in Jogginghose auf der Bühne stehen, das was da aus den Boxen kommt lässt die Vorfreunde auf den abendlichen Gig anwachsen, der Sound ist klasse, das passt schon mal.
Im Anschluss dürfen die 4 Mädels von Caution! aus Bretten die kleine aber feine Bühne rocken. Besonderes Emma am Saxophon zieht die Blicke auf sich, ist es doch etwas ungewohnt Metallica`s „Enter Sandman“ mit Saxophontönen unterlegt zu hören. Doch die zunächst ungewöhnliche Kombination geht auf und so haben Caution! mit Ihren Coversongs von Billy Talent oder Nirvana das Publikum schnell auf ihrer Seite. Besonders Sängerin und Bassistin Lisa sammelt mit ihrer kräftigen ausdrucksstarken Stimme ordentlich Pluspunkte. Die vier Mädels Alisa (Gitarre), Johanna (Drums), Lisa (Vocals+Bass) sowie Emma (Saxophon) die gerade dabei sind ihr Abitur zu machen, können jedoch auch auf Deutsch bei EAVs „Fatamorgana“ überzeugen und so wurden sie lautstark von Stutenseer Publikum gefeiert. Die mitreisende raue Stimme lässt für die Zukunft hoffen. Schön zu sehen, dass auch junge Mädels sich für Rockmusik begeistern können und sich nicht nur Radiogesülze reinziehen.


Weiter gehts mit den Schweizer Trashmetallern von Wastegate, die ich leider wegen eines Interviews mit Fortune Teller verpasse. Wie man mir sagt, sollen die Jungs mächtig aufs Gaspedal gedrückt haben und zur ganz harten Sorte gehört haben. Pünktlich zu Hexx bin ich wieder vor der Bühne und kann mir die 4 jungen Freiburger anhören. Leider sind zu Beginn nur wenige Besucher gekommen, um sich die Jungs anzuschauen, die mit ihrem Mix aus Speed und Trash Metal wohl nicht ganz den Geschmack der Anwesenden treffen. Technisch nicht schlecht, mit schnellen Riffs und einer Prise Melodie versehen, geben die Badener mit ihren eigenen Songs ordentlich Gas. Mit dem Titeltrack ihrer EP „The Weight of Absence“ zeigten sie dann auch abseits des Fullspeeds ihr Talent.


Im Anschluss an Hexx startet dann auch das Programm auf der großen Hauptbühne im Freigelände. Schön angelegt, eingerahmt von einem Lounge-Bereich zum chillen , Cocktailbar und Streetfood-Ständen mit jeder Menge internationaler Leckereien war alles angerichtet für ein gelungenes Open Air Programm.
Los gehts mit der französischen Band Lowtone aus Straßbourg, die mit Stoner Rock das Publikum begeistern wollen. Mich persönlich kann ihre Musik nicht umhauen, Stoner Rock war jedoch auch noch nie mein Ding. Zu eintönig ist mir die Musik, ein Song klingt fast wie der andere und auch der Gesang des Frontmann ist mit einigen Schreien etwas gewöhnungsbedürftig. Interessant ist jedoch die Platzierung des Schlagzeugers direkt vor dem Publikum in der Bühnemitte, so kann man dem Drummer aus vorderster Front direkt auf die Finger schauen.
Mit der deutschen New Metal Band Tag My Heart, geht’s weiter, die mit ihrem modernen Musikmix aus New Metal, etwas Hiphop und auch einer Prise Rap ordentlich für Stimmung sorgt. Frontfrau Isabel Martín Alonso entpuppt sich als echtes Energiebündel und ist permanent unterwegs auf der Bühne und legt eine energiegeladene Show auf die Bretter. Auch ihre Bandkollegen versprühen mächtig Dampf, nicht nur wegen der Nebelschwaden, in denen sich die beiden Gitarristen Neno Knuckle und Peter C. häufig verstecken. Mit dem Titeltrack der aktuellen Scheibe „Cold Heart in a Killbox“ geht gleich zu Beginn gut ab und auch das folgende „Fighter“ versprüht ordentlich Power. Nach gutem Start fällt im Laufe des Gigs allerdings bei mir etwas die Spannung ab. Trotzdem werden Tag My Heart in Stutensee für ihren kraftvollen Auftritt gefeiert.


Kurz vor 21 Uhr war es dann soweit und der lang erwartete Auftritt von der jungen Band Fortune Teller stand auf dem Programm. Die Band aus England hat mich mit Ihren bisher 3 erschienenen Videos in den Bann gezogen hat und mich sowie die handvoll Besucher bei ihrem Auftritt im November hier im Graubau völlig begeistert. Leider ist das Debutalbum noch immer nicht veröffentlicht worden, sodass die Songs für den größten Teil des Publikums völlig neu sind. Nur die wenigen Besucher, die auch schon im November bei der Premiere im Graubau, dem erst zweiten Konzert in Deutschland überhaupt, dabei sein durften, wussten im Vorfeld was sie von Frontfrau Theresa Smith und ihren 4 Bandkollegen erwarten durften. Melodischer Powermetal mit Symphonic-Einschlag und auch progressiven Elementen auf höchstem Niveau sind das Metier der jungen Band, die erst vor knapp einem Jahr gegründet wurde.

Wie schon der Soundcheck am Mittag zeigte, hatten die Soundleute am Mischpult ein gutes Gespür und verpassten den Songs der Briten einen erstklassigen Gesamtsound und auch die Beleuchtung war mehr als würdig für ein solch kleines Festival. Mit dem selbstbetitelten „The Fortune Teller“ gings mit der ersten Videosingle gleich mal gut los. Theresa kommt ihrer sympathischen Art sofort beim Publikum an und kann auch heute wieder mit einer starken Gesangsleistung brillieren. Kein Wackler am Micro und auch die Band ist bestens eingespielt, auch wenn sie bei ihrem zweiten Auftritt in Stutensee erneut nicht in Originalbesetzung auftreten kann. Das Gitarrenduo Ross „Lenny“ McLennan und Ian Rockett ist heute verhindert, wird aber von Joey Jaycock als Gastmusiker mehr als würdig vertreten, der die 11 Songs der Setlist innerhalb von 14 Tagen einstudieren musste. Chapeau für diese Leistung. Mit knallharten und trotzdem melodischen Riffs in Stile von Evergrey merkt man das Fehlen der original Gitarrenfraktion nicht.

Mit „Beyond Winter’s Dell“ präsentieren Fortune Teller auch eine fast schon obligatorische Ballade im Set, ein Song, der die Qualitäten der Band mehr als verdeutlicht. Starkes Songwriting, eingängige Melodien und dazu die überragende -, alle Fans von Symphonic Metal dürften begeistert sein.
Mit „Wildfire“ gibt`s eine Livepremiere zu bestaunen, ein ganz neuen Songs, der sich nahtlos in das tolle Programm einfügt. Dann ruft Theresa den Partymodus auf und mit „Command the Legions“ gibt’s die dritte und aktuelle Videosingle, die mit seiner Melodie für beste Stimmung im Crowd sorgt und sich als Highlight der Show entpuppt.

Beim folgenden „Chaos River“ erhält Theresa dann am Micro Unterstützung und mit Keyboarder Meyrick de la Fuente singen sie gemeinsam im Duett . Nach „Fountains“ bestätigt Theresa dann sichtlich dankbar, dass Stutensee nach dem „besten Konzert 2025“ auch in diesem Jahr das bislang beste Publikum gestellt hat. Auch wenn es bislang noch nicht allzu viele Auftritte von Fortune Teller gab, so ist es doch eine kleine Belohnung für das Graubau-Team und das Stutensee Publikum, dass sie beides Mal von der Band mit diesem inoffiziellen Titel gewürdigt wird.
Mit „Seven Seas“ beendeten die Briten dann ihren begeisternden Auftritt und werden mit lautstarken „One more song“-Rrufen vom Stutenseer Publikum verabschiedet. Leider konnten wegen der fortgeschrittenen Zeit keine weitere Zugabe mehr gespielt werden.

Auch wenn für die meisten der Besucher die Songs völlig neu waren, haben es Theresa und Fortune Teller auch beim zweiten Auftritt in Stutensee wieder spielend geschafft, auf ganzer Linie zu überzeugen und die Zuhörer vom Start weg mit ihren tollen Songs mitzureisen. Erneut ein sehr starker Auftritt der hoffnungsvollen Briten, der in Erinnerung bleibt. Bei MetFemVoices findet ihr übrigens drei Livemitschnitte vom Red Horse Festival von den bislang erschienenen Songs, da könnt ihr euch selbst ein Bild von diese tollen Band machen.

Bleibt zu hoffen, dass das Warten auf die Veröffentlichung des Debutalbums bald ein Ende hat. Doch dazu mehr im Interview, dass ich mit der Band vor dem Gig führen konnte. -übrigens das erste Interview der Band überhaupt in Deutschland, das Ihr hier in Kürze bei uns im Magazin nachlesen könnt.

Mit der Band Sonic Smoke endet dann das Programm für heute auf der großen Außenbühne gesetzt. Die junge Band um Bandleader Luke le Duke spielt neben einigen Coversongs wie „Johnny Be Good“ auch eigene Songs, die pures Rock`n Roll Feeling versprüht. Gastmusiker Charly gibt mit seiner Hundharmonika einigen der Songs einen ganz eigenen Touch, und so kommen Songs beim Publikum gut an, mit einem Hauch Südstaatenrock und der rauen rotzigen Stimme von Luke beginnt das Tanzbein mächtig im Takt zu wippen. Zum Abschluss wir auch showtechnik groß aufgefahren. Konfettikanonen und Feuerfontänen auf der Bühne, fast wie in Wacken, nur ein klein bisschen kleiner natürlich. Trotzdem ein Hingucker, der die lockere Stimmung optisch untermalt.




Den Schlusspunkt am Samstag setzen dann auf der Innenbühne des Graubaus die Karlsruher Speedmetaller von Spitfire, die quasi in Stutensee ein Heimspiel haben. Die 4 Musiker dürften vermutlich mit Overkill, Panthera und Konsorten groß geworden sein, mit schnellen Riffs , scharfer Stimme und trotzdem jeder Menge Melodien räumen Spitfire besonders bei den Oldschool Metallern im Publikum ab. Es wird zum Abschluss des Tage nochmals kräftig headgebangt und so fliegen die langen Mähnen der Die Hard Spitfire-Fans wild durch die Gegend. Nach einem langen Festivaltag werden trotzdem nochmals die letzten reserven mobilisiert und so gibt es mit Songs wie „Back from Reality“ oder „Trinity“ nochmals ordentlich aufs Trommelfell. Auch von der neuen EP „Devour The Light“ gibt’s mit dem Titeltrack brandneues Livematerial zu hören. Es wird gebolzt und geknüppelt, so dass die Wände wackeln. Kurz nach Mitternacht endet dann der musikalische Teil des Tages und so bleibt noch Zeit sich einen Cocktail oder ein Bierchen zu gönnen oder einen Plausch mit den anderen Musikern zu halten.

Fazit:
Auch wenn ich persönlich nur den Samstag besucht habe, war ich sehr beeindruckt von der coolen Stimmung und der lockeren Atmosphäre beim Red Horse Festival. Auch wenn jetzt keine großen Namen auf der Bühne standen, war die gebotene Musik sehr abwechslungsreich und spannend. Fortune Teller war für mich der erwartete große Gewinner des Abends, konnten die Briten doch mit tollen Songs, guter Show und einer starken Stimme auch bei ihrem zweiten Auftritt in Stutensee wieder das Publikum begeistern. Bleibt zu hoffen, dass Theresa und Co auch in Zukunft wieder mal im Graubau vorbeischauen werden.
Besonders erwähnenswert ist natürlich das Konzept, jungen Bands eine Auftrittsmöglichkeit zu bieten, dass ich in dieser Art noch nicht gesehen habe. Tolle Stimmung und coole Location, für ein solch kleines Festival eine sehr gute Licht und Soundanlage und auch was die Preise betrifft waren die Preise ein echtes Träumchen. Und auch der Magen und Gaumen hat sich an dem Wochenende gefreut, durften sich die Geschmacksrezeptoren mal an völlig ungewohnte Geschmäckern versuchen.

Ein besonderer Dank gilt Vlado und seinem Team von Jugendlichen für die tolle Organisation und Unterstützung, die zum Gelingen des Festivals beigetragen haben.
Wie Paulchen Panther so schön sagt. „Heute ist nicht alle Tage – ich komm’ wieder, keine Frage!“
Auf ein neues im Jahr 2027.

Impressionen vom Gelände
Text : Thomas Jenne
Fotoscredits : „Live it Loud Pics“ by Thomas Jenne




























































































































