SAVATAGE – Albumreview – „MADNESS REIGNS FROM THE GUTTER (1990)“ lässt die Anfangstage wieder auferstehen

Savatage

Eigentlich hatten sich alle Savatage-Fans in den letzten Monaten (oder besser gesagt Jahren?) auf ein neues Studioalbum ihrer Lieblinge gefreut, das Mastermind John Oliva und seine Mannschaft ja angekündigt haben und das anscheinend soweit auch schon im Kasten ist.

Doch statt neuer Mucke flatterte im Frühjahr die Ankündigung einer „neuen“ Livescheibe in die Redaktion. Die Freude war zunächst groß, kommt eventuell der phenomenale Comeback-Auftritt aus Oberhausen ( / hier gehts zum Konzertbericht)zu Vinylehren? Leider nein, stattdessen kommt am 26.06. ein Livealbum vom Auftritt aus dem Jahr 1990 im “ The Palace“ in Hollywood in die Plattenläden.

Live in Oberhausen 2025

Tja einerseits schade, hätte man doch sicherlich gerne die geniale Comeback Tour vom letzten Jahr zuhause nochmal Revue passieren lassen. Doch natürlich hat auch ein Album von der „Gutter Ballet-Tour“ im Jahr 1990 seinen Reiz, denn damals war ja noch John Oliva der alleinige Frontmann von Savatage, ehe 1993 Zak Stevens den Posten am Micro übernahm und John in die zweite Reihe ans Keyboard zurücktrat. Außerdem war damals noch John Bruder und Gitarrist Chris Oliva sowie Steven “ Doc“ Wachholz an den Drums mit von der Partie.

Dieser Umstand macht das neue Album mit dem Titel „Madness Reigns From The Gutter“ natürlich zur Pflichtaufgabe eines jeden Savatage-Fans aus den frühen 80ern, den nicht jeder hatte damals die Möglichkeit, sich die Band in Europa live anzuschauen.


Kommen wir zum Album.
Schon mit dem Opener „City Beneath The Surface“ wird schnell klar, dass die Songs von Savatage aus den Anfangstagen ihrer Karriere auch im Jahr 2026 nichts von ihrer Magie verloren haben. Auf dem Album gibt es klassischen US Metal mit einer Qualität, wie sie nur ganz wenige Bands aus dieser Zeit erschaffen haben. Erstklassige Songs mit knallharten Riffs vom Gitarrenduo Chris Oliva und Chris Caffery, eine Rythmussektion mit Steven Wachholz am Schlagzeug und Johnny Lee Middleton am Bass, die sich gewaschen hat, und dazu der alles überragende John Oliva am Gesang und den Keyboards, dessen Aura gemeinsam mit der seines leider zu früh verstorbenen Bruders Chris geradezu bis heute über der Band zu schweben scheint.

Auch wenn man sich natürlich über den Gesang von John rein gesanglich gesehen eventuell streiten kann und in meinen Ohren Zak Stevens zu Hochzeiten eigentlich der bessere Sänger war, bleibt natürlich die krächzige Stimme und die unverkennbaren Schreie von John ein Markenzeichen der Band und unumstößlich mit dem Sound von Savatage in den 80er verbunden, der bis heute Kultstatus besitzt.

So spannt sich der Bogen auf „Madness Reigns From The Gutter“ vom Debütalbum „Sirens“ von 1983 bis hin zum genialen 1989er Album „Gutter Ballet“, dass auch den größten Anteil der 19 Songs umfassenden Setlist einnimmt. Neben solch genialen Metalkracher wie „Hounds“, „White Witch“ oder „Holocaust“ gibt’s natürlich mit dem Gänsehaut erzeugenden „When The Crowds Are Gone“ auch die andere, ruhigere Seite von Savatage zu hören. Mit unglaublichem Feeling schafft John hier den Spagat zwischen Powerballade und kreischendem Gesang, der immer wieder begeistert – einer „der“ Übersongs der Band.

Soundmäßig gibt es absolut nichts zu mäkeln, die Produktion ist erstklassig gelungen und man kann kaum glauben, dass die Aufnahmen aus dem „The Palace“ in L.A. /Hollywood schon 36 Jahre alt ist. Auch das Publikum ist sehr authentisch abgemischt und gut zu hören.John zieht mit seinen gelungenen Ansagen das Publikum von der ersten Sekunde sofort in den Bann, was man auch deutlich an den Publikumsreaktionen hört. Bei „Sirens“ läuft John dann zu Höchstform auf und schmeißt nur so um sich mit seinen berüchtigten „Ah- Ah“-Kreischern. „Power of The Night“ besticht mit seinem Midtempo und seinem galoppierenden Hock.

Chris Oliva entpuppt sich auch auf diesem Livemittschnitt mal wieder als einer der ganz großen, leider meist unterbewerteten, “ Saitenhexer“. Was er gemeinsam mit Chris Caffery an Solos abliefert, da wird einem schwindelig, und das ein oder andere Mal wird mir das Gefiedel fast schon zu viel. Doch glücklicherweise übertreibt man es nicht übermäßig, sodass die Solos doch insgesamt nicht störend wirken. Mit „Hall Of The Mountain King“ gibt John dann sein Paradestück zum Besten, das ihn ja den Spitznamen „Mountain King“ eingebracht hat.

Mit dem Zugabenteil geht’s mit aus dem genialen „Gutter Ballet“, das gleich bei den ersten Tastenschlägen für Gänshaut sorgt. Was eine Melodie, ein genialer Song, der mit seinen symphonischen Keyboards im Mittelteil schon mal einen kurzen Ausblick auf die künftige musikalische Ausrichtung der Band gibt, die sich mit dem Einstieg von Zak ab den 1993 etwas mehr in den melodischen Power Metal verändern wird. Einer der Highlights des Albums. Mit „Thorazine Shuffle“ wird’s zum Ende nochmals duster und mystisch und auch John läuft nochmals zu Höchstform auf, „Ah Ah“, wie man ihn kennt und liebt. Mit dem an diese Stelle für mich etwas überraschenden „Devastation“ endet dann das Konzert bzw. Album eigentlich etwas unspektakulär. Da hätte ich eher „Gutter Ballet“ als Abschluss erwartet.


Fazit:

„Madness Reigns From The Gutter“ versprüht von Anfang bis zum Ende den Charme der 80er, rau, ungehobelt und nicht ganz so melodisch und poliert wie die Songs aus der Zak Stevens – Ära,
 Savatage wie wir, die ältere Generation Metalheads, die Band damals kennen- und lieben gelernt haben. Die Songs stehen als  ein Sinnbild für den US Power Metal der 80er, die  viele Bands beeinflusst haben und auch heute noch Kultstatus besitzen.

Auch wenn der ein oder andere Song im Hauptteil des Konzerts vielleicht nicht die Klasse von Songs wie „Hall Of The Mountain King“ oder „Gutter Ballet“ erreicht, macht es doch durchweg Spaß, sich diese energievolle Show anzuhören und von den guten alten Jugendzeiten zu träumen.

Man kann sich durchaus fragen, warum man uns Fans ganze 36 dieses geniale Konzert auf Platte vorenthalten hat. Die Aufnahme hat alles, was ein gutes Livealbum ausmacht. Bärenstarke 19 Songs, eine gute Livestimmung die echtes Livefeeling versprüht, dank neuer Technologie ein druckvoller, wuchtiger und klarer Sound, der alle Details der Musik wiedergibt. Und ein John in Bestform, wie man ihn leider wegen seiner gesundheitlichen Situation wohl nicht mehr live zu hören bekommen wird.

Von mir gibt es für „Madness Reigns From The Gutter“ 9,5 Bangs

Ich kann es kaum erwarten, bis Savatage im Sommer wieder zu uns auf Tour kommen werden. Wenn jetzt auch noch irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft das versprochene neue Studioalbum mit neuen Songs veröffentlicht wird, ist die Welt für die vielen Savatage-Fans weltweit wieder ein kleines Bisschen besser.

Trackliste:

  1. City Beneath The Surface
  2. White Witch
  3. Of Rage And War
  4. She’s In Love
  5. Mentally Yours
  6. 24 Hrs. Ago
  7. Legions
  8. Strange Wings
  9. Hounds
  10. Temptation Revelation
  11. When The Crowds Are Gone
  12. The Dungeons Are Calling
  13. Holocaust
  14. Sirens
  15. Power Of The Night
  16. Hall Of The Mountain King
  17. Gutter Ballet
  18. Thorazine Shuffle
  19. Devastation

CD: Doppel-CD, 6panel Digipak, 20-seitiges Booklet

LP: 3x 180g LP, schwarzes Vinyl, 33rpm,
8-seitiges Booklet in LP-Größe + besonderer Eyecatcher:        
Auf der F-Seite ist das Fotomotiv des Album-Covers eingraviert.

Savatage-Lineup auf dem Album:

Jon Oliva – Vocals, Keyboards
Criss Oliva – Guitar, Vocals
Chris Caffery – Guitar, Keyboards, Vocals
Johnny Lee Middleton – Bass, Vocals
Steve “Doc” Wacholz – Drums

Foto: Credit (C) Frank White

SAVATAGE online:

Website: https://savatage.com/

Facebook: https://www.facebook.com/savatage/

Instagram: https://www.instagram.com/thisissavatage/

www.ear-music.ne

By Thomas

Musikalisch bin ich seit den 80er vor allem im melodischen Hard& Heavy-Dschungel unterwegs und immer auf der Suche nach neuen und alten Perlen. Meine absoluten Faves sind Queenaryche, Y&T, Die Toten Hosen... u.v.a.....inzwischen kann ich mich aber auch für Mittelalterrockband wie Feuerschwanz oder Saltataio Mortis absolut begeistern. Ab und an geht mein Blick aber auch mal über den Tellerrand in Richtung Speed/Trash/Death...solange Melodien erkennbar sind. Auch wenn ich schon zu der Ü50-Fraktion gehöre, findet man mich bei Konzerten und Festivals fast immer Front of Stage, denn Sitzplatz beim Rockkonzerten, das passt bei mir einfach nicht zusammen. Erst wenn es ohne Rollator mal nicht mehr gehen sollte, ist die Tribüne vielleicht ne Alternative.

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