Dieses Interview wurde am 14. Mai (Christi Himmelfahrt/Vatertag) geführt. Anlass des Interviews war das neue Album von Mission In Black, zu dem uns Eddie (Stübner – Gitarre) und Andy („Black“ Flache – Schlagzeug) einige Fragen beantwortet haben.
Christian B. (RM): Hallo, schön, dass du Zeit für mich hast.
Eddie (MIB): Hi, sehr gerne.
Christian B. (RM): Erstmal Gratulation zum Album. Mir gefällt es sehr gut. Was mir aufgefallen ist bzw. ich den Eindruck habe: dass es etwas ausgefeilter und runder zu sein scheint als sein Vorgänger. War das eine bewusste Entwicklung oder ist das einfach so passiert?
Eddie (MIB): Na ja, also ich glaube, man versucht ja immer, sich weiterzuentwickeln und die Sachen immer noch besser zu machen. Und das gilt auch beim Songwriting, wo man dann einfach versucht, ein Stück weit songdienlicher zu sein. Ob das aber jetzt bewusst ist? Man nimmt sich sowas zwar vor, aber ich glaube, das passiert dann halt einfach.
Christian B. (RM): Dennoch ist das Album ziemlich abwechslungsreich, vor allem Fighter. Und man findet ansonsten auch unterschiedlichste Genres, wenn man genau hinhört. Habt ihr denn Grenzen, bei denen ihr sagt: „Das kommt in unseren Sound auf keinen Fall rein!“?
Eddie (MIB): Richtige Grenzen glaube ich jetzt nicht. Wenn es halt supertechnisch wird, kommt man spielerisch irgendwo an seine Grenzen. Aber ich würde jetzt grundsätzlich nichts ausschließen, das nicht. Wobei ich schon der Meinung bin, dass man seinem Kern weitestgehend treu bleiben sollte, das auf jeden Fall.
In dem Moment kommt Andy („Black“ Flache, Drums) noch mit dazu, der gerade vom „Wandern“ (jaja, das Wandern kennen wir schon – am Vatertag, die Red.) zurückgekommen ist. Nach anfänglichen Problemen mit Ton und Bild, einer Begrüßung, ein wenig Geplänkel und Gefrotzel konnte das Interview dann auch weitergeführt werden.
Christian B. (RM): Wie läuft das mit dem Songwriting bei euch ab? Wer ist dafür bei Mission in Black zuständig?
Andy (MIB): Eigentlich der Eddie. Aber in der Regel versuchen wir, das schon aufzuteilen. Der Daniel (Tschoepe), der andere Gitarrist, und ich schreiben so im Grunde die Songs. Und wenn die dann nahezu fertig sind, geht es an die Gesangslinien und an die Feinarbeiten. Manchmal gibt es zuerst Gesangslinien oder andere Ideen im Kopf, die dann ausgearbeitet werden. Wenn es keine Ideen von unserer Seite gibt, dann darf sich die Steffi (Stuber, Vocals) austoben. Aber generell darf jeder seine Meinung äußern und sich einbringen.
Christian B. (RM): Was ist dann eigentlich wichtiger für euch: Musik oder Text?
Eddie (MIB): Ich finde beides gleichwertig wichtig. Mir geht es zumindest so, dass ich, wenn ich Musik höre, gerne auch den Text zur Hand nehme und versuche herauszufinden, worum es da geht. Da gibt es ja schon gern mal einen gewissen Interpretationsspielraum.
Christian B. (RM): Und woher nehmt ihr die Inspiration für die Texte?
Eddie (MIB): Alles, was man im Prinzip persönlich so erlebt hat, fließt mit ein. Zum Beispiel kam die ursprüngliche Idee für den Titelsong Divinity of Lies eigentlich von Andy. Da kann er gleich mal mehr erzählen.
Andy (MIB): Also da haben wir beide ein bisschen hin und her gespielt. Eigentlich waren wir mit dem Albumtitel schon fertig. Eddie und ich haben aber noch relativ viel hin und her telefoniert wegen Albumtitel und Songtitel und was man noch machen könnte. Irgendwann kam dann noch das Thema Lüge zur Sprache und was man da alles so reinpacken könnte. Als dann der Titel Divinity of Lies feststand, ging es Schlag auf Schlag. Eddie hat den Text dazu dann zügig anhand des Titels geschrieben, das ging dann echt wie so ein Pingpongspiel. So hatte ich dann wieder Ideen fürs Cover, die ich mit Simon (Schorp, Bass) und unserem Coverdesigner (Simon Bossert) relativ schnell ins Bildliche überführen konnte und das, ohne dass die beiden vom Song schon je etwas gehört haben. Da hat sich alles gegenseitig ein bisschen befeuert, wie ein Funke, den du irgendwo reinschmeißt.
Christian B. (RM): Wie schaut es bei euch eigentlich vorbildtechnisch aus? Gibt es Jugendhelden, an denen ihr euch orientiert?
Eddie (MIB): Jugendhelden haben wir doch alle, das ist ja klar. Bei mir ging es damals los mit AC/DC und Alice Cooper, später irgendwann dann noch Megadeth und Soilwork. Das sind Bands, die finde ich heute auch immer noch richtig stark. Aber diese als Vorbilder zu nehmen, ist doch ein bisschen weit gegriffen. Wir versuchen eher, unser Ding zu machen mit dem, was wir können.
Andy (MIB): Also der Mensch, der dafür gesorgt hat, dass ich irgendwann mal Schlagzeug spielen wollte, war Dave Lombardo von Slayer. Damals, als Reign in Blood rauskam, war das schon so ein bisschen Inspiration – irre, was der machen kann und in welcher Geschwindigkeit. Ich bin ja schon so ein alter Thrash-Metal-Head. Aber als Idol würde ich ihn, glaube ich, nicht zählen, aber als Inspiration auf jeden Fall. Und dann gibt es natürlich unzählige andere Schlagzeuger, die auf ihre Art alle irgendwie geil sind, aber denen nachzueifern eher nicht. Aber ich glaube, Idole oder Inspiration sind schon wichtig, vor allem, wenn du anfängst, irgendein Instrument zu spielen. Das geht einem jungen Fußballer ja auch nicht anders, der irgendwo in der C-Jugend spielt und auch irgendwelche Helden hat. Aber irgendwann kommt man in ein Alter, in dem man merkt, dass es mit dem Nacheifern nicht getan ist. Es steckt verdammt viel harte Arbeit dahinter und die Realität holt einen dann schnell ein. Aber wenn ich einen nennen müsste – rein von der Energie und vom Spiel her, wäre es dann doch Dave Lombardo. Wer mich allerdings noch fasziniert und der absolute Gott am Schlagzeug ist, wäre Neil Peart von Rush.
Christian B. (RM): Divinity of Lies spielt, finde ich, vom Sound und vom Songwriting schon in derselben Liga wie die letzten Releases von z. B. Dark Tranquillity oder Arch Enemy. Habt ihr das Bestreben, mal von der Musik leben zu können? Wie groß möchtet ihr werden, wenn es die Möglichkeit gäbe?
Eddie (MIB): Vielen Dank für das Kompliment. Das geht runter wie Öl. Ich glaube fast, dass wir gar nicht unbedingt in die Verlegenheit kommen werden, davon leben zu können. Deswegen ist die Frage für mich so ein bisschen ins Blaue gestellt. Also es ist nicht wirklich etwas, womit ich mich beschäftige, wenn ich ehrlich bin. Viel wichtiger ist, dass man sich da kreativ ausleben kann. Das ist das, worauf ich eigentlich mehr Wert lege. Und klar haben wir schon ein Bestreben und möchten natürlich größer werden – alles in einem gewissen Rahmen. Aber die Weltherrschaft werden wir jetzt nicht an uns reißen.
Andy (MIB): Ich denke, natürlich hat man den Anspruch, größer zu werden. Klar versucht man mit jedem Release, mit jeder Show die Band als solche voranzubringen. Die letzten Jahre haben auch gezeigt, dass dies mit entsprechendem Einsatz und Aufwand auch ein Stück weit funktioniert. Aber wir sind halt in der Realität verhaftet. In einem anderen Interview haben wir erst kürzlich gesagt, dass wir quasi alles selber machen. Natürlich haben wir eine Agentur im Rücken, die uns bei den Live-Buchungen unterstützt. Aber ansonsten kommt man in unserer Größenordnung auf gewisse Festivals einfach nicht mehr drauf. Und wir haben ein Label im Rücken, das sich um die Vermarktung der Alben kümmert, aber ansonsten macht die Band halt alles selbst. Das ist ja nicht nur Songwriting, sondern alles, was drumherum dazugehört. Das wäre dann im weitesten Sinne Management, die ganzen rechtlichen Dinge rund ums Geschäftliche – und wenn es nur so „profane Dinge“ sind wie das Mieten eines Sprinters für die nächste Show und die Frage, ob wir uns den überhaupt leisten können.
Irgendwann werden wir an einen Punkt kommen, an dem du das nicht mehr nebenher machen kannst. Und dann steht man vor der Entscheidung, ob man alles auf eine Karte setzt. Jetzt hat aber jeder von uns seine privaten Verpflichtungen und spätestens da hat der Rock-’n’-Roll-Fame dann relativ schnell ein Ende, denn irgendwie muss der Kühlschrank gefüllt werden, die Miete oder die Hypothek bezahlt werden. Erst kürzlich gab es da ein relativ krasses Interview mit dem ehemaligen Grave-Digger Gitarristen Axel Ritt, der meinte, dass, wenn fünf Leute von so einer Band leben wollen, sie entweder das ganze Jahr auf Tour gehen müssen. Michael Stanne hat z. B. mit Halo Effect, Dark Tranquillity und Cemetery Skyline drei Bands, mit denen er das ganze Jahr durch die Gegend fährt, und alle anderen müssen halt entweder als Schlagzeuglehrer oder anderweitig arbeiten.
Also den Traum habe ich mit 16 gehabt, aber ich habe ihn – auch ein Stück weit der Realität geschuldet – auf die Seite gelegt. Was aber nicht heißt, dass man nicht trotzdem alles versucht, um die Band noch mal einen Tacken größer zu machen. Aber wenn es passiert – hey, ich bin der Letzte, der sich beklagt.
Christian B. (RM): Langsam kommen wir zum Ende meiner Fragenliste. Zwei Punkte habe ich allerdings noch, die jeder Musiker von mir gestellt bekommt. Einer davon wäre: Welche Frage sollte man euch in zehn Jahren stellen?
Andy (MIB): Boah, warte mal, überlegen. Geil wäre es, wenn jemand fragt: „Habt ihr damals wirklich auf so kleinen Bühnen gespielt?“
Eddie (MIB): Das ist eine gute Antwort.
Andy (MIB): Dann wären wir nämlich ein bisschen größer geworden.
Christian B. (RM): Und zu guter Letzt noch das Schlusswort an die Fans?
Eddie (MIB): Das neue Album ist draußen. Wir sind natürlich wahnsinnig gespannt, wie die Songs dann letztendlich auch live ankommen. Stand jetzt werden wir davon insgesamt drei Songs spielen und wir sind wahnsinnig gespannt, wie die Reaktionen darauf sein werden. Was man bisher hört, vor allem über Social Media oder im Internet, ist schon durchweg positiv. Aber ja, ich bin echt gespannt, kommet und lauschet.
Christian B. (RM): Ich muss da eh noch bei euren Tourdaten schauen, ob ihr in meiner Nähe spielt, denn da würde ich dann schon mal vorbeischauen.
Andy (MIB): Wir schauen schon, dass wir auch ins Bayerische kommen. Aber jetzt gehen bei uns erst mal die ganzen Festivalgeschichten los. Im Herbst kommen mit Sicherheit noch ein paar Sachen dazu. Und ansonsten an alle, die das jetzt lesen: Danke für den Support und das in der heutigen Zeit. Alle nutzen Streaming und wir können uns glücklich schätzen, dass wir trotzdem noch sehr viele Fans haben, die bei unseren Shows und auch über den Shop physische Tonträger kaufen, auch wenn das heute nicht mehr in ist. Und das hilft uns natürlich, das alles so machen zu können, wie wir es momentan machen. Also danke dafür auf jeden Fall und ich freue mich auf die Shows, auf weitere coole Gespräche oder ein, zwei Bier mit euch!
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