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Vola – Witness – Das ganze Spektrum – Album Review

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Genre: Progressive Metal/Djent

Land: Dänemark

Erwartungen sind etwas sehr Schwieriges, vor allem, wenn es um Musik geht. Vola aus Dänemark sind seit ihrem letzten Album „Applause Of A Distant Crowd“ (Review dazu gibt es hier) eine meiner persönlichen Lieblingsbands, und als sie Anfang 2021 ihr neues Album „Witness“ ankündigten, war mein Kopf voller Erwartungen: Es muss mindestens so gut werden wie sein Vorgänger, ich will harte Headbanger und emotionale Balladen, Ohrwurmrefrains, …

Doch oft ist es so, dass Bands nicht schreiben, was ihre Fans von ihnen erwarten, sondern was sie selbst schreiben wollen (und das ist auch gut so!). Hat „Witness“ trotzdem meine Erwartungen erfüllt oder mich enttäuscht?

Die Rolle des Openers übernimmt Singleauskopplung Straight Lines. Mit galoppierenden Drums und einem proggigen Riff steigen Vola in das Album ein. Der Song kombiniert die Freude der Band für ausgefuchste Schlagzeug-Parts, Vocal-Layering und ausschweifende Synths. Somit hat der Hörer eine gute Zusammenfassung von dem, was ihm bei einem typischen Vola-Song erwartet. Das absolut geniale Keyboard-Solo, welches das Finale des Liedes einleitet, ist die Spitze des Eisbergs. Aber hört doch selbst:

Es geht heavy weiter mit Head Mounted Sideways. Das Bassspiel von Nicolai Mogensen glänzt hier besonders und die djentige Seite der Band dominiert in diesem Song. Trotzdem darf ein keyboard-lastiger Refrain nicht fehlen. Das Ende des Tracks ist definitiv eines der härtesten auf der ganzen Scheibe.

24 Light-Years ist meiner Meinung nach trotz der Qualität seiner Vorgänger noch etwas besser. Vieles im Song erinnert an die softere Seite vom Vorgängeralbum „Applause Of A Distant Crowd“: die spaßige Atmosphäre, der ruhige Chorus und die zurückgeschraubten Gitarren. Trotzdem nimmt das Lied durch die fast hypnotisierenden Drums von Adam Janzi gut Fahrt auf und endet in einem sehr melancholisch emotionalen Finale. Ein frühes Highlight von „Witness“, das es auch schon vorab als Single zu hören gibt.

Weiter geht es mit … Rap?! These Black Claws hat tatsächlich in den Strophen starke Einflüsse aus modernen Rap-Songs und sogar einen Feature-Gast in Form des Hip/Hop-Duos Shahmen. Doch Vola haben dem Metal keineswegs abgeschworen: ein harter Breakdown und Refrain verleihen dem Song den nötigen „Biss“.

Freak hingegen schraubt den „Biss“ wieder zurück und entwickelt sich zu einer psychedelischen Ballade mit Akustikgitarre und ruhigem Gesang von Sänger Asger Mygind. Mir kam beim ersten Hördurchgang sofort Ruby Pool vom Vorgängeralbum in den Sinn. Vola haben eine einzigartige Art, ruhigere Songs zu instrumentieren, weshalb auch Freak sicherlich Dauergast in meinen Playlists sein wird.

Der Ohrwurmfaktor erreicht bei Napalm seinen Höhepunkt. Ich sehe vor mir schon die Feuerzeuge, die sich bei der Live-Performance in den Händen des Publikums von links nach rechts und wieder zurück bewegen. Der Djent kehrt hier wieder zurück, aber die traumhafte Atmosphäre, hergestellt durch Vocal-Layers und Synthesizers, überspielt die Härte des Songs leicht – eine perfekte Mischung!

Future Bird ist wahrscheinlich einer der Songs, die mehrere Durchgänge brauchen, um wirklich zu zünden. Aber wenn man erst mal über die Phase des mehrmaligen Hörens hinweg ist, offenbart der Song seine Pluspunkte umso mehr: ein wunderbar anderes Tempo, das halbballadige Feeling und die vielleicht melancholischsten Textzeilen des gesamten Albums. Der Begriff „hidden gem“ könnte nicht passender sein.

Wer jedoch mehr auf die harte Seite von Vola steht, wird bei Stone Leader Falling Down auf seine Kosten kommen. Der zu 100 Prozent Djent-Track lädt mit seinem stark verzerrten Gitarrenriffs und einem Brecher-Breakdown freundlich zum Headbangen ein.

„Witness“ wird durch den erneut sehr atmosphärischen Track Inside Your Fur beendet. Vola gibt hier nochmals Raum für die großartigen Keyboard-Parts von Martin Werner und ergänzt das Ganze durch den vielleicht besten Chorus der Platte. Normalerweise hasse ich Fade-Outs, aber bei den Dänen ist das Ende zu Inside your Fur doch etwas Besonderes. Musikalische Elemente entwickeln sich dynamisch und kreieren so ein wunderbares Ende für ein wunderbares Album.

Mein größter Kritikpunkt am Album ist der Flow. Die einzelnen Songs harmonieren nicht so gut miteinander wie das noch auf „Applause Of A Distant Crowd“ der Fall war. Trotzdem ist das für meine Verhältnisse nur meckern auf hohem Niveau, denn „Witness“ ist nicht zu lang und nicht zu kurz, hat keine „Lückenfüller“-Tracks und stellt eine wichtige Weiterentwicklung in der Karriere von Vola dar.

Fazit: Nun denn, wurden meine Erwartungen erfüllt? Nein, nicht wirklich … sie wurden übertroffen! „Witness“ liefert Songs für jedes Spektrum der Vola’schen Farbpalette. Die Band behält ihre einzigartige Atmosphäre bei und schreibt auf dieser Basis neue Tracks für Herzschmerz- und Headbang-Fans. Definitiv ein Anwärter für das beste Album 2021!

Von mir gibt es dafür 9,5 von 10 Bängs!

„Witness“ erscheint am 21. Mai 2021 via Mascot Label Group und ist als CD, LP und digitaler Download erhältlich.

Die Band:

Asger Mygind (vocals/guitar)

Martin Werner (keys)

Nicolai Mogensen (bass)

Adam Janzi (drums)

Links:

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Elias

Schreiberling aus Leidenschaft, Metal-Enthusiast seit der Schulzeit. Verirrt sich gern in den Tiefen des Prog und bestaunt moderne Ansätze zu Rock und Metal.

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