Am 13. August 2026 wird es auf dem KUNST!RASEN in Bonn deutlich härter als sonst. Mit Savatage und Nevermore stehen zwei Bands auf dem Programm, die für anspruchsvollen und kraftvollen Metal stehen.
Nevermore: Neustart mit neuer Stimme
Die amerikanischen Nevermore eröffnen den Abend. Die ursprünglich aus Seattle stammende Band ging aus Sanctuary hervor, die Ende der 80er Jahre die Metalszene entscheidend mitprägten. Mit ihrem progressiven, thrashdurchzogenen Powermetal machen sie schnell deutlich, dass diese Phase der Band mehr als nur ein nostalgischer Blick zurück ist.
Besonders im Mittelpunkt steht Berzan Önen, der als neuer Sänger zu Nevermore gestoßen ist. Bereits 2024 dachten die beiden letzten Bandmitglieder Jeff Loomis, gleichsam Gründungsmitglied und Schlagzeuger Van Williams daran, der progressiven Metalband neuen Atem einzuhauchen, was letztlich aber erst im Februar 2026 mit einem neuen Plattenvertrag unter Dach und Fach gebracht wurde. Vielleicht mit Blick auf den neuen Sänger und den neuen Bassisten, die beide aus der Türkei stammen, fand der erste Auftritt am 1. April 2026 in Istanbul statt.
Berzan Önen tritt ein schweres Erbe an
Berzan‘s Aufgabe könnte kaum anspruchsvoller sein. Schließlich folgt er auf den 2017 verstorbenen Warrel Dane, dessen außergewöhnliche Stimme den Sound der Band über viele Jahre entscheidend geprägt hat und der Band einen legendenartigen Status einspielte.
Eigenständig statt Kopie
Der gebürtige Istanbuler Berzan versucht dabei nicht, seinen Vorgänger einfach nur zu kopieren. Auf
dem KUNST!RASEN präsentiert er die alten Songs mit einer eigenen stimmlichen Note und einer extrem starken und charismatischen Bühnenpräsenz. Seine kraftvolle, teilweise dramatische Art zu singen passt extrem gut zu den teils düsteren und komplexen Kompositionen von Nevermore. Gerade bei den härteren, groovigen Passagen bringt er mit seiner Voice ordentlich Druck auf die Bretter. Er kann aber auch sanft, meloddisch und sehr emotional. Diese neue Version von Nevermore, die die Wurzeln und den Charakter der Songs beibehält aber gleichsam den Stücken einen ganz neuen Touch verleiht, macht richtig Spass.
Savatage übernehmen
Als Savatage schließlich die Bühne betreten, verändert sich die Stimmung noch einmal deutlich. Viele Besucher haben offensichtlich lange darauf gewartet, die Band wieder live erleben zu können. Nach ein paar Gigs in 2025, damals auch in Oberhausen, starten sie dieses Jahr wieder richtig voll durch. Nach ihrem Auftritt auf dem Wacken, ebenfalls zusammen mit Nevermore, spielten Savatage am vergangenen Wochenende in Geiselwind. Zuvor waren sie bereits in den Niederlanden zu Gast. Mit Leipzig und dem heutigen Konzert in Bonn endet ihre kurze Deutschland-Stippvisite. Am 15. August 2026 folgt beim Rock Castle Festival in Tschechien der letzte Auftritt ihrer „Prelude to Madness Tour“ in Europa.
Bereits die ersten Songs werden lautstark aufgenommen, und die Verbindung zwischen Band und Publikum ist sofort vorhanden.
Zwischen Metal, Musical und großen Melodien
Musikalisch bieten Savatage einen abwechslungsreichen Querschnitt durch ihre Bandgeschichte. Stücke wie „Dead Winter Dead“, „Jesus Saves“, „Handful of Rain“, „Chance“ und „Power of the Night“ zeigen, wie vielseitig die Amerikaner sind.
Harte Riffs, Grooves aber eben auch klassisch angehauchte und Musical-nahe, komplex progressive, epische Melodien und starke Refrains sind sinnbildlich für den Sechser aus Florida. Gerade weil sie eben in ihren Konzeptalben immer die dramatischen, theatralischen Aspekte hervorhoben und sich so nahe am klassischen Musical bewegen, ging aus ihnen das bekannte Sideprojekt Tans-Siberian Orchestra hervor. Dabei spielen Zachary Stevens (Vocals), die beiden Altgitarrist Chris Caffery und Al Pitrelli, Basser Jeff Plate und Johnny Lee Middleton (Drums) die Tracks nicht einfach nur runter sondern zelebrieren sie mit Hingabe, unbändiger Energie und ganz viel Spielfreude.
„Believe“ sorgt für den emotionalen Höhepunkt
Ein besonders emotionaler Moment ist „Believe“. Durch die interaktive Einbindung mittels Videosequenzen von Mastermind Jon Oliva, der schwer an Multipler Sklerose erkrankt ist und sich kurz vor der Tour an drei Stellen die Wirbelsäule brach und so krankheitsbedingt an dieser Europa Tour nicht teilnehmen konnte, bekommt der Song zusätzliches Gewicht und erinnert daran, wie eng Vergangenheit und Gegenwart bei Savatage miteinander verbunden sind. Für viele langjährige Fans gehört dieser Teil des Konzerts zu den Höhepunkten des Abends. An Stelle des begnadeten Pianisten und weiteren Sängers werden Zach, Chris, Al & Co. von zwei Keyboardern begleitet.
Große Klassiker zum Finale
Mit dem Übersong „Gutter Ballet“ und dem gleichsam saustarken Titeltrack „Edge of Thorns“ nähert sich das Konzert seinem Höhepunkt. Beide Titel werden vom Publikum frenetisch aufgenommen. Zum Abschluss darf ein weiterer Titeltrack nicht fehlen, nämlich „Hall of the Mountain King“. Der Klassiker bildet den perfekten Schlusspunkt für einen Abend, der musikalisch und atmosphärisch viel zu bieten hat.
Ein Metal-Abend voller Energie und Emotionen
Insgesamt überzeugt das Konzert vor allem durch die Kombination aus zwei ganz starken Bands. Nevermore liefern einen intensiven Einstieg, während Savatage anschließend mit Erfahrung, musikalischer Qualität und einer gelungenen Songauswahl begeistern. Wer an diesem Abend auf dem KUNST!RASEN steht, erlebt keinen gewöhnlichen Open-Air-Auftritt, sondern einen kraftvollen Metal-Abend voller Energie, Emotionen und Nostalgie.
Fotos @Kommodore Johnsen
Redakteure: Karina und Kommodore Johnsen
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