D-A-D / Mono Inc. beim Tollwood Festival – ein Erfahrungsbericht

Schon die Anreise am 17.Juli war ein kleines Abenteuer. Die Bahn ist derzeit dabei, die Strecke zwischen unserem Heimatort und München wieder in Schuss zu bringen. Entsprechend durfte natürlich auch der Schienenersatzverkehr nicht fehlen und der sorgt bekanntlich immer wieder für die eine oder andere Überraschung. Zum Glück verlief aber alles reibungslos und wir kamen ohne größere Probleme in München an. Auch unser Hotel war schnell gefunden. Womit wir allerdings nicht gerechnet hatten, war der ungewöhnlich frühe Konzertbeginn bereits um 17:30 Uhr. Ebenso überraschend war die Tatsache, dass es zwischen unserem Hotel und dem Tollwood-Gelände keine direkte U-Bahn-Verbindung gab. So blieb uns nichts anderes übrig, als die rund vierzig Minuten zu Fuß zurückzulegen. Zum Glück spielte das Wetter mit, sodass wir den Spaziergang entspannt angehen konnten.

So schafften wir es leider nicht mehr pünktlich zu Sotiria, die an diesem Abend den Opener geben durfte. Etwa 15 Minuten vor dem Auftritt von D-A-D erreichten wir schließlich das Festivalzelt. Das gab uns immerhin noch genügend Zeit, einen Abstecher zum Merchandise-Stand zu machen. Dort mussten wir allerdings feststellen, dass die Dänen überhaupt nichts dabei hatten. Schade, schließlich unterstützen wir eine Band gerne, indem wir ihr auch etwas am Merchstand abkaufen. Dafür ließ Mono Inc. keine Wünsche offen. Die Auswahl war groß und auch preislich gab es nichts zu beanstanden. 35 Euro für ein Tourshirt sind heutzutage durchaus fair, vor allem, wenn Qualität und Druck stimmen. Ein kleines Kuriosum am Rande: 2017 machten In Extremo mit ihrer Burgentour Station auf dem Tollwood. Entsprechend prangte das Tollwood auch auf dem Tourshirt, nur sucht man auf dem Münchner Olympiagelände vergeblich nach einer Burg. Und auch Mono Inc. sind derzeit mit ihrer „Open Air Tour“ unterwegs. Die Tore des Festivalzeltes standen zwar sperrangelweit offen, aber ein Konzert in einem riesigen Zelt fühlt sich eben trotzdem nicht wirklich nach Open Air an. Sei’s drum. Nachdem wir uns am Merchstand ausgiebig eingedeckt hatten, blieb sogar noch Zeit, uns etwas flüssiges Gold zu besorgen. An die Getränkepreise auf Konzerten hat man sich inzwischen ja fast schon gewöhnt. Da schreckt auch kaum noch jemand vor 6,50 Euro für den halben Liter zurück erst recht nicht, wenn dafür ein wirklich gutes Bier wie das Oberdorfer ausgeschenkt wird.

Als D-A-D schließlich die Bühne betraten, war das Festivalzelt gut gefüllt. Die Anwesenden bekamen eine echte Lehrstunde in Sachen Rock ’n’ Roll geboten. Die Dänen feuerten nicht nur einen Hit nach dem anderen ab, sondern spielten diese auch mit einer spürbaren Leidenschaft, die sofort auf das Publikum übersprang. Eine Augenweide war, wie eigentlich immer, Bassist Stig Pedersen. Gekleidet in knackigen Hot Pants und Lackstiefeln bis über die Knie bewies er einmal mehr, dass er seinen ganz eigenen Stil hat. Es gibt sicherlich genug Menschen, die dieses Outfit besser im Schrank lassen sollten. (Bodyshaming? – die Red.) Aber zurück zur Musik: Den Auftakt machte Evil Twin, gefolgt von 1st, 2nd & 3rd. Überhaupt hatte die Band eine gelungene Mischung aus älteren Klassikern und neuerem Material im Gepäck, die hervorragend miteinander harmonierte. Bei Grow or Pay hätte es sich geradezu angeboten, dass Martin Engler für seinen Gesangspart auf die Bühne kommt. Leider blieb diese naheliegende Gelegenheit ungenutzt. Dass Stig Pedersen nicht nur den Bass beherrscht, sondern auch am Mikrofon überzeugen kann, stellte er anschließend bei Riding with Sue eindrucksvoll unter Beweis. Natürlich durfte auch der obligatorische Ausflug ins Publikum nicht fehlen. Dieser wurde während Something Good ausgiebig zelebriert und sorgte einmal mehr für beste Stimmung. Was allerdings schmerzlich fehlte, war I Won’t Cut My Hair. Vermutlich fiel der Song der leider viel zu kurzen Spielzeit zum Opfer. Schade, denn die Band hätte an diesem Abend problemlos noch einige Songs mehr spielen können. Den krönenden Abschluss bildete schließlich Sleeping My Day Away, ein Song, der bei einem D-A-D-Konzert einfach nicht fehlen darf!

Bei Mono Inc. wurde die Musik anschließend zwar etwas ruhiger und weniger energiegeladen als zuvor bei D-A-D, dafür aber umso atmosphärischer. Mit Together Till The End eröffnete die Band das Set mit einem Titel, der passender kaum hätte gewählt sein können, schließlich fühlt man sich als Fan einer Band oft genau so verbunden. Was die Optik anging, hatten wir allerdings mit etwas mehr Pomp und aufwendig gestylten Outfits gerechnet. Schließlich werden Mono Inc. häufig der Goth-Szene zugeordnet. Umso überraschender war es, dass im Publikum überwiegend ganz normale T-Shirt- und Jeans-Träger anzutreffen waren. Auf der Bühne selbst gab es dafür optisch überhaupt nichts zu beanstanden. Martin Engler absolvierte gefühlt fast so viele Outfitwechsel wie die zeitgleich in der Allianz Arena spielende Helene Fischer. Auch die Songauswahl ließ keine Wünsche offen. Neben den offensichtlichen Klassikern wie Arabia und Voices of Doom holte die Band immer wieder Perlen aus der zweiten Reihe hervor, wie etwa Still vom Album Terlingua. Besonders gefühlvoll wurde es, als ein Klavier auf die Bühne gebracht wurde. Gemeinsam mit Carl und Ilja, die im Hintergrund am Cello begleiteten, präsentierte Martin Engler zwei ruhigere Stücke. Eines davon war das sehr bewegende An klaren Tagen, das im Duett mit Katha Mia vorgetragen wurde. Bei der Ansage zum folgenden Dein Anker wurde der Sänger schließlich selbst sichtlich emotional. Ihm versagte kurzzeitig die Stimme, und er musste sich die eine oder andere Träne verdrücken. Mit dem Hit-Trio In My Darkness, Lieb mich und Children of the Dark verabschiedeten Mono Inc. ihr Publikum schließlich glücklich und zufrieden in die Nacht. Die Band bewies an diesem Abend einmal mehr, warum sie seit Jahren zu den beliebtesten Bands der Dark-Rock-Szene gehören.

Ein weiterer Vorteil des frühen Konzertbeginns war, dass der Abend bereits zu einer angenehmen Uhrzeit endete. So blieb noch genügend Zeit, sich auf dem Tollwood-Gelände kulinarisch umzusehen. Die Auswahl ist dort schließlich riesig: Internationale Spezialitäten aus aller Welt laden ebenso zum Probieren ein wie die zahlreichen Stände mit Kunsthandwerk und außergewöhnlichen Produkten.

Unsere Wahl fiel schließlich auf Tortillas und Chips von La Huerta, dazu gab es mit Chicha Morada, einem traditionellen Getränk aus schwarzem Mais, eine erfrischende Spezialität von Come Peru. Ein gelungener Abschluss eines rundum gelungenen Konzertabends – manchmal kann das Leben tatsächlich so einfach und schön sein.

By Christian B

Ich höre alles von traditionellem Heavy Metal, Black, Death, T(h)rash, Folk. Power über Punkrock und was es sonst noch so alles gibt, gut muss es halt sein. Wobei es mir allerdings die Zehennägel aufstellt, ist langweiliger Prog wie in Dream Theater, Queensrÿche, Opeth und Co. zelebrieren. Da schlafe ich schlichtweg ein.

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