Summer (Hitze) Breeze, die Zweite – ein Erlebnissbericht

Bevor ich hier weitermache, wo ich bei Teil Eins aufgehört habe, muss ich dem Summer Breeze erst einmal gratulieren. Dieses ist beim Schreiben dieser Zeilen bereits ausverkauft und das in Rekordzeit. Respekt!

Freitag, den 14. August

Der Tag begann so hitzig wie die Tage zuvor, deshalb hieß es auch heute Morgen wieder: genug Flüssigkeit tanken, man will ja nicht dehydrieren. Allerdings musste ich aufpassen, dass ich mittags noch einigermaßen vorzeigbar war. Um 11:00 Uhr lud das Team des Summer Breeze nämlich zur Pressekonferenz ins neue Media Village ein. Thema war auch hier die Trockenheit. Um den Staub zumindest auf den Hauptwegen etwas zu binden, wurden diese ab Freitag regelmäßig bewässert. Die Kapazität des Geländes und die damit verbundene Besucherzahl sowie die steigenden Ticketpreise, all das soll, wenn möglich, stabil bleiben. Gleiches gilt für die Getränkepreise. Auch die Unabhängigkeit des Summer Breeze gegenüber irgendwelchen externen Investoren war ein Thema, und auch das soll in Zukunft so bleiben. Dazu bedankte sich ein Kollege eines anderen großen, bedeutenden Webzines gleich mit einem kleinen Seitenhieb auf ein anderes großes Festival, dessen Namen wir hier nicht erwähnen wollen. Schließlich dürfen wir beim Summer Breeze deshalb noch vernünftiges Bier trinken und keine U.S.-Plörre!

Was sich allerdings ändern wird, ist das Logo des Summer Breeze. Die Sonne bekommt Anfang kommenden Jahres ein Upgrade und soll moderner werden. Dazu hieß es zunächst in die Runde, wer sich diese denn habe tätowieren lassen. Diese Frage konnte ich bejahen, hatte ich mir die Sonne doch erst letztes Jahr stechen lassen. Danach wurde von den Verantwortlichen grinsend angemerkt, dass man hoffentlich noch Platz für die neue Version hätte. Danke dafür! Im Großen und Ganzen war es eine lockere, informative und kurzweilige Stunde.

Weil ich um die Zeit eh schon auf dem Infield war, hab ich beim Vorbeigehen die Show von Nanowar of Steel um 12:00 Uhr gleich noch mitgenommen. Denn wie heißt es so schön: Ein bisschen Spaß muss sein und den liefern die Italiener im Dutzend! Bunte Bühnendeko, ein Sänger im rosa Tütü und mit lila Perücke, Ikea-Tischchen, die bei Norwegian Reggaeton zusammengesetzt werden, eine Ode an die Fußpflege (Feet & Greet) und ein Typ im Eulenkostüm, der crowdsurfen gehen muss, um den längsten Flug einer Schneeeule auf dem Breeze einzuleiten um nur ein paar Dinge zu erwähnen, die da so passiert sind. Aber nicht nur die Gimmicks machten Laune, auch die Songs der Band sorgten für ordentlich Stimmung. Party on!

Um 12:55 Uhr hatten wir dann die Wahl zwischen Brainstorm auf der T-Stage oder Das Lumpenpack auf der Main. Wir entschieden uns für Party und humorvolle, intelligente Songs mit Biss im Indie-Stil, also für die Main, denn Das Lumpenpack hatten wir live noch nicht gesehen. Und wir waren wohl nicht die Einzigen mit dieser Idee. Schon der erste Song Schluss mit Reden wurde von einer erstaunlich großen Menge abgefeiert, und spätestens bei Kann es sein, dass du dumm bist? war auch der letzte Zweifler überzeugt. Musikalisch vielleicht nicht unbedingt das, was man klassischerweise mit dem Summer Breeze verbindet, aber gute Laune, eingängige Songs und jede Menge Humor passen offenbar genauso gut nach Dinkelsbühl. Die Stimmung wurde dann allerdings „etwas“ gekillt und zwar beim Aufruf zu einem FLINTA-Moshpit. Die Idee dahinter ist ja durchaus sinnvoll: einen Raum zu schaffen, in dem sich Menschen wohler und sicherer fühlen können, die sich bisher vielleicht nicht unbedingt in einen normalen Pit getraut haben. Kann man machen. Weniger prickelnd fanden wir allerdings die Art und Weise, wie Sänger Jonas Frömming die Botschaft unters Volk brachte. Inhaltlich kann ich einiges davon durchaus unterschreiben, aber der Ton war mir persönlich doch eine Spur zu aggressiv. Muss man seine Zuschauer gleich so anfahren und dabei ins Mikro spucken, um seine Meinung kundzutun? Um uns herum waren daraufhin jedenfalls nicht nur die beschimpfte CIS-Männer-Fraktion irritiert, sondern auch etliche Frauen (unter anderem meine Bekleitung), die mit dem Begriff FLINTA überhaupt nichts anfangen konnten. Wir sind deshalb mittendrin erst einmal gemütlich ein Bier trinken gegangen und haben das Ganze sacken lassen. Die Ansage schlug offenbar größere Wellen, wie man später auch in den sozialen Medien beobachten konnte. Und anscheinend hatten wir mit unserer Entscheidung, erst einmal Abstand zu gewinnen, gar nicht so falsch gelegen. In einem späteren Statement der Band hieß es jedenfalls ziemlich klar und deutlich, dass sie Menschen wie uns nicht auf ihren Konzerten haben wollen. Auch gut!

Auf der Campsite schauten wir dann um 15:30 Uhr bei Sun Eater vorbei. Die Frankfurter lieferten schnörkellosen Deathcore, der ordentlich in die Ohren ging und dabei genau das tat, was er sollte: Druck machen und Spaß verbreiten. Vor der Bühne bildete sich schnell ein ordentlicher Circle Pit, die Stimmung war bestens und auch die Band selbst zeigte sich bestens aufgelegt. Keine großen Schnörkel, keine unnötigen Showeinlagen, einfach Deathcore, der funktioniert und bei dem man eine gute Dreiviertelstunde ordentlich abfeiern konnte.

Bei Brymir (16:35 auf der Wera Tool)ging es ohne großes Vorgeplänkel direkt mit ordentlich Tempo zur Sache. Die Finnen kombinierten melodischen Death Metal mit Power-Metal-Elementen und düsteren Black-Metal-Nuancen und sorgten damit für ordentlich Druck vor der Bühne. Monumentale Keyboardflächen und heroische Chöre trafen auf messerscharfe Gitarrenriffs und aggressive Growls, während Frontmann Viktor Gullichsen und Bassist Jarkko Niemi immer wieder den Kontakt zum Publikum suchten. Die Band zeigte dabei jede Menge Spielfreude und animierte die Menge zum Mitmachen. Ein druckvoller, abwechslungsreicher Auftritt, der definitiv Lust auf mehr machte.

Wir blieben vor der Wera Tool, um den dort herrschenden Schatten zu genießen und uns um 18:00 Uhr die Show von ERDLING anzusehen. Diese lieferten zwischen Blizzard und Mein Element eine durchaus hörenswerte Show ab. Musikalisch passend zu den Naturgewalten ihrer Songs ging es druckvoll und düster zur Sache. Und auch wenn die strahlende Sonne der Band dabei nicht gerade in die Karten spielte, schafften es ERDLING erstaunlich gut, eine düstere Atmosphäre zu erzeugen.

Was nun folgte, war eine längere Pause, nicht nur der Hitze und dem inzwischen angesammelten Staub in der Lunge geschuldet, sondern auch der Gemütlichkeit bei uns im Camp. Kühle Getränke, ein verdammt gemütlicher Campingstuhl, angenehme Gesellschaft und eine leckere Shisha hielten uns regelrecht auf dem Campingplatz gefangen. Dazwischen gab es einen kurzen Ausflug zur Main, um festzustellen, dass mir Lamb of God immer noch nichts abgeben. Also wieder ab ins Camp und weiter chillen. Man muss schließlich auch mal Prioritäten setzen

Um 22:25 Uhr hieß es an diesem Tag dann doch noch einmal, sich auf den Weg ins Infield zu machen. Der Auftritt von DER WEG EINER FREIHEIT war für uns schließlich eine Art Pflichttermin. Der atmosphärische Post-Black-Metal der Würzburger schien uns um diese Uhrzeit genau das Richtige zu sein. Mit Marter und Xibalba präsentierten die Würzburger zunächst Material ihres aktuellen Albums Innern und bauten dabei langsam, aber unaufhaltsam ihre intensive Atmosphäre auf. Besonders Immortal mit seinen ungewohnten Elektro-Elementen sorgte für einen spannenden Kontrast und lockerte die ansonsten düstere Stimmung etwas auf. Allerdings haben wir uns deren Show nicht ganz angesehen, denn der Auftritt von DER WEG EINER FREIHEIT dauerte bis 23:25 und….

… der Auftritt von Versengold sollte pünktlich um 23:25 Uhr beginnen, und von der T-Stage bis zur Main Stage sind es dann doch ein paar Meter. Zusammen mit den Menschenmassen, die um diese Zeit noch unterwegs waren, sollte es also etwas dauern, bis wir uns zu unserem gewohnten Stammplatz mit besten Sound- und Sichtverhältnissen durchgekämpft hatten.

Versengold sorgten einmal mehr für ordentlich Stimmung auf der Main. Mit ihrem partytauglichen Folk Rock brachten die Bremer die Menge zum Schunkeln, Hüpfen und Mitsingen. Dieses Mal dominierte ein beeindruckender Fischkutter die Bühne, beim Bühnenaufbau wird hier eben geklotzt statt gekleckert. Mit Falscher Leuchtturm und Klopapier bewiesen Versengold wieder einmal, wie sich Humor und klare Haltung clever verpacken lassen. Sänger Malte Hoyer brachte seine Botschaften dabei mit gewohnt frechen Ansagen auf den Punkt. So auch, als unser Gesang offenbar nicht ganz die gewünschte Qualität erreichte. Sein Kommentar dazu war ebenso treffend wie sympathisch: „Ich hab gesagt, das soll laut sein, nicht schön!“ Bei Hau mir kein Stein wurde es dann emotional. Zwischen all dem Staub und ausgelassenen Feiern entstand ein ganz besonderer Moment, bei dem so manche Träne floss, während die Menge den Song gemeinsam feierte. Ein wunderschöner Kontrast zur ansonsten ausgelassenen und partytauglichen Show.Für ordentlich Bewegung sorgte dann zum Ende des Show noch der Ausflug von Hoyer und Eike Otten mitten in die Menge. Ein ebenso schweißtreibender wie unterhaltsamer Auftritt, der einmal mehr gezeigt hat, wie Folk Rock auf einem Festival funktionieren kann.

Den Abend ließen wir dann auf einer der zahlreichen neuen Bänke, die aus Paletten gezimmert wurden, gemütlich ausklingen. Bei dem einen oder anderen Getränk ließen wir den ereignisreichen Tag noch einmal Revue passieren, bevor es schließlich in die Heia ging.

Samstag, den 15. August

Der letzte Tag des Festivals war angebrochen und versprach zunächst, genauso heiß und trocken zu werden wie die Tage zuvor. Eines kann ich Euch allerdings schon verraten: Das Wetter meinte es auch an diesem Tag nicht besonders gnädig mit uns. Aber für solche Fälle hat sich das Breeze etwas Besonderes einfallen lassen: den Burgstall. Ein lauschiges Plätzchen mit Schatten, Bierbänken und jeder Menge Foodständen, das gerade bei diesen Temperaturen durchaus zum Verweilen einlädt. Aber seien wir mal ehrlich: Knapp 9 Euro für ein paar Weißwürste sind schon ziemlich happig, auch wenn ich das zähneknirschend noch durchgehen lassen würde. Aber weit und breit kein Weißbier an den Ständen? Das geht ja mal gar nicht! Also haben wir dort zur Frühstückszeit keinen Cent gelassen. Selber schuld, wer Weißwürste verkauft, sollte schließlich auch wissen, was dazugehört! Wobei ich jetzt aber noch zugeben muss, dass ich keine Ahnung habe, wie es mit der Weißwurstkultur generell in Franken aussieht?

Musikalisch sollte der Samstag gleich mit etwas Besonderem beginnen. End Of Green und Reaper Entertainment hatten zu einer Listening Session geladen, bei der wir dem Anfang Dezember erscheinenden neuen Album Ashes & Gold lauschen durften. Dieser Einladung sind wir natürlich gerne gefolgt und wie sich herausstellte, war das definitiv kein Fehler. Denn was wir dort zu hören bekamen, verspricht ein echtes Highlight im Backkatalog der Düsterrocker zu werden. Die ebenfalls anwesende Band war jedenfalls nicht ohne Grund bestens aufgelegt und sichtlich zufrieden mit dem, was da auf uns zukommt. Die Platte ist schon vorbestellt.

Man, man, man – was hat der Bassist von Kadaver wohl Fieses gefrühstückt? Der Sound der Berliner Rocker ist zwar heavy, die groovenden Riffs aber eher entspannt und laden durchaus dazu ein, es sich auf der Wiese in der Nähe der Main gemütlich zu machen. Simon Bouteloup dagegen schaut dabei aggressiver drein als so mancher Black- oder Death-Metaler zusammen. Mit seinem pumpenden Bass treibt er den Rest der Band zu Höchstleistungen und sorgt dafür, dass die 45 Minuten Spielzeit zu einem musikalischen Hochgenuss werden. Die Songauswahl tut ihr Übriges: Stücke wie Black Sun oder Last Living Dinosaur gehen ordentlich ins Ohr und machen den Auftritt zu einer rundum gelungenen Mischung aus Groove, Härte und entspannter Festivalatmosphäre.

Dazwischen war ich noch ein bisschen Bandshirt shoppen beim EMP. Das spezielle Festivalshirt von Alestorm hatte es mir angetan, allerdings ging meine Frau mal wieder leer aus. Da möchte ich doch mal eine Frage in den Raum stellen, an die Bands, Musiker, Veranstalter und Merchandiser, die das hier vielleicht lesen: Ist die Frauenquote tatsächlich so schlecht, dass es sich nicht lohnt, auch für die Mädels unter uns entsprechende Shirts zu produzieren? Selbst bei Bands mit Frauenanteil findet sich am Merchstand nicht selten kein einziges Girlie. Schade eigentlich, denn Nachfrage scheint durchaus vorhanden zu sein.

Apropos „Mörchendise“  ein Gag, der in Bayern nicht so ganz funktioniert, da sog i nua „Gelbe Ruam“. Um 16:35 Uhr ging es nämlich Richtung Wera Tool, denn Haggefugg hatten gerufen und wir folgten. Die Kölner sind mit ihrem Mittelalter-Rock für uns längst ein Pflichttermin und auch dieses Mal wissen Haggefugg wieder mitzureißen. Von der ersten Minute an herrscht gute Stimmung vor der Bühne und die Band zeigt einmal mehr, dass sie live einfach funktioniert. Auch auf dem Breeze 2026 enttäuschen die Kölner nicht und liefern genau das ab, was wir von ihnen erwartet haben. Leider ist der Gig viel zu schnell vorbei die Spielzeit hätte für unseren Geschmack gerne deutlich länger sein dürfen. Bleibt also nur die Hoffnung, dass wir uns beim nächsten Zusammentreffen über ein ausgiebigeres Set freuen dürfen. Übrigens waren offensichtlich auch einige Fans der Band vor Ort, die Haggefugg bereits live gesehen hatten, denn tatsächlich wurde so manche dieser Möhren geschwungen.

Direkt im Anschluss ging es für uns weiter zur T-Stage, denn Thundermother wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Und Linnéa Vikström machte mit den Worten „Heavy Metal is not dead!“ gleich zu Beginn unmissverständlich klar, was uns vor der Bühne erwartet. Die Mädels zeigen ihre musikalischen Wurzeln nicht nur in den Songs, sondern auch in ihrer Performance. Da kommen einem schon mal Erinnerungen an AC/DC und Co., und so wippen Kopf und Gitarre gerne mal in bester Synchronität. Bei Whatever wurden dann die Schneekanonen links und rechts der Bühne angeworfen und bescherten uns bei der Hitze eine willkommene Abkühlung. Auch ein Bad im Bühnengraben und ein Rock-Medley inklusive einer kleinen Iron Maiden Hommage durften natürlich nicht fehlen. So war ordentlich Bewegung vor der Bühne angesagt. Ein energiegeladener Auftritt, der einmal mehr gezeigt hat: Heavy Metal ist definitiv nicht tot!

Um 19:10 Uhr wurde es grün, verdammt neongrün auf der Main! Band, Instrumente und sogar ein Kilt erstrahlten in Einheitsfarbe. Wenigstens sorgten die überdimensionierten Quietscheentchen auf der Bühne für einen gelben Kontrast. Wer das so sieht, könnte glatt meinen, Alestorm wären keine ernstzunehmenden Musiker. Die folgenden 80 Minuten beweisen allerdings eindrucksvoll das Gegenteil, vorausgesetzt, man lässt sich auf den Wahnsinn ein. Die gewaltige Zuschauermenge vor der Bühne spricht jedenfalls schon beim Opener Keelhauled Bände. Kaum erklingen die ersten Töne, bildet sich der erste Circle Pit und auch die Crowdsurfer, die mal wieder mehr schlecht als recht zeigen, wie Körperspannung funktioniert, lassen nicht lange auf sich warten. Besonders mutig ist ein Fan, der sich zu den romantischen Klängen von Zombies Ate My Pirate Ship vor seiner Liebsten auf die Knie begibt und ihr einen Heiratsantrag macht. Dieser wird offensichtlich positiv beantwortet, was will man bei so viel Piratenromantik auch anderes erwarten? Der Wahnsinn hat bei den Piraten aus Schottland ohnehin Programm. Und was darf bei Piraten natürlich nicht fehlen? Richtig, ein Papagei! Mit Vögeln kennen sich die Mannen um Christopher Bowes ja bestens aus und so darf ein bunt gefiedertes Exemplar bei „Hangover“ sogar gesanglich aushelfen. Trotz der gigantischen Partystimmung, passend zu den ebenso gigantischen Gummienten, darf es zur Mitte des Sets auch einmal etwas besinnlicher werden. Bei Nancy The Tavern Wench wird das komplette Publikum zum Schunkeln und lautstarken Mitsingen gebracht. Lange hält diese Verschnaufpause allerdings nicht an. Mit Alestorm und Shipwrecked wird wieder Vollgas gegeben, die Circle Pits werden neu gestartet und die Crowdsurfer erneut auf die Reise geschickt. Zu Drink werden schließlich die bereits erwähnten Gummienten auf die feiernde Meute losgelassen und dürfen bis zum Ende der Show über die Köpfe der Fans tanzen. Und natürlich darf auch ein fester Bestandteil jeder Alestorm Show nicht fehlen: Zu Fucked With An Anchor fand mit emporgereckten Stinkefingern auf beiden Seiten und einem herzhaften Fuck You! dieser völlig durchgedrehte, aber verdammt unterhaltsame Auftritt schließlich sein Ende.

Die Erwartungen an das, was danach noch folgen sollte, waren groß, denn Helloween hatten zum Geburtstag geladen und feierten 40 Jahre Bandgeschichte. Dafür gab es satte zwei Stunden Spielzeit, statt „nur“ der 90 Minuten, die die Headliner an den Tagen zuvor bekommen hatten. Auch das gewählte Intro Let Me Entertain You von Robbie Williams erhöhte die Erwartungen und Vorfreude noch ein kleines bisschen mehr. Und was dann folgte, war eine musikalische Zeitreise durch vier Jahrzehnte Helloween. Auch die Rückkehrer Kiske und Hansen sind inzwischen schon wieder seit zehn Jahren mit dabei, die Zeit vergeht. Dementsprechend eingespielt präsentierte sich die Band und schien sich untereinander bestens zu verstehen. Nach dem chronologischen Streifzug durch die Bandgeschichte auf der Leinwand startete die Show passend mit March Of Time. Spätestens da dürfte bei vielen im Publikum die Zeitreise endgültig begonnen haben. Und gleich wurde klar: Hier wird auch optisch nicht gekleckert. Eine großartige Videoshow, eine opulente Lichtshow und Feuersäulen, hier wurde das große Besteck aufgefahren. Natürlich lag der Schwerpunkt auf den beiden Keeper Of The Seven Keys Alben und den unvermeidlichen Klassikern Future World, I Want Out, Halloween und Dr. Stein die frenetisch abgefeiert wurden. Aber auch die Songs neueren Datums wie Universe (Gravity for Hearts) und Into The Sun fügten sich nahtlos in die großen Klassiker ein. Wie gut sich Kiske und Deris verstehen, zeigte sich dann, als zwei Barhocker auf die Bühne gebracht wurden und die beiden plötzlich alleine dort saßen, während der Rest der Band erst einmal Pause hatte. Mit etwas Geplänkel darüber, dass sie nun eigentlich Slip Slidin’ Away von Paul Simon sowie Yesterday und Let It Be von den Beatles geschrieben haben, wurde die Akustikgitarre ausgepackt und die genannten Titel angespielt. Als dann In the Middle of a Heartbeat vom Summer Breeze Publikum mitgesungen wurde, flossen bestimmt bei so manchem die Tränen, vor Freude über diesen gelungenen Gig. Gänsehaut pur! Beim folgenden A Tale That Wasn’t Right stieg dann auch die Band nach und nach wieder mit ein. Und auch Helloween feuerten, wie schon zuvor Alestorm, aufblasbare Gimmicks ins Publikum, denn bei Dr. Stein wurden riesige aufblasbare Kürbisse über die Köpfe der Fans geschickt, bevor es mit Keeper Of The Seven Keys ins große Finale ging. Am Ende bleibt ein würdiger Headliner-Auftritt voller Spielfreude, Energie und Entertainment, bei dem die Kürbisköpfe eindrucksvoll gezeigt haben, wo der Hammer hängt und wie man seinen Geburtstag gebührend zu feiern weiß!

Besser hätte es kaum enden können, und so verließen wir das Infield 2026 mit einem breiten Grinsen im Gesicht ein letztes Mal.

Sonntag, den 16. August

Von Samstag auf Sonntag hatte es tatsächlich ein wenig geregnet, und auch am Morgen tröpfelte es immer wieder vor sich hin. Dementsprechend flott gingen der Zeltabbau, das Beseitigen der Spuren unseres Gelages und das Verstauen des gesamten Gerödels in unseren fahrbaren Untersätzen vonstatten. Der Abschied von unserem Imperatorium verlief wie immer emotional, mit den üblichen Beleidigungen, Abschiedsfloskeln und natürlich auch der einen oder anderen Umarmung. Ab dem Moment, in dem wir uns dann auf unsere Autos verteilt hatten und zur Abreise aufbrachen, verlief allerdings erst einmal gar nichts mehr. Oder besser gesagt: wenig, verdammt wenig. Rund 60 Minuten Stillstand waren angesagt! Bewegung in die Geschichte kam schließlich, als ein Ordner auf seinem Quad einen Teil der wartenden Fahrzeuge dazu brachte, ihm zu folgen. Wie sich später herausstellte, führte er diese allerdings erst einmal für längere Zeit kreuz und quer über das Campinggelände. Während wir schon längst Richtung Autobahn unterwegs waren, war ein Teil unserer Gruppe nämlich immer noch brav hinter dem Ordner her.

Nichtsdestotrotz sind wir alle wohlbehalten zu Hause angekommen. Und weil nach dem Breeze bekanntlich vor dem Breeze ist, sind unsere Tickets für die Jubiläumssause 2027 natürlich auch schon bestellt.

By Christian B

Ich höre alles von traditionellem Heavy Metal, Black, Death, T(h)rash, Folk. Power über Punkrock und was es sonst noch so alles gibt, gut muss es halt sein. Wobei es mir allerdings die Zehennägel aufstellt, ist langweiliger Prog wie in Dream Theater, Queensrÿche, Opeth und Co. zelebrieren. Da schlafe ich schlichtweg ein.

Related Post