TESTAMENT, POWERWOLF, BLACK LABEL SOCIETY und SAVATAGE komplettierten ein perfektes Festivalwochenende

eine Festivalreportage

Nach dem starken Auftakt am Donnerstag ging das sechste ROCK CASTLE OPEN AIR im Schlosspark von Moravský Krumlov am Freitag und Samstag endgültig in die Vollen. Das Festival, das vom 13. bis 15. August 2026 stattfand, setzte auch an den beiden letzten Tagen auf eine Mischung aus Thrash, Death-, Power- und Heavy Metal, Folk Rock und großen klassischen Namen. Das offizielle Programm führte am Freitag zehn Acts und am Samstag elf Bands auf die Bühne.

Dabei blieb das Festival nicht von Änderungen verschont. Schon im Vorfeld mussten die Brasilianer The Heathen Scÿthe sowie weitere Positionen im Billing angepasst werden.

Freitag

Der Freitag begann bereits am späten Vormittag mit Dark Gamballe, The Heathen Scÿthe und Rainover, bevor mit Secret Rule, Xandria und Heathen weitere unterschiedliche Spielarten des Metal folgten.

XANDRIA

Van Canto sorgten anschließend mit ihrer ungewöhnlichen Mischung aus A-cappella-Gesang und Metal für einen weiteren Kontrast im Tagesprogramm.

VAN CANTO

Nervosa machen keine halben Sachen

Mit Nervosa wurde es dann kompromisslos. Die brasilianische Band um Gitarristin und Gründungsmitglied Prika Amaral hat sich seit der Gründung 2010 zu einer festen Größe im internationalen Thrash-/Death-Metal-Bereich entwickelt. Bereits das Debüt Victim of Yourself brachte der Band internationale Aufmerksamkeit und führte sie schon früh auf europäische Festivals.

Was die drei Musikerinnen in Moravský Krumlov veranstalteten, war allerdings weit mehr als ein routinierter Festivalauftritt: Nervosa zerstörten regelrecht die Bühne mit ihrem druckvollen Death Metal. Brutale Gitarren, ein gnadenloses Schlagzeug und eine enorme Bühnenenergie sorgten dafür, dass spätestens jetzt auch die letzten müden Festivalbesucher wieder hellwach waren. Der Sound war aggressiv, direkt und körperlich spürbar – genau das, was man sich von einer Band dieses Kalibers auf einer Festivalbühne erwartet.

Testament – die Thrash-Lektion

Danach war die Zeit für eine der großen Institutionen des amerikanischen Thrash Metal gekommen. Testament gehören zur zweiten großen Welle des Bay-Area-Thrash und zählen neben Metallica, Megadeth, Slayer, Anthrax, Exodus, Overkill und Death Angel zum erweiterten Kreis der stilprägenden Bands. Gegründet wurde die Gruppe 1983 zunächst unter dem Namen Legacy; mit Chuck Billy am Mikrofon und der Umbenennung zu Testament begann die eigentliche Erfolgsgeschichte. 2025 erschien mit Para Bellum bereits das 14. Studioalbum.

Und Testament zeigten eindrucksvoll, warum ihr Name bis heute Gewicht hat. Testament waren top in Form. Chuck Billy präsentierte sich stimmlich souverän, während Eric Peterson und Alex Skolnick die Gitarrenarbeit mit jener Präzision ablieferten, die man von einer Thrash-Institution erwartet.

Powerwolf – die Metal-Messe

Um 22:30 Uhr war schließlich die Bühne für Powerwolf bereitet. Der Veranstalter hatte bereits im Vorfeld eine monumentale, feuerreiche Show angekündigt – und diese Ankündigung war keineswegs übertrieben.

Die deutsche Power-Metal-Band ist längst mehr als eine reine Konzertband. Orgelklänge, religiös-mittelalterliche Bildsprache, die Rolle von Attila Dorn als charismatischem Prediger und eine aufwendige Produktion gehören untrennbar zum Powerwolf-Erlebnis. Das aktuelle Live-Konzept WILDLIVE unterstreicht diese Verbindung aus Heavy Metal, Theater und Pyrotechnik nochmals.

Die Show von Powerwolf war fast schon majestätisch. Es wurde nichts an Pyrotechnik gespart: Feuer, Explosionen und die imposante Bühneninszenierung machten aus dem Auftritt tatsächlich eine Metal-Messe. Gleichzeitig präsentierte sich Attila Dorn bestens gelaunt, suchte immer wieder den Kontakt zum Publikum und führte die Menge souverän durch das Programm.

Interessant war dabei auch die Besetzung an der Gitarre. Matthew Greywolf konnte die Tour 2026 nicht absolvieren. Für ihn sprang ein Ersatz für diese Show ein. Für den Zuschauer war kaum ein Bruch in der musikalischen Wucht festzustellen – und genau das dürfte die beste Visitenkarte für einen Live-Ersatz sein.

Samstag – Lokalgrößen, Warkings, Musketiere und zwei Headliner

Der letzte Festivaltag begann mit Alia Tempora, Forrest Jump, Methedras und Moon Shot. Danach folgten Secret Rule und Serenity, bevor mit Citron eine echte tschechische Institution auf die Bühne kam.

Ein großes Dankeschön ein meinen Fotografenkollegen und Freund Pix666, der mir bei Alia Tempora, Forrest Jump, Methadras und Moonshot aushalf.

SERENITY

Bereist 2001 gegründet, ist die Tiroler Symphonic Metal Band aus dem Festival Line Up nicht mehr wegzudenken und liefern wie gewohnt eine tolle Show ab.

Charakteristisch sind große Melodien, orchestrale Arrangements und Texte, die sich immer wieder historischen Persönlichkeiten und Ereignissen widmen.

Citron – Heimspiel im Schloss Krumlov

Citron sind eine der großen tschechischen Hard-&-Heavy-Institutionen. Für das Rock Castle war der Auftritt gleichzeitig ein Jubiläum: Die Band feiert 2026 ihr 50-jähriges Bestehen, dazu wurden 40 Jahre Plni energie und zehn Jahre Rebelie rebelů gefeiert. Entsprechend war das Set auf die beiden Kultalben ausgerichtet und wurde durch Gäste und ehemalige Mitglieder ergänzt.

Dass Citron in Moravský Krumlov ein Heimspiel hatten, war vom ersten Ton an zu spüren. Die Lokalmatadore wurden vom tschechischen Publikum gefeiert. Mitsingen, erhobene Fäuste und eine Begeisterung, die man bei einer solchen Jubiläumsshow erwarten darf, machten den Auftritt zu einem emotionalen Höhepunkt des Nachmittags.

Warkings – die Krieger bitten zum Moshpit

Mit Warkings wurde es anschließend epischer. Die deutsch-österreichische Power-Metal-Band rund um Serenity-Sänger Georg Neuhauser erzählt ihre Geschichten aus der Perspektive verschiedener Kriegerfiguren.

Warkings boten eine Show der Extraklasse und luden zum Moshpit. Die Kombination aus eingängigen Power-Metal-Hymnen, martialischer Optik und einer kräftigen Portion Pyrotechnik funktionierte hervorragend. Gerade auf einem Festival wie dem Rock Castle ist diese Art von Show ein Volltreffer: unkompliziert, energiegeladen und mit genügend Druck, um den Platz vor der Bühne ordentlich in Bewegung zu versetzen.

dArtagnan – Folk Rock für die große Bühne

Danach wechselte das musikalische Bild erneut. dArtagnan aus Nürnberg verbinden Folk Rock mit historischen Themen und einer kräftigen Portion Mittelalter- und Musketierromantik. Die Band wurde 2015 gegründet; Frontmann Ben Metzner bringt neben Gesang unter anderem Dudelsack, Mandoline und verschiedene Flöten auf die Bühne.

dArtagnan überzeugten auf voller Linie. Eine tolle Show, viel Bewegung auf der Bühne und Songs, die auch einem Publikum funktionieren, das ansonsten vielleicht eher bei den härteren Acts zu Hause ist. Zwischen Folk-Instrumenten und Rockgitarren entwickelte sich eine ausgesprochen unterhaltsame Festivalshow.

Black Label Society – Zakk Wylde und die Erinnerung an Ozzy

Mit Black Label Society wurde es anschließend schwer, laut und bluesig. Im Mittelpunkt steht natürlich Zakk Wylde, dessen unverwechselbares Gitarrenspiel längst selbst ein Markenzeichen geworden ist. Wylde wurde durch seine Arbeit mit Ozzy Osbourne bekannt und war maßgeblich an Songs wie No More Tears, Mama, I’m Coming Home und Road to Nowhere beteiligt. Black Label Society gründete er Ende der 1990er-Jahre.

In Moravský Krumlov zeigte sich einmal mehr, warum Zakk Wylde zu den prägenden Gitarristen seiner Generation gehört. Fette Riffs, bluesige Soli und diese unverwechselbare Mischung aus Southern Rock, Heavy Metal und klassischem Hard Rock ließen den Schlosspark beben.

Besonders emotional wurde es bei „No More Tears“. Der Song, den Wylde gemeinsam mit Ozzy Osbourne mitgeschrieben hat, sorgte ebenso wie die Hommage an Ozzy für Gänsehaut.

Gerade in diesen Momenten wurde aus einem starken Festivalauftritt etwas Persönlicheres. Der Rock Castle-Auftritt erinnerte daran, wie eng Zakk Wyldes musikalische Geschichte mit Ozzy verbunden ist – und wie viel diese Musik mehreren Generationen von Metal-Fans bedeutet.

Savatage – der krönende Abschluss

Den letzten musikalischen Vorhang durften schließlich Savatage fallen lassen. Die Band aus Tampa, Florida, gehört zu den großen Kultnamen des progressiven und theatralischen Metal. Ihr musikalischer Kosmos reicht von Heavy und Power Metal bis zu Progressive Metal, Hard Rock und Rockoper. Alben wie Hall of the Mountain King und Streets: A Rock Opera gehören zu den Meilensteinen ihrer Geschichte.

Und so war Savatage tatsächlich ein krönender Abschluss für drei Tage Rock Castle. Die Mischung aus klassischem Heavy Metal, progressiven Passagen, großen Melodien und der unverwechselbaren Dramatik der Band passte hervorragend zum Finale dieses Festivals.

Ein kleiner Wermutstropfen blieb allerdings: Die Uhrzeit war doch ein wenig spät. Nach drei intensiven Festivaltagen und einem langen Samstag dürfte der eine oder andere Besucher bereits mit müden Beinen und schweren Augenlidern vor der Bühne gestanden haben. Für diejenigen, die bis zum Ende durchhielten, gab es dafür einen würdigen letzten Akt.

Drei Tage Rock Castle – und die Erkenntnis, warum man wiederkommt

Mit Savatage endete das ROCK CASTLE OPEN AIR 2026 nach drei Tagen, die einmal mehr zeigten, warum sich das Festival im internationalen Kalender etabliert hat. Das Billing reichte von Death und Thrash Metal über Power Metal bis hin zu Folk Rock und klassischem Heavy Metal. Namen wie Nervosa, Testament, Powerwolf, Citron, Warkings, dArtagnan, Black Label Society und Savatage sorgten dabei für sehr unterschiedliche musikalische Höhepunkte.

Was aber neben den großen Namen bleibt, ist die Atmosphäre. Der Schlosspark von Moravský Krumlov, das internationale Publikum und die entspannte Festivalstimmung machen Rock Castle zu einem Ort, an dem man nicht nur wegen der Headliner bleibt.

Der Freitag lieferte mit Nervosa, Testament und Powerwolf einen nahezu perfekten Metal-Dreiklang. Der Samstag setzte mit Citron, Warkings, dArtagnan, Black Label Society und Savatage noch einmal völlig andere Akzente.

Rock Castle 2026 war laut, heiß, staubig, international – und verdammt unterhaltsam. Genau so darf ein Open Air sein.

Und wer weiß: Nach drei Tagen Metal im Schlosspark dürfte für viele bereits feststehen, dass die Reise nach Moravský Krumlov auch 2027 wieder auf dem Festivalplan stehen wird. Die ersten Bands wurden bereits angekündigt – Hammerfall, Korpiklaani, Orden Ogan, Bloodbound uvm.

Lest den ersten Teil der großen Festivalreportage hier.

By Olli C

Passionierter Motorradfahrer sowie "Möchtegern"- Schlagzeuger und Fotograf aus Österreich. Bevorzugt Powermetal, traditionellen Heavy Metal, NWOBHM, Thrash, Melodic Death,Sleeze, Gothic, Symphonic Metal, Glam aber auch Hard Rock. Ist mit seiner Kamera in Wien, Niederösterreich, der Steiermark dem Burgenland, Slowenien, Ungarn und in Tschechien unterwegs für Konzert und Festivalreportagen. Macht jedoch auch Albumreviews und wirft ein Auge auf Undergroundbands. Moderierte früher Metalshows auf diversen Internetplattformen.

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