SAVATAGE – Von heißen Gigs in Pompeji, Wacken und Tilbourg – Interview mit Bassist Johnny Lee Middleton

Tilburg / NL 01.08.2026 / 14:00

Nach dem phenomenalen Auftritt von Savatage im Juni 2025 in der Turbinenhalle in Oberhausen war mit der Ankündigung der „Prelude to Madness-Summertour 2026“ schnell klar, dass ich auch in diesem Jahr wieder live bei der Tour dabei sein musste. Mit dem Auftritt in Tilburg bot es sich geradezu an, eine Woche Jahresurlaub eingerahmt in zwei Savatage-Konzerte im Land von Grachten, Tulpen und Käse zu verbringen.

Als sich dann noch kurzfristig die Möglichkeit zum Interview mit Bassisten Johnny Lee Middleton ergab, war der perfekte Start in die Savatage-Woche, ausgerechnet in „Ayreon-City“ gebongt.

Mittags um 14 Uhr trafen wir uns mit Johnny im Backstagebereich des Poppodium 013, um etwas über die zurückliegenden Auftritte in Wacken und Pompeji, die geplante Veröffentlichung der DVD des Pompeji-Auftritts mit dem Orchester und diverse andere Dinge zu plaudern. Doch lest nun selbst…

Rockmagazine:

Hallo Johnny, danke dass Du dir die Zeit genommen hast, mit uns ein Interview zu führen.

Johnny:

Woher kommst du? Wie lange hast du gebraucht?

Rockmagazine:

Ich komme aus Deutschland. Wir sind heute Morgen früh losgefahren, knapp 500 Kilometer, und machen nach dem Konzert noch eine Woche Urlaub in Holland.

Und am kommenden Samstag gehts zurück, und am Sonntag dann nach Geiselwind um Euch nochmal live beim Keep it True Legions zu sehen.

Johnny:

Oh ja. Wir werden uns wiedersehen.

Ja, ich habe genau dasselbe gemacht. Wir spielten beim Sweden Rock Festival, und danach blieb ich einen Monat hier. Ich bin nicht nach Hause zurückgekehrt. Also ich dachte mir, ich mache einfach noch etwas Urlaub.

Rockmagazine:

Hier in den Niederlanden?

Johnny:

Ich habe zehn Tage in Amsterdam verbracht und bin dann für drei Wochen nach Kroatien gefahren. Kroatien ist wirklich schön und es ist günstig. Ich war in der Gegend von Split.

Rockmagazine:

Wir waren vor drei Jahren auch in Kroatien im Urlaub.

Johnny:

In welchem ​​Teil? Wo warst du?

Rockmagazine:

Bei Plitvice an den Seen.

Johnny:

Es war toll und heiß.

Was für ein schönes Wetter heute im Gegensatz dazu ist! Es ist nicht so heiß.

Rockmagazine:

Unglaublich, oder? Ihr habt letzte Woche noch in Wacken gespielt. Wie war es dort?

Johnny:

Es war dort nicht ganz so heiß. Nein, es war angenehm. Als wir ankamen, war es noch heiß, dann kamen die Wolken heraus. Und dann war es den Rest des Tages angenehm kühl.

Rockmagazine:

Das hört sich doch gut an.

Johnny:

Das ist gut so, denn wir haben ganz schön geschwitzt.

Rockmagazine:

Die letzten Tage hatten wir in Deutschland 39, 40 Grad, es war eine Katastrophe. Und 2015 war ich zum ersten Mal in Wacken, um mir Savatage und TSO bei der Doppelshow anzusehen.

Johnny:

Damals regnete es.

Rockmagazine:

Und es gab Schlamm, Schlamm und noch mehr Schlamm. Schlamm, soweit man schauen konnte.

Johnny:

Das gab es dieses Jahr nicht. Es war insgesamt sehr trocken und sehr staubig.

Sie brauchten also dringend Regen. Wir hatten dann tatsächlich etwas Regen, als wir gerade spielten, und dann regnete es auch noch in der Nacht, aber es waren keine 36 Grad, denn es war ziemlich heiß. Und dann zogen Wolken auf, und es war einfach herrlich.

In der letzten Zeit haben wir so viele „heiße“ Konzerte gespielt, Mann, all diese Open-Air-Shows. Pompeji war am schlimmsten, es war dort brütend heiß dort.

Du stehst dann da oben auf der Bühne und stirbst fast, bist klatschnass bis auf die Haut. Man fragt sich so: Warum haben wir nicht vorher geduscht?

Rockmagazine:

Ich wäre gerne auch nach Pompeji gefahren, einige Freunde von mir waren dort.

Johnny:

Ja, es war cool.

Rockmagazine:

Ich hatte leider keine Möglichkeit noch Urlaub zu nehmen und brauche einen Teil des Urlaubs für andere Festivals und Konzerte. Deshalb haben wir uns entschieden hierher nach Tilburg zu fahren und mit einem Urlaub zu verbinden. Und dann geht’s ja auch noch nach Geiselwind.

Johnny:

Ja, das wäre gut.

Rockmagazine:

Jeff (Plate) war ja kurzzeitig krank und musste ein paar Konzerte bei der Tour pausieren. Ich hoffe, er ist wieder fit. Ist er inzwischen schon wieder bei 100 %?

Johnny:

Ja, er musste für zwei Gigs pausieren. Er musste sich operieren lassen, denn mit so etwas kann man nicht fliegen. Man weiß ja nie, was passiert. Er ist jetzt aber wieder mit uns dabei. Ihm geht es jetzt wieder gut.

Rockmagazine:

Das ist gut zu hören. Allerdings ist John ja leider nicht auf Tour dabei. Er ist auch 2026 in den USA geblieben. Ich hoffe, es geht ihm gut.

Johnny:

Ja, ihm geht es ihm den Umständen entsprechend soweit gut.

Rockmagazine:

Er gehört einfach zu Savatage. Auf dem Weg nach Tilburg hörten wir uns die “Poets and Madmen“ mal wieder an, John hat einfach ne tolle Stimme. Ich habe Euch damals mit John das letzte Mal auf Tour im Z7 in der Schweiz gesehen.

Johnny:

Mhm. Ich glaube, es war 2001, als wir das letzte Mal dort auf Tournee waren.

Rockmagazine:

Ihr seid ja gerade auf den Sommerfestivals in Europa unterwegs und wart auch in Wacken, darüber haben wir ja schon gesprochen.

2015 hatte ich ja gehofft, dass das Konzert als DVD veröffentlicht würde. Warum ist es nie dazu gekommen?

Johnny:

Das lag an Paul O’Neill. Das ist eine typische Paul-O’Neill-Entscheidung.

Wenn er nicht wollte, dass es veröffentlicht wird, wurde es einfach nicht veröffentlicht.

Rockmagazine:

Ist das nein?

Johnny:

Du wirst es nie sehen.

Rockmagazine:

Besteht keine Chance, dass es in Zukunft doch noch mal veröffentlicht wird? Keine Chance?

Johnny:

Nein, und ehrlich gesagt, haben wir an dem Abend alles wahnsinnig langsam gespielt. Das Tempo waren so schleppend. Es war wie eine Trauerfeier für die Band, es war eigentlich keine richtige Savatage-Show. Eher so eine Art Einführung in das Transsibirische Orchester. Und das Tempo waren, wie ich fand, einfach viel zu langsam, ich meine einfach nur erbärmlich langsam. Ehrlich gesagt bin ich ganz froh, dass es nicht veröffentlicht wurde.

Rockmagazine:

Welche Erinnerungen hast Du nach 11 Jahren an diese besonderen Auftzritt mitbder Doppelbühne?

Johnny:

Oh, das war sehr schwierig umzusetzen, weil wir zwei Bands gleichzeitig spielen mussten. Deshalb haben wir alle mit Glasfaser verbunden, damit es keine Verzögerung gab, also keine Verzögerung zwischen dem Signal von A nach B. Das war echt eine Herausforderung.

Wir brauchten einen Monat Proben für einen einzigen Auftritt. Das wollte Paul schon immer so machen. Er wollte schon immer mit zwei Bands gleichzeitig spielen, mit zwei Schlagzeugern, zwei Bassisten und vier Gitarristen.

Und wir haben es geschafft. Technisch war es allerdings eine ziemliche Herausforderung.

Rockmagazine:

Ich fand es einen phänomenalen Gig. Ich war auf der linken Seite, der Savatage-Seite.

Johnny:

Ich wünschte nur, wir hätten länger spielen können. Savatage hatte ja nur 45 Minuten Spielzeit.

Rockmagazine:

Es war fantastisch, doch nach der Show war ich unschlüssig, ob es nicht besser gewesen wäre, sich weiter im Hintergrund aufzuhalten. Man hat dann doch noch mehr zu sehen bekommen.

Ich stand auf „meiner Seite“ und schaute auf die andere Seite rüber. Dort spieltet ihr, und hier herrschte Stille. Das war etwas problematisch vorne vor der Bühne.

Johnny:

Das war so ein Punkt auf der Wunschliste von Paul. Und wir haben es geschafft. Damit ist das jetzt erledigt.

Rockmagazine:

Und jetzt habt ihr in Pompeji gespielt, der nächste ganz spezielle Auftritt von Savatage. An diesem historischen Ort aus dem zweiten Jahrhundert vor Christus. Wie waren die Eindrücke.

Johnny:

Ja, es war ziemlich cool. Es war echt toll, dort zu spielen.

Rockmagazine:

Wessen Idee war das? Stammt sie auch von Paul O’Neill?

Johnny:

Nein, er ist schon länger von uns gegangen. Pompeji hat sich einfach so ergeben. Unser Booking-Agent hat uns da reingebracht.

Und wenn wir schon da sein würden, wollten wir es auch anders machen als üblich. Also haben wir ein Orchester engagiert und die Lieder neu arrangiert. John und Al haben das hauptsächlich gemacht – wobei Al die Hauptverantwortung für die Orchestrierung trug.

Rockmagazine:

Wann habt ihr mit den Vorbereitungen für Pompeji angefangen?

Johnny:

Sie haben im Januar 2026 damit angefangen, nach der TSO-Tour.

Wir mussten all diese Songs für dieses Orchester neu schreiben, weil keines dieser Musikstücke existierte. Es war also einiges an Arbeit nötig, die Passagen zu schreiben, sie dann notieren zu lassen und schließlich ein Orchester zu finden, das sie spielen konnte. Aber es hat letztlich alles geklappt. Wir haben ein paar richtig gute Musiker im Orchester dabei.

Das erste Mal, dass wir gemeinsam spielten, war vor all den Leuten. Wir hatten vorher nicht geprobt. Sie kannten ihr Handwerk, wir kannten unseres. Und wir sagten: Los!

Rockmagazine:

Und dann habt ihr die Show begonnen. Nicht eine Minute zusammen geprobt?

Johnny:

Wir haben einen Soundcheck gemacht. Das war’s. Und alle hatten In-Ear-Monitore auf, damit sie den Clicktrack hören konnten.

Das war das Schwierigste: alle dazu zu bringen, den Clicktrack zu hören und dann auch ihre Instrumente. Das hat eine Weile gedauert. Allein das Einstellen hat gut eine Stunde gedauert.

Und wenn dann alles vorbereitet ist, weißt du, was zu tun ist. Mach es besser gleich, denn du kannst nicht von vorne anfangen. Eins, zwei, drei, vier, los!

Rockmagazine:

Und welches Orchester hattet ihr engagiert, aus Italien?

Johnny:

Wir hatten eine italienische Mannschaft zusammengestellt. Und sie waren wirklich gute Musiker. Als sie anfingen zu spielen, dachten wir nur: Wow, die sind ja echt gut!

Rockmagazine:

Und sind sie alle Metal-Fans oder nur normale Musiker?

Johnny:

Ja, ganz normale Musiker. Eine der Herausforderungen war, dass wir für das Orchester hauptsächlich Leute finden mussten, die vor der Kamera gut aussehen und spielen können. Wenn man also ein durchschnittliches Orchester nimmt, sehen vielleicht ein Dutzend Musiker vor der Kamera gut aus.

Also mussten wir Leute finden, die einigermaßen attraktiv waren, spielen konnten und den Maestro kannten, also, na ja, einfach alle. Und das haben wir auch geschafft. Es waren allesamt gute Musiker.

Die Streicherinnen waren großartig. Wir haben einen Pauker dazugeholt. Ich glaube, er hat noch nie in seinem Leben so viel Pauke bei einem Auftritt gespielt.

Er brachte vier davon mit, diese großen Pauken. Denn John Oliva liebt Pauken, auf Allem!

Der Typ dachte sich wahrscheinlich: „Wow, Mann, ich darf die Dinger tatsächlich spielen!“ Denn da waren echt viele Pauken dabei. Wir hatten auch noch einen zusätzlichen Kontrabassisten, was echt cool war.

Rockmagazine:

Lief auch etwas schief?

Johnny:

Ich glaube gar nichts. Also war es gut. Ja, es war gut.

Chris Caffery (schaut kurz vorbei und sagt hallo)

Ich wollte nur mal Hallo sagen.

Johnny:

Ja, es war gut. Es war viel Arbeit.

Und dann hieß es einfach: Los geht’s! Mal sehen, was passiert. Es lief wirklich gut.

Rockmagazine:

Ich habe absichtlich noch keinen Videos von Pompeji angesehen. Habt ihr alle Stücke mit dem Orchester gespielt?

Johnny:

Ja, jeder einzelne von ihnen, das komplettes Konzert.

Rockmagazine:

Ich hoffe, es dauert nicht allzu lange, bis das Konzert für uns Fans veröffentlicht wird?

Johnny:

Ja, wir haben das Konzert professionell gefilmt, also werden wir eine DVD herausbringen.

Wenn wir mit dieser Tour fertig sind, werden wir uns das Material anhören und sehen, wie es sich entwickelt. Die Nacharbeiten laufen gerade und das ganze Material wird geschnitten.

Rockmagazine:

Kannst Du uns auch schon ein ungefähres Veröffentlichungsdatum verraten?

Johnny:

Nein, dafür ist es noch zu früh.

Rockmagazine:

Nächstes Jahr?

Johnny:

Ja, wahrscheinlich irgendwann nächstes Jahr. Dann gibt es vielleicht ein paar Dinge zu verbessern. Wer weiß?

Ich habe ganz gut gespielt, aber man weiß ja nie. Vielleicht gibt es etwas, das verbessert werden muss. Und dann muss man zurück ins Studio und es korrigieren.

Rockmagazine:

Und wie war es, an diesem historischen Ort spielen zu dürfen? Es waren ja „nur“ 2.500 Leute da.

Johnny:

Ja, ich glaube, die Zahl ist auf etwa 2.500 begrenzt, weil man nicht oben auf die Tribünen darf. Man kann nur im Erdgeschoss und eine Reihe tiefer sitzen. Da nach oben dürfen die Leute nicht hin, es ist halt so, wie es ist.

Ich glaube, da spielen ungefähr ein Dutzend Bands. Es gab da ein Festival namens „Beats of Pompeii“ (insgesamt spielten beim BOP 2026 vom 24.6.-27.7. 20 Bands von Rock über Pop, Klassik, Jazz und Metal, Anm. d.Red.), da gab es jeden Abend Konzerte.

Ich glaube, Marillion spielten zwei Nächte vor uns. Und dann spielte noch Opeth dort. Es gab also eine ganze Reihe von Bands, die dort aufgetreten sind.

Aber es ist schon ziemlich cool, ja. Es ist ein interessanter Ort.

Rockmagazine:

Und 1971 spielten auch schon Pink Floyd dort ihr legendäres Konzert.

Johnny:

Ja, ich glaube, sie waren die ersten.

Rockmagazine:

Ja. Ich habe gelesen, dass bei diesem Konzert im Jahr 1971 keine Zuschauer anwesend waren.

Johnny:

Richtig..

Ja, ich glaube, die haben da unten den ganzen Boden rausgerissen. Jetzt haben sie da so eine Art Belag auf dem Boden, und darauf stehen dann Stühle. Aber das hat ungefähr so ​​lange gehalten…

Gegen Ende des Sets standen dann alle auf und kamen nach vorne zur Bühne. Aber die Metal-Kids kann man nicht so lange stillsitzen lassen. Irgendwann sagen die dann: „Nee, wir gehen nach vorne.“

Rockmagazine:

Stimmt, ich habe TSO viermal in Deutschland gesehen, und es ist schon etwas Besonderes, auf ein Metal-Konzert zu gehen und ein oder zwei Stunden an einem Platz zu sitzen. Es ist ungewöhnlich, wenn man nicht tanzen kann.

Johnny:

TSO ist eigentlich kein Metal. Aber ja, das ist eine Veranstaltung, bei der man sitzt. Sie ist großartig. Niemand möchte zwei Stunden lang stillsitzen.

Rockmagazine:

Das ist schwierig für mich, ich kann nicht in einer großen Halle still auf der Tribüne sitzen ohne mich bewegen zu können. Ich möchte ganz vorne dabei sein, ich muss sehen was die Musiker machen. Wenn man hier auf den letzten Plätzen sitzt, braucht man ja beinahe ein Fernglas. Das ist kein richtiges Konzert für mich. Ich will nach vorne und was erleben.

Aktuell habt ihr ja gerade das „Madness Reigns From the Gutter“-Album veröffentlicht, ein Live-Album von einem großartigen Konzert aus LA, eine wirklich phantastische Aufnahme (zum Album-Review geht’s hier )https://rockmagazine.net/savatage-madness-reigns-from-the-gutter-1990-unveroeffentlichtes-live-juwel-wird-am-26-juni-2026-veroeffentlicht/ ). Ihr habt 36 Jahre gebraucht, um dieses Album herauszubringen.

Warum hat es so lange gedauert?

Johnny:

Wir haben es aufgenommen und dann irgendwie vergessen. Ich wusste gar nicht, dass wir es aufgenommen hatten. Ich dachte, es wäre nur eine Radiosendung gewesen.

Und dann war es auf Band, und wir beschlossen, es uns anzuhören. Denn oft verlieren Bänder mit der Zeit ihre Magnetisierung, und die Daten darauf gehen verloren. Also haben wir es abgespielt, um zu sehen, ob die Aufnahmen überhaupt noch da waren.

Und sie waren tatsächlich noch das. Also beschlossen wir, es zu mischen. Und es ist richtig gut geworden.

Aber es wurden keine Overdubs oder sonstige Änderungen vorgenommen. Es ist genau so, wie es war. So haben wir in den 90ern gearbeitet.

Es war ein Wurf und dann ging es los.

Rockmagazine:

Es ist eine großartige Show mit tollem Sound. Und die Energie ist bei allen Songs spürbar. Fantastisch!

Johnny:

Ja, es gab keine Clicktracks. Es gab keine In-Ear-Monitore. Es war einfach eine Rock’n’Roll-Band, die das spielte, was wir jeden Abend spielten.

Rockmagazine:

Ich dachte eigentlich, ihr würdet eher ein Album von einer Show des letzten Jahres veröffentlichen. Von Oberhausen, darauf hatte ich gehofft, weil ich ja dabei war.

Johnny:

Ja, das Konzert von Pompeji wird veröffentlicht.

Rockmagazine:

Gibt es denn eventuell eine weitere Veröffentlichung einer „regulären“ Show als Bonusmaterial auf der DVD? Eine Show von z.B. einem anderen Auftritt?

Johnny:

Nein, ich glaube nicht. Denn das lässt sich schwer vergleichen. Man hat ja ein ganzes Orchester. Was willst du denn noch verbessern? Die Orchesteraufnahme ist doch ganz gut geworden. Mal sehen, wie sie auf DVD ankommt.

Rockmagazine:

Ich hoffe es, das wird bestimmt großartig…

Johnny:

Dort waren jede Menge Kameras aufgestellt. Ich kenne mich mit Kameras aus. Denn ich glaube, dieselben Leute haben Marillion am Abend zuvor gefilmt.

Sie hatten also schon alles aufgebaut. Wir sind einfach reingegangen und haben angefangen zu filmen… die Jungs konnten bei Marillion ja üben.

Also, es wird gut werden.

Rockmagazine:

Heute spielt ihr, wie ich gelesen habe, zum 4. Mal in Tilburg. Zum Dritten mal im 013 Poppodium.

Johnny:

Ich glaube, wir haben hier erst einmal zuvor gespielt. Wir waren die erste Band, die an diesem Ort gespielt hat.

Rockmagazine:

Ja?

Johnny:

Wir haben früher im `Norderlight` gespielt. Wir waren mehrfach dort, glaube ich, das war unser erster Auftritt in Holland. Und dann wurde diese Location eröffnet, als der Laden (das `Norderlight, Anm.d.Red)) schloss. Ich glaube, wir haben hier 2001 gespielt. Das war das letzte Mal.

Rockmagazine:

Okay, ich hatte die KI gefragt. Und es ist heute das vierte Mal in Tilburg, das dritte Mal nach 1998 und 2002 hier im 013.

Johnny:

Vielleicht hat Oliva das mit seiner Band gemacht. Aber Savatage spielt erst zum zweiten Mal hier. Wir waren jedoch die allererste Band.

Rockmagazine:

Welche Songs können wir heute erwarten? Ich habe gehört, ihr habt das Intro von Morphin‘ Child zuletzt bei den Konzerten als Intro gespielt.

Die Fans lieben dieses Album. Wir haben es auf der Fahrt hierher auch angehört. „Commissar“ und „Morphine Child“, zwei fantastische Songs. Warum spielt ihr diese nicht mal wieder live, viele Fans würden sich freuen?

Johnny:

Das sind Johns Lieder.

Zach singt jetzt bei Savatage. Deshalb tendieren wir eher zu Zaks Musik. Weil es einfach Sinn macht.

Rockmagazine:

Es kommen doch sicher auch ein paar ältere Songs auf die Setlist.

Johnny:

Ja, wir werden das schon ein bisschen variieren.

Aber ja, John hat das ganze „Poets and Madman“-Album eingesungen, daher ist es nicht wirklich praktikabel, wenn Zak die Lieder singt, wenn er drei Alben zur Auswahl hat.
Wir werden etwas zeitlich zurück gehen und spielen ein paar Sachen von „Power of the Night“.

Rockmagazine:

Und was gibt es zu einem neuen Studioalbum zu sagen, das ja in Planung sein soll?

Johnny:

Ja, da ist schon eine Menge Material geschrieben. Es ist nur eine Frage der Zeit. Vielleicht schaffen wir es noch dieses Jahr, einen Song fertigzustellen und ihn nächstes Jahr zu veröffentlichen.

Nur ein Lied. Wir sprechen darüber, das zu machen. Aber wir wollen noch kein Album veröffentlichen.

Da die DVD nächstes Jahr erscheint, muss man die Dinge in einer geschäftlich sinnvollen Reihenfolge angehen. Aber es ist bereits viel Material geschrieben.

Wir haben seit zwei Jahren einige Songs in der Schublade.

Rockmagazine:

Wir Savage-Fans warten auf neue Savatage-Songs….

Johnny:

…wenn es soweit ist, werden wir es tun…

Da wurde ja schon viel geschrieben, ist schon etwas her.

Rockmagazine:

Schön, das zu hören.

Johnny:

Dieses Jahr haben wir die „Madness“-Platte rausgebracht. Nächstes Jahr kommt dann die DVD. Und vielleicht machen wir im Jahr darauf was Neues von Savatage.

An Material mangelt es aber nicht.

Rockmagazine:

Und wie sieht es mit den beiden Bands aus? TSO und Savatage? Spielt ihr mit Savatage nur in Europa? Liegt es daran, dass die Fans in den USA es nicht wollen?

Johnny:

Wir waren in den USA nie wirklich groß. Außerdem ist es teuer, wir müssen 18 Leute bezahlen. Wir setzen die gesamte Crew des Trans-Siberian Orchestra ein. Deshalb arbeiten sie nicht billig. Und wir können dort kein Geld verdienen.

Wir zahlen nicht am Ende fürs Spielen. Das will niemand. Wir schauen uns nächstes Jahr ein paar Dinge an. Wir haben einige Angebote bekommen. Aber in Europa verdienen wir mit Savatage deutlich mehr wie in den USA. Das war schon immer so.

Wir verdienen hier zehnmal so viel wie in den USA. Und am Ende des Tages geht es ums Geschäft, es ist das Musikbusiness, es geht nicht um Musik-Freundschaften oder Musik-Gefälligkeiten in der Musikbranche.

Es ist so, dass wir diese Jungs dafür bezahlen, dass sie die Arbeit machen. Denn als wir das damals mit Savatage gemacht haben, als wir noch in Clubs gespielt haben. Und unsere Freunde waren unsere Techniker.

Wie meine Nachbarn, die meine Gitarre stimmten, oder der Typ von nebenan, der die Beleuchtung machte. Solche Leute gibt es heute nicht mehr. Wenn sie uns verlassen, fangen sie an, für Def Leppard zu arbeiten.

Erstklassige Gitarrentechniker und so. Die muss man gut bezahlen. Und dann muss man auch noch ihre Hotelzimmer bezahlen. Man muss sie ja ernähren. Das summiert sich. Flüge, Hotels, all das.

Rockmagazine:

Man braucht sehr viel Geld für die Crew. Das ist etwas, was wir Fans im ersten Moment nicht sehen und bedenken.

Johnny:

Man muss alles zusammenrechnen und dann eventuell feststellen: Nein, so funktioniert das nicht.

Rockmagazine:

In den USA kann man das dann eher mit TSO machen.

Johnny:

Ja, mit der Band lief es gut. Wir haben keine Probleme, Tickets für die Show zu verkaufen. Das läuft also richtig gut.

Rein theoretisch könnten wir das auch einfach so machen. Man müsste für den Rest des Jahres nichts anderes mehr tun. Aber das ist etwas, was wir schon immer mal machen wollten.

Holt die Band wieder auf die Bühne und lasst uns das machen. Und bisher läuft es gut. Wir haben Tickets und jede Menge T-Shirts verkauft. Es läuft gut.

Rockmagazine:

Es ist teilweise hart für uns Fans. In Deutschland gibt es so viele Konzerte, gefühlt alle Bands kommen ja nach Deutschland. Für die kleineren Bands wird es dann schwierig, denn die Leute haben ja nur ein begrenztes Budget für Konzerttickets und Merch.

Johnny:

Sie müssen auswählen.

Rockmagazine:

Das ist manchmal echt ein Problem. Man will gerne ein Konzert besuchen, aber es kann sich nicht immer jeder leisten. Und dann will man sich ja neben den Konzerttickets auch noch ab und zu ein Tourshirt und das Album auf CDs oder Vinyl kaufen.

Johnny:

Es ist schwierig. Ich glaube, wir haben dieses Jahr vier Konzerte in Deutschland. Leipzig, Geiselbind, Bonn und Wacken.

Rockmagazine:

Deutschland ist ein guter Ort für Savatage?

Johnny:

Ja, aber man will einfach nicht zu oft spielen. Deshalb muss man sich gut aussuchen, wo man hingeht. Man spielt ja nie Jahr für Jahr am selben Ort.

Rockmagazine:

Wie sieht es heute im 013 aus, wird ausverkauft sein?

Johnny:

Ich glaube schon, ja. Es wird voll sein.

Rockmagazine:

Heute gibt es keine Vorband.

Johnny:

Nein es gibt keine Supportband.

Rockmagazine:

Spielst Ihr dafür etwas länger?

Johnny:

Wir spielen heute zwei Stunden.

Rockmagazine:

Zwei Stunden. Oh, das ist klasse. Das ist mal eine angemessene Spielzeit

Das passt. Manchmal spielen Bands nur 75 Minuten und gehen dann wieder von der Bühne.

Johnny:

Das hängt davon ab, ob wir einen Headliner-Auftritt haben oder ob es sich um einen Festivalauftritt handelt.

Rockmagazine:

Auf Festivals ist das ja normal und in Ordnung.

Johnny:

Manche dieser Festivalauftritte dauern eine Stunde. Manche anderthalb Stunden. Manche 70 Minuten.

Das hängt davon ab, was im Vertrag steht, wenn Sie ihn unterschreiben.

Rockmagazine:

Das ist normal. Aber wenn ich zu einen Headliner-Auftritt einer Tour gehe und die Band hört schon nach 70 Minuten auf zu spielen, dann habe ein Problem damit. Es ist in meinen Augen einfach zu kurz für das viele Geld das man bezahlt.

Johnny:

Ja, wir spielen zwei Stunden. Bei TSO machen wir über zwei, zweieinhalb. Das sind lange Auftritte. Das war toll, aber ab diesem Zeitpunkt artet es jedoch in eine Art Geiselnahme aus, niemand will da drei Stunden lang sitzen.

Rockmagazine:

In einem TSO ist es im Sitzen in Ordnung. Aber…

Johnny:

Das wird ein schöner Abend. Das ist ein guter Veranstaltungsort.

Rockmagazine:

Das 013 ist wirklich toll. Ich war auch schon mehrfach hier, heute das vierte Mal. Bisher war ich dreimal bei Arjen Lucassen mit seinen Ayreon-Shows im Poppodium in Ayreon-City.

Das 013 ist fantastisch. Guter Sound und es ist gut klimatisiert und daher nicht so heiß.

Johnny:

Es wird nicht heiß sein. Bei all diesen Open-Air-Konzerten war es einfach nur brütend heiß.

Rockmagazine:

Es ist aktuell eine durchaus schwierige Zeit in Deutschland und Europa

Johnny:

Du spielst um neun Uhr abends und die Sonne scheint noch. Pompeji war einer der schlimmsten Orte. Es war unerträglich heiß.

Aber ich komme aus Florida. Wir sind das gewohnt. Weil es da richtig heiß wird, Mann. Dort ist es fast das ganze Jahr über heiß. Man gewöhnt sich also mit der Zeit an die Hitze. Deshalb macht sie einem nicht mehr so ​​viel aus. Aber das macht es trotzdem nicht besser.

Rockmagazine:

Habt ihr euch schon Gedanken über den Musikerruhestand gemacht. Wie lange werdet ihr in Zukunft noch spielen? Gibt es da einen Zeitpunkt, an dem ihr sagt: „jetzt hören wir auf, es reicht“?

Johnny:

Nicht so bald. Wir kommen nächstes Jahr wieder.
Nächstes Jahr steht erstmal Südamerika auf dem Programm. Sobald wir diese Tour abgeschlossen haben, machen wir mit TSO weiter, wahrscheinlich im Frühjahr geht’s dann nach Südamerika, um dort zu spielen, denn das ist dort ein guter Markt für uns.

Und im Sommer kommen wir dann wieder hierher nach Europa!

Rockmagazine:

Möchten Du noch zum Schluss noch etwas unseren Lesern mitteilen?

Johnny:

Ich hoffe, Euch bei den Konzerten von Savatage zu sehen. Kommt vorbei. Das wird bestimmt gut. Wir haben heute Abend ein paar Überraschungen parat. Wir bauen in jeder Sendung gerne etwas Neues ein.

Rockmagazine:

Ich möchte mich für Deine Zeit bedanken. Hoffentlich sehen wir uns später wieder. Eine fantastische Show, wie letztes Jahr in Oberhausen. Und dann sehen wir uns nächsten Sonntag in Geiselwind. Und dann…ich hoffe auf die Zukunft. Auf neue Projekte. Auf die DVD.

Johnny:

Ja, das erscheint alles nächstes Jahr. Und dann bringen wir Musik raus, wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist. Es ist ein Geschäft, da muss man die Dinge entsprechend planen.

Fotocredits + Interview :
„Live It Loud Pixs“ by Thomas Jenne

By Thomas

Musikalisch bin ich seit den 80er vor allem im melodischen Hard& Heavy-Dschungel unterwegs und immer auf der Suche nach neuen und alten Perlen. Meine absoluten Faves sind Queenaryche, Y&T, Die Toten Hosen... u.v.a.....inzwischen kann ich mich aber auch für Mittelalterrockband wie Feuerschwanz oder Saltataio Mortis absolut begeistern. Ab und an geht mein Blick aber auch mal über den Tellerrand in Richtung Speed/Trash/Death...solange Melodien erkennbar sind. Auch wenn ich schon zu der Ü50-Fraktion gehöre, findet man mich bei Konzerten und Festivals fast immer Front of Stage, denn Sitzplatz beim Rockkonzerten, das passt bei mir einfach nicht zusammen. Erst wenn es ohne Rollator mal nicht mehr gehen sollte, ist die Tribüne vielleicht ne Alternative.

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