Fortune Teller – Step by Step zu Größerem – Der Traum von Wacken lebt – Interview mit der jungen britischen Metalband zu ihrem Debutalbum und Zukunftsträumen

Nachdem ich die neue junge Band Fortune Teller aus Großbritannien schon im November in Stutensee live erlebt hatte, war die Rückkehr der Band zum diesjährigen Red Horse Festival im Jugendzentrum GrauBau in Stutensee bei Karlsruhe natürlich eine Pflichtveranstaltung für mich.

Nach dem Soundcheck traf ich die Theresa, David, Meyrick und Joey vor Ihrem Auftritt am Abend auf der tollen Außenbühne zum Interview treffen, Drummer Tim hatte ich leider wohl irgendwo verlaufen?
Auch wenn es nur die Besenkammer war, entwickelte sich der Plausch mit den vier Briten als Sahnehäubchen auf der Torte bzw. eines gelungenen Festivaltages. Den gesamten Festivalbericht mit vielen Fotos vom Rock- und Metal Samstag des Viertages-Festivals gibt es hier nachzulesen.

Rockmagazine:

Hallo zusammen, Ich freue mich, dass Ihr Euch die Zeit für genommen habt. Schön Euch nach dem tollen Konzert im November hier an gleicher Stelle wiederzusehen. Es war damals ein super Auftritt und ich wartete schon gespannt auf die Rückkehr von Fortune Teller und vor allem auf den Release Eures Debutalbums.

Ich hoffe ihr hattet eine gute Anreise, der letzte Tag war sicherlich sehr lang, denn die Anreise ist doch recht weit von England.

Theresa:

Für uns war es gar nicht so schlimm, wir sind gestern rübergekommen, also wir sind quasi durchgefahren und waren gegen zwei Uhr morgens da. Es war okay, wir haben bis zwölf geschlafen, uns ging es gut, zum Glück haben wir…

David:

…wir haben zwei Fahrer in der Band, die sich beim Fahren abwechselten, so war die Belastung gut aufgeteilt,

Theresa:

…und der Rest von uns schlief einfach hinten. Wir hatten also eine richtig gute Zeit. Ich wachte auf und plötzlich war ich in Deutschland.

Rockmagazine:

Ist es nicht sehr anstrengend, nur für ein recht kleines Festival so eine lange Reise auf sich zu nehmen?

Theresa:
Wir hatten im November hier eine so tolle Zeit, und die Atmosphäre ist einfach super. Als sie sagten, dass sie ein Open-Air-Festival veranstalten, waren wir sofort dabei. Es ist ein großartiger Ort, perfekt für junge Leute, und das Programm ist abwechslungsreich und toll, mit einer Vielfalt an Bands.

Rockmagazine:

Auch ich kannte die Location vorher nicht, erst kurz vor dem Konzert habe ich vom Graubau gelesen.

Fortune Teller ist noch eine junge neue Band, doch ihr seid alle keinen Newcomer mehr und , habt schon in vielen Bands gespielt. Könnt ihr unseren Lesern vom Rockmagazin etwas über euch persönlich, über die Band und ihre Anfänge erzählen?

Theresa:

Ja, also ich war ein paar Jahre in einer anderen Band namens Metaprism und hatte ein paar Konzerte mit unserem Gitarristen Ross (McLennan – Gitarre – Anm. d. Red. ) gespielt. Zehn Jahre später meinte er: „Hey, ich hab da eine Idee für eine Power-Metal-Band. Hast du Lust, mal mitzumachen? Ich habe schon ein paar Leute im Team.“
Sie schickten mir ein paar Tracks, und ich dachte: „Super, da lass uns was gemeinsam machen!“
Also fing ich an, Songs zu schreiben, und dann lernten wir nach und nach die anderen Jungs kennen, die auch dabei waren. So entstanden die ersten Tracks, die wir dann aufnahmen. Die klangen ziemlich gut, also dachten wir: „Okay, machen wir weiter.“
Und jetzt haben wir ein komplettes Album geschrieben!

Wir haben uns ja erst im Februar letzten Jahres zusammengetan und die erste Single veröffentlicht. Es kam mir vor, als hätten wir ewig daran gearbeitet, denn ich glaube, wir haben 2022 zum ersten Mal darüber gesprochen. Dann habe ich ein Jahre lang nichts von Ross gehört und mich gefragt: „Machen wir die Band überhaupt noch?“
Und dann meldete er  sich und hatte Ian (Rockett – Gitarre Anm. d.Red.)  mit dabei.
Ian hatte diese Songs geschrieben und sie schickten sie sie mir zu.  
Ich dachte: Okay, cool, jetzt können wir endlich anfangen, das zu schreiben. Ja, dann bin ich zu Merrick gefahren und wir haben ein bisschen was gemeinsam gemacht.

Meyrick:

Ross und ich hatten darüber gesprochen, so eine Art Power-Metal-Ding zu machen, und wir hatten schon eine Weile mit ein paar Ideen herumgespielt, aber dann hat er noch ein paar Leute zusammengetrommelt und es umgesetzt. Wir hatten ein paar Ideen aus längst vergangenen Zeiten, an denen wir gearbeitet hatten, eine davon haben wir sogar überarbeitet und sie ist auf dem Album gelandet. David und ich spielen  in einer anderen Band namens Existible, wir haben schon ziemlich viel in Europa und auf der ganzen Welt gespielt.

David:

Ja, Merrick hat mich eines Tages angeschrieben und gefragt, ob ich in einer Power-Metal-Band mitmachen will. Ich dachte mir: „Vielleicht.“ Er meinte, Ross würde das Ganze leiten, und ich fand das klang gut. (Gelächter im Raum)  Und jetzt bin ich hier.

Merrick produziert unsere Band auch, und wir machen normalerweise noch ein paar andere Sachen. Ich spiele immer gern Bass, solange das Projekt passt. Also ja, Ross hat uns alle zusammengebracht.  Und dann ist er nicht hier! (klingt fast enttäuscht)

Rockmagazine:

Welche Musik hörst ihr persönlich gerne? Und welche Band hat euch am meisten beeinflusst? Ich höre da durchaus mal etwas Dream Theater durch. Beim Konzert im November, hörte sich manches Soli an manchen Stellen etwas nach John Petrucci an?

Mayrick:

Von welcher Band? Er sieht aus wie John Myung (Bassist von Dream Theatre – Anm. D. Red).

David: (grätscht verbal dazwischen)

Ich sehe aus wie John Myung! Ich versuche, Bass so zu spielen wie er. Ich sehe ihm ähnlich, ich mag ihn. Ich folge ihm -nur ein Scherz.

Ian und Ross sind ganz klar die Leadgitarristen, sie sind große Fans von Joe Satriani und von Steve Vai, die beiden gefallen ihnen sehr.

David „Myung“ Billote

Ich höre total viele verschiedene Musikrichtungen. Als Bassist höre ich so viele unterschiedliche Musikrichtungen, sogar elektronische Musik, Death Metal,  Black Metal, alles was mit Bass zu tun hat. Ich lasse mich von allem beeinflussen. Ich bin immer offen für jede Art von Musik. Meine Lieblingsstücke ähneln sehr stark denen von Dragonforce. Vielleicht hier und da ein bisschen Viking Metal. Und so was wie symphonische Musik.

Theresa:

Der größte Einfluss kommt von Ians Schreibstil. Ian und ich haben einen sehr ähnlichen Musikgeschmack. Daher gibt es viele Einflüsse von Evergrey, und auch In Flames. Und was die Songtexte betrifft -für mich sind das Amorphis und Dream Evil. Es gibt viele Geschichten und Sagen, die in ihre Lieder eingeflossen sind. Und die melodischen Wendungen, die sie darin haben, davon lasse ich mich sehr inspirieren.

Mayrick:

Ich weiß nicht. Ich höre alle möglichen Dinge. Weil ich an allen möglichen Dingen arbeite. Aber darum geht es mir, glaube ich. Was ich hier versucht habe, ist das was ich tun wollte. Man nehme so ein Power-Metal-Symphonie-Ding. Aber füge noch ein bisschen was hinzu, so in Richtung Hardrock wie Nickelback.

Ich bin auch dabei und mach es einfach ein bisschen herzhafter – so ein bisschen mehr, ich weiß nicht, einfach etwas gewichtiger.

David:

Etwas wuchtiger. Wenn man an eine Metal-Band denkt.

Mayrick:

Die Riffs und die wuchtigen Drums, genau.

David:

Auch zu den Riffs und all dem Zeug.

Theresa Smith

Mayrick:

Ziemlich viel. Hardrock-Zeug. Wäre das, was mir viel Inspiration gibt.

David:

Bei den Fortune Teller – Songs, da ist für jeden etwas dabei. Es ist nicht nur „Oh, es ist Symphonic Metal oder es ist nur Power Metal. Hier und da sind ein paar Elemente davon. Etwas, woran sich jemand festhalten kann. Selbst wenn ihnen bestimmte Aspekte nicht gefallen, es ist immer etwas dabei, an dass sie sich erinnern werden.

Die Geschichte und das Lied. Das ist es, was die Leute in Erinnerung behalten. Das ist es, was wir als Fortune Teller versuchen.

Theresa:

Ich glaube, als wir uns damals gegründet haben und gesagt haben, dass wir eine Power-Metal-Band sein würden, wurde uns das sehr schnell gesagt, dass wir keinen Power Metal spielen. Es ist eher melodischer Metal, symphonischer Metal. Wir haben noch einige weitere Power-Metal-Songs. Die sind zwar noch nicht veröffentlicht, aber ihr werdet sie heute Abend hören. Wir haben einige, die etwas schneller sind. Aber es ist noch nicht  volle Power.

David:

Das ist Power Metal vom Feinsten, auf die Art von Fortune Teller eben.

Mayrick:

Mit etwas Hardrock. Sogar etwas Metalcore. Und ein bisschen Jazz.

Rockmagazine:

…mit etwas Filmmusik am Anfang einiger Songs….

Mayrick:

…ein paar Orchesterstücke. Eigentlich nur so Gedanken. Ich versuchte einfach, irgendetwas zu machen.  

Ich glaube, keiner von uns wusste wirklich, was wir wollten. Wir dachten zwar, wir gründen eine Power-Metal-Band, aber keiner von uns wollte das wirklich.Wir wollten einfach keine waschechte Power-Metal-Band sein. Wir dachten, wenn wir das schon machen, dann soll es auch etwas Besonderes sein.

Sein eigenes Ding. Denn wir alle in der Band haben schon in Prog-Metal-Bands gespielt. Deathcore-Bands. Metal-Bands. Metalcore-Bands. – wir alle haben in der Vergangenheit in den unterschiedlichsten Bands gespielt. Wir können uns von vielen Dingen inspirieren lassen.

Rockmagazine:

Was ist mit euren beiden Gitarristen Ian und Ross, die heute wieder nicht dabei sind?

David:

Ross war das letzte Mal nicht dabei, er hat nicht viele Konzerte für uns gespielt. Ross meinte immer: „Ich vermisse Europa total“, weil er in einer anderen Band war, genauer gesagt in mehreren, unter anderem bei Ingested. Das war das letzte Mal, dass er in Europa gespielt hat. Als wir uns zum ersten Mal getroffen haben, sagte er: „Oh, ich freue mich schon total darauf, nach Europa zu fahren“, und dann, ein paar Wochen später, meinte er: „Oh, ich kann doch nicht“, und er sagte: „Okay, wir kommen ja wieder hierher, um noch mal zu spielen“, und dann „Oh, aber das geht auch nicht bei mir.“ Deshalb haben wir nun Joey hier.

Und Ian ist auch beschäftigt, er ist professioneller Musiker, er macht das hauptberuflich und verdient damit auch sein Geld.

Merrick:

Er spielt in einer Reihe von Partybands, außerdem übernimmt er das gesamte musikalische Programm für Butland in Großbritannien…,

Theresa:

… dass ist so etwas wie ein Ferienlager, wo tagsüber große Shows stattfinden, und er organisiert diese Shows quasi auch, und dann spielt er wahrscheinlich in allen Bands, entweder Gitarre, Schlagzeug oder Bass.

David:

Ich finde es lustig mit Ian, denn als wir das erste Mal hier spielten, spielten wir auf der anderen Bühne, und Ian fragte: „Warum spielen wir hier?“, und ich sagte: „Warte einfach ab, was passiert“, und am Ende wurde es eine richtig gute Show, und er meinte: „Oh, okay, super.“

Theresa:

Es war der beste Abend der ganzen Tour, und ich sagte das auch auf der Bühne. Manche meinten nur: „Ach nein, das sagst du doch nur so“, aber wir sagten: „Nein, im Ernst, es war wirklich so“, denn die Atmosphäre war großartig, alle waren begeistert, und es störte die Leute nicht, dass wir die gleichen Lieder zweimal spielten. (Zum Konzertbericht vom November 2025 gehts hier)

Rockmagazine:

Ich habe gesehen, dass ihr sehr viel Spaß an dem Abend hattet, auch wenn das Publikum recht beschaulich war

David:

…sie waren begeistert, und das ist es, was zählt. Es ist keine große Bühne, also sollten wir auch gemeinsam Spaß haben.

Nach dem Auftritt im Graubau im November 2025

Meyrick:

Es läuft noch nicht lange, aber es hat sich bewährt, die Leute haben sich gefreut gingen richtig ab, was schön ist, also ja, weiter so. Und jetzt sind wir wieder hier.

Rockmagazine:

Was war der Beweggrund für euch, dass ihr 2025 als junge Band, ohne Album auf dem Markt, einfach ins Auto gestiegen seid, über den Ärmelkanal nach Europa gefahren seid und eine kleine Europatournee gemacht habt?

Es macht sicherlich Spaß, ist aber doch sicherlich auch sehr kostspielig?

David:

Ich denke, weil wir das schon in anderen Ländern gemacht haben und jetzt in Europa auftreten wollten, es ist es einfach unglaublich.

Meyrick:

Wir wissen, wie wir das kostengünstig hinbekommen, und hatten Glück, denn die ersten paar Songs kamen gut an. Es lief also ganz gut, es hat uns nicht Unmengen an Geld gekostet, es war gar nicht so teuer. Und auch bei dem Album war es nicht so teuer. Es hat sich also gelohnt, um die Bekanntheit zu steigern, Content zu erstellen und all das.

Soundcheck vor dem Interview am Nachmittag

Theresa:

Ich hatte gerade Menno von Graviton Music Services kennengelernt. Er war echt hilfsbereit, weil er sich in der Gegend super auskennt und hier Konzerte organisieren kann. Das war echt praktisch, weil wir uns da nicht so viel selbst machen mussten, da wir uns hier in der Gegend nicht so gut auskennen. Und dann meinte er zu diesem Konzert: „Ich habe noch ein letztes für euch auf dieser Tour, aber ich weiß nicht, wie das wird, weil es ein Studentenclub ist.“

Und wir dachten nur: Okay, cool. Und als wir dann hier ankamen, war es, wie gesagt, der beste Abend der Tour. Ja, denn es war ja nichts Neues für uns, nach Europa zu kommen und dort Konzerte zu spielen, weil wir das mit unseren anderen Bands schon so oft gemacht haben, dass wir, wie Merrick sagte, wissen, wie es geht, und es uns deshalb nicht ruinieren wird.

Meyrick:

Ich komme mit verschiedenen Bands viermal im Jahr nach Europa.

David:

Wir sind ja nicht mehr die Jüngsten und haben nebenbei noch Jobs, wodurch wir etwas Geld gespart haben. Früher, als Meyrick und ich mit unserer anderen Band auf Tour waren, war es ziemlich hart in Europa aufzutreten, das war damals auch ziemlich ernüchternd. Aber jetzt ist es einfach…

Meyrick:

Wir haben viele Lektionen in der Vergangenheit gelernt, ja.

David:

Wir haben viele Lektionen gelernt, das macht es viel einfacher.

Rockmagazine:

Es ist sicher ein hartes Leben in der Musikszene, um Geld zu verdienen. Ihr habt vermutlich alle Vollzeitjobs und machst die Musik eher als Hobby?

Meyrick:

Ich bin Vollzeitmusiker. Ich bin Produzent und spiele außerdem in ein paar Bands. Ian hingegen widmet sich hauptberuflich der Musik und macht genau das, was er angekündigt hat.

David:

Ja, ich arbeite von zu Hause aus. Ich bin in einem Familienunternehmen angestellt, daher bin ich recht flexibel, was es mir sehr erleichtert. Solange ich meine Arbeit erledige, kann ich nebenbei auch anderen Dingen nachgehen.

Es geht also um diesen Lebensstil: Entweder man gestaltet sein Leben komplett um die Musik herum, oder man lässt die Musik ganz sein. Denn Musik kann nicht einfach nur… man kann Musik als Hobby betreiben, aber wenn man auf Tournee gehen will, ins Ausland reisen und so weiter, muss man sich das nochmal überlegen und schauen, ob das überhaupt zeitlich passt.

Rockmagazine:

Ist es ein Problem für dich mit der knappen Zeit?

David:

Das ist Urlaub!  Wenn du denkst… „Oh, ich muss nach Deutschland“…dann solltest du das besser lassen. Es sind lange Arbeitszeiten. Wenn du denkst: „Ja, ich könnte wahrscheinlich 12 Stunden in einem Van verbringen, um ein Konzert zu spielen“, dann ist das nichts für dich.

Ich werde sicherlich damit keine Millionen verdienen, aber wenn ich vor Leuten spiele, die uns live sehen wollen und T-Shirts gekauft haben, dann denke ich: Ja, das ist okay und der ganze organisatorische Kram ist dann kein Problem mehr. Es ist einfach etwas, das man tun muss, um diese Erfahrung mit anderen Menschen zu machen und die Musik bekannter zu machen.

Meyrick:

Man muss das Abenteuer einfach auch genießen.

Theresa:

Ich würde das alles lieber als Urlaub machen, stundenlang fahren und Konzerte für Leute spielen, die unsere Musik hören wollen, als am Strand zu liegen. Das ist für mich Entspannung pur. Das ist für mich Urlaub.

Meyrick:

Es macht Spaß. Manchen mag es wie eine enorme Anstrengung und eine lästige Pflicht erscheinen, aber uns macht es Spaß.

David:

Es ist wie im Urlaub. Man fragt sich: „Hast du deine Badesachen dabei?“ Aber es ist eher so: „Hast du deine Matrosenkleidung dabei?“ Hat jemand Würstchen fürs Lagerfeuer eingepackt?

Aushilfsgitarrist Joey Jaycock

Joey:

Habt ihr eure Gitarren mitgebracht?

David:

Es ist das gleiche Zeug.

Joey:

Ja, genau, deshalb bin ich hier. Einfach so zum Spaß. Ich bin nur übers Wochenende hier und springe ein.

Ich habe einen Vollzeitjob. Ich habe meine andere Band. Aber die letzten drei Wochen habe ich nur damit verbracht, Fortune Teller-Songs zu lernen und sie im Bett, im Auto, einfach überall zu hören.

Rockmagazine:

Das gesamte Set in drei Wochen. Es klingt großartig.

Joey:

Du wirst später sehen, wie gut ich mich geschlagen habe. Aber ja, es ist einfach eine kleine Auszeit. Ein Abenteuer.  Das ist etwas Neues. Ich habe noch nie in Deutschland gespielt. Ich habe noch nie mit diesen Jungs gespielt.

Ich habe diese Lieder noch nie live gespielt. Es macht Spaß. Ich genieße es total, Mann. Es ist gerade mein Leben, es ist einfach großartig. Das macht einen Riesenspaß.

Rockmagazine:

Ist es schwierig, neue Lieder von einer Band zu lernen, die man noch nie gespielt hat?

Joey:

Ja, wir haben schließlich noch andere Dinge zu tun, einen Job, ein Privatleben und so weiter. Aber ja, ich habe es mehr oder weniger so gut wie möglich hinbekommen.

Theresa:

Du kanntest es besser als wir, als wir es vorher geübt haben. Wir meinten nur: „Ach ja, die Songs haben wir seit November nicht mehr gespielt.“

Joey:

Ja, jetzt dämmert es mir langsam, ich hab es kapiert. Gerade noch rechtzeitig. Gerade noch rechtzeitig.

Rockmagazine:

Ich hatte eigentlich gehofft, dass ihr diesmal mit zwei Gitarristen spielen werdet.

Meyrick:

Das wird bald der Fall sein. Wir wussten, dass Ian es dieses Mal nicht schaffen würde, da er am Wochenende einen wichtigen Auftritt hat. Aber ja, wir sorgen immer dafür, dass wir mindestens einen Gitarristen dabeiFhaben.

Da wir alle noch andere Verpflichtungen haben, in anderen Bands spielen oder andere Jobs ausüben, haben wir es so eingerichtet, dass man jederzeit ein- und aussteigen kann. Manchmal kann ich vielleicht nicht auftreten, aber dann können wir einfach mal vorbeikommen und wieder gehen.

Theresa:

Ich kann das allerdings nicht, ich muss das alles erledigen. Da draußen gibt es kein Leben für mich.

Meyrick:

Im Grunde genommen nur du und der Schlagzeuger.

David:

Nächstes Mal schicken wir Teresa einfach alleine los.

Theresa:

Dann wären nur ich und Pappfiguren von allen anderen da.

Meyrick:

Mit einem Backing-Track, ja.

David:

Schreib ihr einfach ab und zu, wie läuft es?  Wie viel Merchandise hast du schon verkauft?  Verkaufe mehr!

Mehr verkaufen, härter arbeiten. Wer nicht verkaufen kann, kommt nicht wieder. (Lacht laut)

Meyrick:

Sie hat Merchandise auf ihrem Handy, sie kommt nicht wieder.

Rockmagazine:

Ich warte eigentlich schon sehnsüchtig auf die Veröffentlichung des Debutalbums. Ihr habt Anfang des Jahres einen Vertrag mit Mighty Records abgeschlossen. Warum ist das Album bis heute nicht erschienen?

Theresa:

Zum einen waren wir noch mitten im Schreibprozess. Wir haben ihn erst jetzt abgeschlossen.

Meyrick:

Ja. Ich bin gerade dabei, das Album abzumischen. Das passiert gerade.

Theresa:

Vor der Veröffentlichung plant das Label eine umfangreiche Werbekampagne. Andernfalls gäbe es heutzutage so viel Musik, dass ein Album ohne vorherigen Hype schnell in der Versenkung verschwinden würde. Deshalb wünschten sie sich mindestens vier Monate Vorlaufzeit nach Fertigstellung des Albums.

Von der Produktion bis zur Veröffentlichung verging also einiges. Ursprünglich peilten sie Ende Sommer an, aber jetzt könnte es etwas später werden, also möglicherweise Herbst oder Winter.

Meyrick:

Ja, das ist der Plan. Es ist in Arbeit. Wir mussten also nur noch mit ihnen genau klären und besprechen, was sie wollten und wie der Veröffentlichungsplan aussieht. Aber es ist alles da. Das Album ist fast fertig.

Rockmagazine:

Habt Ihr schon einen Albumtitel?

Meyrick:

Wir haben noch keinen Titel. Nicht mal wir. Das wurde noch nicht mal richtig besprochen.

Rockmagazine:

Wer schreibt bei euch die Songs? Macht Ihr das gemeinsam? Und wer entwickelt die Ideen für die Songs?

Theresa:

Instrumental gesehen vor allem Ian. Ich schreibe die Texte und die Melodien für den Gesang, und Meyrick übernimmt all diese Einzelteile.

David:

Ross hat ein paar Lieder aufgenommen.

Meyrick:

Ja, und ich produziere es, füge alles sozusagen zusammen und sorge dafür, dass alles funktioniert.

Tastengenie und Produzent Meyrick De La Fuente

Theresa:

Ich gebe dir einen Song und du schreibst ihn dann um, damit er mehr Schwung bekommt. Wir arbeiten da gewissermaßen zusammen.

Mayrick:

Ich produziere die Sachen so, dass sie richtig reinhauen. Alle Abschnitte fügen sich irgendwie zusammen und ergeben zusammen einen richtigen Song.

Theresa:

Er verwandle eine Idee in ein Lied.

Rockmagazine:

Von was handeln die Songs und das Album, was ist die Geschichte dahinter? Ist es ein Konzeptalbum?

David:

Dem Lied sollte eine Bedeutung und eine Geschichte zugrunde liegen.

Theresa:

Ja, ein bisschen schon. Als wir also die ersten drei Songs schrieben, war es ursprünglich nicht so, es war einfach das, was ich so im Kopf hatte. Aber als sich die Songs weiterentwickelten und „The Fortune Teller“ erschien, wuchs die Geschichte mit den Songs.

Die Geschichte dreht sich um diesen Protagonisten, diese Person, die gekommen ist, die eine zusammengewürfelte Gruppe von Kämpfern um sich schart und sie dann in den Kampf gegen den Oberbösewicht führt. Man verfolgt ihrer Reise von der Selbstfindung über die Begegnung mit der Wahrsagerin und die Übernahme durch diese Entität bis hin zur Begegnung mit dieser Gruppe von Menschen – diesen netten Jungs hier. Und dann, ja, so entsteht quasi eine kleine Rebellenarmee, die sich gegen den Oberbösewicht stellt.

Und dann merkt man, wie die Geschichte sich entwickelt, wenn man zum Ende des Albums kommt, und fragt sich: Auf welchen Planeten reisen wir jetzt? Wohin geht die Reise? Und ja, hoffentlich können wir diese Geschichte mit unserem zweiten Album fortsetzen.

Rockmagazine:

Okay, du hast also ein Universum erschaffen, ein Fortune Teller-Universum zum Schreiben?

Meyrick:

Hoffentlich, ja. Das ist die Idee. Okay.

Rockmagazine:

Wie reagierte die Musikpresse in England, Europa und weltweit auf Fortune Teller?

Meyrick:

Eigentlich ziemlich positiv.

Rockmagazine:

Ich habe mir gestern Abend nochmal das Video zu „The Fortune Teller“ angesehen und die Klicks gesehen: 2.000 Klicks. Ich finde das irgendwie verwunderlich und sehr schade, ein so starker Song und keiner will ihn gefühlt hören. Und am selben Tag – wenn es auch vielleicht ein hinkender Vergleich ist – ist das neue Video von Evanescence rausgekommen – es wurde innerhalb von sieben Stunden schon 250.000 angesehen.

Meyrick:

Das ist der Unterschied, es geht darum, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Deshalb will das Label eine langfristige Kampagne starten, um eine treue Zuhörerschaft aufzubauen. Wenn Evanescence ein Video veröffentlicht, sind sofort Millionen von Menschen da, die es sich anhören.

Da wir noch relativ neu sind und erst zwei oder drei Songs veröffentlicht haben, ist es so, als ob jeder, der sich das Video ansieht, uns gerade erst entdeckt. Sie müssen uns also erst einmal finden, uns mögen und uns dann treu bleiben. Evanescence hingegen haben das alles schon geschafft.

David:

Evanescence kann einfach irgendetwas veröffentlichen, und es wird sofort viral gehen. Denn sie haben das bereits bewiesen. Genau da stehen wir momentan: Wir versuchen, unsere Musik unter die Leute zu bringen. Das haben sie vor etwa 25 Jahren schon mal gemacht.

Rockmagazine:

Ist das nicht frustrierend für Euch?

Meyrick:

Nicht wirklich, aber irgendwie ist es halt so. Ich arbeite ja jeden Tag an Musik, also sehe ich das ständig. Es ist halt so, wie es ist. Man muss da durch, es ist, als würde man durch Schlamm schwimmen. Du schwimmst dich durch Schlamm nach oben. Und du musst versuchen, dich durchzukämpfen. Es ist sehr anstrengend und hart.

Aber wenn man erst einmal durchgehalten hat, wird es viel einfacher. Man muss das einfach durchstehen. Und genau das ist das Schwierigste: die Leute überhaupt erst darauf aufmerksam zu machen. Denn jeden Tag werden Tausende von Songs veröffentlicht. Man muss sich also jeden Tag damit messen.

Rockmagazine:

Ich habe das Video auch beim Durchscrollen auf YouTube gefunden. Also ich sah dich Theresa auf der Vorschau zum Video. Mein erster Gedanke – eine Sängerin – ich steh auf Female-Metal. Ich habe es mir dann angesehen, und war begeistert, toller Song. Dann kam das nächste Video, wieder ein tolles Video mit großartiger Musik. Ich möchte diese Band unbedingt kennen lernen und folge euch seitdem.

Meyrick:

Genau das versuchen wir gerade zu erreichen: mehr Menschen zu erreichen.

Rockmagazine:

Ja, das ist ein Problem heutzutage, es gibt einfach so viele Videos.

Meyrick:

Ja, es ist schwierig.

David:

Das sieht man auch bei unseren Songs. Manchmal hört man: „Ich habe eine Werbung dafür gesehen“ oder „Jemand hat auf dieses Video reagiert, deshalb schaue ich es mir jetzt an.“ Das ist für uns ganz normal: Wir müssen unsere Musik einfach veröffentlichen.

Mit der Zeit sehen es immer mehr Leute, vor allem dank unserer Algorithmus-optimierung. Man schaut sich ein oder zwei Videos an und wird ständig auf uns aufmerksam. Es geht nur darum, die ersten Blicke auf uns zu lenken und dann die Reichweite zu erhöhen.

Rockmagazine:

Das ist dann die neue Musiklandschaft. Alle zwei Monate bekommt man von einer Band einen Song, es gibt immer neue Musik, und am Ende erhält man das ganze Album.

Meyrick:

Das ist im Prinzip die Idee, denn nur so kann man gegen die bestehenden Strukturen ankämpfen und sich durchsetzen. Die Algorithmen sind aufgrund der riesigen Menge an Musik notwendig, um Inhalte für die Nutzer zu filtern, damit diese nicht alles sehen. Würde man einfach alles im Feed sehen, sähe es die ganze Zeit so aus.

David:

Algorithmen sind notwendig, damit es für uns Menschen nutzbar ist. Daher besteht die Herausforderung darin, den Algorithmus zu manipulieren, ihn zu den eigenen Gunsten zu nutzen und sich potenziellen Interessenten zu präsentieren. Denn wenn man den Algorithmus zum Laufen bringt, funktioniert er tatsächlich.

Die Algorithmen sind extrem gut in dem, was sie tun. Man muss nur herausfinden, wie man sie für sich gewinnt und wie man sie mit regelmäßiger Musikveröffentlichung – beispielsweise vielen Singles vor einem Album – füttert. Das gefällt dem Algorithmus, weil er denkt: „Okay, da ist mehr aktives Material.“

Jemandem hat das gefallen. Ich kann ihnen gleich etwas Neues zeigen. Und dann noch etwas Neues. Der Algorithmus lernt dann, dich in solchen Situationen zu bevorzugen. Wenn jemand anderes beispielsweise Evanescence oder eine ähnliche Band hört, also eine große Band, dann ist es umso wahrscheinlicher, dass er dich dieser Person anzeigt, nachdem sie sich das Video dieser bekannten Band angesehen hat – je besser du beim Algorithmus abschneidest.

Evanescence, wenn sich das jemand ansieht, und du… Du weißt schon, auf YouTube…gibt es ja die Vorschläge am Rand. Am besten wären diese Vorschläge, nachdem jemand ein Video einer großen Band gesehen hat.

Genau das ist der Algorithmus. Genau das versuchen wir zu erreichen. Das funktioniert aber nur, wenn man sich so verhält, dass es mit dem Algorithmus kompatibel ist.

Es ist also ein notwendiges Übel, weil man nicht… Es gibt kein… Alles wäre völlig unbrauchbar ohne den Algorithmus.

David:

Gäbe es keinen Algorithmus, würde man nichts sehen. Man würde nur Evanescence sehen. Und sonst nichts, weil der Algorithmus nicht funktionieren würde.

Meyrick:

Oder noch schlimmer: Man würde nur noch die Beiträge derjenigen sehen, die am häufigsten posten. Man würde also nur noch aus Bots bestehen, die so schnell wie möglich posten – und das wäre weitaus schlimmer als alles, was wir jetzt haben.

Daran führt also kein Weg vorbei. Der Algorithmus ist im Grunde das Beste aus allen schlechten Welten.

David:

Man muss einfach mitspielen. Das Gute daran, besonders wenn man in einer Band ist, ist, dass man physisch auftreten muss. Wenn wir also nach Europa reisen und Konzerte geben, sind da mindestens zehn fremde Leute, die uns noch nie online gesehen haben.

Und sie haben die Show besucht, jetzt haben sie dich online ausgewählt. Jetzt bist du im Algorithmus.

Mayrick:

Das ist ein weiterer Grund, warum du vorhin gefragt hast, warum wir nach Europa fahren, warum wir das dort machen. Genau deshalb. Denn so können wir direkt mit Leuten in Kontakt treten, die sich wahrscheinlich dafür interessieren.

Deshalb auch. Es ist nach wie vor wichtig. Denn dann folgen andere diesem Beispiel, so wie du und andere.

Theresa:

Die Musikkultur ist hier auch besser als in Großbritannien. Die Leute sind viel eher bereit, Neues auszuprobieren und eine Band, die sie noch nie gehört haben, sich bei einem Konzert live anzuschauen und dann begeistert zu sein und es all ihren Freunden zu erzählen.

David:

Geh zu einer Show, bleib dort und warte im Anschluss, bis die Leute mit dir ins Gespräch kommen. Viele Menschen in Europa warten nach der Show einfach nur, um sich mit dir zu unterhalten. In Großbritannien hingegen ist es meistens so: „Oh, mein Zug fährt gleich ab, ich muss jetzt los.“

Ich habe diese Woche noch sieben Auftritte. Wenn man hingegen auf Festivals geht, insbesondere auf Festivals in Europa, sind viele Leute offener für ein Festival als für ein einzelnes Konzert.

Mayrick:

Und vor allem Kleinstädte. Kleinstädte sind toll, weil es weniger Trubel gibt. Wenn man in London oder München lebt, also in einer Großstadt, spielt jeden Tag eine der Lieblingsbands.

Rockmagazine:

Du hast dann auch weder Zeit noch Geld, um alle Festivals oder Konzerte zu besuchen. Man muss dann für sich auswählen, möchte ich diese oder jene Band sehen.

Mayrick:

So wie hier hingegen, an diesem Ort, finden Konzerte statt.

Theresa:

…und alle sind da.

Mayrick:

Karlsruhe ist natürlich nicht weit entfernt von Stutensee, aber hier in der Stadt ist das ihre einzige Option. Sie können also nur hierher gehen, egal was los ist. Auch deshalb ist es gut.

Rockmagazine:

In Karlsruhe gibt es einige gute kleine Locations.

Mayrick:

Das Substage! (kommt es wie aus der Pistole geschossen).

Rockmagazine:

Ja das Substage ist eine der größeren Hallen in Karlsruhe. Es gibt dann noch das Soundcheck One und Die Stadtmitte, zwei kleine Clubs, wo auch Metalkonzerte stattfinden.

Mayrick:

Ich war schon mal da. Ja, es ist cool.

Rockmagazine:

Es gibt hier in der Gegend ein paar Auftrittsmöglichkeiten. Aber in Deutschland hat man so viele Möglichkeiten. Alle Bands kommen nach Deutschland. Das ist toll für uns Fans, aber es ist auch gleichzeitig schwierig, alle Bands zu sehen, die man sehen möchte.

Mayrick:

Deutschland ist auch ziemlich groß. Es ist wie in Großbritannien, es ähnelt Großbritannien, viele Bands, und alle Bands kommen auch nach Großbritannien. Dasselbe Problem.

Rockmagazine:

Welche Pläne habt ihr für die Zukunft. Gibt es schon Pläne in naher Zukunft wieder auf eine Tour zu gehen?

Mayrick:

Definitiv, wir müssen erst das Album fertigstellen. Danach haben wir aber noch einige Konzerte. Im September sind wir dann wieder in Europa.

Theresa:

Wir haben auch ein paar Festivals in Großbritannien. Und danach werden wir wahrscheinlich auf Tournee gehen. Entweder Ende dieses Jahres oder Anfang nächsten Jahres.

Rockmagazine:

Als Support von einer größeren Band? Gibt’s da schon genaueres zu vermelden?

Theresa:

Ja, wenn wir das bekommen könnten, wäre das fantastisch. Genau das suchen wir.

Mayrick:

Um das Album zu supporten. Aber aktuell gibt’s noch nichts Konkretes, was Tourneen angeht. Wir haben zwar schon einige Termine und Festivalauftritte, aber wir suchen einfach nach der richtigen Art von Tour.

Rockmagazine:

Der erste Schritt ist getan. Und nun geht es in kleinen Schritten weiter.

Mayrick:

Wir gehen alle Schritte durch. Aber ja, es braucht einfach Zeit. Große Schritte.

Rockmagazine:

Und wo seht ihr Fortune Teller in 10 Jahren?

David:

Ich werde ein Interview mit Dir führen. Wir werden das Interview in Wacken machen, auf der Wacken Mainstage, ja?

Wir werden auf der Wacken Mainstage interviewt. (schmunzelt)

Rockmagazine:

Das ist ein großartiger Traum.

David:

Lasst uns das in die Tat umsetzen.

Theresa:

Ich habe dort einmal auf der Metal-Battle-Bühne gespielt.  Und das war schon gigantisch. Ich dachte nur: Oh mein Gott, wir haben unseren Höhepunkt erreicht.

Aber ja, das war bei Weitem nicht das, was man dort tatsächlich machen konnte. Das wäre ja völlig verrückt gewesen.

David:

Das Ziel ist einfach nur, Konzerte zu spielen.

Mayrick:

Ja, genau. Einfach ein paar Tourneen und immer größere Shows. Immer weiter wachsen.

Rockmagazine:

Was ist aus den Bands geworden, mit denen ihr neben Fortune Teller noch spielt? Du Theresa spielst ja auch bei Metaprism.

Theresa:

Ja, das tue ich… Meine Mutter-Metalband hat sich quasi aufgelöst. Aber ich trete mit einer 80er-Jahre-Theatershow auf. Und wir reisen wirklich überall hin. Letztes Jahr waren wir in Belgien. Das mache ich also nebenbei, das gibt gutes Geld. Ansonsten liegt mein musikalischer Schwerpunkt aber eher auf Fortune Teller.

Rockmagazine:

Und Metaprism? Ist das möglicherweise das Ende der Band?

Theresa:

Ja, ich meine… Wir haben letztes Jahr tatsächlich eine Single geschrieben. Aber weil alle anderen jetzt in anderen Bands spielen…sie sind bei Battleborn oder South of Salem. Die anderen Bandmitglieder spielen in so vielen verschieden Bands. Wir versuchen es zwar, wieder zusammenzukommen, damit wir endlich etwas auf die Beine stellen können… aber irgendwie klappt es einfach nicht richtig.

Möglicherweise werden wir mal wieder Musik veröffentlichen. Live-Auftritte werden wir aber wahrscheinlich nicht mehr machen.

Rockmagazine:

Auf der Bühne tragt ihr schwarze Gesichtsbemalung. Was steckt dahinter? Hat Sie etwas mit Eurer Geschichte zum Album zu tun?

Theresa:

Tim (Coulson – Drummer) machte das. Na ja, eigentlich hat das schon was für sich. Nein, da ist tatsächlich etwas Wahres dran. Ursprünglich war die Idee, dass wir, falls mal jemand nicht auftreten könnte, ihn austauschen könnten. Ross wollte ursprünglich, dass alle Masken tragen.

Drummonster Tim Coulsen

Damit niemand wüsste, wer da war und wer nicht. Dieser Vorschlag wurde jedoch umgehend abgelehnt. Ian war von dieser Idee überhaupt nicht begeistert.

Das ist in Ordnung. Denn, wenn ich die Lieder geschrieben habe, möchte ich, dass die Leute wissen, dass ich es war. Ich will mich nicht hinter einer Maske verstecken. Ja, das kam tatsächlich von der Idee anonymer Musiker.

Aber damit habe ich noch nie gearbeitet. Und mir hat die Vorstellung, die einzige Person mit einem Gesicht zu sein und nicht mit anderen Menschen interagieren zu können, wirklich nicht gefallen. Ich habe übrigens eine seltsame Angst vor Menschen mit Masken oder Sonnenbrillen. Weil ich ihre Augen nicht sehen kann.

David:

Ich verstehe nicht, warum du dich mir gegenüber so komisch verhältst, wenn sich meine Brille in eine Sonnenbrille verwandelt.

Theresa:

Ja, das ist schon seltsam. Ich bin da ein bisschen wie ein Hund. Wenn ich jemandem nicht in die Augen sehen kann, fühlt sich das komisch an. Mir gefiel die Idee also nicht. Denn so kann man auf der Bühne nicht richtig mit den Leuten interagieren. Daher mein Veto gegen die Masken.

Die Idee einer dramatischeren Bühnenpräsenz entstand gewissermaßen im Zuge der Geschichte und entwickelte sich mit dem Schreiben des Albums und Songs weiter.Die Jungs bekamen dann ihre Uniformen im Militärstil. Und ich habe Armbänder und Armbinden, dazu trage ich auch einen Pistolenholster. Einfach weil es gut für das drahtlose Mikrofon ist.

 Aber wir hatten diesen Mix aus Militärstil und anderen Stilelementen. Und so kam dann letztendlich auch die Gesichtsbemalung und die anderen Dinge dazu. Tim betont die Augen komplett. Das war aber eher eine ästhetische Entscheidung seinerseits.

Frontfrau Theresa Smith

David:

Das wollte er unbedingt haben. Er wollte wie ein Superheld aussehen.

Theresa:

Ja, er war ein Superheld.

Rockmagazine:

Auf Instagram habt ihr noch ein neues Logo präsentiert. Welche Bedeutung hat es?

Theresa:

Ja, wir wollten so ein Abzeichen. Nächstes Mal bringen Sie eine Flagge mit. Als eine Art Markenlogo. Während die Protagonistin in unserer Geschichte aufsteigt, überzeugt sie die anderen Männer, sich ihr auf ihrer Mission anzuschließen. Anschließend gibt sie ihnen einen Stempel. Und du denkst dir: Jetzt gehörst du zu meiner Armee. Sie haben es auf ihren Aufnähern. Sie haben es auf dem Rücken. Ich hab es in Gold auf dem Rücken meines Umhangs. Damit wir alle irgendwie eine Einheit bilden. Ja, daher kommt das.

Rockmagazine:

War das deine Idee?

Theresa:

Ich habe es nicht selbst gezeichnet. Aber ich wollte im Grunde etwas, das dazu passt.Ich habe das Logo ursprünglich selbst entworfen. Und dann haben wir es von einem anderen Künstler finalisieren lassen. Aber ich wollte etwas, das wirklich dazu passt, damit es sich einfügen kann. Wenn wir also das Logo mit dem Text haben, kann das Emblem darunter platziert werden. Und das verbindet einfach alles miteinander. Ich habe das Logo schon auf eine Flagge drucken lassen, die ich auch schon in ein paar Musikvideos verwendet habe.

David:

Du musst diese Flagge das nächste Mal mitbringen! Und dann noch einen Ständer dafür besorgen.

Theresa:

Der einzige Grund, warum ich sie nicht mitgebracht habe: Sie ist momentan an einem Ast Silberbirke befestigt, da ich es für das Video schnell zusammengebaut habe.

Aber die Silberbirke ist vom Blitz getroffen worden, und deshalb zerbröselt sie und ist deshalb etwas zerbrechlich. Ich muss sie künftig an einer stabilen Stange befestigen, damit ich damit herumwedeln kann.

David:

Oben drauf ist ein Totenkopf. Das ist sehr dramatisch.

Rockmagazine:

Am Ende des Interviews noch eine  abschließende Frage. Was möchtet Ihr unseren Lesern noch unbedingt sagen? Ein Grund, warum sie unbedingt zu einem Fortune Teller Auftritten kommen sollten?

Mayrick:

Ja kommt, dann werden ihr eine verdammt tolle Zeit haben.

Theresa:

Wir würden uns riesig freuen, Euch alle bei unseren Konzerten zu sehen. Wir haben riesigen Spaß beim Spielen. Ihr werdet es nicht bereuen. Wir hoffen, dass die Leute eine fantastische Zeit haben, wenn sie uns besuchen. Wir lieben den Kontakt zum Publikum und freuen uns einfach, wenn die Leute unsere Musik genießen.

Falls Ihr uns noch nicht gehört habt, kommt vorbei und entdeckt was Neues, das Euch sicher gefallen wird. Und hoffentlich kommt Ihr dann wieder.

Mayrick:

Kommt zu unserer Show.

Theresa:

Vielen Dank Dir für Eure bisherige Unterstützung bei Rockmagazine.

Rockmagazine:

Vielen Dank für Eure Zeit. Es freut mich, Euch so früh in Eurer Karriere zu sehen und begleiten zu können. In ein paar Jahren kann ich vielleicht mal voller Stolz erzählen „Ich war vor vielen Jahren beim ersten Auftritt dieser tollen Band in Stutensee live dabei. Es war der erst zweite Auftritt in Deutschland überhaupt und nun folgte der Dritte an gleicher Stelle hinterher. Und nun darf ich auch gleich ergänzen, dass ich auch ein Interview mit Fortune Teller führen konnte.

Mayrick:

Du warst unser erstes Interview in Deutschland, das wir geführt haben.

David:

Das ist großartig.

Rockmagazine:

Das macht mich stolz und freut mich. Es war mir ein Ehre, das Interview mit Euch zu führen, hat riesig Spaß gemacht!

David:

Und jedes Mal, wenn wir in Deutschland spielen, musst du dann dabei sein. Selbst wenn Evanescence spielen! Kommt zu unserem Konzert! Evanescence wird als Support-Act auftreten. Wir sorgen dann dafür, dass Du reinkommst. Wir kümmern uns um die Gästeliste und auch um ein paar Getränkegutscheine.

Rockmagazine:

Hoffentlich sehen wir uns bald wieder. Ob als Support oder als Headliner auf Tour.

Und ich warte auf das Album. Und auf die neuen Lieder.

Theresa:

Ich schicke dir das Album, sobald es erscheint.

Rockmagazine:

Das wäre großartig, dann schreib ich eine Albumrezession. Ich wünsche Euch später einen tollen Auftritt.

Theresa:

Danke. Hoffentlich bleibt die Sonne noch eine Weile.

Abschließend sei noch erwähnt, dass es nicht nur Floskeln waren, bezüglich der Nähe zu ihren Fans, den die 5 Musiker genießen es tatsächlich, sich mit Ihnen zu unterhalten. Nach ihrem gefeierten Auftritt auf der Open Air-Bühne sah man die gesamte Mannschaft für den Rest des Abends beim Plausch mit den Fans oder Musikerkollegen von den anderen Bands, ob am Merch , an der Cocktail Bar, immer hatten die sympathischen Briten ein Ohr für die Red Horse Besucher und ließen sich geduldig für Erinnerungsfotos ablichten.

Da konnte natürlich auch ich nicht wiederstehen.

Ich kann auch heute noch von Theresa, David, Meyrick und Joey beim Interview schwärmen, die so was von sympathisch waren. Und auch Drummer Tim konnte ich später noch auf dem Festivalgelände zum kurzen Plausch treffen.

Ich werde Fortune Teller auf alle Fälle weiterhin beobachten!

Reguläres Lineup  Fortune Teller:

Theresa Smith – Vocals
Ian Rockett – Gitarre
Meyrick De La Fuente – Keyboards
Ross McLennan – Gitarre
David Billote – Bass
Tim Coulson – Drums

Joey Jaycock – Gitarre (Ersatz bei Red Horse Festival)

By Thomas

Musikalisch bin ich seit den 80er vor allem im melodischen Hard& Heavy-Dschungel unterwegs und immer auf der Suche nach neuen und alten Perlen. Meine absoluten Faves sind Queenaryche, Y&T, Die Toten Hosen... u.v.a.....inzwischen kann ich mich aber auch für Mittelalterrockband wie Feuerschwanz oder Saltataio Mortis absolut begeistern. Ab und an geht mein Blick aber auch mal über den Tellerrand in Richtung Speed/Trash/Death...solange Melodien erkennbar sind. Auch wenn ich schon zu der Ü50-Fraktion gehöre, findet man mich bei Konzerten und Festivals fast immer Front of Stage, denn Sitzplatz beim Rockkonzerten, das passt bei mir einfach nicht zusammen. Erst wenn es ohne Rollator mal nicht mehr gehen sollte, ist die Tribüne vielleicht ne Alternative.

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