Interview

Midnight Deadbeats – Grenzenüberschreitendes Interview zwischen der Schweiz und Bayern

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Ich durfte vor ein paar Tagen die Jungs von Midnight Deadbeats etwas auf den Zahn fühlen und über Zoom ein paar Fragen stellen. Konventionelle über ihr Album Moonshine Carnival und die Band selbst, aber auch ein paar, die sie überraschend fanden. Lest hier, welche Antworten ich von Niklaus (Mono Mojo), Jukka und Harald auf meine Fragen bekommen habe.

Bevor es losging, habe ich mich erkundigt, wer von uns unerfahrener in Sachen Interview ist. Mit ‚Null‘ hatte ich dann eindeutig gewonnen, oder verloren, je nachdem, wie man das sehen will. Zudem hatte ich mir vorher noch ein Bier eingeschenkt, um im Falle zu großer Nervosität etwas zur Beruhigung zu haben.

von links nach rechs: Harald, Niklaus (Mono Mojo) und Jukka

Nach der Begrüßung haben wir uns darauf geeinigt, bei der Sprache den Dialekt etwas einzuschränken, damit wir uns gegenseitig verstehen können. Ich hoffe, dass ich die Mischung aus etwas Schweizerisch und etwas Bayrisch korrekt niederschreiben kann! Aber genug der Einleitung, hier das Interview:

Christian (Rockmagazin): Euer Album hat mir ja sehr gut gefallen!

Midnight Deadbeats: Danke

Christian (RM): Woher kommt die Inspiration für eure Songs?

Niklaus: Ich bin eigentlich in den 70iger Rockzeugs zuhause. Das kennst Du ja sicher alles.

Christian (RM): Das hört man auch deutlich raus!

Jukka: Auch ein bisschen aus dem Metal und Doom.

Harald: Grunge.

Christian (RM): Wie ist das mit der Umsetzung eurer Songideen? Braucht ihr da lange mit der Umsetzung oder seit ihr da eher spontan?

Niklaus: Am Anfang ist es meist so, dass einer von uns eine Idee bringt, eine musikalische Idee, ein Riff, und vielleicht schon einen zweiten oder dritten Teil. Und danach überarbeite ich diese zuhause, mache so eine Art „Rohling“. Dann treffen wir uns und werfen dann wieder alles über den Haufen (alle lachen), arrangieren das Ganze neu, bringen mehr Ideen ein. Das ist zum Teil ein langer Prozess. (einvernehmliches Nicken)

Christian (RM): Habt ihr einen Hauptsongwriter oder teilt sich das in der Band auf?

Harald: Das ist grundsätzlich bei uns aufgeteilt. Jeder, der eine Idee von uns hat, bringt sie und dann schauen wir, ob wir was daraus basteln können oder nicht. Wenn es uns dann allen gefällt, verfolgen wir das weiter, ansonsten wird es gekippt. Aber jeder von uns beteiligt sich gleich beim Songwriting, egal ob mit einer Idee oder beim Songprozess im Proberaum, wo wir die Ideen dann weiter bearbeiten.

Jukka: Die Texte macht Niklas dann. Genauso wie die Melodie, da haben wir vielleicht 10 Prozent Einfluss, je nachdem. Und auch auf das Hauptarrangement, das ist alles von ihm. Es gibt auch viele Songs, die er nicht komplett fertigbringt, da schichten wir nochmal, verkürzen, verlängern, halt wie das so geht.

Christian (RM): Die Inspirationen für die Texte, wo kommen die her?

Niklaus: Ohhh, die Textideen sind ein buntes Gemisch, aus allem Möglichen. Aus Lügen, Realität und Fantasie, alles dabei!

Christian (RM): Bei meinem Review über euer Album hab ich mich gefragt, was ihr als Vorlage für den Text zu Birds genommen habt, Stephen King oder Alfred Hitchcock?

Niklaus: Das ist auf jeden Fall schon von dem Film Die Vögel.

Christian (RM): Habt ihr Erwartungen an das Album? Erfolgstechnisch?

Jukka: Wir haben es vor ziemlich genau einem Jahr aufgenommen, also Ende Dezember, zwischen Weihnachten und Neujahr. Wir wollten unsere Songs, die wir haben und auf die wir Stolz sind, endlich auf eine Scheibe bringen. Uns damit platzieren und sagen, „Hallo, da sind wir!!!“. Dass Moonshine Carnival jetzt Anklang findet, freut uns wahnsinnig. Also alle Leute wie Du, die darüber schreiben und mit uns Interview führen wollen, das ist natürlich super. Aber wir möchten einfach spielen, das ist auch wichtig. Das Ziel war natürlich auch, Anklang zu finden und dann mal ´ne Tour spielen.

Christian (RM): Das ist zur jetzigen Zeit nur … schwierig.

Jukka: Alle Gigs verschoben und abgesagt.

Harald: Heute ist das letzte Konzert, was wir noch geplant gehabt hätten für dieses Jahr, offiziell abgesagt bzw. verschoben worden.

Christian (RM): Das wird in der Schweiz nicht anders sein als bei uns in Deutschland?

Harald: Genau!

Christian (RM): Lebt ihr eigentlich von der Musik, von der Kunst, oder habt ihr „normale“ Berufe?

Jukka: Ich hab mal mit ´ner Band noch wirklich Geld verdient. Und ich bin Tontechniker, bin live unterwegs mit Künstlern, aber das ist nicht die Kunst, die ich mache. Ich mache es nur laut! (lacht). So indirekt verdiene ich so was mit der Kunst. Niklas hat noch ein Soloprojekt, das heißt Mono Mojo, damit bekommt er schon mehr Ruhm. Letztendlich Soloprojekt, da geht die ganze Gage in seine Tasche.

Niklaus: Ja, das stimmt schon, da verdiene ich schon etwas, aber ich kann nicht allein davon leben!

Harald: Bei mir ist es so normalo berufstechnisch, ich habe einen Bürojob. Da bin ich um die 80% und zu 20% arbeite ich noch bei einem Label. Aber von der Musik her gibt es bisher keine Einnahmen.

Christian (RM): Würdet ihr denn gerne von der Musik der Midnight Deadbeats leben wollen, wenn es möglich wäre?

Jukka: Wenn es möglich wäre, wäre es natürlich sehr geil. Also ich würd, glaub ich, viel opfern, um mit einer Band, in der ich songwritertechnisch darin involviert bin, quasi das machen kann, was ich geil finde, da würde ich, glaub ich, auf viel verzichten, um das umzusetzen. Aber das kann ich jetzt so pauschal noch nicht sagen, das kommt alles drauf an und ich bin schon soweit Realist dabei. Es ist cool, wenn ich nicht drauflege, das ist die Hauptsache. Dass ich die Miete, die Plattenpressung, die Spritspesen gedeckt habe, damit ich dann ´ne gute Show spielen kann. Einfach nicht noch ärmer werden.

Christian (RM): Das ist kein schlechtes Ziel. Was macht eure Band besonders? Wie würdet ihr jemandem die Midnight Deadbeats schmackhaft machen?

Jukka: Werbeslogan!

Niklaus: Jaaa, also für mich spielen wir so Arschtritt Rock´n´Roll, nicht viel Schnick Schnack und Arschtritt garantiert.

Christian (RM): Habt ihr schon Pläne für 2021? Das steht ja doch schon vor der Haustüre!

Niklaus: Momentan sind wir an einem neuen Album am schreiben. Und, ähm, wir sind vielleicht in der Hälfte, oder so!?

Jukka: Ja, wir haben etwa wieder drei, vier Songs am Start, die schon richtig cool klingen. Es sind eher ein bisschen langsame Songs, aber ich denke, wir gehen auch wieder in die schnellere Richtung zurück. Es kommt gut. Also, neue Sachen schreiben in der Zeit, die wir jetzt haben. Vielleicht auch mal ein Videoprojekt starten, damit wir auch ein bisschen bei den Leuten bleiben, wenn man sich schon nicht auf der Bühne präsentieren kann.

Harald: Hoffen, dass wir 2021 wieder live spielen können! Aber das liegt ja leider nicht an uns, zumindest nicht komplett an uns. Schauen wir mal, wie sich da die Situation ändert in nächster Zukunft.

Christian (RM): Mal was fiktives! Wo wäre euer Traumort für ´nen Gig? Wo würdet ihr gerne mal auftreten?

Jukka: Ich würde gerne unsere Plattentaufe noch nachholen! Wir haben jetzt eine schöne Platte gemacht, das Artwork von Niklaus gemalt.

Christian (RM): Das übrigens auch sehr cool geworden ist!

Jukka: Wir sind eigentlich sehr stolz darauf, dass wir das so geschafft haben. Wenn ich die Platte dann wieder höre, denke ich mir, wow, das kommt richtig gut raus. Also schon so ein bisschen mit Stolz verbunden. So richtig nass, mit guten Freunden, viel Bier…..und ja, vielleicht auch mit ein paar blutenden Zehen vom Rumspringen und ein paar Blasen an den Fingern vom Schlagzeugspielen, Bier in den Haaren und in den Hosen, und überall. Einfach ´ne feucht-fröhliche Party halt. Das wäre das Mindeste. Das wäre jetzt am Freitag in der Kaschemme in Basel gewesen. Aber Basel hat Veranstaltungen bis 15 Personen erlaubt, also quasi keine. Wir hoffen, dass es vielleicht im Frühling stattfinden kann. Ansonsten machen wir es irgendwann im nächsten Jahr, im Herbst.

Harald: Oder im Sommer?

Jukka: Sommer wäre auch lustig, vielleicht draußen!

Christian (RM): Mal angenommen, bei euch würden Led Zeppelin und Black Sabbath gleichzeitig anfragen, ob ihr mit denen auf Tour gehen würdet als Vorband, für wen würdet ihr auch entscheiden?

Harald: Ja, ne, ist klar! (schaut in die Runde)

Niklaus: Ich glaube Black Sabbath.

Harald: Das kommt natürlich auch drauf an, aus welcher Ära von Black Sabbath! Aber grundsätzlich, ja, ganz klar Black Sabbath.

Christian (RM): Mit Ozzy natürlich!

Jukka: Die hatten auch die besseren Drogen (lacht). Das würde auch musikalisch besser zu uns passen, weil wir auch eher reinhauen. Und Led Zeppelin passt weniger gut. Wir sind, glaub ich, ein bisschen zu hart für die. Wenn wir die supporten würden, die dann so auf LSD sind, das wäre dann dem Publikum vielleicht zu viel zugemutet.

Christian (RM): Meine letzte Frage wäre, welche Frage würdet ihr in zehn Jahren gerne hören?

Jukka: Das ist ´ne gute Frage. Also, wenn Du uns die stellen würdest?

Christian (RM): Egal

Jukka: Einfach so, was auch Eltern oder Verwandte fragen, wie: Was macht der Typ eigentlich, der geht auf Tour, mit Bands, die trinken doch nur und nehmen Drogen? Und dann kommst du nach der Tour total glücklich und fit nach Hause, und siehst gar nicht so abgeranzt aus, wie sie sich das vorstellen. Und dann kommt vielleicht mal die Frage: „Denkst Du, das hat sich gelohnt, oder bist Du zufrieden mit dem, was Du gemacht hast?“ Eine kleine Rückschau auf die letzten Jahre, und dann mit einem „Ja, das war die geilste Zeit“ antworten können. Das wäre eigentlich dann die Antwort, die ich auf die Frage geben möchte. Die Frage müsste dann so gestellt sein, dass ich so antworten kann. Aber ich weiß ja nicht, was passiert in der Zeit. Aber Du spielst ja darauf an, deswegen.

Christian (RM): Ich merk mir das und in zehn Jahren dann! Dann wären wir auch schon am Ende meiner Fragen. Hättet ihr so noch ein Schlusswort an die Welt da draußen?

Jukka: Einfach nicht lange überlegen, machen, was der Bauch sagt.

Harald: und bleibt gesund!

Jukka: lasst euch nicht erwischen von dem Coronavirus! Und aufpassen und nett sein.

Christian (RM): Danke für die Zeit mit Euch, hat Spaß gemacht.

Wie ihr lesen konntet, verlief das Gespräch mit den Midnight Deadbeats recht locker und wir hatten einiges zu lachen, die Band wie auch ich. Es sind sympathische Jungs, denen ich noch viel Erfolg wünschen möchte und dass sie tatsächlich mal von dem gut leben können, was ihnen Spaß macht, nämlich von ihrer Musik.

Line Up:

Mono Mojo – Gitarre/Gesang

Harald Binder – Bass

Jukka Altermatt – Drums

http://www.fb.com/midnightdeadbeats

https://midnightdeadbeats.bandcamp.com/

https://www.instagram.com/midnight_deadbeats

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Christian B

Christian B

Ich höre alles von traditionellem Heavy Metal, Black, Death, Trash, Folk. Power über Punkrock und was es sonst noch so alles gibt, gut muss es halt sein. Bei was es mir allerdings die Zehennägel aufstellt ist langweiliger Prog wie in Dream Theater, Queensrÿche, Opeth und co. zelebrieren. Da schlafe ich schlichtweg ein.

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