Festivalreportage – Teil 1/2
Vom verregneten Warm-up bis zu einem Headliner, der Metal-Geschichte schrieb
Als das Area 53 Festival vom 16. bis 18. Juli 2026 wieder seine Tore in Schladnitz bei Leoben öffnete, wurde schnell klar: Das Festival hat endgültig den Sprung in die obere Liga der europäischen Metal-Festivals geschafft. Internationale Top-Acts, tausende Besucher aus nah und fern und eine Organisation, die Jahr für Jahr wächst, machten bereits den ersten Festivalabschnitt zu einem vollen Erfolg.

Mittlerweile reisen rund 60 Prozent der Besucher aus dem Ausland an – eine beeindruckende Entwicklung für ein Festival, das 2017 noch mit wenigen hundert Gästen begann.
Besonders auffällig waren heuer die Erweiterungen rund um das Festivalgelände. Das Murinsel Camp war bereits lange vor Festivalbeginn ausverkauft, ebenso das beliebte VIP-Camp rund um die Schutzhütte. Aufgrund der enormen Nachfrage musste sogar ein zusätzlicher Campingplatz auf der Anhöhe geöffnet werden. Für das leibliche Wohl sorgten eigene Fress- und Saufbuden sowohl im Murinsel Camp als auch im Camping Deluxe.
Auch das eigentliche Festivalgelände wurde erweitert. Auf dem Industriegelände (links betrachtet in Richtung Bühne) entstand ein neuer Aufenthaltsbereich mit zahlreichen Sitzgelegenheiten, zusätzlichen Getränkeständen sowie dem Stand von Radio 88.6 – ein weiteres Zeichen dafür, dass Area 53 kontinuierlich wächst und dabei dennoch seinen familiären Charakter bewahrt.

Ich musste dabei unweigerlich an einen bekannten Metal-YouTuber denken, der dem Festival im Jahr 2019 keine große Zukunft prophezeit hatte. Rückblickend könnte diese Einschätzung falscher kaum gewesen sein. Area 53 entwickelt sich Jahr für Jahr weiter und beweist eindrucksvoll, dass Leidenschaft, Herzblut und eine klare Vision oftmals wichtiger sind als große Namen oder riesige Budgets.

Im Bild seht ihr die Veranstalter Hannes Kaufmann und Oliver Seebacher mit dem Kulturreferenten Erzberg/Leoben Markus Messics.
Mittwoch: Regenwetter? Dann eben Party in der Tenne
Bereits am Mittwoch reisten die ersten Metalheads nach Schladnitz an. Das traditionelle Warm-up fand wie gewohnt in der Tenne statt, wo Horny and the Monkeys mit ihrer energiegeladenen Live-Show sofort für ausgelassene Stimmung sorgten.
Draußen öffnete der Himmel zeitweise sämtliche Schleusen. Die heftigen Regenfälle sorgten allerdings keineswegs für schlechte Laune – ganz im Gegenteil. Die Besucher blieben einfach länger in der Tenne, feierten gemeinsam weiter und verlegten die Party erst später auf die Campingplätze. Schon am Anreisetag war spürbar, weshalb Area 53 so viele Stammgäste besitzt: Hier trifft man Freunde, knüpft neue Bekanntschaften und stimmt sich gemeinsam auf drei Tage Metal ein.
Auch der „Festival- Jesus“ war wieder vor Ort und segnete seine Jünger.

Donnerstag: Der Metal-Marathon beginnt
Pünktlich zu Mittag öffneten sich am Donnerstag die Tore zum Festivalgelände. Den Auftakt übernahm die heimische Hardrockband Matter of Taste, die als Lokalmatadoren sofort zahlreiche Besucher vor die Bühne lockte und einen gelungenen Start in den ersten Festivaltag hinlegte.
Mit Patriarcha folgte eine Band, deren Sänger vielen Fans bereits aus den sozialen Medien bekannt ist. Als erfolgreicher Metal-Influencer brachte er seine Fangemeinde mit nach Schladnitz und bewies, dass hinter den Online-Videos auch musikalisch einiges steckt.
Danach sorgten Igel VS Shark endgültig für steigende Temperaturen vor der Bühne. Die Band riss das Publikum mit, erste Moshpits entstanden und das Stimmungsbarometer zeigte deutlich nach oben.
Mit Agathodaimon wurde es anschließend deutlich düsterer. Atmosphärische Black-Metal-Klänge und finstere Melodien sorgten für einen stimmungsvollen Kontrast zum bisherigen Programm und zeigten einmal mehr die stilistische Vielfalt des Festivals.
Internationale Klasse auf der Bühne
Ein besonderes Highlight stellte der Auftritt von Firewind dar. Gitarrenvirtuose Gus G., vielen Fans noch als langjähriger Gitarrist von Ozzy Osbourne bekannt, demonstrierte eindrucksvoll seine außergewöhnlichen Fähigkeiten. Trotz Wechsel am Mikro präsentierte sich Firewind äußerst eingespielt und lieferte eine technisch brillante Show ab.
Anschließend betraten Hiraes die Bühne und brachten geballte Frauenpower nach Schladnitz. Frontfrau Britta Görtz überzeugte mit gewaltiger Präsenz und einer beeindruckenden Stimme. Vor der Bühne entwickelte sich ein ausgelassener Circle Pit, der eindrucksvoll zeigte, wie sehr die Band das Publikum mitriss.
Fast schon ein Heimspiel war danach der Auftritt von Visions of Atlantis. Die österreichischen Symphonic-Metal-Piraten lieferten gewohnt souverän eine mitreißende Show voller Hymnen, starker Gesangsduette und maritimer Atmosphäre. Die Band gehört längst zu den Publikumslieblingen des Festivals und wurde entsprechend gefeiert.
Cavalera: Eine Reise zurück zu „Chaos A.D.“
Emotional wurde es, als Max und Igor Cavalera gemeinsam die Bühne betraten. Unter dem Banner Cavalera – Chaos A.D. spielten die beiden Brüder das legendäre Sepultura-Album nahezu vollständig und versetzten die Fans zurück in die goldene Ära des Thrash Metals.
Die Stimmung vor der Bühne war von der ersten Minute an überwältigend. Moshpits, Crowdsurfer und lautstark mitgesungene Klassiker prägten den Auftritt. Besonders schön war zu sehen, wie viel Freude Max und Igor selbst an diesem Konzert hatten.
Saxon liefern einen Headliner-Auftritt für die Geschichtsbücher
Den krönenden Abschluss des ersten Festivaltages bildeten die britischen Heavy-Metal-Legenden Saxon. Dass die Band auch nach fast fünf Jahrzehnten nichts von ihrer Klasse verloren hat, bewiesen Biff Byford und seine Mitstreiter eindrucksvoll.
Von den ersten Tönen an verwandelte sich das Festivalgelände in ein Meer aus erhobenen Fäusten und fliegenden Kutten. Immer wieder landeten die legendären Jeanswesten der Fans auf der Bühne – und Saxon machte genau das, was nur echte Publikumslieblinge tun: Die Musiker zogen die Kutten kurzerhand an und spielten Teile der Show damit weiter. Ein sympathischer Moment, der die enge Verbindung zwischen Band und Fans perfekt widerspiegelte.
Auch musikalisch ließ die britische Institution keine Wünsche offen. Zahlreiche Klassiker reihten sich aneinander, ehe mehrere Zugaben den ohnehin schon beeindruckenden Auftritt würdig abrundeten. Saxon bewiesen eindrucksvoll, warum sie bis heute zu den wichtigsten Bands der New Wave of British Heavy Metal gehören und lieferten einen Headliner-Auftritt, der dem ersten Festivalabend einen perfekten Abschluss verlieh.
Die Nacht war noch lange nicht vorbei
Wer nach diesem Konzert glaubte, der Tag wäre beendet gewesen, irrte sich gewaltig. In der Tenne wartete bereits die traditionelle Aftershowparty mit Live-Musik, bei der bis tief in die Nacht gefeiert wurde. Während auf den Campingplätzen noch unzählige Lagerfeuergespräche geführt wurden, war allen bereits klar: Wenn der erste Festivaltag bereits dieses Niveau erreicht, darf man sich auf Freitag und Samstag ganz besonders freuen.



























































































































































