Genre: Hard Rock / Rock’n’Roll

Sechs verdammte Jahre haben sich Airbourne Zeit gelassen, um uns wieder einmal zu erklären, wie Rock’n’Roll gefälligst zu funktionieren hat. Das ist ungefähr die Zeit, in der andere Bands drei Alben aufnehmen, zwei Besetzungswechsel hinter sich bringen und anschließend feststellen, dass ihr Drummer jetzt eigentlich viel lieber Jazz spielen möchte. Die vier Australier brauchten diese Zeit wohl, um aus den in diesem Zeitraum angesammelten Songideen das zu machen, was sie selbst ziemlich selbstbewusst als ihr „bestes Album“ bezeichnen. Und Bescheidenheit war bei Airbourne ja noch nie die größte Stärke.

Schon der Opener Gutsy macht unmissverständlich klar, dass hier niemand vorhat, plötzlich Progressive Rock zu erfinden. Airbourne bleiben Airbourne. Fette Gitarren, Joel O’Keeffes charakteristisches Organ, ordentlich Druck auf der Trommel und dieser typische Rock’n’Roll-Groove, bei dem man automatisch anfängt, mit dem Fuß zu wippen. Innovation? Fehlanzeige.

Und damit wären wir auch schon beim größten Problem und gleichzeitig größten Pluspunkt dieses Albums. Wer Airbourne bisher nicht mochte, wird auch auf dem neuen Album vermutlich nicht plötzlich zum Fan mutieren. Wer die Band dagegen bisher abgefeiert hat, dürfte ziemlich schnell feststellen, dass die Australier hier genau das abliefern, was man von ihnen erwartet. Nur eben eine Nummer größer.

Airbourne wollten laut eigener Aussage ein „gargantuan“ Album machen. Also kein kleines Rockalbum für den gemütlichen Abend auf der Couch, sondern großes Kino. Und genau so klingt die Scheibe. Hier klingt nichts nach Kellerproberaum, obwohl die Band bei den Aufnahmen auf altes analoges Equipment und Tape gesetzt hat. Dazu kamen die historischen Neve-Konsolen aus den legendären Alberts Studios, auf denen unter anderem AC/DC, Rose Tattoo und The Angels ihre Spuren hinterlassen haben.

Dazu kommen noch Mutt Lange und Bryan Adams, die bei Here She Comes und Who Put The Rhythm In You? als Co-Autoren ihre Finger mit im Spiel haben. Dass dabei keine avantgardistischen Klangexperimente herauskommen, dürfte niemanden überraschen. Airbourne auf XXL aufgeblasen, wenn man so will.

Kid In A Candy Store ist genau das, was man erwartet, wenn Joel O’Keeffe eine Frau und eine Süßigkeitengeschäft-Metapher zusammenbringt. Subtil ist anders. Aber Airbourne und subtile Texte waren ungefähr so eine Liebesbeziehung wie Lemmy und alkoholfreies Bier. Mit Alive After Death wird es dagegen deutlich persönlicher. Der Song ist eine Verbeugung vor den verstorbenen Helden der Band und beschäftigt sich mit der eigentlich ziemlich schönen Idee, dass Musiker niemals wirklich verschwinden, solange ihre Songs weitergespielt werden.

Bei Send Me To Rock’n’Roll Heaven wird das Thema dann noch einmal aufgegriffen. Lemmy, Bon Scott, John Bonham, Little Richard und weitere Ikonen bekommen hier musikalisch ihren Platz im Rock’n’Roll-Himmel. Sky High liefert die erwartete Portion schmutzigen Rock’n’Roll, während Last Man Standing und Hell’s Got No Vacancy das Airbourne-typische Thema des Niemals-Aufgebens bedienen.

Und dann wäre da noch Bogotá, das die Erfahrungen der Band unterwegs aufgreift. Natürlich darf auch der obligatorische Arschtritt in Richtung Party nicht fehlen.

Dann hätten wir noch Christmas Bonus, der mir wie eine Reminiszenz an Mistress for Christmas vom AC/DC-Klassiker The Razors Edge vorkommt und dabei wohl einer dieser Songs ist, bei denen man besser nicht versucht, über die textliche Tiefgründigkeit zu philosophieren. Airbourne zelebrieren hier einfach Rock’n’Roll: laut, dreckig und mit viel Gitarre.

Natürlich könnte man der Band vorwerfen, dass sie sich seit Runnin’ Wild nicht gerade auf eine musikalische Weltreise begeben haben. Und wer hier den großen stilistischen Entwicklungsschritt erwartet, wird auch enttäuscht sein. Der große Unterschied zu manchem lieblos zusammengeschusterten Retro-Rock-Album besteht einfach darin, dass hier trotz aller bekannten Zutaten noch immer die Spielfreude spürbar ist. Die Band klingt nicht wie eine Coverband ihrer Vorbilder, sondern wie eine Band, die genau weiß, was sie kann und darauf verdammt noch mal Bock hat.

Fazit: Mit Airbourne haben Airbourne kein Album eingespielt, das die Rockmusik neu erfindet. Aber wer will das schon?Es ist vielmehr eine ziemlich kompromisslose Liebeserklärung an das, was Airbourne seit über zwanzig Jahren machen: dreckigen, direkten, lauten Rock’n’Roll mit großen Riffs!Aber ob es tatsächlich das „beste Album“ der Band ist?Ich würde zumindest behaupten Airbourne wissen noch immer ganz genau, warum wir sie hören.Dafür gibt es anständige 8,5 von 10 Bängs!

Airbourne ist am 28. August 2026 über Spinefarm Records erschienen.

Line-up:

Joel O’Keeffe – Gesang, Gitarre

Ryan O’Keeffe – Schlagzeug

Justin Street – Bass

Brett Tyrrell – Gitarre

Tracklist:

Gutsy

Alive After Death (Last Plane Out)

Here She Comes

Kid In A Candy Store

Sky High

Who Put The Rhythm In You?

Christmas Bonus

Last Man Standing

Rock ’N’ Roll Ya

Bogotá

Hell’s Got No Vacancy

Send Me To Rock ’N’ Roll Heaven

Airbourne Homepage/Facebook/Instagram

By Christian B

Ich höre alles von traditionellem Heavy Metal, Black, Death, T(h)rash, Folk. Power über Punkrock und was es sonst noch so alles gibt, gut muss es halt sein. Wobei es mir allerdings die Zehennägel aufstellt, ist langweiliger Prog wie in Dream Theater, Queensrÿche, Opeth und Co. zelebrieren. Da schlafe ich schlichtweg ein.

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