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Thomas Mulitzer – Pop ist tot – Eine Buch-Rezension

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Was für ein Bild: ein ehemaliger Punkmusiker fristet sein Dasein vor einem Bildschirm in einer dieser nichtssagenden Hipsterhöllen voll mit Feministinnen und verdient sich sein Geld damit, Produkte mit „sinnigen“ Hashtags zu versehen und diese so an den Mann oder die Frau zu bringen!

Ob der Autor Thomas Mulitzer, der selbst als Musiker unter anderem in der Mundart-Punkband Glue Grew Gitarre und Gesang übernimmt, sich selbst in die Rolle seiner Hauptfigur versetzt?

Das Buch beginnt mit dem Dahinfristen eines ehemaligen Musikers und wird schnell zu einem rasanten Roadmovie. Durch die Wiederbelebung der Band Pop ist tot und dem Wiedersehen mit den ehemaligen Mitmusikern nimmt die Geschichte an Fahrt auf und es wird mit viel Witz und auch einer melancholischen Ernsthaftigkeit erzählt, in die man sich trotz der Fiktion sehr gut hineinversetzen kann. Auch die Probleme mit Superschnaps, die als Headliner der Tour fungieren und zu genau wissen, wie das Hamsterrad des Marketings in der heutigen Zeit funktioniert, kann man im Großen und Ganzen nachvollziehen. Punkrock ist was anderes.

„Punk ist der Radierer, der in die Skizze grätscht, der dem Lebensentwurf einen Strich durch die Rechnung macht. Punk löscht aus, zerlegt. Setzt den Steg in Brand und kappt die letzten Taue. Sprengt Monumente und schmiert Parolen auf die Trümmer. Klaut aus Liebe, randaliert

Das Ende will ich jetzt nicht verraten, dafür ist das Buch zu gut und sollte gelesen werden. Aber soviel sei gesagt: es gibt ein „Feuerwerk“, einen Totalausfall und einen Neubeginn.

„Die Musik bläst durch die Gehörgänge wie ein Hochdruckreiniger und hinterlässt verbrannte Haarsinneszellen, zerbrochene Gehörknöchelchen und pures Chaos. Somit ist auch das Gleichgewicht im Arsch. Da ist es kein Wunder, dass manche Konzertbesucher vor der Bühne auf und ab torkeln oder wie irre im Kreis rennen. Eine völlig normale körperliche Reaktion.“

Fazit: Ein kurzes Lesevergnügen, eines dieser Bücher, die man in einem Rutsch durchliest und sich hineinversetzen kann. Auch die Nicht-Musiker unter uns werden sich problemlos in diese Welt und in die wohl letzte Tour von Pop ist tot hineinversetzen können, deshalb 9 von 10 Bängs!

neun von zehn

Der Roman ist bei Kremayr & Scheriau erschienen.

Thomas Mulitzer, geboren 1988, aufgewachsen in Goldegg im Pongau, lebt und arbeitet in Salzburg. Macht Musik, unter anderem als Singer-Songwriter und in der Mundart-Punkband Glue Crew. Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften und Anthologien. 2017 erschien sein Romandebüt Tau bei Kremayr & Scheriau.

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Christian B

Ich höre alles von traditionellem Heavy Metal, Black, Death, Trash, Folk. Power über Punkrock und was es sonst noch so alles gibt, gut muss es halt sein. Bei was es mir allerdings die Zehennägel aufstellt ist langweiliger Prog wie in Dream Theater, Queensrÿche, Opeth und co. zelebrieren. Da schlafe ich schlichtweg ein.

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