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Rock Castle Open Air 2021 – XXL Reportage – Festival Review

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Kutten, Bier und Circle Pit

Ort: Moravsky Krumlov (Mährisch Krumlau)

Land: Tschechien

Wer vermisst es nicht, das Wiedersehen der Kuttengesellschaft mit Live Bands inklusive Circle Pit….

Die Besucher des ersten Rock Castle Open Air im Tschechischen Moravsky Krumlov (mährisch Krumlau) hatten dieses Privileg und bekamen das komplette Festival Programm – unzensiert vom 19. – 21.08.2021. Im Prinzip ist es nicht das allererste Mal, dass metallische Klänge Moravsky Krumlov den Schlossgarten beschallen, da das ursprüngliche  Rock Heart Festival den Veranstalter und den Namen änderte. Die renommierte tschechische  Veranstaltungsagentur Pragokoncert übernahm 2021 das Konzept des ursprünglichen Festivals. So konnte durch den Ausfall ihrer beiden großen Festivals Masters of Rock und Metal Fest Open Air mit dem Rock Castle Open Air das größte Metal Festival Tschechiens 2021 veranstaltet werden.

Grundsätzlich war es eine sehr gewagte und unsichere Sache, ein Festival mit einer von der Regierung genehmigten Besucherzahl von 7000 Köpfen und einem hochkarätigen Line up zu veranstalten, da bis zur letzten Stunde – „keine Hyperbel“, das Line Up nicht wirklich fix war. Aber dazu später.

Fakt war, die Bands waren gebucht, die Tickets zum Verkauf freigegeben. 7000 Tickets und Campground für gefühlte 1000 Besucher, da musste der Veranstalter was unternehmen. Kurzfristig mussten zusätzliche Campingplätze in der Pampa rund um die „Metropole“ Moravsky Krumlov organisiert werden, da das 5000 Einwohnerörtchen über keine Hotels verfügt.

Nichtsdestotrotz schafften es die Veranstaltungsgiganten wirklich gute Campingplätze mit sauberen Dixies innerhalb kürzester Zeit aufzubauen. Jedoch sollte man sich vor der Anreisen die Route für den gebuchten Campingplatz genauer ansehen, da es überhaupt keine Beschilderungen gab.

Sprichwörtlich unter dem Fuße der St. Florian Kirche, befand sich das idyllische Camp Nr. 8, für Festivalbesucher die nachts auch etwas schlafen wollten. Ein perfekter Platz wurde neben dem Fußballareal gefunden, mit einer Kantine mit WC und Duschmöglichkeiten, einem Fußmarsch von 8 Minuten zum Hauptplatz und 14 Minuten direkt in das Festivalgelände.

Auf Grund der derzeitigen Covid 19 Situation wurde seitens des Veranstalters ein kluges Konzept erarbeitet und von der Regierung abgesegnet. Mit der bereits bekannten „3G“ Regel – geimpft, getestet oder genesen –  konnte man vor dem Schloss Krumlau das Ticket an der Bandausgabe einlösen. Für nicht Getestete gab es natürlich die Möglichkeit vor Ort einen Antigentest zu machen.

Copyright (C) Olli C.

Das Festivalgelände selbst befindet sich im Garten des örtlichen Schlosses und kann man durch seine gemütlichen Atmosphäre fast schon als Woodstock des Heavy Metals betrachten. Ausgebreitete Decken a la Picknick mit den Kleinsten, wobei die „teuflischen Klänge“ den Hintergrund beschallten. Sicht auf die Bühne gab es fast überall, da sich das Festival auf einer steigenden Wiese befand. Wer hier Junkfood auf der „Nahrungsmittelmeile“ erwartete, ist falsch am Platz. Nix mit Hot Dog o.Ä. Hier gabs nur kulinarische Hausmannskost vom Feinsten. Halusky (Binsennocken mit Kraut), Klobasse und andere tschechische Spezialitäten. (Mir läuft schon beim Schreiben das Wasser im Mund zusammen).

Tag 1

Die Tschechische Motörhead Coverband MOTÖRGANG eröffnete das erste Rock Castle Open Air um 15:00 Uhr und würdigten Lemmy mit ihrer Version von Ace of Spades. Leider gab es bei ALIA TEMPORA Startschwierigkeiten, da es Probleme mit der Tonanlage gab. Am späten Nachmittag konnten die Österreicher DRAGONY dem „Fußvolk“ das Imperium des Habsburger Reiches musikalisch übermitteln, wobei es auch hier anfänglich Technikprobleme gab. Sänger Sigi konnte trotz Mikroprobleme dem Publikum ordentlich einheizen, wobei das neue Werk VIRIBUS UNITIS bei den Fans sehr guten Anklang bekam. Mit einer Unplugged- Session begeisterte Freedom Call Sänger Chris Bay das Publikum und verabschiedete sich mit den Worten „I wish I could play with Freedom Call here“ – Konnte Chris Wahrsehen? Aber dazu später. Ein würdiger Headliner für Tag 1 waren KORPIKLAANI und konnten mit einigen Gastauftritten und einer soliden Show punkten. Durch einen Ausfall einiger russischen Bands sprang die slowakische Female Fronted Symphonic Metal Band SYMFOBIA ein und beendeten somit den ersten Tag.

Copyright (C) Olli C.

TAG 2

Da zahlreiche Headbanger nach etlichen Pivos und Sliwowitz mehr Alkohol im Körper als Blut hatten, pilgerten diese zur Ausnüchterung auf den hoch gelegenen St. Florian Stift. Mit einer herrlichen Aussicht über die Stadt Krumlau, wurde das pilgernde Volk belohnt, bis es dann über einen Umweg ins Wirtshaus zu Schweinsbraten und Kraut oder Binsennocken, dann gestärkt direkt wieder ins Festivalgelände ging. Ein unglaubliches Erlebnis, bei brütender Hitze mitten in der Menschenmenge von WINTERSTORM, umzingelt von Schweißgerüchen und den gasförmigen Produkt namens Methan, erzeugt durch die Mischung aus Halusky (Binsennocken mit Kraut) und Bier. Hach, wie habe ich dieses Feeling vermisst. Im Prinzip waren jedoch diese üblen Gerüche ganz nützlich – eine Bestätigung einer negativen Covid 19 Erkrankung. Durch die kurzfristige Absage von SCEPTICFLESH auf Grund einer Krankheit eines Bandmitlieds, wurde Chris Bay zurück ins Schloss geholt, um anstelle der Griechen mit Freedom Call das Loch zu stopfen. Aus logistischen Gründen konnte jedoch nicht direkt der Platz am Freitag eingenommen werden, jedoch erklärten sich die tschechischen CITRON bereit, ihren Auftritt für den geplanten Samstag auf Freitag vorzulegen. Somit bekam Freedom Call den „Samstags – Primetime- Platz“. Passend zum zunehmenden Vollmond über dem Schloss Krumlov, beehrten THE 69 EYES die Bühne und konnten trotz wiederkehrenden Soundproblemen die Crowd zum Circle Pit bewegen. SABATON – ein würdiger Headliner für den Samstag, weshalb wohl etliche Fans aus dem In- und Auslandwegen der Schweden anreisten. Bei Swedish Pagans gab es eine Show der Sonderklasse, da Joakim und Tommy Johansson die „Waffen“ tauschten – Joakim an der Gitarre und Tommy am Mikro. Hut ab – Megastimme – klar, Tommy ist letztendlich auch Sänger in seinem Nebenprojekt Majestica. Mit To hell and back beendeten SABATON um 1:00 Uhr das Megaspektakel.

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Tag 3

Und wieder eine Änderung im Line Up durch den Ausfall einer russischen Band – TYR`s Heri Joensen mit seiner Zweitband SURMA, lieferten ebenfalls eine fette Show ab. Heri konnte man sogar anschließend im Festivalgelände unter dem Volk erblicken. Die Wiener Female Fronted Symphonic Metal Band AUTUMN BRIDE waren erstmals im „Auslandseinsatz“, wobei sie das Publikum definitiv überzeugen konnten und brachten in der heißen Nachmittagssonne den Schlosspark regelrecht zum Kochen. Die Deutschen Powermetaller BRAINSTORM konnten nach 20 Monaten endlich wieder vor einem Livepublikum ihr Bestes geben und präsentierten erstmals ihre am 17. September erscheinende Single Escape the Silence. Volles Haus bei Freedom Call, wobei Chris Bay die Menge sprichwörtlich zum Beben brachte – die Security hatte durch die etlichen Crowd-Surfer alle Hände zu tun. Kurz vor 22:00 Uhr betrat der finale Headliner die Bühne. DIRKSCHNEIDER feierte das METAL HEART Jubiläum mit einer fetten Show. AXXIS beendeten das Festival um 1:00 Uhr morgens mit einer soliden Show, wobei der Heimgang zum Camp nicht auf Grund von exzessiven Alkoholgenuss, sondern vor Wehmut und Bedauern, dass es schon vorbei ist, sehr schwierig war.

Die letzten Bierchen am Campingplatz, sowie ein Resümee des Festivals mit den kennengelernten und bereits befreundeten Nachbarn aus Österreich, Deutschland, Slowenien, Polen und Tschechien. Mit einem weinendem aber auch einem lachenden Auge ging es letztendlich am Sonntag zurück in die Heimat.

FAZIT: Da es anfänglich doch ein wenig chaotisch schien, war es schlussendlich ein wirklich tolles, gemütliches Festival. Es schmücken sich etliche Festivals mit dem Vokabular „familiär“. Nein, nein, nein. Wer ein wirkliches familiäres Festival mit kulinarischen Leckereien und bestes Bier sucht, der ist beim Rock Castle Open Air genau richtig. – TOP TOP TOP

Für das Festival gibt es meiner Wenigkeit eine Gesamtbewertung von 9 BÄÄÄÄNGS

neun von zehn

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Olli C

Passionierter Motorradfahrer sowie Hobby- Schlagzeuger aus Österreich. Bevorzugt Powermetal, traditionellen Heavy Metal, NWOBHM, Thrash, Melodic Death,Sleeze, Gothic, Symphonic Metal, Glam aber auch Hard Rock. Wirft ein Auge auf Undergroundbands und macht primär Reviews aber auch Interviews und Konzert- sowie Festivalreportagen. Moderierte früher Metalshows auf diversen Internetplattformen.

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