Album Reviews

MANNTRA – Neues Album „Monster Mind Consuming“ – Hörenswerter Kroatischer Folk-Metal-Mix – Album-Review

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Herkunftsland: Kroatien
Musikstil: Folkmetal, NDH, Industrial Metal

Kroatien, da denkt man zunächst als erstes unweigerlich an Sonne, Urlaub, Strand und all das Schöne, was in dieser beschissenen Corona-Zeit sooooo weit weg zu sein scheint. Kroatischer Rock oder Metal, muss ich gestehen, fand bislang bei mir nicht statt. Und dann kommt mir da durch Zufall der Name einer Band unter die Augen/Ohren, mit dem ich zunächst rein gar nichts anfangen konnte: MANNTRA.

Die hätte ich normalerweise irgendwie in die Schublade zu Entspannungsmusik, Yoga, Klangschalenmusik, Buddhismus oder so gesteckt. Als ich dann aber hörte, das MANNTRA eine kroatische Rockband ist, die auch schon auf den W:O:A gespielt hat, machen sich meine metallischen Musikrezeptoren bemerkbar und die Neugier ist erwacht.

© Franz Schepers

Also mal schnell YouTube um Hilfe gefragt, und siehe da, jetzt wird die Sache interessant. Glücklicherweise habe ich mit dem Song „Heathens“ gleich ein Video vom neuen Album „Monster Mind Consuming“ erwischt, welches, wie es der Zufall so will, auch noch diese Woche erschienen ist.

Und was soll ich sagen: absoluter Volltreffer, ich bin von den Kroaten angefixt. Das Album muss zunächst digital bei einem der bekannten Streaming Dienste her. Das Ergebnis: Seit Tagen läuft MANNTRA bei mir in Dauerschleife, nicht nur das aktuelle Album.

2011 von Sänger Marko Matijević Sekul in der istrischen Stadt Umag gegründet, veröffentlichten MANNTRA 2012 ihr Debütalbum „Horizont“, welches noch in ihrer Landessprache gesungen war. Nach zwei weiteren Alben mit kroatischen Vocals wurde 2019 mit dem Album “Oyka!“ der erste Schritt in Richtung internationaler Bekanntheit gemacht und die Songs nun erstmals mit englischen  Texten veröffentlicht. Noch etwas neu und ungewohnt für Sänger Marko, wie man manchmal etwas raushören kann. Nachdem dann MANNTRA 2019 in Kroatien leider erfolglos mit dem darauf enthaltenen sehr guten Song „In the  Shadows versuchten, am Eurovision Song Contest in Israel teilzunehmen, wurde dieser Tage „Monster Mind Consuming“, das inzwischen fünfte Album, und damit das zweite in englischer Sprache veröffentlicht.

© Karina Rüther

Nix mehr zu hören von anfänglichen Sprachproblemen mit der englischen Sprache (wobei, „Problem“ ist vielleicht etwas überzogen, aber man hört, dass Englisch nicht die Muttersprache ist). Markos Stimme klingt auf dem neuen Album fantastisch, keine Spur von Balkaneinschlag mehr.

Eröffnet wird die Scheibe durch das Intro „Invocation“, als Appetizer sozusagen für das schon oben genannte „Heathens. Etwas an Van Canto erinnernd beginnt das Intro mit Lei La La Lei – A-Capella-Tönen, die auch an anderer Stelle auf dem Album wiederholt eingesetzt werden. Durch sich langsam steigernde Keyboards wird hier entsprechende Spannung aufgebaut, bis dann am Ende des Intros der Break folgt – mit einem  gewaltigen Gitarrenriff. Der für mich beste Song des Albums: „Heathens“ lebt, wie auch das gesamte Album, von seinen geschickt verwobenen Kontrasten verschiedenster Musikstile.

Zunächst die sanfte Stimme von Sänger Marko, der hier durch zarten weiblichen Gesang vermutlich von Basserin Maja Kolarić, im Hintergrund unterstützt wird, bis dann, ganz energisch, mit „No Fear“ der Break folgt und ein Ohrwurm-Refrain mit gewaltigem Gitarrenriff folgt, das wie ein Komet auf der Erde einschlägt.

Doch war das nun ein Zufallstreffer oder die positive Ausnahme auf der neuesten Scheibe?

Weit gefehlt, denn auch der Rest von „Monster Mind Consuming“ kann mich vollauf überzeugen.

In die gleiche Richtung geht das folgende „Ori Ori“, das wieder mit etwas Lei La La Lei beginnt, dann aber die typische MANNTRA Gewürzmischung aus Mittelalterrock und Industrial Metal abliefert.

Das mit einem erstklassigen Mix produzierte Album besitzt eine außergewöhnliche Hitdichte und die Songs bleiben recht schnell und dauerhaft in den Ohrwindungen hängen.

Ob nun das sehr folkig beginnende „Slave“, der fast tanzbare und radiotaugliche Track „Voices of the Sea“ oder das an eine Mischung aus Winnetou-Totemtanz à la The HU und mittelalterlichem Schunkeltanz  erinnernde „Barren King“, alle Songs wandeln geschickt zwischen verschiedensten Genres, ohne sich wegen der Vielschichtigkeit zu verzetteln. MANNTRA verstehen es perfekt, Element aus Folk-Metal, NDH, Industrial Metal und auch Gothic zu vermischen und ganz nebenbei und wie selbstverständlich auch noch traditionelle Instrumente miteinfließen zu lassen.

Ganz anders der Titelsong, ein echten Stampfer, der mit Rammstein– oder Eisbrecher-Beats startet. Der Refrain „Manntra“ geht dabei voll auf die 12, wird zwischenzeitlich mit Technobeats aufgelockert, bevor mit geilem Riff und Arkordeon das Songfinale eingeleitet wird. NDH lässt grüßen.

 „I Want to eat you“ startet zunächst als Midtempo Rocker, ehe es wieder folkloristischer wird. Es kann geschunkelt werden, jedoch immer mit einer gewissen Grundhärte der Gitarren und des Dudelsacks.

Es folgt „In your eyes“, mein zweiter Favorit des Albums. Der Song geht wieder mehr in Richtung NDH, hat aber trotzdem auch wieder genügend Platz für traditionelle Instrumente: Mandoline, Dudelsack und Flöte  verströmen einen Touch Mittelalterfeeling. Besonders der sehr eingängige Refrain bleibt sofort im Ohr hängen.

Auch die Halbballade „Let`s Invite the Storm“, bei der neben Akustikgitarre wieder die bereits erwähnten Lei La La Lei Gesänge  eingesetzt werden, können überzeugen, auch wenn dem ein oder anderen Zuhörer vielleicht gefühlt doch etwas viel Lei la la Lei entgegengeschmettert wird.

Beim Abschlusssong „Lipa“ bekommt Marko dieses Mal am Mikro Unterstützung von Sänger Teufel von den Berliner Mittelalterrockern Tanzwut, nachdem schon auf dem Vorgängeralbum „Oyka!“ von 2019 beim Song „Murter“ Michael Rhein von In Extremo zu hören war (die deutsche Fassung des Songs ist nicht nur für alle InEx-Fans mehr als zu empfehlen).

Sicherlich war dies nicht von Nachteil für einen größeren Bekanntheitsgrad und entsprechend wachsender Fanbase, bekamen MANNTRA doch auf Einladung von Michael Rhein den Support-Job für die In Extremo„Quid Pro Quo“-Tour. Der Gastauftritt spiegelte sicherlich auch die Wertschätzung, die der InEx-Frontmann der kroatischen Band zukommen lässt, wieder.

Die Ballade „Lipa“ wird gemeinsam mit Teufel teils in Deutsch, teils in Kroatisch präsentiert. Der Song dürfte sicherlich auch bei allen Mittelalterfans wieder seine Anhängerschaft finden!

Einziges Manko an „Monster Mind Consuming“ ist die Spielzeit. Leider ist nach knapp 36 Minuten schon das Ende erreicht. Aber besser Qualität statt Quantität.

 

Fazit:

Zu viele verschiedene Musikstiele auf einem Album, kein konsequenter roter Faden … könnte man vielleicht meinen. Doch genau das ist für mich das große Plus an „MMC“.

Die Abwechslung des Albums lässt keine Sekunde Langeweile aufkommen, und so schaffen MANNTRA problemlos diesen Spagat in Ihren Songs, sodass sicherlich auch viele Fans aus den verschiedensten Fanlagern angesprochen werden dürften, sollte man sich einmal etwas intensiver mit der Band auseinandersetzen wollen.

„Monster Mind Consuming“ sollte man unbedingt im Ganzen antesten. Selten habe ich eine Band gehört, die es mit einer solchen Leichtigkeit schafft, verschiedenste Musikstile so zu kombinieren und zu einem Gesamtkunstwerk mit hoher Hitdichte zu verbinden, als würden sie so schon immer zusammengehören. Ganz nebenbei erhalten sich MANNTRA durch ihre traditionellen slavisch-folkigen Einflüsse auch noch ihren gewissen Exotenstatus mit hohem Wiedererkennungswert.

© Karina Rüther

Insgesamt ein sehr kurzweiliges, unterhaltsames und sehr abwechslungsreiches Album, das nach der auf dem Vorgängeralbum eingeleiteten Umstellung von kroatisch auf englischen Gesang sicherlich für MANNTRA auch International den nächsten Schritt nach oben auf der Erfolgsleiter der Band bedeuten dürfte.

Anspieltipp: „Heathens“ – ein absolut göttlicher Song, der sofort zum Mitgehen hinreißt und live sicherlich ein absoluter Publikumsfavorit werden dürfte, sowie das detailreiche „In your eyes“. Für die Mittelalterfraktion dürfte „Lipa“ zu den Favoriten zählen.

Auch die visuellen Umsetzungen der MANNTRA-Songs ins Videoformat sind durchweg sehenswert, unbedingt anschauen.

Ich bin überzeugt, dass wir künftig noch einiges von den Kroaten MANNTRA hören dürften. Somit ist auch diese Lücke auf meiner europäischen Rock-/Metallandkarte geschlossen worden.

Das Album habe ich natürlich auch gleich als Fanbox bestellt 🙂

Von mir gibt’s (kleiner Abzug für die Albumlänge) für meinen aktuellen Dauerläufer 9,5 Bängs.

 

TRACK-LIST:
01. Invocation
02. Heathens
03. Slave
04. Ori Ori
05. Voices Of The Sea
06. Barren King
07. Monster Mind Consuming
08. I Want To Eat You
09. In Your Eyes
10. Let’s Invite The Storm
11. Lipa

MANNTRA sind:

Marko Matijević Sekul: Vocals

Andrea Kert: Drums

Marko Purišić : Gitarre

Boris Kolarić: Gitarre Dudelsack, Mandoline

Maja Kolarić: Bass

„Monster Mind Consuming“ ist am 23.03. über NoCut Entertainment GmbH erschienen und als CD sowie limitierte Fanbox (mit Digipack-CD, 1x Manntra limited quality necklace, 1x Band Poster, 5x Band Portraits, 1x Limited Fan Box) erhältlich.

Als Special gibt’s für kurze Zeit bei Nocuts noch das Vorgängeralbum „Oyka!“ gratis dazu!!!!

https://nocut.shop/de/manntra-monster-mind-consuming-limitierte-fanbox

MANNTRA Online:

https://www.manntra.hr/

https://www.facebook.com/ManntraOfficial/

https://www.instagram.com/manntra_official/

https://www.youtube.com/channel/UCc4LpT8zAuD3rg5xt7BjfOA/

Für den Sommer und das nächste Frühjahr sind bereits verschiedene Konzerte geplant, die MANNTRA im Vorprogramm von Mono Inc und Tanzwut auf große Deutschland-Tour führen wird, sollte Corona nicht einen Steich durch die Rechnung machen.

Tourdaten 2021

02. JUL 2021. DEU – Augsburg – Messe *

03. JUL 2021. DEU – Leipzig – Parkbühne *

05. AUG 2021. RUS – Moscow – Pravda

06. AUG 2021. RUS – St. Petersburg – MOD

07. AUG 2021. RUS – Golubitskaya – Taman Festival

20. AUG 2021. DEU – Berlin – Rennbahn Hoppegarten *

21. AUG 2021. DEU – Mönchengladbach – SparkassenPark *

17. SEP 2021. DEU – Oberhausen – Kulttempel **

18. SEP 2021. DEU – Köln – Club Volta **

19. SEP 2021. DEU – Frankfurt – Das Bett **

23. SEP 2021. DEU – Hannover – MusikZentrum **

24. SEP 2021. DEU – Rostock – M.A.U. Club **

25. SEP 2021. DEU – Berlin – Columbia Theater **

26. SEP 2021. DEU – Hamburg – Grünspan **

30. SEP 2021. DEU – Wien – ((szene)) **

01. OCT 2021. DEU – München – Backstage **

02. OCT 2021. DEU – Stuttgart – Im Wizemann **

08. OCT 2021. DEU – Dresden – Beatpol **

09. OCT 2021. DEU – Leipzig – Hellraiser Leipzig **

10. OCT 2021. DEU – Nürnberg – Hirsch **

Tourdaten 2022

06. JAN 2022. DEU – Kiel – Die Pumpe *

07. JAN 2022. DEU – Hamburg – Sporthalle *

08. JAN 2022. DEU – Berlin – Columbiahalle *

09. JAN 2022. DEU – Hannover – Pavillon *

14. JAN 2022. DEU – Oberhausen – Turbinenhalle *

15. JAN 2022. DEU – Stuttgart – Im Wizemann *

16. JAN 2022. DEU – Wiesbaden – Schlachthof *

21. JAN 2022. DEU – Leipzig – Haus Auensee *

22. JAN 2022. DEU – Nürnberg – Löwensaal *

23. JAN 2022. DEU – München – Backstage Werk *

* – with Mono Inc ** – with Tanzwut

Hoffen wir das beste für die Kroaten….

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Thomas

Musikalisch bin ich seit den 80er vor allem im melodischen Hard& Heavy-Dschungel unterwegs und immer auf der Suche nach neuen und alten Perlen. Meine absoluten Faves sind Queenaryche, Y&T, Die Toten Hosen... u.v.a......teilweise geht mein Blick aber auch mal über den Tellerrand in Richtung Speed/Trash/Death...solange Melodien erkennbar sind. Auch wenn ich schon zu der Ü50-Fraktion gehöre, findet man mich bei Konzerten und Festivals fast immer Front of Stage, denn Sitzplatz bei Rockkonzerten, das geht gar nicht. Erst wenn es ohne Rollator mal nicht mehr gehen sollte, ist die Tribüne vielleicht ne Alternative.

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