Interview

Literarischer Historismus und Besenklopfen – ein Interview mit Mäk von Excelsis

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Ich durfte Mäk, der sich bei Excelsis für Bass und Harmonika verantwortlich zeigt, ein paar Fragen über deren aktuelles Album Bluetmond stellen und habe dabei auch ein paar Einblicke in die Band und ihm selbst als Mensch und Musiker erhalten.

Aber genug der Einleitung:

Christian (RM): Gratulation, ihr habt es ja anscheinend mit Bluetmond in die Schweizer Charts geschafft. War das zu erwarten? Was erwartet ihr euch sonst so von diesem Album?

Mäk: Ja, tatsächlich haben wir es zum 3. Mal in die offiziellen Schweizer Album Charts geschafft. Nachdem unsere letzten Alben Vo Chrieger u Drache auf Platz 88 und Tod u Vergäutig auf Platz 39 gelandet sind, hat es Bluetmond auf Platz 32 geschafft. Erwartet haben wir das nicht, gehofft ein wenig (lacht). Zu verdanken ist das aber unserer treuen Schweizer Fangemeinschaft, die uns schon über Jahre unterstützt.

Wir hoffen natürlich, dass unsere Musik auch in anderen Ländern gefällt. Auch wenn Schweizerdeutsch vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig ist (lacht).

von links nach rechts: Mäk, Münggu, Küsu, Lüku, Rölu Und Ädu

Christian (Rockmagazin): Was hat euch zu Bluetmond inspiriert?

Mäk: Wir befassen uns ja seit den letzten Alben immer mit dem Schriftsteller Jeremias Gotthelf. Er hat unglaubliche Geschichten geschrieben. Die meisten spielen in der Region Emmental (Kanton Bern / Schweiz). Also praktisch vor unserer Haustüre.

Wenn uns eine Geschichte gefällt, möchten wir diese musikalisch umrahmen. Somit ist jeder Songtext ein Teil der Geschichte. Man könnte also sagen, unsere Alben sind Konzeptalben.

Hier eine kleine Zusammenfassung der Geschichte:

Das Album Bluetmond erzählt die Novelle, geschrieben von Jeremias Gotthelf, „Die drei Brüder“ aus den 1840er Jahren und hat den Münnenberg zum Thema.

Es ist eine Rahmenerzählung, die unter Gästen des Wirtshauses Flühlenstalden unterhalb der Burgstelle spielt.

Die Drei Brüder“ verraten die Sprachgewalt von Gotthelf. Aber sie sind auch ein Zeugnis des literarischen Historismus, der sich seit der Romantik entwickelte. Der Münnenberg ist nämlich nur ein Vorwand, um ein Sumiswald zur Römerzeit, damals „vor 1800 Jahren“, zu schildern. Und konkret wird eine Geschichte erzählt, die sich während des Helvetieraufstands „69 AD“ abgespielt haben soll.

In römischen Sumiswald soll es drei reiche und angesehene, aber charakterlich undurchsichtige Brüder gegeben haben. Diese hatten Sigbert als Feind, den Sohn eines geachteten helvetischen Notabeln. Nur einer der Brüder, Clodomir, hatte als Kind eine Tochter namens Gertrud. Der starke Sigbert überwindet im Ringkampf Guntram, den jüngsten der drei. Die Brüder schwören darauf Rache. Die Gelegenheit dazu bietet sich beim „Helvetieraufstand 69 AD“: Sigbert soll das Emmental verteidigen. Gertrud hält zu ihm. Aber die drei Brüder verhindern eine wirksame Verteidigung der Helvetier gegen die in Vindonissa aufmarschierten römischen Legionen. Sumiswald wird niedergebrannt und Sigbert und Gertrud am Fuße des Münnenbergs von Speeren durchbohrt.

Christian (RM): Wie kommen die Songideen zustande? Habt ihr da Arbeitsteilung Text und Musik betreffend?

Mäk: Die Texte stammen alle aus der Feder von Münggu (Gesang & Gitarre). Auch das Grundgerüst der Musik kommt meist von ihm. Jeder einzelne der Band steuert dann seinen Teil dazu bei. Das heißt, jeder zieht sich in sein eigenes Home Studio zurück und nimmt seine Spuren auf. So entsteht der Song. Manchmal muss dann der Song noch anders arrangiert oder einzelne Spuren geändert werden. Wenn die Instrumentalisierung der Songs steht, kommt dann noch der Text / Gesang darüber.

Christian (RM): Wie bist du zur Musik gekommen?

Mäk: In der Schulzeit hatte ich Gitarrenunterricht. Irgendwann verschlug es mich mit meinem Bruder dann in eine Cover Rock Band. Dort spielte ich 1-2 Jahre Gitarre, bis dann die Jungs von Excelsis 2006 mich fragten, ob ich bei ihnen als Bassist einsteigen möchte. Nun sind schon mehr als 14 Jahre vergangen und es macht immer noch Spaß!

Christian (RM): Welche Vorbilder habt ihr/hast du?

Mäk: Als Band war es in den Anfangsjahren sicher Blind Guardian. Das hat sich aber in 25 Jahren Excelsis Bandgeschichte sicher geändert. Jeder hat da so seine Favoriten, auch außerhalb des Genres Metal.

Wir wollen auch nicht klingen wie unsere Vorbilder. Wir machen einfach die Musik, die uns gefällt.

Ich selber habe sicher Bassisten, die mir gefallen oder mich beeindrucken. Ich versuche, diese aber nicht zu kopieren, sondern ziehe da einfach mein Ding durch.

Christian: Hast Du noch nen „normalen“ Job?

Mäk: Wir haben alle noch einen „normalen“ Job. Die meisten auch zu 100%. Bis auf ein Mitglied sind wir auch alle Familienväter. Daher ist es nicht immer einfach, genug Zeit für die Musik zu finden.

Zudem kommt hinzu, dass in der Schweiz die Metalszene nicht allzu groß ist. Daher ist es schwierig, von der Musik zu leben. 

Christian (RM): Kannst du uns als „Späteinsteiger“ sagen, wie sich die Band gefunden hat?

Mäk: Da ich nicht von Anfang an dabei war, kann ich das nicht genau sagen. Der Antrieb vor mehr als 25 Jahren war aber sicher einfach, zusammen Musik zu machen. Vor etwa 10 Jahren gab es den letzten Besetzungswechsel. Damals hat unser langjähriger Leadgitarrist seinen Ausstieg verkündet. Danach mussten wir uns als Band ein wenig neu finden, was uns aber dann mit dem Album Vo Chrieger u Drache gelungen ist. Seit letztem Jahr können wir sogar einen Neuzugang verzeichnen. Unser Freund Lüku, der schon lange als Gastmusiker bei Excelsis tätig war, ist nun volles Mitglied der Band.

Christian (RM): Was habt ihr mit Excelsis für Pläne? Wo wollt ihr hin?

Mäk: Welchen Weg uns der „Bluetmond“ erleuchten wird, wissen wir noch nicht. Wir lassen uns überraschen (lacht).

Wir wollen aber sicher wieder auf die Bühne, die neuen Songs live spielen. Schön wäre es natürlich auch, mal wieder außerhalb der Schweiz zu spielen.

Christian (RM): Was macht eure Band besonders? Wie würdet ihr Anderen Excelsis schmackhaft machen?

Mäk: Hmmm …, schon mal eine Metalband gehört, die Blockflöte, Talerschwingen oder Besenklopfen in ihrer Musik vermischt? Dann hör mal bei Excelsis rein! (lacht)

Und natürlich unser schönes Schweizer Berndeutsch!

Christian (RM): Habt ihr schon Pläne für 2021? 2020 war ja bestimmt für euch auch eher ein Reinfall?

Mäk: Ja, 2020 war der absolute Reinfall. Wir haben im Februar 2020 unseren letzten Gig gespielt. Dann war Schluss.

Eigentlich hätten wir im November 2020 unser eigenes Drachetöter Festival organisiert. An diesem wollten wir unser 25jähriges Band Jubiläum und die Plattentaufe vom Bluetmond feiern. Dank Corona war dann leider nichts. Mal schauen, was 2021 bringt. Planen ist im Moment ja eher schwierig!

Christian (RM): Wo würdest Du gern mal auftreten mit Excelsis? Locationtechnisch?

Mäk: Wir scherzen immer über Wacken (lacht). In der Schweiz am Greenfield Open Air oder das Hallenstadion in Zürich wär doch auch mal was.

Christian (RM): Angenommen, Blind Guardian und In Extremo würden gleichzeitig bei euch als Support für eine Tour anklopfen, für wen würdet ihr euch entscheiden?

Mäk: Das gäbe keine Diskussion. Ganz klar Blind Guardian. Warum, hast du ja schon weiter oben gelesen (lacht).

Christian (RM): Was für eine Frage würdest du in zehn Jahren in einem Interview gerne hören?

Mäk: Wie habt ihr es geschafft, 35 Jahre als Band zu bestehen? Vielleicht als Anmerkung. Ich wäre dann 48 Jahre alt. Und ich bin der Jüngste in der Band (lacht)!

Christian (RM): Danke für das Interview und die Zeit, die du dir für unsere Leser genommen hast. Hast du noch ein kurzes Schlusswort an eure Fans da draußen?

Mäk: Danke für Eure Unterstützung! Habt Spaß beim Bluetmond hören. Dreht eure Musikanlagen zuhause auf 11 (lacht).

Ich hoffe, wir dürfen unsere Verstärker auch bald wieder auf einer Bühne aufdrehen! Bis dahin, bleibt gesund!!!

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Christian B

Christian B

Ich höre alles von traditionellem Heavy Metal, Black, Death, Trash, Folk. Power über Punkrock und was es sonst noch so alles gibt, gut muss es halt sein. Bei was es mir allerdings die Zehennägel aufstellt ist langweiliger Prog wie in Dream Theater, Queensrÿche, Opeth und co. zelebrieren. Da schlafe ich schlichtweg ein.

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