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Grobschnitt sorgte für Gänsehautmomente in der ausverkauften Harmonie in Bonn

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Titelfoto: Grobschnitt mit freundlicher Genehmigung

Grobschnitt aus dem westfälischen Hagen gilt nach fast 50 Bühnenjahren (!) auch heute noch als eine der wichtigsten Krautrock- und Progressiv Rock Bands der deutschen Musikgeschichte. Ihre früheren Bühnenshows mit absurden Kostümen, optischen Effekten, spektakulären Feuershows und Unmengen von künstlichem Nebel sind absolut legendär.

Rückblick:

„Wir möchten es nicht versäumen, Sie darauf hinzuweisen, dass der künstliche Nebel, den sie bereits seit 10 Minuten einatmen, eine äußert giftige Substanz darstellt, die bereits nach wenigen Augenblicken zu Bewusstlosigkeit und zum Tode führen kann. Wir bedanken uns für das Vertrauen, das sie uns entgegengebracht haben!“

Durchsage „Nebelpolizist“ 06.11.1978 – Sauerlandtheater Arnsberg Rockpommel’s Land-Tour

Zwischen 1972 und 1989 veröffentlichten Grobschnitt 14 Alben. Mit „Last Party“ gaben sie 1989 ihre Abschiedstournee. Von 2007 bis 2012 gab es unter der Federführung von Sänger „Willi Wildschwein“ eine Vater/Sohn-Formation, die unter dem Motto „Grobschnitt Next Party“ in dieser Zeit insgesamt 43 erfolgreiche Live-Konzerte spielte und danach das Projekt wieder beendete.

2019 starteten die Gründungsmitglieder Lupo und Willi sowie dessen Sohn Nuki nach zweijähriger Vorbereitungszeit die GROBSCHNITT ACOUSTIC PARTY – und dann kam Corona. Es hagelte Konzert-Absagen – bis die drei Gitarren-Virtousen nun endlich nach acht Monaten Zwangspause das zweite Konzert in diesem Jahr spielen konnten.

Es begann wegen der Dauer von 3 Stunden bereits pünktlich um 19.00 Uhr mit dem Walzer „Geschichten aus dem Wienerwald“ vom Band. Nach vogelzwitschernden Intro legte das Trio mit dem Kult-Opener Vater Schmidts Wandertag los. Die Hagener Kultband präsentierte komplett neu arrangierte Songklassiker (ohne Schlagzeug) und lud die treue Fanbase auf eine emotionale Reise durch die musikalische Bandgeschichte ein.
Mit berüchtigtem Grobschnitt-Humor erzählten Willi und Lupo Geschichten und Anekdoten und machten launige Ansagen. Durch die auf den Kern verdichteten Arrangements blieb viel Raum für intensive, gefühlvoll gespielte Musik.

Grobschnitt spielte zwei Sets mit einer 20 minütigen Verschnaufpause. Der Sound war -trotzdem, dass sie „nur“ mit drei Gitarren und etwas Percussion spielten- voluminös und druckvoll. Das Trio harmonierte perfekt an ihren Instrumenten, ließ aber auch genug Raum für Willis geradezu magische Stimme. Im Repertoire durften die beiden Epen und Langklassiker Rockpommel´s Land (mit leuchtendem Maraboo als Bühnendeko) und Solar Music nicht fehlen, bei dem ein angezündeter Kerzenleuchter an den Wikinger (mit brennendem Kreuz) im Songfinale der früheren Bühnenshow erinnerte.

Das Publikum forderte um kurz vor 22.00 Uhr Nachschlag und bekam den Klassiker „Wir wollen leben“.

Fazit: Die Bonner Harmonie ist wie gemacht für solch ein ungewöhnliches, atmosphärisches Konzerterlebnis der Extraklasse und die Zeit verflog viel zu schnell. Grobschnitt haben erneut den Beweis dafür abgeliefert, das Konzeptmusik in epischen Dimensionen auch in der ansonsten extrem schnelllebigen Musikzeit funktioniert.

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Karina

Karina

Karina ist für uns an Rhein und Ruhr unterwegs. Sie hört neben Metal auch Irish Folk Punk, Deutsch- und Mittelalterrock. Für gute Musik ist ihr kein Weg zu weit.

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