Auch die Längste Tour geht einmal zu Ende – Konzertbericht vom grandiosen Tourfinale von Lord of The Lost, Dogma und League Of Distortion im LKA Longhorn in Stuttgart

Fast 4 Monate ununterbrochen auf Tour, das zehrt schon an der Substanz eines Musikers. Doch jede Tour geht auch einmal zu Ende und so werden die meisten Bands beim Finale einer langen Tour sicherlich nochmals hochmotiviert an die Arbeit gehen, um mit einem lachenden und einem weinenden Auge in den abschließenden Gig zu starten. Einerseits froh, dass man nun den Tourstress hinter sich lassen kann, endlich mal wieder zuhause ausschlafen darf und nicht jeden Tag in einer anderen Stadt, Land oder gar Kontinent aufwachen muss. Auf der anderen Seite gehen die beteiligten Bands künftig wieder getrennte Wege und man muss sich von neuen Freunden verabschieden, die man während der gemeinsamen Wochen liebgewonnen hat.

Und trotzdem freut man sich als Band ganz besonders auf den letzten Gig, gibt nochmal alles, um die Tour würdig abzuschließen und den treuen Fans nochmals eine sprichwörtliche Vollbedienung zu geben. Meist gibt es beim letzten Gig einer Tour spezielle Überraschungsaktionen im Programm, so spielt mal die Crew den Bands einen Streich oder die Bands überraschen die Fans mit außergewöhnlichen Showeinlagen oder besonderen Stücken auf der Setlist.
So auch am letzten Samstag beim grandiosen Finale der ausgedehnten „Tovr- Noir“ von Lord OF THE LOST, die gemeinsam mit der deutschen New Metal Band League OF Distorsion und der italienischen Band DOGMA seit Mitte Januar nach Kanada, den USA und Australien in den letzten Wochen ausgiebig durch ganz Europa getourt sind.

Schon lange vor der Türöffnung um 18 Uhr bildet sich bei schönstem Frühsommerwetter vor dem LKA Longhorn  in Stuttgart eine lange Schlange von Fans, die es nicht erwarten können, endlich in die Halle eingelassen zu werden, um sich einen guten Platz zu sichern, denn an heutigen Abend ist „Sold Out“ und es dürfte richtig kuschelig in der Traditionslocation in der schwäbischen Hauptstadt werden. Ein sehr bunt gemischtes Publikum war angetreten, um sich das attraktive Bandbundle anzuschauen. Von Gothic-Fan über waschechte Metalfans, volltätowierte Frauen oder auch Mauerblümchen im Rosa T-Shirt – von jugendlichen U-20ern reichte das Publikum bis zur Ü60 Generation – kunterbunt wie Nachbars Hund, man könnte fast sagen, um im LOTL-Jargon zu bleiben, „Blood and Glitter“ in natura. Genauso bunt und abwechslungsreich wie das Publikum war auch die Musik der 3 Bands, die es heute zu bestaunen und zu hören gab.

Den Anfang machte um Punkt 19 Uhr League Of Distortion mit Frontfrau Anna Brunner, die kettenbehangen und mit ihrem Sidecut gleich im Mittelpunkt des Geschehens stand. Mit „Galvanize“ vom aktuellen Album geht’s gleich mal richtig zur Sache und Anna zeigte was in ihrer Stimme steckt. Die Songs von LOD sind immer melodisch ausgerichtet, trotzdem richtiger Metal, der wummernde Bass von Felix Rehmann und die fetten Drums von Schlagzeuger Tino Calmbach schaffen dazu das passende groovende musikalische Fundament, das den kräftigen, modernen Sound der Band unterstreicht.

Anna hat ihre Fans sofort fest im Griff und wird bei Songs wie „My Hate Will Go One“ oder „My Enemy“ sofort ordentlich abfeiert. Die Chemie stimmt sofort zwischen Band und Publikum, genauso sollte es sein. Bei „Wolf Or Lamb“ steigt Anna dann sprichwörtlich in den Wolfspelz und schmettert im braunen Fellumhang einen der Highlights des Debutalbums in die Runde, der sich perfekt für den Mitsingpart mit dem Publikum eignet, sodass die lauten“ Oooh Oooh“-Chöre die Stimmung nochmals ansteigen lassen. Die gute Laune der Besucher überträgt sich auf die Spielfreude der Band (oder umgekehrt?) und als bei „Cruzified“ ein Nonne von Dogma auf der Bühne auftaucht, geht das LKA gleich nochmals richt ab.

Zum Abschluss des leider nur 30-minütigen Gigs darf natürlich die Bandhymne „LOD“ nicht fehlen. Das Stuttgarter Publikum ist begeistert und so schmettern die ca. 1500 Zuschauer lautstark Anna den Refrain entgegen. Ein sehr starker Auftritt von League Of Distortion, die mit ihrer Performance und Power sicherlich einige Besucher überrascht haben dürften und für die Zukunft einiges erhoffen lassen. Nach der Livepremiere der Band beim Metalfest Open Air 2024 war dies mein inzwischen 3. Gig von LOD, und sie haben mich jedes Mal mit Ihrer Power begeistert. Daumen hoch für Anna und Co., jederzeit gerne wieder.

League Of Distortion – Setlist:
Intro
Galvanize
My Hate Will Go On
My Enemy
Wolf or Lamb
Crucify Me (mit Dogma)
L.O.D.


Mit DOGMA folgt dann eine kontrovers diskutierte Band, die in letzter Zeit mit einigen Personalwechseln und dubiosen Geschäftsgebaren des Managements in den Schlagzeilen war und für viele Diskussionen im WWW unter den Fans sorgte. Manipulatives Management, das „aus einer Band eine Marke und aus Menschen austauschbare Teile gemacht hat“, veranlasstenSängerin Grace Jane „Lilith“ Pasturini, Gitarristin Amber „Lamia“ Maldonado und Gitarristin Patri „Rusalka“ Grief dazu, die Band 2025 zu verlassen. Sie wurden kurzerhand durch eine neue Generation von Musikerinnen ersetzt, die in die Rollen von Lamia, Lilith und Rusalka schlüpften.

Doch sollte dieser etwas ungewöhnliche Rollentausch an diesem Abend keine Rolle spielen, denn die heiße Show der 5 Frauen im Nonnenkostüm ist inzwischen in aller Munde. Als nach dem Intro die fünf Musikerinnen in ihren schwarzweißen Kostümen die lange Treppe des LKA vom Backstagebereich herabschreiten, steigt nicht nur bei mir die Vorfreude an, auch im LKA spürt man förmlich die Spannung. Kann mich die neu gebildete Formation von DOGMA genauso überzeugen wie im letzten Jahr in Frankfurt bei ihrem Soloauftritt?
Den Opener bildet „Forbiden Zone“ und sofort wird auf der Bühne geposed was das Zeug hält. Wir Fotografen im Graben können die Ladys bei besten Lichtverhältnissen ablichten und haben fast ideale Bedingungen. Wann bekommt man schon Mal derart viele Möglichkeiten für gute Schnappschüsse, „spielen“ die Musikerinnen doch auch für uns Fotografen mit und setzen sich mit gekonnten Posen richtig ins Zeug bzw. Bild.

Vor allem Nixe am Bass ist eine Meisterin im Fach der großen Posen, mit ihrem magischen Blick fesselt sie das Publikum und uns Fotografen. Mit lasziven Blicken, schmachtenden Posen und breit gespreizten Beinen zeigen Lilith, Lamia und Co akrobatisch ihre Beweglichkeit. Doch nicht nur mit ihren erotischen Reizen wollen DOGMA das Stuttgarter Publikum verführen, auch musikalisch können sich die Ordensschwestern mehr als sehen und hören lassen. Die stets sehr melodischen, fast schon poppigen Songs mit teils schnellen Riffs wie bei „Make Her Mine“ vom Debutalbum wissen zu gefallen. Einzig Frontfrau Lamia bleibt das ein oder andere Mal etwas pipsig honter den Möglichkeiten zurück und kann besonders beí den neuen Songs „Fate Unblinds“ und „My Matricidal“ nicht ganz das Niveau der anderen Musikerinnen halten. „Carnal Liberation“ geht mit Double Bass und flottem Beat richtig gut ab und die beiden Schwestern duellieren sich bei ihren Riffs wie zwei sich bekämpfende Dämonen. 

Mit „Father I have sined“ folgt einer der Showhöhepunkte. Mit starkem Refrain spricht der Songtitel wahrlich für das Motto der gesamten Show, sündige Posen, nicht jugendfreie Texte, ob da nicht die Absolution vom Herrgott versagt wird?. Auch der dämonischen Screams von Lilith sprechen eher eine diabolische Sprache. Dem heiliger Vater Felix Rehmann von LOD beichten DOGMA mit viel Hingabe ihre Sünden, doch ihre Sünden kann er den fünf Schwestern trotz aller Bemühungen heute nicht vergeben.

Mit dem Madonna-Cover „Like A Prayer“ gibt’s dann den bekanntesten Song im Set, den wohl jeder im LKA kennt. In neuem (Nonnen)-Gewand mit deutlich metallischerem Touch kann der Popsong der Popikone aus den 80er auch in der heutigen Zeit die Leute begeistern. Die beiden Gitarristinnen Lamia und Rusalka duellieren sich dabei und posen gemeinsam auf den Boxen und auch Anna von LOD springt mal kurz zurück auf die Bühne, um die Musikerkolleginnen zu unterstützen.
Leider ist das Stuttgarter Publikum während der Songs etwas zurückhaltend und taut nur zwischen den Songs richtig auf, sodass das Stimmungspegel im Vergleich zu LOD deutlich zurückbleibt. Mit dem düsteren langsam beginnenden “Pleasure and Pain“ gibt’s zum Abschluss nochmals auf die zwölf. Mit den schnellen Double Bass von Abrahel nimmt der Song schnell Fahrt auf und beendet nach knapp 45 Minuten die Show.

Auch wenn jetzt die erotisch und nicht immer ganz jugendfreie Show mit den etwas vulgären Texten vielleicht nicht jedermanns/jederfraus Sache ist, das Nonnenquintett kann nicht nur optisch begeistern und liefert im LKA auch in neuer Besetzung eine Aufsehen erregende Metalshow ab. Außergewöhnliche Bandkonzepte sind ja meist karriereförderlich, um sich ein Alleistellungsmerkmal in der Rockszene  zu erschaffen, was ja Bands wie W.A.S.P. oder Lordi und wie sie alle heißen in der Vergangenheit schon mehr als einmal bewiesen haben. So dürfte dieser Schachzug aus Sex und Rock `n Roll nicht der schlechteste Schachzug gewesen sein.
Wenn auch der Gesang nicht immer 100%ig sitzt, kann DOGMA durchaus mit den eingängigen melodischen Songs auch musikalisch seine Duftmarken setzen. Potential kann man den Italienerinnen sicherlich nicht absprechen, wenn man nun die Managementprobleme noch in den Griff bekommt und DOGMA mehr als echte Band ausrichtet, könnte die Band künftig auch bei einem größeren Publikum ankommen.

Dogma Setlist:

Intro: Bailando (Loona song)
Forbidden Zone
My First Peak
Made Her Mine
Fate Unblinds
Carnal Liberation
My Matricidal
Father I Have Sinned
Like a Prayer (Madonna cover) (League of Distortion dance)
Pleasure From Pain


Um Kurz vor 21 Uhr ist es dann soweit und das endgültige Finale der „Tovr Noir“ steht an. Als Chris Harms und seine bunte fünfköpfige Truppedie Bühne betreten, explodiert das LKA geradezu und die Musiker treffen auf ein bestens aufgeheiztes Publikum, das den heutigen Gig zu einem perfekten Abschluss der bislang größten Tour in der Bandhistorie von LOTL macht. Stuttgart entpuppt sich erneut ein dankbares Publikum für die Hamburger, ist man im Schwabenländle doch sehr textsicher und bestens gelaunt um die Band lautstark abzufeiern – somit ist alles angerichtet für die neben dem Endspiel in Berlin zweite große Finalparty in Stuttgart (auch wenn ich persönlich für die Bayern die Daumen drücken werde).
Nachdem man in den letzten 9 Monaten bekanntlich die drei „Opvs Noir“-Alben mit insgesamt 33 durchweg guten bis sehr guten Songs veröffentlicht hat, fällt natürlich die Auswahl nicht leicht, denn schließlich will man das Drillingsalbum bei der Tour würdig präsentieren, ohne den Backkatalog zu vernachlässigen. So schaffen es insgesamt 9 Stücke der „Opvs“-Werke in Stuttgart auf die Setlist.

Mit dem Tripple aus „Kill The Lights“, „My Funeral“ und „Damage“ startet man fulminant ins umfangreiche Programm. Chris ist bei bester Stimme und mit seinen Wechseln zwischen butterzarten Dark Rock Balladen und deftigen Death Metal Screams ist er nicht nur was seine Optik betrifft ein Meister der Verwandlungskünste. Stuttgart ist begeistert und feiert LOTL während der folgenden fast 120 Minuten mächtig ab.
Glücklich und froh blickt Chris auf die letzten Jahre zurück und bedankt sich für die Unterstützung seiner Fans, die es ermöglichten, dass der Traum irgendwann mal selbst das LKA auszuverkaufen schon vor einigen Jahren Wirklichkeit wurde. Hier spricht ehrliche Dankbarkeit aus seinem Herz. „Mühsam hat sich das Eichhörnchen ernährt“, so Chris, hat man sich im Laufe der letzten 1,5 Jahrzehnte das alles mit harter Arbeit aufgebaut, was man heute erreicht hat.

Dann geht’s erst mal zeitlich zurück, „Prison“, „Forever Lost“ und „Drag me to Hell“ stehen auf dem Programm. Immer mal wieder greift Chris auch mal zur Gitarre, doch Pi und Benjamin powern mit ihren teils knallharten Riffs durch den Abend, sodass die Songs live teils deutlich härter rüberkommen.

Mit „I Hate People“ gibt`s einen weiteren Song des 3. Opus-Teils, das mit seinem Technobeat voll den Nerv der Fans trifft. Geiler Track mit starker Melodie, das durch seinen einfachen Rhythmus begeistert. Gleich mit dem ersten Ton von Gerit an den Keyboards ist dann klar was nun folgt: „Blood For Blood“ lässt nun das Tanzbein schwingen und die Dark Rock Fans drehen beim `One Man Circle Pit` völlig durch und auch die Temperatur steigt auf hochsommerliche Temperaturen bis zum brachialen Songfinale. Beim folgenden „Priest“ gibt es die erste Tourabschlusseinlage und Dogma kommen für ein kurzes Gastspiel auf der Bühne, das Outfit passt ja thematisch wie die Faust auf`s Auge.

Mit „In The Fields of Blood“ wird’s dann erstmals etwas melancholisch und Chris bringt seine zarte Seite zum Vorschein. Nun sollte eigentlich Axolotl-Time sein, bei der die Musiker üblicherweise einige  ihre Stoff-Maskottchen ins Publikum werfen. Doch leider sind alle Axolotl während der Tour verteilt worden und Chris muss sich für dieses im O-Ton „unverzeihliche Missgeschick“ entschuldigen. Als Entschädigung gibt’s dafür einige der letzten Tourshirt, die in hohem Bogen in die begeisterte Menge fliegen.

Mit einem Tripple vom `Thornstar`-Album geht’s weiter. Den Anfang macht das etwas schwerfällige „On This Rock I Will Build My Church“, das mich nicht so umhaut, dafür kann die Ballade „In Darkness, In Light“ wieder mit viel Gefühl und starkem Instrumentalpart überzeugen. “Loreley“ zum Abschluss darf natürlich auf der Setlist auch nicht fehlen, schließlich hat sich der Song als Alltime-Runner auf der Setlist etabliert und gehört zu den absoluten Faves der Fans, der begeistert aufgenommen wird.
Nach dem zu Beginn des Jahres verkündeten Rückzug von Basser Klaas Helmecke aus dem Touralltag hat beim Rest der `Opvs-Noir`-Tour Dom R. Crey (Ex-Equilibrium) den Posten am Bass übernommen, der während des Gigs eher im Hintergrund agiert, sich jedoch nahtlos in das energiegeladene LOTL-Sextett einfügt.  

Mit vier weiteren starken Songs von der „Opvs“-Trilogie geht’s weiter. Die längste Tour in der Bandgeschichte hat Kraft gekostet und so werden LOTL nun nach der Festivalsaison eine Tourpause einlegen, um in Ruhe die nächsten Projekte angehen zu können. Diesmal jedoch ohne zeitlichen Druck ist man schon wieder mittendrin am Songschreiben. Chris (und wohl auch seine Jungs) sind froh, dass nun alle 33 Songs veröffentlicht sind und man das Projekt „Opvs Noir“ nun mit dem heutigen Tourfinale sehr erfolgreich abgeschlossen hat.
„I Will Die In It“ kommt gut an und wird kräftig mitgegrölt, und Chris lässt mit seinen diabolischen Screams am Ende das Beast raus. Nach der Tempodrosselung bei der Powerballade „The Thing We Do For Love“ geht’s mit Disco-Beats und „Doomsday Disco“ flott weiter und Gerrit darf sich an den Percussions austoben. Die Mischung der Pauken von Gerrit und dem Schlagzeug von Niklas bringt live noch einen ganz besonderen Touch in die Songs ein und verleiht dem gesamten Sound eine ganz spezielle Note. Daneben sieht es schon echt spektakulär aus, was Gerrit hinter seinen Keyboards und den riesigen Kesseln showmäßig abliefert.

Bei „Blood And Glitter“ gedenkt Chris den verrückten und sehr intensiven Tagen rund um den ESC im Jahre 2023, bei dem LOTL vor 3 Jahren völlig unverdient den letzten Platz belegten. Der ESC hätte mich damals eine Hand gekostet, hätte ich tatsächlich gewettet und sie ins Feuer „geworfen“. Ich war mir sicher, dass LOTL wegen der Supporttour bei Iron Maiden unter die Top3 gelangen würden – doch es sollte bekanntlich anders kommen.
Doch das ist Schnee von gestern – trotzdem ist Chris heute noch immer von den verrückten ESC-Tagen und der Tour mit Maiden begeistert, die sie damals mitgemacht hatten – ein Erlebnis, das nur wenige Bands erleben durften.

Beim aktuellen Studioalbum lässt sich Chris am Mikro bei zahlreichen Songs durch Gastsänger/innen begleiten und so bietet es ja förmlich an, beim nächsten Song Anna Brunner von LOD als Verstärkung auf die Bühne zu holen, denn „Please Break The Silence“ haben die beiden gemeinsam schon für den Teil 2 von „Opvs Noir“ eingesungen – für mich musikalisch einer der Highlights des Abends.

Dann wird nochmals der Schalter auf Partymodus umgeschaltet. Mit dem Ärzte-Cover „Schrei nach Liebe“ bleibt Anna gleich auf der Bühne und bringt das LKA in absolute Ekstase. Chris springt während des Songs ins Schlauchboot und lässt sich beim Singen über den Köpfen der Zuschauer durch die Halle schippern. Der Wunsch, dass beim Sprung bitte ein paar Hände unter dem Kiel sein sollten, befolgen die Fans artig – soweit man das aus der Ferne beurteilen kann – und so kommt Chris nach der kleinen Bootstour durchs LKA auch unbeschadet wieder auf der Bühne an.

Mit dem Song „Cha Cha Cha“ haben LOTL 2023 den finnischen ESC-Song des Rappers Käärija gecovert, “was an sich schon bescheuert ist“, so O-Ton Chris. Nun haben sich LOTL gefragt, wie man zum Abschluss der Tour dem Ganzen nochmal einen draufsetzen könnte und so hat man sich entschlossen, diesen finnischen Rap-Song auf finnisch zu singen und dabei auch noch eine Nonne im Schlauchboot über die Zuschauer fliegen zu lassen.

Dazu kommt Lamia von DOGMA zurück auf die Bühne und darf wie zuvor schon Chris im Schlauchboot durch die Halle schweben. Auch eine kurzentschlossen anberaumte Wall Of Death wird gestartet und so eskalieren die Stuttgarter Fans nun endgültig – was ein Spaß und mit riesiger Freude stürzen sich die Fans daraufhin ins Getümmel, natürlich von lauten „Cha Cha Cha“-Gesängen untermalt.

Nach knapp 110 Minuten geht’s dann leider dem Ende zu. LOTL verzichten bewusst auf eine Unterbrechung vor der Zugabe, spielen stattdessen ungebremst weiter und geben den Fans mit „Light Can Only Shine in the Darkness“ die absolute Vollbedienung zum großen Finale. Einer der emotionalen Highlights aus der `Opvs`-Triologie und auch wenn Sharon Del Adel von Within Temptation live heute leider nicht mit dabei ist, kann der Song seine Genialität voll ausspielen. Der gefühlvolle Gesang von Chris, toller Rhythmus und eine starke Melodie, auch die Screams am Ende passen perfekt – einfach ein geiler Song für Gänsehautfeeling. Der perfekte Schlusspunkt für einen begeisternden Auftritt von LORD OF THE LOST!

Fazit:
Wieder Mal war es ein toller Abend mit 3 tollen Bands im rappelvollen LKA Longhorn. Sowohl LEAGUE OF DISTORTION wie auch DOGMA lieferten eine energiegeladene Show, die mich (nicht nur aus Fotografensicht) insgesamt echt begeistert haben. Leider waren die (fototechnischen) Voraussetzungen bei LOTL nicht ganz so optimal: zu viele Stroboskop-Lichter, viel Rauch und dunkle Gesamtausleuchtung bei den obligatorischen ersten 3 Songs waren zum Fotografieren leider nicht optimal. Warum Bands besonders häufig am Anfang des Gigs die Lichter runterdrehen, bleibt mir unverständlich, will man als Musiker doch eigentlich auch von uns Presseleuten im rechten Licht bei Konzertberichten dargestellt werden?

Auch wenn ich zugegebenermaßen kein Fan der ersten Stunde von Lord Of The lost war und erst mit dem ESC-Beitrag in den letzten drei Jahren richtig auf die Band aufmerksam geworden bin, hat mich die Musik von LOTL inzwischen richtig infiziert. Besonders das `Opvs-Noir`-Meisterwerk begeistert mich seit dem Release von Vol.1 mit einer ungewöhnlichen Hitdichte, seinem, Abwechslungsreichtum und unglaublicher Kreativität in der Band, die auch Live mit noch deutlich mehr Wucht bei den Konzerten rübergebracht wird. Chris Harms ist eben ein begnadeter wandelbarer Frontmann und Sänger, der live sehr sympathisch und jederzeit authentisch den Kontakt zu seinen Fans sucht. Er schafft es fast spielerisch für die perfekte Chemie zwischen Fans und Musiker zu sorgen und so am Ende eines jedem Konzerts ein zufriedenes Publikum zu hinterlassen. Ganz egal ob Die Hard Fans oder Neulinge, alle Musikinteressierten sind jederzeit herzlich in der bunten LOTL-Familie willkommen.
LORD OF THE LOST verbindet musikalisch unterschiedliche Menschen und Musik-Genres und spaltet nicht! Da könnte sich unsere heutige Gesellschaft und die Politiker in vielen Ländern dieser Welt durchaus ein Beispiel nehmen. Am Ende (eines LOTL-Gigs) ist die Welt dann, wenn auch nur für einen kurzen Moment, ein kleines bisschen besser. Geht doch ganz einfach!

Lord Of The Lost Setlist:

Kill the Lights
My Funeral
Damage
Prison
Forever Lost
Drag Me to Hell
I Hate People
Blood for Blood
Priest (gemeinsam mit Dogma)
In the Field of Blood
I’ll Sleep When You’re Dead
On This Rock I Will Build My Church
In Darkness, in Light
Loreley
Winter’s Dying Heart
I Will Die in It
The Things We Do for Love
Doomsday Disco
Blood & Glitter
Please Break the Silence (mit Anna Brunner, LOD)
Schrei nach Liebe (Die Ärzte-Cover) (mit Anna Brunner)
Cha cha cha (Käärijä-Cover) (mit LOD and Dogma)
Light Can Only Shine in the Darkness
Outro: The Days of Our Lives


Ein besonderer Dank von geht in die Schweiz an „Rebel Eye Stini“, die mir noch einige Fotos zur Verfügung gestellt hat, als meine Kamera Zicken gemacht hat.


Text: Thomas Jenne

Fotocredits: „Live It Loud Pixs“ by Thomas Jenne & „Rebel Eye Stini“


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By Thomas

Musikalisch bin ich seit den 80er vor allem im melodischen Hard& Heavy-Dschungel unterwegs und immer auf der Suche nach neuen und alten Perlen. Meine absoluten Faves sind Queenaryche, Y&T, Die Toten Hosen... u.v.a.....inzwischen kann ich mich aber auch für Mittelalterrockband wie Feuerschwanz oder Saltataio Mortis absolut begeistern. Ab und an geht mein Blick aber auch mal über den Tellerrand in Richtung Speed/Trash/Death...solange Melodien erkennbar sind. Auch wenn ich schon zu der Ü50-Fraktion gehöre, findet man mich bei Konzerten und Festivals fast immer Front of Stage, denn Sitzplatz beim Rockkonzerten, das passt bei mir einfach nicht zusammen. Erst wenn es ohne Rollator mal nicht mehr gehen sollte, ist die Tribüne vielleicht ne Alternative.

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