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Gefrierbrand – Es war einmal… – Alte Geschichten in neuem Gewand – Album Review

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Es war vielleicht gerade Zeit
diese Märchen festzuhalten
da diejenigen
die sie bewahren sollen
immer seltener werden…

Diese Worte liest man auf der Rückseite des Booklets und bieten viel Wahrheit, denn wo hört man noch etwas von den Märchen und Sagen, die unsere Länder über Jahrhunderte geprägt haben? Nirgends. Keine Film- und Serienmacher nehmen sich der Thematik an und für populär Musik ist das ganze zu altbacken und vielleicht auch zu brutal. Ich erinnere mich noch an das zweite Album der Emocore Band Alesana „Where Myth Fades To Legend“ (2008), welches zum Großteil Märchen thematisierte und nun lassen uns Gefrierbrand endlich wieder in diese wunderbare Welt eintauchen.

Das knartschen eines Schaukelstuhls und blättern in einem Buch lassen den eröffnenden Prolog erklingen, bis dann für kurze Zeit noch die Akustikgitarre rausgeholt wird. Stimmiger Start, der perfekt zum Titeltrack Es war einmal überleitet. In dieser Nummer werden so einige Märchen besungen unter anderem Rapunzel, Rotkäppchen, Rumpelstilzchen und Der Froschkönig. Auf der musikalischen Seite wird uns eine ordentliche Dampfwalze aus Drums und Gitarre entgegen geworfen, dazu sehr stimmige düstere geschriene Vocals. Forscht man etwas nach, machen die Herren von Gefrierbrand anscheinend Melodic Black Metal. Hier bin ich sicher nicht der richtige für den Job, jedoch ist mir eine Eingliederung in ein Genre herzlich egal. Die Musik muss mich catchen und das schaffen sie mit Es war einmal schon großartig, auch wenn die Nummer insgesamt noch etwas verhalten daher kommt.

Wie Kinder Schlachtens miteinander gespielt haben liebe ich alleine schon wegen dem ober geilen ersten Riff. Ein großer Batzen Epik, gefolgt von einer Prise Progression leiten den Track weiter und auch, das auf den gewohnten Einsatz eines Refrains verzichtet wird, erhöht den Erzählfaktor um ein vielfaches. Mit etwas mehr als drei Minuten ist es nicht nur der kürzeste sondern auch der textlich besonderste Song des Albums.

Noch immer voll im Bann von Witcher 3: Wild Hunt ist das Erste, was mir beim Hören von Totenhemdchen in den Sinn kommt, die Blutiger Baron Quest-Reihe. Zwar geht es in besagter um eine Fehlgeburt, die erlöst werden soll und im Track um ein Kind, das stirbt und zurück kehrt, dennoch versprüht es die gleiche Atmosphäre, wie es auch die Geschichte um den Blutigen Baron getan hat. Ein schwer schleppendes Intro, das in einem irrwitzigen Riff endet, nur um dann wieder die Melancholie des Anfangs aufzunehmen. Der instrumentale Mittelteil rüttelt einen dann mit seinen fiesen Blastbeats wieder wach.

Stilistisch bleiben sich Gefrierbrand über das gesamte Album hinweg treu. Klarer Fokus für mich sind die fantastisch umgesetzten Texte, die trotz der Härte der deutschen Sprache butterweich daher kommen. Mein textliches und musikalisches Highlight versteckt sich hinter Das letzte Haus (am Ende des Brotkrumenweges). Wie unschwer zu erkennen handelt es sich hier um die Gefrierbrandsche Version von Hänsel und Gretel. Um einiges schneller als der Rest des Albums, trotzdem aber immer noch etwas verhalten, und mit einigen mehr als interessanten instrumentalen Einwürfen wie extrem verrückt anmutende Riffs und ein harmonisch friedfertiges Intro zum letzten Teil des Songs, der nicht so endet, wie wir es kennen.

Wir kennen die Geschichte von Rotkäppchen aus der Sicht des kleinen Mädchens, nicht aber aus der Sicht des Antagonisten. Dies ändert sich mit dem abschließenden Rot, welches das uns bekannte Märchen aus der Sicht des bösen Wolfs erzählt. Eine Ballade, akustisch dargeboten und mit sehr speziellen Clean Vocals ausgestattet. Zumindest in den Strophen werden ruhigere Töne angestimmt. Der Refrain kommt mit einer ähnlichen Intensität daher als auch der Rest, dennoch hat die Nummer aufgrund des Wechselspiels von Cleans und Screams im Refrain und der an Folklore erinnernden Instrumentalisierung seinen ganz, ganz eigenen Stil. Und ganz ehrlich: Jetzt hab ich Mitleid mit dem Wolf.

Fazit:
Wie eingangs erwähnt ist das musikalische Metier, in dem sich Gefrierbrand bewegen nicht meine Baustelle. Gerade bei Konzeptalben, wie es „Es war einmal…“ kommt es aber auf so viel mehr an. Erreicht mich die Musik,  löst sie in mir etwas aus. Bewegt sie mich dazu, auch den einen oder anderen Blick ins Booklet zu werfen, um auch wirklich zu verstehen, was uns hier vermittelt werden soll. Alle diese Punkte erfüllen Gefrierbrand mit ihrem dritten Album.

Textlich sollten sich einige Künstler ein Beispiel an den fünf Mannen nehmen. Märchen und Sagen sind einfach klasse und das wird sich nie ändern.

Ich vergebe 8,5 von 10 Bängs.

„Es war einmal…“ erscheint am 29. Februar und wird als CD, Digitales Album und Stream erhältlich sein.

Line-Up:
Julian Fröschle aka Frosch – Guitar/Vocals
Tom Seyfarth – Vocals
Yannick Argast – Drums
Ingo Pfisterer – Bass
Sascha Dummann aka Säsch – Guitar

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Patrick

Patrick

geb. 1993. Musik-Fan seit 2010. Verlobt Ein Sohn. Bevorzugte Genres: Metalcore, Post-Hardcore, Progressive Metal, Pop-Punk. Neben seiner sozialen Ader ist Patrick auch für feinste Recherche und Tiefe in seinen Reviews und Berichten bekannt.

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