Genre: Doom Folk
Mit der Bezeichnung Doom Folk hatten Three For Silver mich! Zu neugierig war ich, wie die Truppe aus Portland das umsetzt. Schon der Opener beantwortet diese Frage ziemlich deutlich: Er zieht einen sofort mit seiner leicht chaotischen Energie hinein in ein Fundament aus Folk, das sich nie ganz entscheiden will, ob es einen zum Tanzen oder zum Grübeln bringen soll. Genau diese Ambivalenz macht den Einstieg so spannend.
Die Instrumentierung wirkt bewusst ungeschliffen, fast roh, was hervorragend zur dreckigen Stimme passt, die sich durch viele der Stücke zieht und ihnen eine wunderbar erdige Note verleiht. Apropos Vocals, das Zusammenspiel zwischen Lucas Warford und Del Ruhl ist eines der großen Highlights des Albums. Die weibliche und die männliche Stimme ergänzen sich übereinander auf eine Weise, die gleichzeitig harmonisch und widerspenstig wirkt. Mal umgarnen sie sich, mal scheinen sie gegeneinander anzusingen und genau daraus entsteht diese eigenartige, fast greifbare Sehnsucht, die sich durch das gesamte Album zieht.
In den ruhigeren Momenten schimmert dann auch deutlich der „Doom Folk“ durch, den die Band so eigen interpretiert. Schleppende Rhythmen, düstere Melodiebögen und eine Atmosphäre, die sich wie Nebel um die Songs legt, prägen diese Passagen. Doch kaum hat man sich darin verloren, bricht wieder ein beschwingter, fast schelmischer Part hervor, der alles auflockert und den Hörer zurück ins Hier und Jetzt holt.
Einige Tracks stechen besonders hervor, weil sie diese Gegensätze auf die Spitze treiben: so z.B. Proof und Long Way Down die wie morbide Tanzstücke wirken, düster, aber gleichzeitig erstaunlich tanzbar. Andere wiederum setzen stärker auf das Erzählerische, so etwa Smart As Paint, und lassen Raum für Bilder im Kopf. Diese entfalten ihre Wirkung eher schleichend als direkt.
O! For a Muse of Fire hört sich insgesamt so an, als würde man in eine schummrige, leicht verräucherte Spelunke stolpern, in der eine Band irgendwo zwischen Endzeit und Wanderzirkus spielt. Three For Silver liefern ein Album ab, das beschwingt und launig beginnt, aber schnell zeigt, dass unter der Oberfläche deutlich mehr brodelt.
Fazit: Unterm Strich ist das hier kein glattgebügeltes Folk-Album, sondern ein eigenwilliges, manchmal widerspenstiges Werk, das seine Ecken und Kanten stolz vor sich herträgt. Wer sich darauf einlässt, bekommt eine ebenso launige wie tanzbare Reise zwischen Melancholie, Sehnsucht und Chaos. Dafür gibt es starke 7,5 von 10 Bängs!

O! For a Muse of Fire erscheint in Eigenregie am 20.April.
Line Up:
Lucas Warford – Gesang, Bass
Mark Powers – Schlagzeug
Del Ruhl – Gesang, Pfeifen
Strangely – Akkordeon
Track List:
Proof
Farewell To Fairweather
Light That Wick
Long Way down
O! For A Mus Of Fire
Never Come Morining
Smart As Paint
Sold On Suicide
The Bell
Throw Me Down The Well
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