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tuXedoo – Unfold Your Brain – Jetzt wird’s ernst – Album Review

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Als quasi gebürtiger Mattighofener kennt man tuXedoo und unterstützt sie natürlich auch. Es ist unter anderem der Qualität ihrer Musik, der Intensität und dem Charme ihrer Liveauftritte geschuldet, dass die Jungs eine ordentliche Fan-Schar um sich versammelt haben. Ihr Markenzeichen: Lederhosen und zwei Percussionisten, zusätzlich zu den Drums. Ach und Chaos. Eine ordentliche Portion Chaos. Mit „Unfold Your Brain“ steht das dritte Album nun in seinen Startlöchern und macht vieles anders als „Flowerfield Melodies“ und „Tales From A Rock Mass“. Und das ist gut so.

Eines Vorweg: Chaos wird es nur noch wenig geben, ebenso wie das bekannte Bierzelt-Flair in Form eines Intros und Outros. Beides fiel einem ernsteren, direkteren Sound zum Opfer.

Where Are We Going From Here leitet recht hart und kompromisslos mit heftigem Drumming und starken Riffs ein. Neben den bekannten, extrem variablen Screams fällt vor allem der vermehrte Einsatz von Cleans ein, die absolut unschmalzig daher kommen und so perfekt in die Härte des Tracks reinpassen. Straighte Nummer voll auf die Zwölf.

Mit „Unfold Your Brain“ verpassen sie auch dem angestaubten (oder nicht mehr existenten) Nu-Metal einen frischen Anstrich, das erste Mal zu hören in Track Nummer 2 This Is A Lesson. Gerappte Strophen, mal gescreamt mal clean und cleaner Refrain, dazu noch das Highspeed-Drumming, das schon eher an Thrash Metal erinnert. Wenn man denkt, es kommt sicherlich nichts mehr, hauen sie auch noch ein fettes Solo raus, das einfach nur böse klingt. Insgesamt ein richtig starker Song.

Für Gänsehaut sorgt Blood On The Ground, in dem die Band den Tod eines guten Freundes im Jahr 2013 in Äthiopien verarbeitet. Atmosphärisches Intro, gefolgt von Percussions und einem fetten Riff. Wieder saustarke Screams in den Strophen. Alles kombiniert mit den hervorragenden Cleans und einem emotionalen Text, der trotzdem keinen Pathos aufdrückt und so die Nummer auch super ohne den textlichen Kontext funktionieren lässt.

Mit Percussions geht es beim bereits bekannten Like A Bomb weiter. Ein Track, der mich anfangs null abholen konnte, wahrscheinlich auch deshalb, weil es die erste Single des Albums war und mir eben das Chaos gefehlt hat. Sieht man ihn aber im Kontext des gesamten Albums, heizt mich auch diese Nummer mittlerweile ordentlich an. Geboten bekommen wir ein ordentlichen Metalcore Kracher mit gelegentlichen Nu-Metal Anleihen und einem ultra catchy Refrain. Kurz und knackig ins Ohr, dort bleibt er auch mal einige Zeit lang. Sanctuary, welches ebenfalls schon bekannt sein sollte, schlägt einen ähnlichen Weg wie Like A Bomb ein, kommt aber auf Grund der Instrumentalisierung besonders im Refrain mit einer fetten Portion Epik daher.

Metalcore at its best serviert uns die Truppe mit Cancer You Beast – voll in die Fresse mit ordentlich Gas und trotzdem sehr melodisch klingenden Gitarren. Sicherlich die unspektakulärste Nummer, aber weit weg von einer Schlechten. Mit Embrace The Darkness kommt dann leider der Track, der mir am wenigsten zusagt, gerade weil mir die Instrumente im Vergleich zu den Vocals hörbar zu laut abgemischt sind. Kleines Highlight in dem Track sind aber definitiv die Deathcore Growls und im Kontrast dazu wieder die kraftvollen Cleans.

Eine ordentliche Portion Groove spendieren sie dem Titeltrack Unfold Your Brain, der teils an Limp Bizkit erinnert, ohne wie eine einfache Kopie zu klingen. Extrem dominante Rap-Parts, sowohl gescreamt als auch clean. Spaßiger Track, der definitiv heraussticht.

Aber, ganz ehrlich: was dann in Form von Follow Me kommt, hätte ich nie erwartet. Hätte so auch definitiv von Eskimo Callboy kommen könnte, natürlich als absolutes Kompliment zu verstehen. Ein Song, der mit nichts zuvor dagewesenen von tuXedoo zu vergleichen ist. Ein Hit. Ein verdammter Hit, der im Radio rauf und runter laufen MUSS. Oje, ich habe das böse Wort Radio geschrieben, aber auch das darf man nicht negativ auffassen. Was die Jungs hier abgeliefert haben, ist nicht weniger als der beste Song des noch jungen Jahres. Von der ersten Sekunde weg wird uns eine enorme Power entgegen geworfen, überraschend setzen dann die Cleans ein, die mit Ausnahme des gerappten Pre-Chorus omnipräsent sind. Die elektronischen Anleihen im Refrain tun dann ihr übriges und spülen den Ohrwurm von Like A Bomb mit Leichtigkeit aus den Ohren.

Kurz vor dem Ende wird noch einmal der Knüppel raus geholt und bei Give It Up Now ordentlich nach vorn geprügelt. Schonungslose drei Minuten, die uns für das Finale noch einmal ordentlich einheizen. Das Intro von The Inner Challenge lässt nun doch noch einmal einen gewissen Bierzelt-Flair aufkommen und beginnt sehr experimentell. Hier knallen uns tuXedoo noch einmal alles entgegen, für was wir sie lieben! Schnelle Gitarren, stampfende Drums, bitterböse Growls und die unglaublich guten Cleans.

Fazit:
Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich etwas anderes erwartet hatte und deshalb auch bei den ersten Durchgängen etwas enttäuscht war. Wie gewohnt brauche ich einfach meine Zeit, um in die Musik der Oberösterreicher zu kommen. Dieses Mal aber nicht aufgrund des Chaos sondern wegen der unerwarteten Ordnung. Nach zig weiteren Durchgängen muss ich aber wirklich sagen, dass ich mehr als begeistert bin.

tuXedoo haben sich weiterentwickelt, ohne ihre Trademarks zu verlieren und haben sich so mit „Unfold Your Brain“ selbst ein Denkmal gesetzt. Es bleibt nur zu hoffen, das ihnen die Welt nun noch mehr zu Füßen liegt, als sie es eh schon tut.

Ich vergebe 9,5 von 10 Bängs.

„Unfold Your Brain“ erscheint am 28. Februar via Alpencore Records und wird als CD, Vinyl, Digitales Album und Stream erhältlich sein.

Line-Up:
Christoph Kiebe – Percussions, Vocals, Samples
Johannes Frauenhuber – Percussions, Vocals
Michael Tiefenthaler – Guitar, Vocals
Marc Gruber – Guitar
Patrick Schmuck – Bass
Christopher Till – Drums

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Patrick

Patrick

geb. 1993. Musik-Fan seit 2010. Verlobt Ein Sohn. Bevorzugte Genres: Metalcore, Post-Hardcore, Progressive Metal, Pop-Punk. Neben seiner sozialen Ader ist Patrick auch für feinste Recherche und Tiefe in seinen Reviews und Berichten bekannt.

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