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Arion – Vultures Die Alone – Kurzer Spaß für zwischendurch – Album Review

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Genre: Melodic Metal

Land: Finnland

Zu Arion gibt´s eine kleine persönliche Vorgeschichte. Ich habe die Band mit ihrem millionenfach geklicktem Hit At The Break Of Dawn entdeckt und den Song dann auch eine gute Zeit lang gefeiert. Mit dem Release ihres Debüts „Last Of Us“ nahm ich mich erneut der Gruppe an, aber irgendwie wollte kein Song so zünden wie die oben erwähnte Single. Damit war es für mich dann auch rum, die Band wurde in die Ecke geschmissen und nie wieder gehört. Vor ein paar Wochen stach mir in meiner YouTube-Abobox das Video zu In The Name Of Love vom neuen Album „Vultures Die Alone“ ins Auge. Ich erinnerte mich an die Finnen und gab dem Video eine Chance, und eh ich mich versah, nistete sich ein kleiner Ohrwurm in meinem Gehörgang ein. Beim Anhören des kompletten Albums kamen mir aber erneut Zweifel auf: Bleibt Arion wiederholt ein One-Hit-Wonder oder können sie mit dieser Platte endlich bei mir punkten?

Der erste Song Out Of My Life startet sofort in die Action. Schnelles Drumming und Power Metal Riffs leiten durch die Strophen, beim Refrain kommen Synth-Streicher hinzu. Das durchgehend hohe Tempo findet aber einen abrupten Abbruch in der Songmitte, bevor dann mit einem kurzen Gitarrensolo und dem finalen Refrain wieder Fahrt aufgenommen wird. Alles in allem ein solider Opener, aber leider auch nicht mehr.

Break My Chains beginnt schon fast wie ein härterer Nightwish-Song mit großen chorischen Chants und Geigensupport. Auch hier ist der Chorus wieder zum Mitsingen gemacht und Frontmann Lassi Vääränen bringt etwas mehr Verzerrung in seine Stimme als gewohnt. Leider fehlt mir beim Lied ein bisschen die Abwechslung. Der Beat im Refrain ist sehr einfach und repetitiv und das Tempo des Songs bleibt immer gleich.

Auf dem nächsten Track Bloodline gibt es ein Feature von Battle Beast-Sängerin Noora Louhimo. Ebenfalls voller Energie marschiert der Song vorwärts, während die beiden Sänger gefühlt nur zusammen singen. Hier ist das Mixing leider schwach, denn die Stimmen sind wirklich kaum auseinanderzuhalten. Nur bei den wenigen Soloparts erkennt man, dass hier zwei verschiedene Sänger am Werk sind. Im letzten Refrain verbessert sich das etwas, denn hier gibt Noora ein paar ihrer Screams zum Besten. Im Gesamtpaket mit den Instrumentalisten ist mir der Song jedoch wieder etwas zu eintönig.

Für alle, die es bis zu diesem Punkt noch nicht verstanden haben: Arion sind eine Playlist-Band. Einzelne Songs des Albums werden es in die großen Rock-/Metal-Playlists von Spotify, Apple Music und Co. schaffen, während das Album selbst nur als eine Zusammenstellung von Singles betrachtet werden kann. Das Äquivalent hierzu sind Bands, deren Alben als komplette Werke gehört werden müssen, damit die Songs ihre volle Wirkung entfalten, wie zum Beispiel Kauan oder Wilderun. Ich bin mehr Fan von Kategorie 2, aber je nach Ausführung können mich auch Playlist-Bands mit ihren Alben begeistern.

Doch zurück zu „Vultures Die Alone“. I’m Here To Save You hat so ziemlich das gleiche Tempo wie der Rest der bisherigen Lieder, aber diesmal keine symphonischen Elemente, sondern reine Synth-Klänge als Gimmick. Der Refrain funktioniert hier etwas besser als bei sagen wir Break My Chains und trotzdem ist auch dieser Track nichts Überragendes. Kurzer Spaß für zwischendurch, mehr ist hier nicht drin.

Endlich kommen wir zu einem wirklich großartigen Song: In The Name Of Love! Das Tempo wurde endlich mal runtergeschraubt, denn dieser Track ist die typische Powerballade mit viel orchestralen Elementen und ruhigen Strophen, die im Refrain explodieren. Das Feature ist auf diesem Track auch sehr viel besser als auf Bloodline – die Stimme Cyan Kicks hebt sich sehr viel besser von der Vääränens ab und es gibt große Soloparts beider Sänger. Sogar das kurze Gitarrensolo ist nicht nur 08/15 und trägt zur Dramaturgie des Tracks bei. In The Name Of Love wird sich bestimmt in einer meiner Playlisten wiederfinden *Zwinker*.

Der Titeltrack nimmt die normale Songgeschwindigkeit wieder auf und behält auch die Struktur seiner Vorgänger bei – Strophe, Refrain, Strophe, Refrain, Gitarrensolo, Refrain.

I Love To Be Your Enemy versucht ansatzweise frischen Wind in die Formel zu bringen, indem die Härte hier auf 11 gedreht wird, aber die Scream-Versuche des Sängers sind leider hinderlich. Im Endeffekt ändert sich eben doch nicht viel, denn der Ablauf ist, bis auf das Wegfallen des Gitarrensolos, ein und derselbe.

Glücklicherweise schaffen es Arion mit den letzten drei Songs doch noch ihre ermüdende Formel etwas aufzufrischen. Where The Ocean Greets The Sky ist vollkommen instrumental. Das Lied baut sich langsam auf und nutzt die gesamte Bandbreite von Gitarre bis Orchester. Sehr atmosphärisch und erfrischend anders ist der Song einer der Highlights des Albums.

I Don’t Fear You kehrt zwar in alte Gewässer zurück, bringt aber einen der besten Refrains der Platte mit. A-List Playlist-Material!

Until Eternity Ends ist die obligatorische Piano-Ballade des Albums und funktioniert ganz gut als Rausschmeißer. Nichts unglaublich Originelles, aber gut genug, um als Abwechslung zum Rest der Lieder zu dienen.

Leider haben sich meine Befürchtungen einmal mehr bestätigt: Bis auf ein, zwei Songs ist „Vultures Die Alone“ leider nur Mittelmaß. Die Band geht leider nur am Ende des Albums einige Risiken ein. Davon hätte ich gern mehr gehört und nicht drei weitere Kopien von ein und demselben Song.

Fazit: „Vultures Die Alone“ ist ein Album vollgepackt mit Singles, und so klingt es auch. Wer auf einfache Songstrukturen und Mitsing-Refrains steht, findet hier bestimmt etwas für seine Playlist. Mehr ist leider nicht drin, auch wenn Arion großes Potential haben!

Von mir gibt es für „Vultures Die Alone“ 4,5 von 10 Spotify-Bängs.

„Vultures Die Alone“ erscheint am 9. April 2021 via AFM Records und ist als CD, LP und digitaler Download erhältlich.

Die Band:

Lassi Vääränen (Vocals)

Iivo Kaipainen (Guitars)

Arttu Vauhkonen (Keyboards)

Georgi Velinov (Bass)

Topias Kupianen (Drums)

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Elias

Schreiberling aus Leidenschaft, Metal-Enthusiast seit der Schulzeit. Verirrt sich gern in den Tiefen des Prog und bestaunt moderne Ansätze zu Rock und Metal.

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