Annihilator gibt es seit 1984 und haben seit dem ganze 19 Studioalben auf dem Weg gebracht. Dass die kanadische Formation keine Band sind, sondern eher das alleinige Spielfeld von Jeff Waters beweisen die vielen Besetzungswechsel, bei deren Anzahl sogar Dave Mustaine neidisch werden dürfte. Dementsprechend unterschiedlich fallen seine Alben von der Qualität aus, von „fürn Arsch“ bis zu „sollte man im Plattenschrank stehen haben“ ist da alles dabei.

Auf geht’s zur zweiten Runde, der von earMUSIC, auf den Markt gebrachten Reihe der CD- und Vinyl-Neuauflagen von Annihilator. Grund genug, uns die Neuauflage des nächsten Duos auf Vinyl genauer anzusehen und vor allem anzuhören.

Annihilator – Criteria For A Black Widow (1999)

Im Vergleich zum Vorgängeralbum wirkt Criteria for a Black Widow wie eine bewusste Rückkehr zur DNA von Annihilator. Wo Remains sehr von Industrial-Elementen, programmierten Drums und einem fast klinischen Klangbild geprägt war, setzt dieses Album wieder auf organische Riffs, echte Dynamik und klassisches Thrash-Feeling. Jeff Waters liefert hier messerscharfe Riffs, die zwar virtuos, aber selten Selbstzweckhaft wirken. Der Titelsong sticht mit seiner düsteren Atmosphäre hervor, während Back to the Palace nostalgische Thrash-Vibes transportiert. Unterm Strich kein Meilenstein, aber ein starker Output eines Musikers der weiß, was er kann.

Annihilator – Carnival Diablos (2001)

Mit dem Nachfolger Carnival Diablos zementierten Annihilator ihren wiedergefundenen Kurs, denn hier dominiert knackiger Thrash mit Sinn für Groove und Struktur. Jeff Waters verbindet hier technische Finesse mit überraschend eingängigen Hooks, so das Songs wie Denied oder The Perfect Virus durchaus im Gehörgang hängen bleiben, ohne an Schärfe zu verlieren. Die Produktion wirkt wärmer als beim Vorgänger, das Songwriting fokussierter. Dennoch fehlt stellenweise der letzte Biss, der aus starken Tracks echte Klassiker macht. Somit ist Carnival Diablos kein Überflieger, aber ein konstant gutes Album, das zeigt, wie souverän sich die Band zwischen Anspruch und Zugänglichkeit bewegt.

Ich werde, wie auch schon bei Die Plattenratten #11 – Spezial mit Annihilator, Part I nicht einzeln auf die Veröffentlichungen eingehen, denn was Ausstattung und Sound angeht sind sie identisch. Wie auch schon bei den ersten drei Alben dieser Reihe haben auch diese Beiden ein Gatefold spendiert bekommen, die Cover (das Artwork von Criteria For A Black Widow hätte man aber schon überarbeiten können, das ist schon grenzwertig billig) sind ordentlich bedruckt und in der Innenseite befindet sich ein Vorwort von Jeff Waters der auf die Entstehung eingeht, bezüglich der Aufnahmen der einzelnen Platten und zusätzliche Liner Notes von Alex Milas (u. a. Metal Hammer UK) der für diese Reissue-Reihe ein exklusives Interview mit Jeff Waters geführt hat. Die Innersleeve sind allesamt bedruckt, mit Text und anderen Infos, aber leider nicht gefüttert (immer noch nicht). Das Vinyl selbst ist in schlichten Schwarz gehalten und ist, dem heutigen Standard entsprechend, 180 Gramm schwer. Wer dieser Rubrik folgt, weiß, dass der nächste Punkt keine Selbstverständlichkeit ist, nämlich mit welcher Vorsicht ich die Platte am Rand anzufassen habe. In dem Fall ist der Griff dahin nicht mehr so unbedenklich (wie bei den Alben 1994 bis ´97) und wenn man nicht vorsichtig ist kann es durchaus sein das man sich blutige Finger holt. Pluspunkte gibt es allerdings auch dieses Mal für den Sound der Neuauflagen, der kommt richtig schön druckvoll aus den Boxen und macht, egal ob Zimmerlautstärke oder voll aufgedreht, Freude. Klare Kaufempfehlung von meiner Seite aus.

By Christian B

Ich höre alles von traditionellem Heavy Metal, Black, Death, T(h)rash, Folk. Power über Punkrock und was es sonst noch so alles gibt, gut muss es halt sein. Wobei es mir allerdings die Zehennägel aufstellt, ist langweiliger Prog wie in Dream Theater, Queensrÿche, Opeth und Co. zelebrieren. Da schlafe ich schlichtweg ein.

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