Bandchef Johnny Gioeli tauchte bekanntlich erstmals Anfang der 90er zusammen mit seinem Bruder Joey auf der großen Bühne der Rock-Biz auf, als sie gemeinsam mit Neil Schon und Deen Castronovo von Journey die Band HARDLINE gründeten und mit ihrem starken Debutalbum „Double Eclipse“ erste Erfolge feiern konnten. Nach zahlreichen Besetzungewechseln und mehreren Unterbrechungen bei HARDLINE folgte 1998 der Einstieg von Johnny als Frontmann bei der Band von Axel Rudi Pell, mit dem er in den vergangenen fast drei Jahrzehnten weltweit große Erfolge feiern konnte.
Doch neben seinem Engagement bei Axel Rudi Pell blieb natürlich seine eigene Band HARDLINE immer sein zweites Standbein und das Lieblingsprojekt von Johnny. Nachdem gerade erst das aktuelle Album „Shout“ veröffentlicht wurde, startete HARDLINE unmittelbar mit dem Release auf die „The Next Chapter“-Europatour, bei der man auch im Rex Musiktheater im hessischen Bensheim Halt machte.

Das REX ist bekannt für sein gemütliches Flair und seinen hervorragenden Sound und damit prädestiniert für eine Band wie HARDLINE. So freute ich mich natürlich, diese erstklassig besetzte Band mal wieder live in einem meiner Lieblingsclubs sehen zu können.
Der Termin am Mittwochabend war leider wohl der Grund, weshalb nur ca. 250 Hardrockfans den Weg ins Rex fanden, um sich das heutige Konzert nicht entgehen zu lassen. Sollte ich nicht jemand Jüngeres übersehen haben, waren wohl alle anwesenden Besucher der Ü40- Generation zugehörig. Weshalb eine solch starke Band nicht auch das jüngere Publikum anspricht, bleibt mir ein Rätsel. Doch ließ sich die „ältere“ Generation natürlich nicht davon abhalten, den Abend bei bester Livemusik zu geniesen und trotzdem ordentlich abzurocken.
Als Support hat HARTLINE für ihre Tour eine echte Rarität mitgebracht, denn Bulgarien ist ja zumindest bei uns nicht gerade bekannt für seine Metalszene und so dürfte die Band SEVI bislang wohl den wenigsten Besuchern bekannt gewesen sein. Ich selbst kannte die Band um Frontfrau und Namensgeberin Svetlana „Sevi“ Bliznakova bereits im Vorfeld, hatte jedoch noch nicht das Vergnügen, sie live zu sehen. So war ich sehr gespannt auf die Livepremiere, denn mit ihrem melodischen Rock passte SEVI musikalisch recht gut zum heutigen Headliner.

Mit Ihrer kraftvollen Stimme und einen guten Gespür fürs Songwriting konnte Sevi bei ihrem 45-minütigen Auftritt nach anfänglichen eher zaghaftem Applaus im Verlauf des Gigs stimmungsmäßig noch ordentlich zulegen. Der Einstieg mit „Ghost“ passte schon mal und ließ aufhorchen. Auch wenn nicht jeder Song Begeisterungsstürme hervorrief, konnte Sevi besonders mit ihren energievollen Rockballaden wie „Higher Than The Stars“ oder härteren Rockern wie „Insane“ ode „ To Hell And Back“ das Publikum mitnehmen. Mit dem neuen Song „Vampire Love“ gab`s auch einen ersten Ausblick auf das nächste 5. Studioalbum. Ein gelungener Rocksong, der mit gefühlvollen Vocals und hartem Drumming von Nick Nikolaev in einen einprägsamen Refrain mündete.

Leider verzichtete SEVI bei der Songauswahl auf den ebenfalls sehr starken Song „Drowning“, den Sie gemeinsam mit Johnny Gioeli für ihr „Genesis“-Album eingespielt hatte. Schade, der Song wäre sicherlich ein tolles Live-Duett geworden.!
Den besten Song hat SEVI sich dann fürs Ende des Gigs aufgehoben, denn die abschließende gefühlvolle Powerballade „World That Doesn`t Fit“ entpuppte sich als absolutes Highlight der Show. Svetlana begeistert mit ihrer ausdrucksvollen Stimme und sorgt für ordentlich Gänsehaut. Der Song überzeugt auf ganzer Linie. Langsam beginnend nur von Keyboards begleitet, liegt der Focus zunächst auf dem phantastischen Gesang, ehe der Song dann ganz langsam Fahrt aufnimmt und sich zum echten Hammersong entwickelt. Absolut hörenswerter Track mit geiler Melodie.

Entsprechender Applaus zeigte, dass Sevi mit dem Song nicht nur bei mir ins Schwarze getroffen hat, sondern auch beim Bensheimer Publikum punkten konnte. Ein insgesamt gelungener Auftritt, der Spaß gemacht hat und mit dem SEVI sicherlich den ein oder anderen neuen Fan für sich verbuchen kann.
Mit dem Gig von SEVI im Rex ist nun mit Bulgarien eine weitere Lücke auf meiner Metallandkarte geschlossen. Mal sehen was die bereits angekündigte neue Scheibe bringen wir. Ich werde Sevi auf alle Fälle auch künftig im Auge behalten.
Setlist Sevi:
- Intro
- Ghosts
- Am I Alive?
- The Art of War
- Insane
- Vampire Love
- The Spell
- Higher Than the Stars
- Don’t Hesitate
- To Hell and Back
- World That Doesn’t Fit

Mit HARDLINE dürfen sich alle Fans von klassischem Hardrock in Stile der frühen 90er freuen. Die Band um Johnny Gioeli ist seit jeher ein Garant für eingängige Songs mit Hitpotential und man fragt sich, warum Sie heute vor nur 250 Fans auftreten müssen. Die aktuelle Bandbesetzung von HARDLINE ist hochkarätig besetzt und lässt keine Wünsche für Hardrock Fans offen. Neben Bandleader und Frontmann Johnny steht mit Alesandro Del Veccio einer der vielseitigsten Musiker der Szene am Keyboard. Unglaublich wo der kleine Italiener mit der schwarzen Löwenmähne überall seine Finger im Spiel hatte. Ob als Produzent, Gitarrist, Sänger oder Keyboarder, die Liste der Bands und CDs bei denen er beteiligt war ist auch in meiner CD-Sammlung recht umfangreich vertreten.

Hochgradig ergänzt wird das Quintett durch Luca Princiotta an der Gitarre, der sich vor allem als Doro Peschs Gitarrist einen Namen gemacht hat. Auch an den Drums ist mit Marco Da Silva ein Fachmann am Werk, der für seinen Grove bekannt ist und zusammen mit seiner Landsfrau Anna Portalupi am Bass für den nötigen Beat und ein stabiles Fundament der Songs sorgt.


Gleich mit dem Opener und gleichzeitig Titelsong der neuen Scheibe „Shout“ wird klar, weshalb heute die Fans ins Rex gekommen sind. Die Stimmung im Publikum ist sofort erstklassig und auch die Musiker sind bestens aufgelegt und hochmotiviert. Johnny mit seiner unverkennbaren Stimme steht klar im Mittelpunkt des Geschehens und ist wie immer wie ein wildes Tier permanent auf der Bühne unterwegs, Stillhalten ist definitiv nicht seine Stärke. So wird es wie schon bei seinem Auftritt mit Axel Rudi Pell beim Knockout Festival in Karlsruhe erneut zu einer Herausforderung und Aufgabe für uns Fotografen, ihn bei all seinem Bewegungsdrang in einem ruhigen Moment zu erwischen, um ihn perfekt abzulichten zu können.

Mit „Rise Up“ gibt’s gleich noch einen zweiten neuen Song, ehe man sich erstmals an das sagenhafte Debutalbum „Double Eclipse“ heranwagt, dass im Mittelpunkt der Setlist steht. Anna`s grovender Bass gibt den Startschuss für „Dr. Love“, dessen Refrain natürlich lautstark im Rex mitgesungen wird. Schnell machts sich ausgelassene Partystimmung breit und mit Johnny`s lässigen und sympathischen Ansagen ist es ein Kinderspiel die Stimmung hochzuhalten. Johnny gratuliert Anna einfach mal zum Geburtstag 0, worauf sofort laute Happy Birthday -Gesänge angestimmt werden, obwohl sie heute gar keinen Geburtstag feiert. Im gleichen Atemzug drückt er Anna einfach mal die Rechnung für das Freibier fürs anwesende Publikum aufs Auge, das er ausgerufen hat, Johnny ist für jeden Scherz zu haben und hat stehts die Lacher auf seiner Seite.

Mit „Bad Taste“ lässt er die Besucher dann für den Rest des Auftritts „von dem ganzen Bullshit außerhalb des Rex“ flüchten. Alessandro übernimmt zwischenzeitlich das Micro für einige Ansagen in Deutsch, ehe sich Johnny und HARDLINE mit der fantastischen Ballade „When You Came Into My Life“ vor Deutschlands international erfolgreichster Rockband den Scorpions verbeugen. Johnny entschuldigt sich fast etwas peinlich, dass er den Song lange nicht kannte, dann aber der Ballade der Scorps einen typischen Hardline-Vibe verpasste und so seine Mentoren und inzwischen zu Freunden gewordenen Musikerkollegen aus Hannover ehrt. Geile Ballade, die mir persönlich um einiges besser gefällt wie das Original. Auch wenn der Track nur so strotzt vor Herzschmerz, entpuppt er sich mit starkem Gitarrensolo und der Wahnsinnsstimme von Johnny als einer der Highlights des Auftritts, der alle in der Halle begeistert.
Dankbar zeigt sich Johnny bei seiner Ansage, dass sich die Besucher ganz bewußt für das heutige HARDLINE Konzert entschieden haben, um ihr Geld auszugeben, obwohl jeder viele andere Möglichkeiten zur Auswahl hatte. Diese Aussage wirkt sehr ehrlich gemeint und zu keiner Zeit aufgesetzt und macht den Musiker noch sympathischer.
Mit dem Titeltrack von „Danger Zone“ gibt’s einen der beiden Songs des gleichnamigen 4. Albums, ehe es mit dem Debutalbum weitergeht. „Ihr werdet morgen früh, wenn der Wecker klingelt, an mich und den gestrigen Abend denken“ so Johnny verschmitzt, denn „Life’s a Bitch“ macht deutlich, wie hart das Leben sein kann, wenn man nach einem Konzertabend wieder früh raus zur Arbeit muss.

Die Ballade „In the Hands of Time“ darf natürlich ebenfalls nicht auf der Setlist fehlen, gehört Sie doch zu Johnnys Lieblingssongs. Inspiriert durch einige Ratschläge und Tipps von seinem Vater, die dieser ihm vor vielen Jahren mit auf den Weg als Musiker gegeben hatte, hat er immer an seine Ziele geglaubt und niemals aufgegeben, denn alles liegt sprichwörtlich wie der Titel so schön sagt „ in der Händen der Zeit“.

Danach darf Meister Alessandro sein Können an den Keyboards mit einem kleinen Solo zeigen. Mit zartem Klavierspiel beim Instrumental „31-91“ geht es mit „Hot Cherrie“ weiter, einem der größten Hits der Band. Ursprünglich von Danny Spanos geschrieben, hat Hardline den Titel einem breiteren Publikum bekannt gemacht und so wird der Song von den Fans lautstark mitgesungen. Mit dem flotten Rocker „Rhythm Of A Red Car“ endet dann der offizielle Teil, der Band wie Zuschauer zum Ende nochmals richtig abgehen lässt.
Mit voller Begeisterung werden HARDLINE in die kurze Unterbrechung entlassen, doch können Sie natürlich den Gig nicht ohne Zugaben beenden.

Als Bonus hat man sich dann „Takin‘ Me Down“ aufgehoben, mit denen HArtLINE nochmals die Hütte zum Wackeln bringen und einen tollen Abend abschließt. Gerne hätten wir natürlich noch zahlreiche weitere Songs gehört, doch verabschieden sich Johnny und Co. dann endgültig mit dem fantastischen „Fever Dreams“ nach 95 Minuten von den begeisterten Rex-Besuchern. Ein würdiger Abschluss eines klasse Auftritts, der mit tosendem Applaus für die Musiker ein würdiges Ende findet.
Das Bensheimer Publikum hätte sicherlich noch ein paar Songs vertragen, doch dürfte keiner der Besucher enttäuscht nach Hause gegangen sein, denn Johnny und seine tolle Truppe hat gezeigt, dass auch im Jahr 2026 Classic-Hardrock der alten Schule noch immer funktioniert und die Leute begeistern kann – zumindest das ältere Publikum.

Fazit:
Es war mal wieder ein gelungener Mittwochabend im Rex, der durchweg Spaß gemacht hat. Tolle entspannte Atmosphäre, guter Sound und das Wichtigste natürlich, zwei starke Bands, die eigentlich ein deutlich größeres Publikum verdient gehabt hätten. Schade und etwas unverständlich, das an diesem Abend keinerlei jüngeres Publikum anwesend war und sich das Publikum ausschließlich auf die U40 oder sogar Ü50er konzentrierte. Doch dieser Umstand wirkte sich keineswegs negativ aus, denn auch wir „alten Säcke“ wissen noch immer, wie man ordentlich abfeiert.
HARDLINE (und natürlich auch SEVI) kamen durchweg sympathisch rüber und lieferten eine starke Performance ab, bei der neben den alten Hits auch die neuen Songs voll einschlugen.
Und auch Frontmann Johnny Gioeli hat mal wieder eindrucksvoll bewiesen, dass er eine echte Wucht am Mikro ist und gehört sicherlich noch immer zu den besten Sängern im Bereich des melodischen Hardrocks, der mit seiner actionreichen Bühnenpräsenz das Publikum sofort abholt und mitreißt. Doch auch seine 4 Musiker begeistern und können durch ihre sympathische Art und musikalisches Können auf ganzer Linie überzeugen, was sich durch den lauten Jubel am Ende des Gigs mehr als deutlich belegen lässt. Alles richtig gemacht!
Setlist HARDLINE:
- Shout
- Rise Up
- Dr. Love
- Bad Taste
- When You Came Into My Life (Scorpions cover)
- Everything
- Danger Zone
- Life’s a Bitch
- In the Hands of Time
- Keyboard Solo
- 31-91
- Hot Cherie (Danny Spanos cover)
- Rhythm From a Red Car
Zugabe:
- Takin‘ Me Down
- Fever Dreams
HARDLINE im Web:
Webseite / Facebook / Instagram
SEVI im Web:
Webseite / Facebook / Instagram
Text & Fotocredits: „Live it Loud Pix“ by Thomas Jenne






















































