Genre: Folk Metal

Mit Hun legen die mongolischen Ausnahme-Musiker von The HU mittlerweile ihr drittes Studioalbum vor. Nach dem Überraschungserfolg von The Gereg und dem etwas internationaler ausgerichteten Rumble Of Thunder setzt die Band ihren eingeschlagenen Weg konsequent fort. Die traditionellen Elemente bleiben das Herzstück des Sounds, gleichzeitig öffnen sich The HU stärker modernen Rock- und Metal-Einflüssen, ohne ihre Identität zu verlieren.

Bereits der Opener Warrior Chant macht klar, wohin die Reise geht, und sorgt mit seinem atmosphärischen Aufbau für Bilder von endlosen Steppen und berittenen Kriegern. Traditionelle Instrumente und der markante Kehlgesang erzeugen (mal wieder) sofort dieses unverwechselbare Gefühl mongolischer Weite und bereiten den Hörer perfekt auf die folgende Reise vor. Mit dem anschließenden Lost Soul überraschen The HU allerdings sogleich. Der Song trägt unüberhörbar die Handschrift der Alternative-Metal-Band Nothing More, die hier ihre Finger mit im Spiel hat. Das klingt frisch und zeigt, dass sich die Band weiterentwickelt, ohne ihre musikalische DNA im Lagerfeuer liegenzulassen.

The Men gehört dagegen zu den kompromissloseren Stücken des Albums. Stampfende Rhythmen, markante Chöre und ein mitreißender Groove machen den Song zu einem sicheren Live-Kandidaten, der in den Hallen ordentlich Staub aufwirbeln dürfte. Ganz andere Töne schlägt dagegen Echoes Of My Father an. Fast schon soundtrackartig entfaltet sich hier eine ruhige, träumerische Atmosphäre, die großes Kopfkino entstehen lässt und beweist, dass The HU weit mehr können als kraftvolle Hymnen.

Mit Shadow wird es wieder rauer. Knurrender Gesang trifft auf eingängige Melodien und zeigt einmal mehr, dass Härte und Ohrwurm kein Widerspruch sein müssen. Hier gelingt der Band der Spagat zwischen Härte und Melodie besonders gut. Nicht jeder Treffer sitzt allerdings perfekt. Greed bleibt etwas hinter den übrigen Songs zurück. Solide? Ja. Unverzichtbar? Eher nicht. Aber selbst Dschingis Khan musste zwischendurch mal durchatmen.

Zu den Highlights zählt ohne Zweifel The Real You. Der aggressive Banger entfacht vom ersten Takt an Energie. Druckvoll, kompromisslos und mit ordentlich Wucht entwickelt sich der Song zu einem der stärksten Momente des Albums. Wer hier nicht wenigstens mit dem Kopf nickt, sollte prüfen, ob der Verstärker eingeschaltet ist. Da möchte man am liebsten sofort zur Luft-Gitarren-Version der Pferdekopfgeige greifen.

Danach liefert Grey Hun genau das, was Fans erwarten: klassische The-HU-Kost mit mächtigen Chören, traditionellen Instrumenten und jeder Menge Wiedererkennungswert. Bevor der „Rausschmeißer“ Second Face ertönt, entführt Universe den Hörer noch einmal in die unendlichen Weiten der mongolischen Steppe. Sehnsucht, Melancholie und Fernweh schwingen in jeder Note mit. Spätestens jetzt möchte man den Koffer packen – oder wenigstens Google Maps nach Ulaanbaatar fragen.

Fazit: Hun zeigt eindrucksvoll, dass The HU ihren musikalischen Horizont behutsam erweitern, ohne ihre Wurzeln zu verleugnen. Kleine Schwächen ändern nichts daran, dass die Mongolen ihren ganz eigenen Sound weiter verfeinern und einmal mehr beweisen, warum sie in der Metalszene eine Ausnahmeerscheinung sind. Es gilt also weiterhin: Sattel festziehen, Lautstärke hoch und ab in die mongolische Prärie! Dafür gibt es 8,5 von 10 Bängs!

HUN erscheint am 24.Juli über Better Noise Music

Line-Up:

Enkhsaikhan. B, “Enkush” – Gal horse head fiddle, throat singing

Galbadrakh. TS, “Galaa” – Ayanga horse head fiddle, throat singing

Nyamjantsan. G, “Jaya” – Salhi tsuur, throat singing, jaw harp

Temuulen. N, “Temka” – Baigali tovshuur, throat singing

Jambaldorj. A, “Jambaa” – Solo guitarist

Nyamdavaa. B, “Davaa” – Bass guitarist

Odbayar. G, “Odko” – Drummer

Unumunkh. M, “Unu” – Percussion drummer

Track List:

Warrior Chant

Lost Soul feat. Nothing More

The Men

Echoes of My Father

Shadow

Horsemen

Greed

The Real You

Grey Hun

Universe

Second Face

The Hu Homepage/Facebook/Instagram

By Christian B

Ich höre alles von traditionellem Heavy Metal, Black, Death, T(h)rash, Folk. Power über Punkrock und was es sonst noch so alles gibt, gut muss es halt sein. Wobei es mir allerdings die Zehennägel aufstellt, ist langweiliger Prog wie in Dream Theater, Queensrÿche, Opeth und Co. zelebrieren. Da schlafe ich schlichtweg ein.

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