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Sinoptik – The Calling – Album Review

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Sinoptik sind mit ihrem fünften Album „The Calling“ (erscheint am 11. Juni über ONErpm) sicher keine Newcomer mehr. Außerhalb ihrer Heimat, der Ukraine, war das Power-Trio, das 2016 den Best Band in the World-Award in Berlin gewonnen hat, aber bislang wenig erfolgreich. Das soll sich nun mit dem neuen Langspieler ändern und die Voraussetzungen dafür sind auf jeden Fall gegeben, denn „The Calling“ ist, ohne große Umschweife, eines der bislang besten Rock-Alben des Jahres.

Die Spielfreude der Herren Dmitriy Afanasiev (Gitarre, Keyboard, Gesang), Ruslan Babayev (Schlagzeug) und Aleksandr Savin (Bass) ist in jeder einzelnen Note zu hören. Gekonnt lassen Sinoptik Einflüsse von 70er-Rock-Bands in ihre Musik einfließen und klingen dabei doch recht modern. Textlich ist „The Calling“ für die Truppe eine sehr persönliche Angelegenheit. Ursprünglich kommen Sinoptik aus Kiew und waren aufgrund des Ukrainekrieges 2014 gezwungen ins östliche Donezk zu ziehen, wo sie soziale Ausgrenzung erfuhren und ihnen gar die Schuld für den Konflikt gegeben wurde. Black Soul Man handelt davon.

Credit: Igor Fomin

Dmitriy Afanasiev sieht „The Calling“ eher als Konzeptalbum. „Für mich sind die Songs und der Titel eine Art Erinnerung für jeden Reisenden, Kämpfer, Fahrer, Arzt oder auch Elternteil, dass es, wenn man weggeht, jemanden gibt, der dort, wo man hingeht, auf einen wartet. Wenn Du einen geliebten Menschen verlierst, erinnere Dich daran, dass die Person darauf wartet, dass Du sie einholst. Das ist ‚The Calling‘. Es ist außerdem eine Geschichte von einem Mann, der sein ganzes Leben lang einem Traum nachjagt und als er ihn schließlich erreicht, fällt ihm auf, dass er den Blick auf die wichtigen Dinge im Leben komplett verloren hat. Jeder Song beschreibt einen Lebensabschnitt dieser Person. Von seiner Kindheit bis zur Erfüllung seines Traums. Und am Ende ist es unklar, ob er sterben wird oder den Ruf (‚the call‘) hört. Das ist auch ‚The Calling‘, das ist das Universum, das sein Ding macht.“, sagt er dazu.

Los geht die Platte mit Le Menteur, dessen ungewöhnliche Struktur sich mir erst nach mehrmaligem Hören erschlossen hat. Granny Greta ist hingegen eine straighte Stoner-Rock-Nummer mit Orgelklängen am Ende. Generell sind die Keyboard-Parts einer der großen Pluspunkte von „The Calling„. Mal völlig abgefahren wie in Apple Tree, oder verträumt wie in Young and High, Dmitriy Afanasiev hievt die Songs dadurch nochmal auf ein neues Level und gibt ihnen das gewisse Etwas.

Dass die Ukrainer auch ohne übermäßigen Keyboard-Einsatz auskommen, zeigen sie mit Sell God‘s Number, einem starken Hook-Monster, das sofort im Gedächtnis hängen bleibt. Den Höhepunkt bildet dann The Call, welches ein wenig an Echoes von Pink Floyd erinnert. Beginnt der Song zunächst gewöhnlich mit Strophe und Refrain, legt Afanasiev im Mittelteil die Gitarre beiseite und haut in die Tasten. Nach und nach setzen dann wieder die anderen Instrumente ein und es kommt zum epischen Finale.

Fazit: Sinoptik fünftes Werk „The Calling“ ist ein astreines Rock-Album ohne Totalausfälle geworden. Die Ukrainer sind eine eingespielte Truppe, die auf 40 Minuten Hooks am Fließband abliefert und jedem Fan von Stoner Rock und klassischen Rock-Bands wie Deep Purple oder Pink Floyd nur wärmstens zu empfehlen ist. Von mir gibt es für so viel Raffinesse diesmal die Höchstpunktzahl.

zehn von zehn

The Calling“ erscheint am 11. Juni 2021 über ONErpm und kann hier bestellt werden. Alternativ gibt es das Album auch auf den gängigen Streamingplattformen zu hören.

Tracklist:
1. Le Menteur (6:28)
2. Granny Greta (3:44)
3. Young and High (5:02)
4. Inception (1:00)
5. Apple Tree (3:52)
6. Black Soul Man (4:38)
7. Sell God’s Number (4:30)
8. Absolution (1:05)
9. The Call (9:35)

Bandmitglieder:
Dmitriy Afanasiev – Gesang, Gitarre, Keyboard
Aleksandr Savin – Bass
Ruslan Babayev – Schlagzeug

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Dennis

95er Jahrgang. Buddelt gerne alte Platten auf Spotify aus, die längst in Vergessenheit geraten sind. Hat eine besondere Vorliebe für die 80er, begeistert sich aber für Musik aus allen Jahrzehnten. Dennis spielt selbst Gitarre und singt, oder versucht es zumindest.

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