Am Samstag war das Ende des Festivals zwar bereits in Sicht, von einem ruhigen Auslaufen konnte jedoch keine Rede sein. Die Wege über das Gelände waren inzwischen vertraut, die Stimmen rauer und die Energiereserven kleiner geworden. Trotzdem herrschte vor den Bühnen weiterhin Aufbruchsstimmung.
Der Himmel blieb zunächst bedeckt, die Temperaturen angenehm. Erst während Annisokay setzte zwischen etwa 17.45 und 18.15 Uhr Regen ein. Danach beruhigte sich das Wetter wieder, später ließ sogar der Wind nach. Für die große Pyroshow von Feuerschwanz waren damit gute Bedingungen geschaffen.
Pinhead setzten den ersten ungewöhnlichen Akzent
Pinhead eröffneten den letzten Festivaltag auf der Rock Stage. Das 2023 gegründete Projekt des finnisch-britischen Multiinstrumentalisten Ilja John Lappin präsentierte sich weniger wie eine gewöhnliche Band als wie ein musikalisches Gesamtkonzept. Damit begann der Samstag eigenwillig und fernab eines austauschbaren Festivalauftakts.
Fotos @Karina Gey
Drone rüttelten das Gelände wach
Kurz darauf übernahmen Drone aus Celle die Dark Stage. Mit Mutz, der beim ROCKHARZ auch für die Bühne verantwortlich ist, besteht eine direkte Verbindung zum Festival. Musikalisch setzt die Band auf Groove- und Thrash Metal, der früh für Bewegung sorgte. „Hammered, Fucked and Boozed“ kam wuchtig aus den Boxen, „Under the Blood Red Sun“ erhöhte das Tempo und „Into Darkness“ begann mit melodischeren Gitarren. Mutz wurde zum Abschluss von seinen Security Kollegen geprankt und von der Bühne geführt. Damit war der Samstag endgültig eröffnet.
Fotos @Karina Gey
Tailgunner ließen die Achtziger wieder aufleben
Tailgunner gehörten für mich zu den ersten großen Entdeckungen des Tages. Die 2022 gegründeten Briten zeigten mit „Midnight Blitz“ aktuelles Material und gleichzeitig ein deutliches Faible für klassischen Heavy Metal. Der Titeltrack, „Tears in Rain“ und „Follow Me in Death“ überzeugten mit hohem Tempo, starken Melodien und großen Refrains. Musikalisch erinnerten sie mich an die frühe Phase von Iron Maiden. Lange Haare, enge Hosen und ein konsequenter Achtziger-Look vervollständigten den Eindruck. Für mich zählten Tailgunner klar zu den Favoriten des gesamten Festivals.
Fotos @Karina Gey
Necrotted verschärften den Ton
Nach dem melodischen Heavy Metal von Tailgunner schlugen Necrotted eine deutlich härtere Richtung ein. Die süddeutsche Death-Metal- und Deathcore-Band setzte auf massive Breakdowns, tiefe Growls und eine kompromisslose Klangwand. Der Wechsel hätte kaum größer sein können. Eben noch klassische Gitarrenharmonien und hymnische Refrains, nun brutale Rhythmik und finstere Wucht. Genau solche Sprünge gehören fest zum ROCKHARZ.
Fotos @Karina Gey
Tungsten verbanden Melodie und Härte
Tungsten führten den Samstag anschließend in den schwedischen Heavy- und Power Metal. Die Band kombinierte melodische Refrains mit dunkleren Passagen und blieb dabei angenehm abwechslungsreich. „On the Sea“ überzeugte mit klarer Betonung und einem hymnischen Aufbau. „Bite My Tongue“ verband cleane Stimmen, Growls und treibende Gitarren, während „The Fairies Dance“ mit kräftigem Groove begann und später deutlich lyrischer wurde. Dadurch entstand ein Set, das sich nicht auf eine einzige Klangfarbe beschränkte.
Fotos @Karina Gey
Crypta überzeugten mit Präzision und Energie
Crypta gehörten zu den frühen Höhepunkten auf der Dark Stage. Die brasilianische Death-Metal-Band, die 2019 aus dem Umfeld ehemaliger Nervosa-Mitglieder entstand, trat technisch präzise und gleichzeitig mit enormer Spielfreude auf. Besonders die ausdrucksstarke Mimik der Frontfrau blieb im Gedächtnis. Zwischen finsteren Blicken und sichtbarer Begeisterung entstand eine starke Bühnenpräsenz. Nach Hagane und Dogma war Crypta zudem bereits die dritte vollständig weiblich besetzte Band, die an diesem ROCKHARZ-Wochenende einen bleibenden Eindruck hinterließ.
Fotos @Karina Gey
Artillery zeigten Thrash Metal mit besonderer Stimme
Artillery stehen für traditionellen Thrash Metal aus Dänemark. Die bereits 1982 gegründete Band spielt schnellen, gradlinigen Old-School-Metal, der seinem Namen alle Ehre machte. Sänger Michael Bastholm Dahl unterschied sich dabei deutlich von vielen typischen Thrash-Shoutern. Seine Stimme erinnert stellenweise an Geoff Tate und verleiht dem rasanten Material eine unerwartet melodische Note. Dadurch hob sich der Auftritt angenehm von klassischen Genreerwartungen ab.
Fotos @Kommodore Johnsen
Majestica lassen die Wolkendecke aufreißen
Mit Majestica wurde es anschließend deutlich hymnischer. Die schwedische Symphonic- und Power-Metal-Band traf genau meinen musikalischen Geschmack. Wer Stratovarius oder Sonata Arctica mag, fand hier reichlich vertraute Elemente. „No Pain, No Gain“, „Metal United“ und „Night Call Girl“ boten große Melodien, markante Keyboards und klaren Gesang. Nach den härteren Bands zuvor wirkte der Auftritt angenehm offen und beschwingt. Erst gegen Ende des Sets begann es zu regnen, doch der Schauer blieb überschaubar.
Fotos @Karina Gey
Annisokay spielten gegen den Regen an
Annisokay bringen modernen Metalcore und Post-Hardcore auf die Bühne. Rudi Schwarzer übernahm die Shouts, während Christoph Wieczorek für die klaren Gesangspassagen zuständig war. Dadurch entstand der typische Wechsel zwischen Härte und großen Melodiebögen. Das aktuelle Album „Abyss – The Final Chapter“ aus dem Jahr 2025 bildete den zeitgemäßen Rahmen des Auftritts. Zu Beginn regnete es noch deutlich, nach den ersten drei Songs ließ der Schauer jedoch bereits wieder nach.
Fotos @Kommodore Johnsen
Finntroll verwandelten Härte in Tanz
Finntroll verbinden anschließend Pagan Metal, Black-Metal-Einflüsse und Humpa-Rhythmen. Diese Mischung führte vor der Bühne zu einer besonderen Form von Bewegung: Moshpits, tanzende Gruppen und zahlreiche Crowdsurfer existierten gleichzeitig nebeneinander. Die langen Trollohren und die folkloristische Inszenierung verstärkten den eigenwilligen Charakter der Show. Nach dem im Vorjahr eher knapp vertretenen Folk Metal bekam diese Stilrichtung 2026 mit Ensiferum und Finntroll wieder deutlich mehr Raum.
Fotos @Karina Gey
Danko Jones hielten es geradlinig
Mit Danko Jones kehrte schnörkelloser Rock ’n’ Roll auf die Rock Stage zurück. Danko Jones an Gesang und Gitarre, John Calabrese am Bass und Rich Knox am Schlagzeug brauchten weder aufwendige Kulissen noch große Rollenbilder. „Had Enough“, „My Little RnR“ und „Everyday Is Saturday Night“ lebten von starken Riffs, trockenem Groove und einer direkten Ansprache. Nach Finntrolls ausgelassener Fantasiewelt wirkte der Auftritt bewusst schlicht und gerade deshalb sehr effektiv.
Fotos @Karina Gey
Doro wurde zum emotionalen Mittelpunkt
Die Prime-Time gehörte Doro. Obwohl sie bereits seit Jahrzehnten zu den wichtigsten deutschen Metalstimmen zählte, fühlte sich ihr ROCKHARZ-Auftritt beinahe wie eine Premiere an. Ihre Nähe zum Publikum, ihre Energie und ihre unverkennbare Stimme wirkten auch an diesem Abend vollkommen glaubwürdig. Mit „Earthshaker Rock“, „I Rule the Ruins“, „Time for Justice“, „Burning the Witches“, „Fight for Rock“, „Raise Your Fist“, „Warriors of the Sea“, „Für Immer“, „Fire in the Sky“, „Hellbound“ und „All We Are“ deckte die Setlist mehrere Jahrzehnte ab. Zum Abschluss folgte „Metal Racer“. Auch die Pyrotechnik kam regelmäßig zum Einsatz und sorgte vor der Bühne für zusätzliche Hitze.
Fotos @Karina Gey
Knorkator feiern das kontrollierte Chaos
Nach Doros klassischer Metalshow übernahmen Knorkator und stellten die Atmosphäre vollständig auf den Kopf. Die Band verband musikalisches Können mit absurdem Humor und bewusstem Größenwahn. Während des dritten Songs durften die Fotografen auf die Bühne. Humpen nutzte die Gelegenheit, einige von ihnen mit einer Poolnudel zu bearbeiten. Kurz darauf gratulierte die Band Thorsten „Buddy“ Kohlrausch und Danni nachträglich zur Hochzeit. Der Auftritt blieb dadurch nicht nur musikalisch, sondern auch wegen seiner spontanen Aktionen im Gedächtnis.
Fotos @Karina Gey
Emperor beherrschten die Dark Stage
Mit Emperor wechselte die Stimmung erneut vollständig. Die norwegische Black-Metal-Legende setzte auf monumentale Kompositionen, kühle Atmosphäre und eine ungewöhnlich helle, aber eindrucksvolle Ausleuchtung. Feierlaune spielte hier keine Rolle. Stattdessen entstand eine konzentrierte, beinahe feierliche Stimmung. Emperor wirkten kontrolliert, gewaltig und musikalisch präzise. Damit gehörte der Auftritt zu den eindrucksvollsten Momenten des Wochenendes.
Fotos @Karina Gey
Feuerschwanz entfachten das große Finale
Bevor Feuerschwanz begannen, richtete Buddy noch einige Worte an die Crew, die Fans und die Verantwortlichen von Metal.de, die ihr 30-jähriges Bestehen feierten. Danach übernahmen Feuerschwanz die Bühne und verwandelten den späten Samstag in eine große Folk-Metal-Show. Hymnische Refrains, Humor, harte Gitarren und eine umfangreiche Pyroproduktion griffen wirkungsvoll ineinander. Nachdem der Wind nachgelassen hatte, konnte die Band ihre Inszenierung ohne größere Einschränkungen präsentieren. Zum Ende kam Doro Pesch erneut auf die Bühne. Gemeinsam mit Hauptmann Feuerschwanz und Prinz „Hodi“ Hodenherz sang sie „We Are the Vikings“. Damit erhielt das Finale noch einen besonderen Gastmoment.
Fotos @Karina Gey
Soen setzen den letzten Ton
Soen beschlossen das ROCKHARZ 2026 mit Progressive Metal und einer deutlich ruhigeren Grundstimmung. Nach vier Tagen voller Lautstärke, Staub und permanenter Bewegung setzte die schwedische Band nicht auf eine letzte Eskalation. Stattdessen entstand ein atmosphärischer Abschluss mit viel Tiefe, getragenen Passagen und musikalischer Feinheit. Für alle, die bis zum Ende geblieben waren, bot Soen einen ruhigen Gegenentwurf zum Feuerfinale von Feuerschwanz.
Fotos @Karina Gey
Fazit: Ein letzter Tag ohne angezogene Handbremse
Der Samstag zeigte noch einmal, wie weit das musikalische Spektrum des ROCKHARZ reichte. Tailgunner und Majestica überzeugten mit klassischem Heavy- und Power Metal, während Necrotted, Crypta und Artillery für die härteren Momente sorgten. Finntroll brachten das Gelände zum Tanzen, Danko Jones hielten den Rock ’n’ Roll geradlinig und Doro setzte einen gelungenen Höhepunkt.
Knorkator lieferten den kontrollierten Unsinn, Emperor den konzentrierten Gegenpol und Feuerschwanz das große Feuerfinale. Soen sorgten anschließend für einen stilleren Nachklang.
Meine persönlichen Favoriten des gesamten Festivals blieben Helloween und Alice Cooper. Dogma hatten mich vor allem mit ihrer Inszenierung überrascht. Musikalisch lagen Tailgunner und Majestica besonders nah an meinem Geschmack. Avatar und Domnium haben mich komplett begeistert. Der Samstag beendete das ROCKHARZ nicht vorsichtig, sondern mit einem Programm, das bis zum letzten Auftritt noch einmal fast alle Seiten des Festivals zeigte.
ROCKHARZ Runners: Gemeinsam in den Festivaltag
Auch 2026 starteten einige Besucherinnen und Besucher ihren Festivaltag deutlich sportlicher als der Rest des Campingplatzes. Die ROCKHARZ Runners trafen sich am Morgen zu einer gemeinsamen Runde rund um das Gelände. Dabei standen weder Tempo noch Bestzeiten im Mittelpunkt. Gelaufen, gewalkt oder einfach im eigenen Rhythmus mitgezogen wurde so, wie es zu den eigenen Kräften passte. Aus einer kleinen Idee hatte sich inzwischen eine feste Gemeinschaft entwickelt, die Bewegung, Festivalgefühl und Zusammenhalt miteinander verband. Beim Zieleinlauf warteten Applaus, gute Stimmung und ein Empfang, der fast schon an einen kleinen eigenen Programmpunkt erinnerte.
Ein eigener Festivaldrink für Danni und Buddy
Auch die Hochzeit von Danni und Buddy bekam auf dem Festival eine ganz persönliche Note. Zu diesem Anlass entstand ein eigenes Getränk, das ROCKHARZ Teufelszeuch, mit dem die Besucherinnen und Besucher auf das frisch verheiratete Paar anstoßen konnten. Der besondere Drink griff die Verbindung zum ROCKHARZ auf und wurde so zu einem kleinen flüssigen Erinnerungsstück an die Feier. Damit blieb die Hochzeit nicht nur auf der Bühne und im persönlichen Umfeld sichtbar, sondern fand auch ihren Weg in das Festivalleben. Die Heidelbeer-Spirituose mit Gin-Note hat 18 Prozent Alkohol und schmeckt fruchtig-süß.
Pfand für den guten Zweck
Daneben spielte auch soziales Engagement wieder eine wichtige Rolle. Bei der Aktion „Glück in Dosen“ wurde Pfandleergut gesammelt und sortiert, damit der Erlös gemeinnützigen Projekten in der Region zugutekam. Was im ersten Moment wie eine einfache Pfandsammlung wirkte, verband Nachhaltigkeit mit konkreter Hilfe. So wurde aus leeren Flaschen und Dosen ein Beitrag für soziale Einrichtungen und Initiativen im Harz. Die Aktion zeigte erneut, dass auf dem ROCKHARZ nicht nur gefeiert, sondern auch Verantwortung übernommen wurde.
Das ROCKHARZ 2027 ist bereits wieder ausverkauft! Für 2027 sind folgende Bands bereits bestätigt:
ACCEPT, ALESTORM, ALL FOR METAL, ARCH ENEMY, BRUCE DICKINSON, COPPELIUS, DARTAGNAN, DUST BOLT, EISBRECHER, EMIL BULLS, EQUILIBRIUM, GRAVE DIIGGER, GUTALAX, GWAR, HANDGEMENG, H-BLOCKX, IGEL VS. SHARK, KATERFAHRT, KORPIKLAANI, LORD OF THE LOST, MARDUK, METAL CHURCH, NESTOR, SETYØURSAILS, SKĀLD, TANKARD, STORM SEEKER, THE SISTERS OF MERCY, TURBOBIER
See you at the Devil’s Wall in 2027
Copyright / Bildrechte
Alle Fotos unterliegen dem Copyright des Fotografen. Das Teilen der Bilder ist erlaubt, sofern der Fotograf namentlich genannt wird. Ein Download, eine Bearbeitung, kommerzielle Nutzung oder sonstige Weiterverwendung der Bilder ist ohne ausdrückliche schriftliche Genehmigung nicht gestattet.
Copyright / Photo Rights
All photos are protected by the photographer’s copyright. Sharing the images is permitted, provided that the photographer is credited by name. Downloading, editing, commercial use, or any other reuse of the images is not permitted without explicit written permission.
https://www.rockharz-festival.com



























































































































































































































































































