Eines meiner Lebensmottos lautet, neben „Das Leben ist schön“, ganz klar: „Kein Jahr ohne Mr. Hurley“. Entsprechend musste ich nicht lange überlegen, als die Band ein Clubkonzert im L.A. Cham ankündigte, einem der coolsten Clubs im deutschsprachigen Raum. Näher würden Mr. Hurley und die Pulveraffen meiner niederbayerischen Heimat Niederbayern wohl in diesem Jahr nicht mehr kommen. Dank meines kleinen Mottos und ihrer beinahe schon obligatorischen Präsenz auf dem Summer Breeze sind die Pulveraffen inzwischen auch die Band, die ich am häufigsten live fotografieren durfte. Zugegeben, es gibt sicherlich fotogenere Musiker, die man vor die Linse bekommen kann. Doch was die fünf an Unterhaltung, Energie und Spielfreude auf die Bühne bringen, macht das mehr als wett.

Bevor ich aber zum Auftritt der Headliner des Abends komme, springen wir noch ein paar Stunden zurück. Fangen wir doch einfach beim Wetter an: Mit rund 25 Grad, strahlend blauem Himmel und kaum einem Lüftchen war der Tag schon draußen ziemlich schweißtreibend und kann mit der Karibik mit Sicherheit mithalten. Gegen 17:00 Uhr machten wir uns auf den Weg zum Veranstaltungsort. Wenn wir schon einmal im L.A. sind, gehört das lecker Essen dort schließlich fast schon zum Pflichtprogramm. Denn die Location hat nicht nur optisch einiges zu bieten, sondern überzeugt auch kulinarisch jedes Mal aufs Neue. Und auch diesmal wurden wir nicht enttäuscht. Der Bacon Burger, in der „Devil“-Version, sorgte mit seinem Spiegelei zwar für gemischte Gefühle, am Ende waren wir uns aber einig: Das Teil war verdammt lecker! (Muss die Werbung für die Location eigentlich immer sein? – die Red.) (Ja, denn sie hat es tatsächlich verdient! – der Schreiberling dieser Zeilen.) Für das heutige Event hatte sich das L.A. außerdem besonders herausgeputzt. Im dystopisch anmutenden Außenbereich wartete eine kleine Piratenecke mit Boot und Sandstrand auf die Besucher, und auch das Servicepersonal hatte sich dem Motto angepasst: In ihren piratenartigen Outfits sorgten sie schon vor Konzertbeginn für die passende Seeräuberstimmung.
Nur wenige Tage vor der Veranstaltung musste der ursprünglich angekündigte Support Redwood ihren Auftritt aufgrund eines familiären Notfalls absagen. Als kurzfristiger Ersatz sprang Lalea ein und präsentierte ein Soloprogramm im Singer-Songwriter-Stil. In dieser Form war sie bisher allerdings erst ein einziges Mal auf einer Open-Mic-Night als Solo-Act aufgetreten. Zwar stand sie bereits mit IRXN und Celtic Coven auf der Bühne, doch ganz alleine vor einer Meute Piraten (viele der Besucher sahen logischerweise so aus) zu spielen, ist noch einmal eine ganz andere Hausnummer. Entsprechend nervös und zurückhaltend wirkte sie zu Beginn ihres Sets. Doch mit jedem Song gewann sie sichtbar an Sicherheit und Selbstvertrauen. Passenderweise eröffnete sie ihren Auftritt mit Schreitet voran, dem ersten Lied, das sie jemals komplett allein geschrieben hat. Auch die übrigen Songs waren allesamt sehr persönlich. Mit Wortschmied widmete sie sich der Leidenschaft für die Musik, Lasst mir meinen Spaß thematisierte den gesellschaftlichen Druck, dem weiblich gelesene Personen tagtäglich ausgesetzt sind, und mit Wunderschön Bunt durfte natürlich auch ein klar antifaschistisches Statement nicht fehlen. Etwas romantisch wurde es mit Die Geschichte einem Lied, das sie ihren Großeltern gewidmet hat, die beeindruckende 68 Jahre ihres Lebens gemeinsam verbrachten. Als Zugabe gab es schließlich ihre ganz eigene Interpretation von Daisy Jones mit der sie das Publikum perfekt auf den bevorstehenden Auftritt von Mr. Hurley und den Pulveraffen einstimmte.Alles in allem war es ein unaufgeregter, aber äußerst kurzweiliger Auftritt, der Lust auf mehr machte. Aus verlässlicher Quelle weiß ich außerdem, dass Lalea Blut geleckt hat und sich gut vorstellen kann, künftig häufiger als Solo-Act auf der Bühne zu stehen. Ich würde jedenfalls nicht darauf wetten, dass dies ihr letzter Soloauftritt gewesen ist.
Wer zu diesem Zeitpunkt dachte, die Temperaturen im Club hätten bereits ihren Höhepunkt erreicht, hatte die Rechnung ohne Mr. Hurley und die Pulveraffen gemacht. Denn die heizten der ohnehin schon schweißgebadeten Menge vom ersten Ton an noch einmal ordentlich ein. Spätestens nach dem Auftaktdreierpack aus Affentotenkopf, S.O.S. und Achterbahn am Achterdeck war klar: Die Pulveraffen würden auch an diesem Abend keine Gefangenen machen. Natürlich durften auch die obligatorischen Pfeffi-Runden nicht fehlen. Und wer einen Grund zum Trinken sucht, findet bei den Pulveraffen bekanntlich immer einen. Notfalls reicht schon ein Adrian, der verzweifelt versucht, eine Crew anzuheuern. Inzwischen dürfte wirklich jeder im Club bis auf die Knochen durchgeschwitzt gewesen sein, ohne Ausnahme. Pegleg Peggy durfte mit Zu Fuß bereits zum zweiten Mal einen Song als Hauptstimme übernehmen und macht ihre Sache dabei von Jahr zu Jahr besser. Bei Mann über Bord bekam sie Unterstützung von Lalea, die an diesem Abend noch einmal auf die Bühne zurückkehren durfte.
Doch nicht nur die Band lieferte ab, auch das Publikum ließ sich nicht lumpen. Zu Unser Untergang wurde gerudert, als gäbe es kein Morgen mehr. Dagegen würden selbst die Fans der norwegischen Nationalmannschaft alt aussehen. Selbstverständlich durfte auch eine Wall of Death nicht fehlen. Aufgrund der überschaubaren Größe des Clubs fiel sie zwar eher niedlich als brachial aus, ihren Zweck erfüllte sie aber trotzdem. Solche Aktionen wirken auf einem Open Air mit deutlich mehr Platz halt eindrucksvoller und bieten denjenigen bessere Ausweichmöglichkeiten, die darauf verzichten möchten. Für einen kurzen Moment etwas befremdlich wurde es bei Auf in die Schlacht, als plötzlich Wikinger statt Piraten das Bühnenbild bestimmten. Beim Song ergibt das allerdings durchaus Sinn. Wer bei der Zeile „Wir sind die Härtesten der Harten – und fast so cool wie richtige Piraten“ nicht zumindest schmunzelt hat den Schuss nicht gehört.
Zum Finale gab es dann nochmal alles, was zu einer echten Mr. Hurley Show einfach dazugehört: jede Menge Pfeffi, wirklich jede Menge Pfeffi, richtig viel von dem Zeug, und dazu das inzwischen legendäre Drunken Sailor Medley, das traditionell die Zielgerade des Konzerts einläutet, und natürlich Der Haifisch. Der Song ist längst weit mehr als nur ein Publikumsliebling, sondern ein klares politisches Statement gegen die AfD und für ein buntes, tolerantes Miteinander. Entsprechend laut hallte das gemeinsame „Ahoi und FICK DIE AFD!“ durch den Club. Auch die Ansage von Mr. Hurley zu dem Lied war deutlich und wichtig. Seine Botschaft, dass Menschen mit gegenteiliger Einstellung auf den Konzerten der Pulveraffen schlicht nichts verloren haben, wurde vom Publikum lautstark gefeiert. Dafür gibt es auch von meiner Seite im Nachhinein noch einmal einen kräftigen Applaus.
Den endgültigen Abriss lieferte schließlich Blau wie das Meer. Wer bis dahin tatsächlich noch irgendwelche Kraftreserven gehabt haben sollte, wurde sie nun endgültig los. Die Stimmung nochmal am Höhepunkt, die Stimmbänder am Anschlag und Adrian der beim Singalong Spielchen, des Refrains, auch nochmal seine Minuten hatte, genauso fühlt sich ein gelungener Konzertabend an!
Bleibt am Ende eigentlich nur noch eine Frage offen: Wie hoch stehen die Chancen, dass ich mein Motto „Kein Jahr ohne Mr. Hurley!“ auch 2027 wieder einhalten kann, aye?













