Nach einem starken Auftakt stellte sich am zweiten Festivaltag oft die Frage, ob das Niveau gehalten werden konnte. Beim ROCKHARZ 2026 lautete die Antwort am Donnerstag ziemlich eindeutig: ja, und zwar mit Nachdruck. Das musikalische Spektrum wurde noch einmal erheblich ausgebaut und füllte den Tag von den ersten Underground-Riffs bis zur großen Abendshow beinahe lückenlos. Das Wetter hielt sich diesmal aus dem Geschehen heraus. Bei milden Temperaturen und trockenen Wegen ließ sich der lange Festivaltag ohne Regenjacke oder Hitzeflucht durchziehen.
Final Cry eröffneten mit Underground-Wucht
Final Cry eröffneten den Donnerstag ohne langes Abtasten. Zwischen melodischen Gitarrenläufen, thrashigem Vorwärtsdrang und Frontmann Kais rauem Gesang bekam die Dark Stage früh eine angenehm bodenständige Metal-Dosis. „Dominion of Decay“ groovte, „The Ever-Rest“ ballerte, „Down The Icefall“ brachte filigrane Gitarren. Ein gelungener Auftakt.
Fotos @Karina Gey
Die Habenichtse brachten rauen Festivalboden
Die Habenichtse räumten anschließend mit der reinen Metal-Ernsthaftigkeit auf. Ihre deutschsprachigen Kneipen- und Kumpelnummern machten aus dem frühen Nachmittag eine unkomplizierte Runde zwischen Folk, Punk und Festivalhumor.
Fotos @Kommodore Johnsen
Mittel Alta setzten auf derben Mittelalter-Crossover
Mittel Alta machten danach aus der Dark Stage eine grob gezimmerte Festivaltaverne. Zwischen bewusst derben Texten, langsamen Moshpit-Spielereien, Ballons und reichlich Gerstensaft setzte die Band weniger auf historische Feinheiten als auf kollektiven Unsinn. Subtil war daran wenig – unterhaltsam dafür umso mehr.
Fotos @Karina Gey
Hagane brachten Farbe und Präzision aus Japan
Hagane sorgten danach für einen der auffälligsten Stilwechsel des Tages. Die japanische Band verband rasante Gitarrenarbeit mit klaren Melodien und einem farbenfrohen Auftreten. Für mich war ihr Auftritt eine echte Neuentdeckung, die sich deutlich vom rustikalen Programm zuvor abhob.
Fotos @Karina Gey
Stahlmann zogen den Tag in Richtung Neue Deutsche Härte
Stahlmann ließen die freundlicheren Farben des Nachmittags hinter sich. Starre Rhythmen, elektronische Flächen und schwere Gitarren verliehen der Dark Stage eine kalte, industrielle Atmosphäre, die bei „Plasma“ und „Der Schmied“ besonders wirkungsvoll ausfiel.
Fotos @Karina Gey
Sagenbringer wurden zur positiven Überraschung
Sagenbringer erwiesen sich für mich anschließend ebenfalls als Entdeckung. Mit erzählerischen Texten, folkigen Melodien und raueren Passagen entstand ein abwechslungsreicher Auftritt, der besonders bei das hymnischen „Valkyrensturm“ überzeugte. Nach den starren Industrial-Rhythmen zuvor wirkte dieser Auftritt deutlich luftiger und melodischer.
Fotos @Kommodore Johnsen
Dogma inszenierten Metal als Rocktheater
Dogma setzten anschließend auf maximale Bildwirkung. In Nonnenkostümen verband die Band eingängige Heavy-Metal-Refrains mit religiösen Motiven und provozierender Körpersprache. Die Inszenierung war so dominant, dass die Songs zeitweise beinahe wie der Soundtrack zu einem düsteren Bühnenstück wirkten. „Like a Prayer“ (Madonna-Cover), „Father I Have Sinned“ und „My First Peak“ blieben hängen, weil Dogma nicht einfach nur spielten, sondern ein Bild setzten.
Fotos @Karina Gey
Warmen lieferten finnische Metal-Kompetenz
Warmen überzeugten mit technisch sauberem, melodischem Metal und einer Besetzung, die hörbar viel Erfahrung mitbrachte. Petri Lindroos verlieh den Songs zusätzliche Schärfe, während Janne Wirman immer wieder markante Keyboard-Akzente setzte. Unter anderem spielten sie „Somebody’s Watching Me“.
Fotos @Karina Gey
Decapitated erhöhten den Härtegrad
Decapitated ließen anschließend kaum Raum zum Durchatmen. Präzise Riffs, abrupte Rhythmuswechsel und ein wuchtiger Sound schoben den Donnerstag mit voller Kraft in den Technical Death Metal. Der Kontrast zum melodischen Warmen-Set hätte kaum größer ausfallen können.
Fotos @Karina Gey
Betontod setzten auf Punkrock-Direktheit
Betontod setzten der technischen Präzision zuvor eine wesentlich geradlinigere Energie entgegen. Ihre Songs zielten weniger auf komplizierte Strukturen als auf Refrains, Bewegung und unmittelbare Publikumsreaktionen. „Küss mich“, „Ich bereue nichts“ und „Hömmasammawommanomma“ gingen unmittelbar nach vorne.
Fotos @Karina Gey
Agnostic Front brachten Hardcore-Geschichte
Bei Agnostic Front genügte schon der erste Blick auf Roger Miret und Vinnie Stigma, um die jahrzehntelange Bühnenerfahrung zu erkennen. Das Set war knapp, roh und bewegte sich mit großer Selbstverständlichkeit zwischen Hardcore und Punk. Erklärungen brauchte diese Band nicht – die Reaktion vor der Bühne sprach für sich.
Fotos @Karina Gey
Dominum verbanden Power Metal und Untoten-Theater
Dominum wechselten anschließend vom New Yorker Straßenflair in eine aufwendig inszenierte Zombie-Welt. Masken, eingängige Refrains und melodischer Power Metal machten Songs wie „Killed by Life“ und „Frankenstein“ zu meinen Favoriten. Die Band setzte dabei weniger auf düsteren Horror als auf unterhaltsames Gruselkino mit Mitsingfaktor.
Fotos @Karina Gey
Avatar machten den Donnerstag schillernder
Avatar brachten danach kontrollierten Wahnsinn auf die Bühne. Johannes Eckerström führte die Band mit großer Körpersprache durch ein Set, das schwere Grooves, moderne Metal-Elemente und eine bewusst groteske Optik zusammenführte.
Fotos @Karina Gey
Alice Cooper wurde zum großen Namen des Tages
Mit Alice Cooper erreichte der Donnerstag seinen größten klassischen Showmoment. Zwischen Requisiten, dunklem Humor und jahrzehntealten Hits wirkte der Auftritt wie eine kompakte Reise durch die Geschichte des Schock Rock.
Viele Refrains saßen im Publikum sicher, besonders natürlich bei den Klassikern „Poison“, „School’s Out“, „Feed My Frankenstein“, „House of Fire“, „Dirty Diamonds“ und „Hey Stoopid“.
Fotos @Karina Gey
Hämatom führten zurück in deutschsprachige Härte
Die leider auf den letzten Slot verschobenen Hämatom beschlossen den Tag mit einer visuell aufwendig angelegten Show. Wegen des Windes musste die Band zwar auf Teile der Pyrotechnik und des Bühnenaufbaus verzichten, doch die weißen Kostüme, Fesseln und maskierten Figuren sorgten weiterhin für starke Bilder. Erstmals erlebte ich die Gruppe dabei mit Annika „Rose“ Jaschke an der Gitarre. Im Set natürlich der neue Ohrwurm „Wir haben Dorf„, aber überraschend auch „Tanz auf dem Vulkan„.
Fotos @Karina Gey
Fazit: Ein Donnerstag voller Kanten
Der Rockharz-Donnerstag lebte weniger von einer klaren musikalischen Linie als von seinen ständigen Richtungswechseln. Zwischen frühen Entdeckungen, rohem Hardcore, präzisem Death Metal und großen Bühnenbildern blieb kaum Zeit für Routine. Gerade diese Unberechenbarkeit machte den zweiten Festivaltag so unterhaltsam.
Ja-Worte zwischen Metal und Teufelsmauer
Auch 2026 wurde auf dem ROCKHARZ nicht nur gefeiert, sondern erneut geheiratet. Während der Festivalwoche diente das Gelände wieder als Außenstelle des Standesamtes Ballenstedt. Die zur Verfügung stehenden Trautermine waren bereits früh vergeben . So gaben sich mehrere Paare in unmittelbarer Nähe der Teufelsmauer das Ja-Wort – begleitet von Festivalstimmung, Freunden und jeder Menge Metal.
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