Der erste Tag eines Festivals ist immer etwas Besonderes. Man kommt an, sortiert sich, sucht seinen Rhythmus und spürt langsam, wie der Alltag von einem abfällt. Beim ROCKHARZ 2026 dauert dieses Hineinfinden allerdings nicht lange, denn ganz ohne Stolpersteine begann dieser Tag nicht. Mittags regnete es so stark, dass sich die letzten Aufbauarbeiten verzögerten und auf dem Gelände vieles unter Wasser stand. Trotzdem schaffte es das Team, das Infield pünktlich um 15 Uhr zu öffnen. Im Verlauf des ersten Festivaltages trockneten die Flächen gut ab, und aus dem anfänglichen Regenproblem wurde nach und nach nur noch eine Erinnerung unter den Schuhsohlen.

Dino-Metal als ungewöhnlicher Festivalauftakt
Der Start mit Heavysaurus war wohl einer der ungewöhnlichsten Festivalauftakte, die man sich vorstellen kann: Dino-Metal, viele kleine Metal-Fans und eine Band, die Hard Rock und Heavy Metal mit familienfreundlicher Inszenierung verbindet. Die Festivalmacher hatten 156 Kinder aus Grundschulen und Kindergärten im Umland eingeladen und an einer Seite der Bühne eigens einen Bereich für sie eingerichtet. So konnten die Kinder die Show ohne Sichtbehinderung verfolgen und gerieten nicht in den Trubel vor der Bühne. Mit Songs wie „Pommesgabel“ und „Kaugummi ist mega“ eröffneten Heavysaurus den Festivaltag auf ebenso ungewöhnliche wie charmante Weise.

Fotos @ Karina Gey
Mit Soulbound kam moderner Härte
Mit Soulbound bekam der Nachmittag eine deutlich härtere Kontur. Die verspielte Atmosphäre des Openers wich einem kühlen, modernen Sound, der das Gelände spürbar in eine andere Stimmung versetzte. Die Bielefelder brachten moderne Härte, Industrial-, Gothic-, NDH- und Metalcore-Elemente auf die Rock Stage. Nach dem bunten Einstieg wirkte das fast wie ein Sprung in eine andere Welt.
Fotos @Kommodore Johnsen
Harakiri For The Sky verdichteten den Nachmittag
Harakiri For The Sky verlangsamten den Puls des Tages und zogen das Publikum mit langen Spannungsbögen, melancholischen Melodien und einer eindringlichen Schwere in ihren Bann.
Fotos @ Karina Gey
The Haunted brachten kraftvollen Schub auf die Bühne
The Haunted rissen den Nachmittag aus seiner nachdenklichen Phase und setzten auf scharfkantige Riffs, hohes Tempo und eine Wucht, die sofort wieder Bewegung vor die Bühne brachte. Die Schweden verbinden Thrash Metal, Melodic Death Metal und Groove und bringen damit eine direkte, kraftvolle Energie auf die Bühne. Nach der atmosphärischen Intensität von Harakiri For The Sky wirkte ihr Auftritt wie ein belebender Wechsel: rau, druckvoll und mitreißend.
Fotos @Kommodore Johnsen
Ensiferum öffneten den Abend ins Epische
Mit Ensiferum wurde es anschließend epischer. Folk Metal funktioniert auf einem Open-Air-Gelände fast naturgemäß. Unter freiem Himmel entfalteten die Songs von Ensiferum ihre ganze Wirkung. Zwischen wehenden Haaren, erhobenen Fäusten und zahlreichen Crowdsurfern entstand ein kraftvoller Folk-Metal-Moment. Bei „In My Sword I Trust“, „Lai Lai Hei“ oder „Andromeda“ wurde aus dem frühen Abend ein großer Mitsingmoment.
Fotos @ Karina Gey
Paradise Lost brachten Gothic-Metal-Schwere auf die Bühne
Nach Ensiferum veränderten Paradise Lost die Stimmung deutlich. Der Abend bekam eine spröde, melancholische Note. Die Briten setzten weniger auf große Gesten als auf bedrückende Klangflächen und ihre jahrzehntelang gewachsene Bühnenpräsenz. Sie gehören zu den prägenden Namen des Gothic Metal. „Serpent on the Cross“, „The Enemy“, „Smalltown Boy“ (Bronski-Beat-Cover) und „Silence Like the Grave“ stehen u.a. auf der Setlist.
Fotos @Kommodore Johnsen
Black Label Society setzten auf massive Gitarrenmacht
Der Auftritt von Black Label Society lebte von massiven Gitarrenwänden und Zakk Wyldes unverwechselbarem Spiel. Jeder Ton wirkte groß, rau und kompromisslos. Nach all den stilistischen Wechseln zeigte dieser Auftritt, wie wirkungsvoll ein einziges mächtiges Riff über das gesamte Gelände tragen konnte.
Fotos @ Karina Gey
Helloween lieferten den großen Fixpunkt des Mittwochs
Der große Headliner des Mittwochs war schließlich Helloween. Sie bündelten mehrere Jahrzehnte Bandgeschichte in einer zweistündigen Show. Schnelle Gitarrenläufe, mehrstimmiger Gesang und zahlreiche Klassiker sorgten für den größten gemeinschaftlichen Moment des Tages.
Bei Songs wie „Ride the Sky“, „March of Time“, „I Want Out“, „Heavy Metal Is the Law“ oder „Dr. Stein“ wurde deutlich, warum Helloween seit Jahrzehnten einen besonderen Status genießen. Spätestens bei den großen Klassikern verwandelte sich das Infield in einen riesigen Chor. Vergangenheit und aktuelles Line-up wirkten dabei erstaunlich geschlossen.
Fotos @Kommodore Johnsen
Steve ’n’ Seagulls setzten den schrägen Schlusspunkt
Nach den schweren Gitarren des Abends sorgten Steve ’n’ Seagulls für einen entspannten Abschluss. Bekannte Metal-Songs klangen plötzlich nach finnischer Scheunenparty – handwerklich stark und mit sichtbarer Freude gespielt – genau der richtige Ausklang.
Fotos @Kommodore Johnsen
Fazit: Ein Auftakt mit erstaunlicher Bandbreite
Schon der Mittwoch machte deutlich, wie unterschiedlich ein einzelner Festivaltag klingen konnte. Zwischen Dino-Metal, Post-Black-Metal, Gothic-Schwere, Power-Metal-Hymnen und Bluegrass-Covern blieb kaum Raum für einen gleichförmigen Moment. Kein vorsichtiges Ankommen, sondern ein erster voller Festivaltag. Und genau so sollte ein Festival beginnen.

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