Metalfest Open Air in Pilsen/CZ – Festivalbericht zum Tag 2 – Ausgelassene Stimmung + starkes Billing bei bestem Festivalwetter

Nachdem der erste Festivaltag ein voller Erfolg war (hier geht`s zum Bericht vom Tag 1), ging es am Samstag schon um 10:30 Uhr wieder auf der Bühne livehaftig weiter. Zuvor aber noch schnell am Merch vorbeischauen und ein T-Shirt der heutigen Bands ergattern.

Den musikalischenAnfang macht heute Solar System, die bei Ihrem Heimspiel vor allem beim tschechischen Metalheads punkten konnten. Mit ihren tschechischen Texten hatte das internationale Publikum so etwas Probleme, denn auch musikalisch war die Musik nicht sonderlich überzeugend. Solider Hardrock ohne größeres Überraschungspotential.

Spannender waren da schon die italienischen Moonlight Haze mit ihrer Frontfrau Chiara Tricarico, die vermutlich besser bekannt als Backgroundsängerin bei Avantasia sein dürfte. Mit ihrem Symphonic Metal können die Italiener in Pilsen gleich für ordentlich Stimmung sorgen. Recht melodisch, teils mit harten Riffs gespickt, geht es recht flott zur Sache. Moonlight Haze promoten bei den Open Airs ihre rechtzeitig zur Festivalsaison erschiene EP „Interstellar Madness“ und hoffen mit der neuen Veröffentlichung auf den nächsten Step auf der Karriereleiter. Chiara`s teils sehr hoher Gesang hat neben starken Stellen allerdings auch den ein oder anderen Durchhänger. Nicht schlecht insgesamt, jetzt ist man definitiv im heutigen Festivaltag angekommen.

Als drittes kommen Sliding Doörs aus Italien auf die Bühne. Leider für mich der Schwachpunkt des bisherigen Lineups. Gesanglich kann mich Frontfrau Carmen Costantino leider wenig überzeugen. Einzig Bassist Claudio Garombo sorgt mit seinem stählernen Body für etwas Showeffekt.

Nach einigen Songs reicht es mir und ich wandere mal zur Signíng-Zelt, wo demnächst Soen zurSigning Sessions erwartet werden. Im Zelt vor dem Backstagebereich dürfen die Schweden zahlreiche LPs, Cds und anderes Merch der wartenden Fans signieren.

Ein ganz spezielle Sammlerleidenschaft besitzt ein tschechischer Fan, der sich für seine Sammlung ein Silikonbrustimplantat unterschreiben lässt, was natürlich nicht nur bei den überraschten Musikern für erstauntes Lachenund erstaunte Blicke sorgt. „Andere Länder, andere Sitten“, oder soll ich besser andere T…… sagen (?).

Auch in diesem Jahr war natürlich wieder einiges geboten am Signing-Zelt, sodass sich bei einzelnen der größeren Bands lange Schlangen bildeten. Schön, dass in Pilsen auch die Headliner und Co-Headliner sich nicht zu schade zum Autogramme schreiben sind.

Bei den Emil Bulls geht’s dann natürlich zurück vor die Bühne. Die Münchner Crossover Metaller legten einen powervollen Auftritt auf die Bühne und schafften es nach dem recht schwachen Auftritt der Doörs spielend, wieder für ordentlich Stimmung zu sorgen. Die Stagediver sind inzwischen auch wach und wieder vor der Bühne aktiv und lassen sich durch den kleinen FOS-Bereich transportieren.

In diesem Zusammenhang sein mal ein Lob an die Security-Crew gerichtet, die schon seit vielen Jahren mit jahrelanger Erfahrung für durchweg entspannte Atmosphäre nicht nur für uns Fotografen vor der Bühne sorgen.

Obwohl sie teils ordentlich Arbeit mit Crowdsurfern haben und auch der ein oder andere Unerschütterliche fast im Minutentakt wieder im Graben landet, bleiben die Jungs meist ziemlich tiefenentspannt. Mann/Frau kennt sich und es sind doch immer wieder die gleichen Gesichter, die sich vor und hinter der Absperrung jedes Jahr schon freundschaftlich begrüßen können.

Nach den Bulls kommt mit Freedom Call eine der Überraschungen des Festivals. Chris Bay und seine Jungs haben in Tschechien „einen dicken Stein im Brett“, denn die Stimmung nimmt fast Headlinerdimensionen an. Das Pilsener Publikum geht bei dem Partymetal von Freedom Call richtiggehend ab.Ein bestens gelauntes Publikum, Motivierte Band, dazu bestes Festivalwetter – von lauten Mitsingpassagen bis hin zur riesigen Polonäse durch ganze Amphitheater ist alles geboten. Mit Songs wie „Heavy Metal Heapycore“, „Power & Glory“ oder „Warriors“ reist Chris das Publikum förmlich mit und „Metal is for Everyone“ entwickelt sich zur großen Hymne und lässt das Stimmungsbarometer in den roten Bereich nach oben ausschlagen.

Egal ob als Solokünstler 2023 oder mit Freedom Call in den vergangen Jahren, Chris schafft es mit seiner sympathischen Art die Massen beim Metalfest immer wieder abzuholen, sodass das Amphitheater am frühen Nachmittag schon sehr gut gefüllt ist. Auch wenn mich die Musik von Freedom Call nach den starken Powermetalalben zu Beginn der Karriere heute nicht mehr umhaut und zuhause den Weg nicht mehr in die Playlist schafft, können die Jungs mit ihren „Mallorca-Metal“ live durchaus überzeugen und schaffen es immer wieder für tolle Stimmung und Party im Crowd zu sorgen.


Als nächstes stehen dann Soen aus Schweden auf dem Programm. Ich hatte die Band vor einigen Jahren beim Graspop in Belgien im Metaldom kennengelernt und war gespannt und gleichzeitig etwas skeptisch, ob die Musik der Band mittags auf der Bühne bei Sonnenschein funktionieren würde.

Soen sind jetzt mit ihrer recht progressiven Musik nicht gerade bekannt für ihre Eingängigkeit und spielen nicht gerade Standardmetal oder Hardrock der Partylaune verbreitet. Der etwas sphärische und manchmal melancholische Rock hebt sich doch deutlich vom restlichen Lineup des Festivals ab. Doch auch wenn es manchmal recht verhalten zugeht, können Songs wie der Opener „Mercenary“ oder „Memorial“ durchaus musikalisch überzeugen.

Da sich bei Soen der Schwerpunkt eher auf´s Zuhören konzentriert denn auf Party machen, haben es Frontmann Joel Ekelöf mit ihren progressiven Songs recht schwer für Stimmung im Rund zu sorgen. So plätschert der Auftritt mit einigen starken Songs leider etwas dahin, und einige Songs der Setlist bremsen das Stimmungsbarometer ordentlich aus. Für Soen-Newbies dürfte es vermutlich mehrheitlich recht schwer gewesen sein, sich richtig für die Musik zu begeistern. Leider wurde meine Befürchtung daher etwas bestätigt, dass die Musik der Schweden eher in einen kleinen dunklen Club passt, denn auf eine große Bühne bei Sonnenschein. Doch trotz der Umstände war es ein gelungener Auftritt und ich kann nur sagen, hört euch die Musik mal zuhause in Ruhe an und ihr werdet die Qualitäten der Songs und der Band erkennen.

Mit Dominum wendet sich das Blatt dann schlagartig wieder in richtung Partytime. Die deutschen Senkrechtstarter um Frontmann und Zombiedompteur Felix Heldt alias Dr. Death sind geradezu prädestiniert für ein Open Air und schaffen es spielend, ab der ersten Sekunde, die Stimmung wieder auf Hochtouren zu fahren. Mit ihren eingängigen Songs mit jeder Menge Hitpotential gibt es die nächsten 70 Minuten eine fette Zombieparty auf der Bühne. Es wird gerockt und Party gefeiert bis der Zombie kommt.

Nach ihrem ersten Besuch in Pilsen 2024 kommen Dr. Death und seine drei Zombies Patient Zero, Victor Hiltop und Tommy Kemp auch 2026 wieder super beim Publikum an und begeistern die Massen. Dr. Death entpuppt sich als der geborene Entertainer und schafft mit seinen Ansagen die Massen zu begeistern. Gleich mit „Danger Danger“ zum Auftakt ist das Publikum voll da und singt lautstark und inbrünstig jeden Song mit.

Mit starker Gitarrenarbeit und einem erstklassigen Sound spielt man sich souverän durch die beiden bisherigen Alben „Hey Living People“ und „The Dead Don`t Die“, die in der Szene regelrecht einschlugen. „Mit „Circus is in The Town“ und dem Michael Jackson– Cover „Thriller“ gibt’s auch zwei Songs vom neuen Album „Night Is Calling“ live zu hören, dass am 3. Juli veröffentlicht wird. Ich persönlich finde „Thriller“ nicht ganz so stark, da hatte ich mir etwas mehr versprochen.

Doch schadet das dem insgesamt sehr überzeugenden Auftritt von Dominum nicht, denn die Show hat alles was eine mitreisende Live-Metalparty ausmacht. Tolle hymnenartige Songs, die sprichwörtlich im Ohr kleben bleiben, fette Riffs, ein begeistertes Publikum und das Konzept mit den Zombies, das spätestens nach dem Erfolg von „The Walking Death“ natürlich voll aufgeht. Auch die Metal La Ola-Welle trägt seinen Teil zur phantastischen Stimmung während des Gigs von Dominum bei. Zum grandiosen Finale wird bei „Immortis Dominum“ nochmals alles in die Waagschale geworfen und einer der besten Songs zum Besten gegeben, lange „Ooh Ohh“- Chöre inbegriffen, die das Publikum nochmals abgehen lässt und die laut Felix „300.000“ Crowsufer nochmals fliegen lässt.

Felix begeistert während der 70 Minuten mit seiner Interaktion mit dem Publikum und hat nicht nur seine Zombies fest im Griff hat. So kann man sich fast sicher sein, dass Dominum in naher Zukunft wohl bald auf den CO-Headliner oder gar Headliner-Posten vorrücken werden und in Pilsen bald zur Primetime spielen werden. Hier sehe ich durchaus Potential und Parallelen zu den Landsleuten von Powerwolf.Wohl nicht nur für mich einer der Highlights des Festivals, was auch der lautstarke Applaus in Pilsen nach dem Dominum-Auftritt mehr als deutlich bestätigen dürfte. Die Zombieinvasion geht definitiv unvermindert weiter…

Mit der US-Powermetallern von Kamelot folgt als Co Headliner dann eine Band, auf die ich mich im Vorfeld des Metalfest besonders gefreut habe, liegt es doch schon 21 Jahre zurück, dass ich die Band um Frontmann Tommy Karevik erstmals live sehen konnte, damals noch mit Roy Khan an den Vocals.

Die Songauswahl ist mehr als gelungen, vom Opener in die 70 Minuten Showtime „Veil Of Elysium“ aus meinem Lieblingsalbum „Heaven“ bis zum großen Finale mit „Liar Liar (Wasteland Monarchy) gibt’s ein tolles Best Of der Karevik-Schaffensphase, ältere Songs von Roy Khan gibt es leider nicht zu hören.

Mit ihrem inzwischen deutlich symphonischer ausgerichteten Powermetal begeistern Kamelot besonders wegen der außergewöhnlichen Stimme von Tommy Karevik die Pilsener Fans. Immer melodiös, doch stets mit der nötigen Härte ausgestattet punktet die deutsch-amerikaische Band bei den tschechischen und internationen Metalheads. Besonderes Highlights des Gigs sind die Auftritte von Morgana LeFey, vielen bekannt auch von den Warkings, die den Songs nochmals eine ganz besondere Note verleiht. Mit Ihren Sceams und Crowls ist sie der perfekte Konterpart zu Tommy`s klarer, fast schon sanften Stimme.

Auch ihr stechender Blick fasziniert und zieht die Blicke immer wieder auf sich. „When The Lights Go Down“ besticht mit seinem schnellen Tempo, bei dem Bandleader Thomas Youngblood sich beim Solo in den Mittelpunkt spielen kann. Basser Sean Tibbets indes bangt was das Zeug hält und lässt mehr als einmal seine bunt gefärbten Dreadlooks im Kreis rotieren.

Mit Alex Landenberg am Schlagzeug hat man ein echtes Tier an den Kesseln, der mit wuchtigen Doublebass für das notwendige Fundament sorg, während Oliver Palotai an den Keys für den symphonischen Touch verantwortlich zeichnet.

Starker Auftritt der US-Band, die Lust auf die im Herbst stattfindende Tour zum neuen Album „Dark Asylum“ macht, das am 28. August veröffentlicht wird.

Das Finale des heutigen Tages bleibt dann Tobias Sammet und Avantasia vorbehalten, die nicht das erste Mal in Tschechien für eine großartige Show sorgen. Wenn auch heute die Spielzeit deutlich kürzer ausfällt wie den üblicherweise fast dreistündigen Shows, kann Tobi und seine Truppe auf allen Belangen wieder mal überzeugen. Starke Show mit erstklassigen Songs, dazu die gewohnt bunte Auswahl an erstklassigen Frontmännern /-Frauen, die die Würze von Avantasia ausmachen. Aufgrund der der leider begrenzten Spielzeit musste sich auch Tobi etwas mit seinen Reden zurückhalten, was der Show jedoch insgesamt ganz gut tat.

Bei der diesjährigen Sommertour sind heute neben dem Bandboss selbst die Alltime-Mitglieder Bob Catley (Magnum), Ronnie Atkins (Pretty Maids) sowie Herbie Langhans (u.a. Sinbreed) am Start, unterstützt durch Kenny Leckremo (H.E.A.T) und als einzige Frau in der Band Chiara Tricarico, die seit der letzten Tour mit an Bord ist und am frühen Mittag schon mit Moonlight Haze aufgetreten ist. Auch Tommy Karevik darf nach dem Aufritt mit Kamelot nochmals für einige Songs mit Avantasia auf die Bühne zurück.

Mit „Creepshows“ gibt’s etwas überraschend nur einen Song aus der aktuellen Scheibe, stattdessen greift man auf ein Best of zurück, ohne auf Überraschungen zu verzichten. So schafft es „Runaway Train“ vom „The Wicked Symphony“ -Album heute auf die Setlist, dass seit 2010 nur drei Mal live gespielt wurde. Bob Catley ist wie immer für die eher ruhigen Songs zuständig, während Ronnie Atkins und Kenny Leckremo die Vocals bei den schnelleren Songs mit Doublebass zusammen mit Tobi übernehmen. Ronnie begeistert mich mal wieder, zeigt er sich doch trotz seiner Krebserkrankung bei bester Stimme und soweit man das als Außenstehender beurteilen kann, bei bester Spiellaune.

Kenny an seiner Seite entpuppt sich erneut als echter Derwisch, der abgeht wie ein wildes Tier und nur so strotzt vor Spiellaune. Neben solchen Bandhymnen wie „Reach Out For The Sky“, „Twisted Mind“ oder „The Scarecrow“ begeistert besonders Herbie Langhans mit „When The Storm Descend Upon You“. Natürlich darf auch die Bandhymne „Avantasia“ nicht fehlen, die lautstark von den Fans im sehr gut gefüllten Amphitheater mitgesungen wird.

Nach kurzem Break rollt dann zur Zugabe ein Klavier auf die Bühne, an dem Tobi für einen Solopart bei „Lucifer“ platznimmt. Zum emotionalen Höhepunkt der Show lodern Flammen aus dem Klavier, während Tobi mit sanfter Stimme zu der Ballade anstimmt.

Zum großen Finale der Show stimmen dann alle Sänger gemeinsam zum schon traditionellen Ende einer jeden Avantasia-Show „Sign of the Cross/The Seven Angels“ gemeinsam ein und beschließen den 2. Festivaltag unter lauten Jubel der Pilsener Anhängerschaft.


Leider musste ich aus familiären Gründen den dritten Festivaltag in diesem Jahr ausfallen lassen. So ging es nach Avantasia noch in der Nacht zurück nach Hause. Einerseits mit einem weinenden Auge, konnte ich die Auftritte von Eclipse, Gotthard und dem Europa-Debut von Battle Beast mit ihrer neuen Frontfrau Marina La Torraca (Exit Eden) am Sonntag leider nicht sehen, auf der anderen Seite jedoch auch mit einem lachenden Auge, hatte ich doch wieder 2 wunderbare Festivaltage mit tollen Bands im schönen Pilsen erleben dürfen, die sich definitiv gelohnt haben, auch für 2 Tage den langen Weg nach Pilsen auf sich zu nehmen.
Und die Vorfreude auf das Metalfest Open Air 2027 ist natürlich auch schon wieder aufgeflammt. Ich bin auf alle Fälle im nächsten Jahr wieder am Start.

Zum Abschluss meinerseits gibts nun noch ein paar schöne Eindrücke der zahlreichen bunt gemischten Fans!

Damit ihr jedoch nicht auf einen Bericht vom 3. Festivaltag verzichten müsst, hat Redaktionskollege Olli dann für mich übernommen. Seinen Bericht zum Sonntag findet ihr hier in Kürze bei uns im Magazin.

By Thomas

Musikalisch bin ich seit den 80er vor allem im melodischen Hard& Heavy-Dschungel unterwegs und immer auf der Suche nach neuen und alten Perlen. Meine absoluten Faves sind Queenaryche, Y&T, Die Toten Hosen... u.v.a.....inzwischen kann ich mich aber auch für Mittelalterrockband wie Feuerschwanz oder Saltataio Mortis absolut begeistern. Ab und an geht mein Blick aber auch mal über den Tellerrand in Richtung Speed/Trash/Death...solange Melodien erkennbar sind. Auch wenn ich schon zu der Ü50-Fraktion gehöre, findet man mich bei Konzerten und Festivals fast immer Front of Stage, denn Sitzplatz beim Rockkonzerten, das passt bei mir einfach nicht zusammen. Erst wenn es ohne Rollator mal nicht mehr gehen sollte, ist die Tribüne vielleicht ne Alternative.

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