Metalfest Open Air in Pilsen/CZ – Festivalbericht zum Tag 1 – Der Wettergott hatte in diesem Jahr ein Erbarmen mit den Metalheads

Normalerweise ist das Metalfest Open Air im tschechischen Pilsen traditionell jedes Jahr die erste Freiluftveranstaltung für mich im Konzertkalender. Doch dieses Jahr war das Hexentanz-Festival in Thallichtenberg und das Red Horse Festival in Stutensee (den Konzertbericht gibt’s hier) etwas früher dran.
Doch da ich bei beiden Festivals jeweils nur Samstags live vor Ort sein konnte, war  Das Metalfest Open Air Pilsen doch wieder das erste Mehrtages-Event im Jahr 2026.
Auch in diesem Jahr hatten die Veranstalter Prago-Konzert wieder ein starkes internationales Billing an den Start geschickt, bei dem auch dieses Mal wieder deutsche Bands recht stark vertreten waren, was wohl als  Zeichen dafür angesehen werden kann, das die Qualität des „German Metal“ in Tschechien sehr geschätzt wird.

Sowohl am Eröffnungstag am Freitag mit den Metalurgesteinen von Accept, die gerade auf ihrer 50-Jahre-Jubiläumstour sind,  wie auch am Samstag mit Tobias Sammet`s Avantasia kamendie beiden Headliner aus Deutschland. Und auch im Laufe des Wochenendes waren noch diverse andere Bands mit einer schwarz-rot-goldener DNA im Bljut auf der Bühne des Amfiteátr Lochotín live zu sehen.

Der Donnerstag bot sich in diesem Jahr mit dem Fronleichnams-Feiertag natürlich geradezu an, um gemütlich nach Pilsen anzureisen, Festivalbändchen abzuholen und den Chip mit Kohle aufzuladen. Wie in jedem Jahr ging das Prozedere mit dem Festivalbändchen sowas von gechillt vonstatten, da fragt man sich, warum das bei uns nicht auch so reibungslos klappt und wir in Deutschland oftmals lange Wartezeiten und Schlangen akzeptieren müssen, bevor das Festival losgeht. Auch wenn natürlich das Metalfest mit 15-20.000 Besuchern nicht die Dimensionen wie ein W.O.A. oder RiP/RaR besitzt, hier klappt alles ohne Probleme. Keine 5 Minuten und der Check In  ist erledigt, vorausgesetzt man kommt nicht zu den absoluten Stoßzeiten. Wie auch bei vielen anderen Dingen im Leben wäre für manche Veranstaltung ein Blick über die Grenze vielleicht mal ganz nützlich, denn auch in anderen Ländern kann man Festivals oder andere Großveranstaltungen organisieren, vielleicht sogar besser wie bei uns.

Auch für den Kauf des umfangreichen Merch blieb noch Zeit. Auch wenn die Preise inzwischen auch in Tschechein angezogen haben, ist der Preis für das Festivalshirt mit ca. 28€ noch immer deutlich unter den heute üblichen Preisen bei hiesigen Konzerte.

Noch vor dem großen Regen in der Nacht zum Freitag bleib am Abend noch Zeit, gemütlich auf dem Campingplatz ein Bierchen und ein Würstchen mit den Festivalkumpels zu genießen um die neuesten News zu Musik, Sport und allem Wichtigen und Unwichtigen auszutauschen.

Pünktlich zur Nacht kam dann der für die Nacht angekündigte große Regen, der sich in den letzten Jahren leider immer wieder am Festivalwochenende über Pilsen breit gemacht hatte. So bleib in der Nacht beim Plätschern der Regentropfen nur die Hoffnung, dass der Wetterbericht in diesem Jahr besser passte wie 2025 und am Freitag gegen 14 Uhr der Regen tatsächlich wie vorhergesagt dann wirklich vorbei ist.

Doch kommen wir zum musikalischen Teil 2026:

Der Freitag startete pünktlich und bei trockenem Wetter um 12:30 mit der deutsch-polnisch-griechischen Band Tri State Corner, die mit Ihrem außergewöhnlichen Sound schon ordentlich Leute ins Amphitheater ziehen können. Durch die Hinzunahme einer Bouzouki und den Verzicht auf einen Bass besitzt das Quartett um Frontmann Vassilios „Lucky“ Maniatopoulos (u.a. Schlagzeuger von Rage) und seinen Bruder Ioannis „Janni“ Maniatopoulos mit Ihrem „Bouzouki-Rock“ ein absolutes Alleinstellungsmerkmal in der Metal-Szene.

Auch wenn die Musik von Tri State Corner mit Metal nur am Rande zu tun hat, können die Vier trotzdem ordentlich abrocken und das Publikum auch zu so früher Zeit schon begeistern. Songs wie „Runaway“ oder „Soner Or Later“ begeistern das tschechische Publikum und so kann man der Auftritt als gelungenen Einstieg ins Festivalwochenende bezeichnen.

Mit April Art folgt die nächste deutsche Band. Die 4 Musiker aus Gießen mit Frontfrau Lisa-Maria Watz an der Spitze musste im letzten Jahr ihren Auftritt beim Metalfest ja leider canceln, umso erfreulicher, dass es in diesem Jahr klappt und die Vier ihren Auftritt nun 2026 nachholen können.

Optisch sticht natürlich sofort das rote Outfit der Band ins Auge, das schon mal ein Blickfang ist und ordentlich was hermacht. Lisa-Maria entpuppt sich als echte „Rampensau“ und geht ab wie Schmitts Katze. Die Show strotz nur so vor Action und zusammen mit ihrem modernen Crossover aus Alternative und Modern Metal schaffen es Lisa-Maria und ihre Jungs spielend das Publikum zu überzeugen. Es entwickelt sich sofort eine große Party und mit Songs wie „Breakout“, „Pailkiller“ oder dem Schlusstitel „Not Sorry“ entpuppen sich April Art als erste große Überraschung des Tages.

Mit „Karma is a Beach“ gibt’s auch die brandneue Single zu hören. Vor allem Lisa-Maria kommt sehr sympathisch rüber und punktet beim Publikum nicht nur mit ihrer Ausstrahlung. Auch vor einem Ritt durch den Pit auf den Schultern eines Fans schreckt sie zunächst nicht ab, erst als es wackelig wird wechelt Lisa-Marie auf die breiten Schultern einer treuen Anhängerin, die wohl vertrauenswürdiger wirkt. Man merkt der Band  deutlich an, dass die Band ungeheuren Spaß an dem Gig in Pilsen haben und so geben April Art knapp 50 Minuten absolut Vollgas. Eine Überraschung gleich zu so früher Stunde.

Nach der „roten Invasion“ gibt es dann eine Änderung im Festival-Lineup. Die Israelis von Orphaned Land können leider nicht in Pilsen auftreten, da sie anscheinend nicht aus Israel ausreisen konnten. Ihre Position übernehmen kurzfristig Power Metal Urgestein „Peavy“ Wagner und seine Band Rage. Sicherlich kein schlechter Ersatz, der ein oder andere Metalfans wird vielleicht sogar über den Lineup Wechsel froh gewesen sein, denn Orphaned Land’s Sound istsicherlich durchaus etwas gewöhnungsbedürftig.

Eigentlich hatten wir uns abends auf dem Zeltplatz im Vorfeld schon gewundert, das Rage nicht zum Lineup gehört, denn Rage und Tri State Corner sind ja oftmals wegen der Doppelfunktion von „Lucky“ (bei Rage am Schlagzeug) sonst im Doppelpack gemeinsam bei den Festivals am Start.

So hatten wir wohl eine Vorahnung und konnten uns nun tatsächlich etwas unerwartet auf die Songs von Rage freuen. Auch wenn mir persönlich bei der aktuellen Trio-Besetzung irgendwie das Volumen einer  2. Gitarre in den Songs fehlt, rockte Peavy als alter Hase die Bühne natürlich und die Metalfans quittierten Songs wie „End Of All Days“, „ Higher Than The Sky“, „Straight To Hell“ mit Begeisterung . Natürlich darf auch „ Don’t Fear The Winter“ zum Abschluss des Sets nicht fehlen. Solider Auftritt von Rage, allerdings mit wenig Überraschungen.

Nach hartem Traditionsmetal geht’s bei Beyond The Black deutlich melodischer und symphonischer zur Sache. Frontfrau Jennifer Haben brilliert mit ihrer Stimme und hat das Pilsener Publikum schnell auf ihrer Seite.

Zusammen mit ihrem Gitarrist Chris Hermsdörfer steht sie ganz klar im Mittelpunkt und zieht in schwarzem Outfit die Blicke auf sich. Neben den Songs vom aktuellen Album „Break The Silence“ gibt’s zu meiner Freude auch gleich 4 Songs von ihtrem phenomenalen Debütalbum „Songs Of Love And Death“, dass auch heute noch mein Lieblingsalbum der Band darstellt.

Leider meinte es Petrus nicht ganzn so gut und tatsächlich öffnete er kurzerhand für ein paar Minuten die Schleußen, sodass überall kurz mal hecktisch das Regencape rausgekramt wurde. Doch lies sich BTB durch den Regen nicht aus dem Konzept bringen und spielte ihr Set souverän weiter. Beyond The Black habe ich in den letzten Jahren schon häufig auf der Bühne live gesehen, vielleicht auch schon zu oft, denn flashen kann mich der Auftritt heute leider insgesamt nicht.

Ich will jetzt nicht sagen, dass der Auftritt schlecht war, denn Jennifer singt die Songs mit ihrer gewohnt erstklassigen Stimme. Ich weiss selbst nicht weshalb, aber leider überzeugt mich die Begleitband neben den beiden Hauptprotagonisten Jenny und Chris nicht zu 100%. Zu sehr wirken die anderen Musiker aher wie eine Begleitband, denen auch nicht immer die ganz große Spielfreude ins Gesicht geschrieben steht. Kein schlechter Auftritt, aber ich habe BTB aber schon deutlich emotionaler und stärker gesehen.

Nach den melodischen Stimmgewalt von Jenny geht’s bei Pain und FrontmannPeter Tägtgren deutlich roher und ungeschliffener zur Sache.  Der mit Elektrosound aufgepimpte Sound von Pain ist sicherlich nicht jedermanns Sache, doch kann Peter mit seinen harten Songs das Pilsener Publikum schnell auf seine Seite ziehen. 

Die Songs legen eine ordentliche Portion Härte an den Tag, doch beinhalten sie gleichzeitig fast tanzbare Beats. Die Setlist beinhaltet Songs aus allen Schaffensphasen der Band, angefangen vom 1999er „Rebirth“-Album bis hin zum aktuellen Werk „I am“ aus dem Jahr 2024, das mit 4 Songs vertreten ist.

„Don`t Wake the Dead“ ist der erste Höhepunkt des Gigs, mit „Party In My Head“ geht’s im Blaumann natürlich entsprechend partymäßig ordentlich ab und der Song wird mächtig abgefeiert, während die Security ordentlich Arbeit mit den vielen Crowdsurfern bekommt, die in Strömen übers Infield fliegen. Etwas nervig ist das permanente Bums etwas eintönige Bums des Schlagzeugs.

Leider fehlt mein Lieblingssong „Follow me“ auf der Setlist, dafür wird das Beatles-Cover „Eleanor Rigby“ in einer starken Fassung zum Besten gegeben, bevor mit „Shut Your Mouth“ der Schlusssong zum Abriss angeschlagen wird.

Als Co-Headliner des ersten Tages folgt im Anschluss die erste US-Band des 2026er Billings – Anthrax, seines Zeichens Mitglied der „Big Four“ des Thrashmetals absolvieren ihren ersten Auftritt beim Metalfest und zeigen eindrucksvoll, dass sie auch nach über 40 Jahren noch immer zu den besten Trash Metal Bands des Planeten gehören. Klassiker wie „Caught In  The Act“, „Among The Living“ oder „Metal Thrashing Mad“ von ihrem Debütalbum bestimmen den Gig, und natürlich darf auch „Indian“ nicht fehlen.

Frontmann Joey Beladonna hat zwar ab und an mal etwas Probleme mit der Tonlage, doch entwickelt er mit seiner Präsenz noch immer eine gewisse Magie auf der Bühne und auch Scott Ian hat noch immer ultraschnelle Finger und wirkt mit seinem typischen Bart, als würde er nicht altern. Basser Frank Bello überrascht mich mit seiner powervollen Stageacting und stellt seine Bandkollegen klar in den Schatten, ein echtes Bühentier ohne Rast und Ruh.

Erfreulicherweise werden auch mein Lieblingssongs „Medusa“ und das Trust-Cover „Antisocial“ gespielt, die mich bereits seit den 80er begeistern. Hier geht das Publikum natürlich lautstark mit und so mausert sich der Anthrax-Auftritt, auch wenn ich mich jetzt nicht gerade zu den absoluten Anthrax-Anhängerschaft und Trash-Fans zähle, doch zu einem der Highlights des Festival, der mächtig Power versprüht hat und auch mir durchweg Spaß gemacht hat.

Mit Accept folgt dann die Band, die mich seit meiner Jugend und dem ersten Metalkonzert 1984 beim Monsters Of Rock in Karlsruhe auf meinem musikalischen Werdegang bis heute  begleitete und inzwischen meine Liste der „Most-seen Bands“ anführt. Ganze 50 Jahre hat die Band um Gründungsmitglied Wolf Hoffmann inzwischen auf dem Buckel und passend zur gerade laufenden 50-Anniversary Tour gibt es heute auch eine ganz besondere Setlist, für die man  diesmal auch weniger oft gespielte Songs wie „Hellhammer“ aus der kurzen  David Reece-Ära und dem Album „Eat The Heat“ von 1989 oder „Aiming High“ und „TV War“ vom 1986er „Russian Roulette“ -Album ausgewählt hat.

Los geht’s allerdings standesgemäß mit einem der großen Accept- Gassenhauer „Metal Heart“ und  dem 2010er „Teutonic Terror“. Sogleich findet Sänger Mark Tornillo den Draht zu den tschechischen Fans, die auf Teutonenmetal zu stehen scheinen. Lautstark wird mitgesungen und so kommt man schnell auf Betriebstemperatur. Mit „Restless and Wild“ geht’s fulminant weiter, ehe die Ballade „Run If You can“ erstmals seit 2010 wieder auf der Setlist steht. Eine echte Rarität, die sich deutlich vom Rest der Songs unterscheidet, geht der Song doch als glatt als Ballade durch.

Auch bei den zwei Medleys im Laufe des Gigs werden eher selten gespielte Songs und echte Raritäten aus dem großen Bandkatalog rausgekramt, neue Songs aus den letzten 15 Jahren werden komplett außen vor gelassen. Ich persönlich als alter Accept-Anhänger finde es natürlich klasse, nach 40 Jahren wieder mal Songs von „Russian Roulette“ live zu hören. Doch irgendwie bremst die Auswahl die Euphorie der tschechischen Fans etwas, es wird deutlich ruhiger im Rund, als ob man die Songs gerade zum ersten Mal vorgesetzt bekommt.

Die Stimmung fällt im Anschluss deutlich ab, vermutlich weil „Hellhammer“ und die „Russian Roulette“-Songs doch nicht mehr so präsent  bei den Metalfans sind? So beschränkt man sich eher aufs Zuhören denn aufs Mitrocken und das Publikum hält sich eine ganze Weile etwas zurück.

Musikalisch gibt es nichts zu bemängeln, Mark Tornillo hat sich längst am Mikro bewährt, auch wenn ich selbst anfangs meine Probleme hatte und recht lange brauchte, um ihn zu „akzeptieren“. Auch der Ausstieg von Uwe Lullis als 3. Gitarrist tut nicht weh und auch wenn Accept nun wieder mit „nur“ noch zwei Gitarristen agiert, fehlt es nicht an messerscharfen Riffs von Bandleader Wolf Hoffmann und Philip Shouse.

Der gute Sound der während des gesamten Festivals meist herrschte, tut ein Übriges dazu, dass nach einen kleinen Stimmungstal dann mit Songs vom Schlage von „Neon Nights“ oder „Princess of The Dawn“ schnell wieder das Stimmungsbarometer nach ober ausschlägt.

Als dann das berühmt berüchtigte „Hei Di Hei Do“ aus den Boxen zu hören ist, wird’s laut und man startet mit dem schnellsten Song  in das fullminate Finale aus „Fast as a Shark“, „Sun Of A Bitch“ und natürlich dem Accept-Klassiker  schlechthin – „Balls to the Wall“ darf natürlich nicht auf der Setlist fehlen und so stimmt das ganze Amfiteátr Lochotín nunlautstark in den Chor ein. Ein großartiges Finale des Tages, auch wenn zwischendurch ein kleiner Stimmungshänger nicht wegzudiskutieren ist. Accept war und ist einfach eine Band, die live zu begeistern weiß, eine echte Metallegende,  Solinger (Edel)Stahl, Made in Germany.

Und so endet nach sieben durchweg starken Auftritten gegen 23 Uhr auch schon der erste Festivaltag, bei dem der deutsche Metal eine durchaus gewichtige Rolle spielte.


Der Bericht zu Tag 2 und 3 des Metalfest Open Air 2026 folgt in Kürze hier im Magazin.


Text & Fotocredits : „Live It Loud Pixs“ by Thomas Jenne

By Thomas

Musikalisch bin ich seit den 80er vor allem im melodischen Hard& Heavy-Dschungel unterwegs und immer auf der Suche nach neuen und alten Perlen. Meine absoluten Faves sind Queenaryche, Y&T, Die Toten Hosen... u.v.a.....inzwischen kann ich mich aber auch für Mittelalterrockband wie Feuerschwanz oder Saltataio Mortis absolut begeistern. Ab und an geht mein Blick aber auch mal über den Tellerrand in Richtung Speed/Trash/Death...solange Melodien erkennbar sind. Auch wenn ich schon zu der Ü50-Fraktion gehöre, findet man mich bei Konzerten und Festivals fast immer Front of Stage, denn Sitzplatz beim Rockkonzerten, das passt bei mir einfach nicht zusammen. Erst wenn es ohne Rollator mal nicht mehr gehen sollte, ist die Tribüne vielleicht ne Alternative.

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