Interview

Brew Berrymore – Bene im XXL Interview – Teil 2

brew-berrymore-bene-im-xxl-interview-teil-2

Und hier nun Teil 2 des Interviews mit Bene vom 5. Dezember:

Patrick (Rockmagazine): Gerade große Bands, für die auch CD und Plattenverkäufe noch relevant sind, haben sich entschieden, keine neue Musik zu veröffentlichen, solange keine Tourneen möglich sind. Wie siehst Du die Entscheidung?

Bene: Wir haben im März auch kurz überlegt. Auch als die ersten Stimmen aufkamen von einer Impfung frühestens in einem Jahr oder länger und wir schon damit rechnen mussten, dass wir die Tour nicht spielen können, wollten wir aber alle das Album rausbringen. Und haben uns dann gefragt: Warum eigentlich nicht verschieben? Wir machen Musik, weil es uns Spaß macht und wollen den Leuten was bieten. Was kann man in einer solchen Zeit besseres machen als was Neues zu veröffentlichen? Man kann es sich daheim anhören, hat auch jetzt Zeit dafür und eine Tour kann man auch nachholen. Immerhin war das Album fertig und wollten es dann auch unseren Fans präsentieren. Ich kann jedem Musiker nur dazu raten, ebenfalls jetzt neue Musik rauszubringen. Natürlich ist es auch schwierig, da die Tour die Albumkosten wieder reinbringen sollte, aber das war uns wurscht. Wir wollten zumindest den Leuten was mitgeben.

Ich frage mich auch, warum große Bands da jetzt zurückrudern. Andererseits kann es natürlich auch sein, dass sie die Zeit nutzen und einfach mal alles zurückfahren, um mal eine Pause einlegen. Einfach mal die Möglichkeit nutzen, ein Jahr nichts zu machen. Trotzdem hätte ich mich gefreut, gerade in diesem Jahr von so mancher Band etwas zu hören. So wie Idles. Die haben auch komplett drauf geschissen und ein neues Album veröffentlicht. Idles ist einen britische Punk Band mit einem ganz eigenen, ganz komischen Style und die haben die letzten Jahre auch einen totalen Aufwind bekommen. Letztes Jahr haben sie auch am Nachmittag auf dem Nova Rock gespielt und auch ein, zwei Konzerte. Ich habe sie gesehen, die werden auch schön langsam richtig groß. Die haben ihr Album angekündigt und auch wie geplant veröffentlicht. Denen war es einfach völlig egal und das fand ich wirklich geil.

Dann gibt es auch so eine Band wie Madsen. Sie hatten eigentlich geplant, ein Album zu veröffentlichen, welches wegen Corona verschoben wurde. Trotzdem haben sie die Zeit genutzt und ein Punk Album aufgenommen. Richtig rotzig und richtig geil. Das beste, was Madsen seit zehn Jahren veröffentlicht haben. (lacht)

Patrick (Rockmagazine): Wie lange machst du eigentlich Musik?

Bene: Ich hab angefangen, wie ich das Abi gemacht habe. Bei uns ist das so. Wenn man in die 11. Klasse kommt, muss man Wahlkurse dazu wählen und ich war schon immer eher der faulere Typ. Ich hab gehört, dass man im Schulchor sehr leicht sehr gute Noten bekommen konnte und dann hab ich mir gedacht, das könnte ich ja mal probieren. Da hat sich dann herauskristallisiert, dass ich das gar nicht so schlecht kann und hab dann auch mit unserem jetzigen Gitarristen angefangen, Coversongs zu spielen und mit ihm auch mal auf Familienfeiern und Hochzeiten zu spielen. Im Nachhinein ist dann so eine Band entstanden. Brew Berrymore ist meine zweite Band, die erste, Control F Return, hat es nicht wirklich an die Oberfläche geschafft.

Hauptsächlich haben wir live gespielt, haben dann aber auch ein Album aufgenommen und dann nie wieder was zusammen gemacht. Die Chemie in der Band war sehr schwierig und haben mit dem Release des Albums dann auch die Band wieder beendet. Das Album ist geil und ich hör mir das auch immer wieder gern an. Das Album haben wir dann auch lediglich auf YouTube hochgeladen. Bereits in der Übergangsphase ist dann eigentlich auch schon Brew Berrymore entstanden. Seit 2017 machen wir nun gemeinsam Musik.

Hab zwar in der Grundschule ein bissl Keyboard gespielt und dann im Gym Trompete, aber alles halt enorm schlecht und bin auch nicht dabei geblieben, erst mit dem Singen dann.

Patrick (Rockmagazine): Gibt es eigentlich auch Tracks, die es nicht aufs Album geschafft haben?

Bene: Also dadurch, dass wir immer jammen und das dann auch aufnehmen, kann es sich jeder noch einmal daheim anhören. So kommt man dann halt drauf, dass das gar nicht so geil war und dann verschwindet es auch wieder in der Versenkung. Die Songs, die wir aber komplett aufgenommen haben, haben es dann alle aufs Album geschafft. Zig Ideen, Sketches und Fetzen haben wir aber noch in petto. Das Coole ist, so entsteht ein Katalog und wenn man mal keine neuen Ideen hat, kann man da ein wenig drin schmökern und sie wieder herauskramen und weiter daran herumwerkeln. Man kann auch mal nur einzelne Fragmente daraus für andere Songs nutzen.

Man kann zwar nicht sagen, ob aus den Ideen jemals was werden wird, aber wir hätten sicherlich noch genug Material, wenn wir was veröffentlichen wollen würden. Wir wollen unseren Fans aber nur etwas bieten, wenn wir davon überzeugt sind.

Patrick (Rockmagazine): Ich finde, dass bei deinem Gesang teilweise ein britischer Akzent rauskommt. Ist das gewollt?

Bene: Es hat sich ergeben, weil mir britische Musik sehr gefällt. Ich hab darauf nicht abgezielt, es hat sich einfach so entwickelt.

Patrick (Rockmagazine): Was mich noch interessieren würde: Die Welt geht unter, also so wie in The Walking Dead zum Beispiel, und du hast nur noch Zeit, drei Alben oder Bücher für die Nachwelt zu retten.

Bene: Ein Album, das ich auf jeden Fall mitnehmen würde, ist „Demon Dayz“ von Gorillaz. Ist 2005 oder so rausgekommen und nach wie vor eines meiner Lieblingsalben, weil es so unfassbar facettenreich ist. Dann, muss ich mal kurz überlegen.

Was ich auch mitnehmen würde ist von Paul Kalkbrenner „Berling Calling“, ein eher elektronisches Album. Es hat mich, und ich finde auch die elektronische Musik, total geprägt.

Um ein bisschen Abwechslung zu haben, würd ich dann, denke ich, noch „Brutalism“ von Idles mitnehmen. Eine Leseratte bin ich nicht wirklich, aber ich höre einfach verdammt gern und viel Musik.

Patrick (Rockmagazine): Hast du für unsere Leser irgendwelche Serien- und/oder Filmtipps?

Bene: Was ich seit kurzem erst sehr viel Schau ist SchlefaZ. Das sind richtig schlechte Filme, die kommentiert werden und das macht mega Spaß. Was man ebenfalls unbedingt schauen sollte, ist die Serie Black Mirror auf Netflix. Jede Folge hat eine eigene Handlung, alle aber im Kontext, wie stark uns die Technologie beeinflussen könnte oder auch schon beeinflusst. Die ist richtig gut und sollte man auf jeden Fall gesehen haben.

Patrick (Rockmagazine): Da komm ich dann auch gleich zur nächsten Frage. Könnt ihr euch auch vorstellen, ein richtiges Konzeptalbum zu machen?

Bene: Könnt ich mir durchaus vorstellen. Das Album meiner ersten Band war auch ein Konzeptalbum über luzides Träumen. So was könnte ich mir durchaus vorstellen, aber nur, wenn uns wirklich was Spannendes einfällt und wir das auch für uns passend umsetzen könnten.

Patrick (Rockmagazine): Wie ist eigentlich der Name Brew Berrymore entstanden? Ich musste natürlich gleich an Drew Barrymore denken. War ihr Name eine Inspiration?

Bene: Was natürlich viele nicht wissen, sie hat unseren Namen kopiert. (lacht) Wir sind halt richtige Wortspielfans, das sieht man auch beim Album. Dort haben wir einen Song namens Heart Shaped Socks und so ist auch der Bandname ein Wortspiel. Wir haben uns eine Liste mit Namen zusammengeschrieben, die uns gefallen haben oder wir cool gefunden haben und da haben wir uns dann den Besten ausgesucht. Bin auch bei einigen froh, dass sie es nicht geworden sind. Unter anderem sind auch Namen wie Galactic Unicorn oder Manfred & Sons, immer noch einer von meinen Favoriten, dabei gewesen. (lacht)

Patrick (Rockmagazine): Was hat dich an Alben und EPs dieses Jahr am meisten begeistern können?

Bene: Neben dem neuen Idles ganz klar das neue Madsen. Das ist einfach richtig geil.

Patrick (Rockmagazine): Viele Bands, die lange Zeit auf Englisch gesungen haben, sind auf Deutsch umgestiegen sowie wie Donots oder Itchy. Könntet ihr euch das auch vorstellen oder sogar in bayrischer Mundart?

Bene: Wir haben schon viel darüber geredet und auch schon ein Mal probiert, wie das so ist, aber es hat uns noch nie so gereizt. Zum Ausprobieren vielleicht einmal ein deutsches Lied, könnte ich mir gut vorstellen, aber am Anfang, nicht gleich ein komplett deutsches Album. Also mal testen wie es ist, im Moment aber nicht. Mir gefällt es gerade sehr gut wie es ist.

Patrick (Rockmagazine): Habt ihr für die nahe Zukunft irgendwelche Pläne oder arbeitet ihr auf irgendwas hin?

Bene: Einen direkten Plan gibt es nicht. Wir hangeln uns von Ziel zu Ziel. Wo wir in einem Jahr stehen wollen, kann ich gar nicht so richtig sagen. Man kann es zwar forcieren, aber wir denken in kleinen Schritten, so wie jetzt mit dem aktuellen Album. Wenn dann dieses Projekt abgeschlossen ist, überlegen wir uns, was wir als nächstes machen könnten. Was wir uns zum Beispiel gedacht haben, wäre ein Remix Album zu „HABIS“, bei dem uns für je einen Song jemand remixed oder vielleicht einmal eine Akustik EP. Wir haben erst ein wenig umgebaut auf Akustik. Das klappt auch gut und es klingen dann halt alle Songs ganz anders. Das hat auch seinen Charme oder wir schreiben an neuen Songs für eine EP. Je nachdem, was uns in den Fingern juckt, aber da lassen wir uns alles offen und gehen nicht strikt nach einem Plan. Man muss die Chancen nutzen wie sie kommen.

Patrick (Rockmagazine): Ist es auch ein Ziel, dass ihr von eurer Musik hauptberuflich leben könnt oder sagt ihr euch, so lange es geht, ist es super?

Bene: Ein Ziel nicht wirklich, aber ein Traum sicherlich. Es wäre ein Hammer, wenn wir das schaffen würden. Ich habe zum Beispiel aber auch meinen ganzen Urlaub durch die Band abgedeckt, und wenn das jetzt in Deutschland, Österreich oder sonst wo ist, ist das für mich Urlaub und ich freue mich, neue Leute kennen zu lernen. Das heißt, Geld für Urlaub spar ich mir schon mal. Mir macht das alles auch so extrem Spaß und deshalb passt es gut wie es aktuell ist. Natürlich arbeiten wir daran, das Projekt größer zu machen, damit wir alle einen Teilerwerb haben. Das wäre super. Dass man so komplett von der Musik abhängig ist, ist jetzt nicht geplant und nimmt dem Ganzen dann auch sicherlich den Spaßfaktor, wenn man darauf pocht, Geld zu machen. Wir wollen die Musik machen, die wir wollen und auch wann wir wollen, nicht dass ein Label sagt, bis da und da wollen wir neues Material von euch haben.

Patrick (Rockmagazine): Wäre ein Label eigentlich ein Ziel oder passt es so wie es bei euch aktuell ist?

Bene: Die Frage ist, ob man es heute noch braucht. Es kommt dann sicherlich auch drauf an, wer sich da meldet, aber wir pochen jetzt nicht darauf. Von vielen Labels bekommt man einen Labelcode, damit man Förderanträge für den Einzelhandel bekommt. Den Vertrieb kann man aber selbst machen. Was für uns gerade aber wichtig wäre, wäre eine Booking Agentur, weil wir halt nicht so die Kontakte haben und da würden uns Leute mit Erfahrung sicher weiterhelfen. Vielleicht machen wir ja auch mal selbst ein Label auf.

Patrick (Rockmagazine): Gibt es noch Bands, die du uns empfehlen kannst?
Bene: Bei uns aus der Gegend sind Walther, angenehm. Die arbeiten am ersten Album oder schreiben zumindest gerade Songs dafür. Und da wir sie gut kennen, dürfen wir immer wieder reinhören. Und das ist richtig geil. Ruhiger, funkig, poppig. Einfach richtig geil.

Oder die Passauer Smoking Pipes. Mit beiden hätten wir noch dieses Jahr gespielt. Smoking Pipes machen so tanzbare Musik mit Saxophon, Trompeten, Keyboard, Gitarre, Bass und Drums. Zwei kleine Bands, die man unbedingt austesten sollte.

Patrick (Rockmagazine): Gibt es denn von den Beiden schon Musik?

Bene: Die Smoking Pipes haben erst was veröffentlicht und von Walther, angenehm gibt es bisher leider noch nichts.

Patrick (Rockmagazine): Gibt es noch etwas, was du unseren Lesern sagen möchtest?

Bene: Ja, dass sie das Album kaufen sollen (lacht). Nein, hörts gern mal ins Album rein und schaut bei unseren Socials rein. Sonst, bleibts gesund!

Patrick (Rockmagazine): Ich danke dir für deine Zeit!

Bene: Ich danke ebenso.  

Abschließend muss ich sagen, dass Bene ein extrem symphatischer Gesprächspartner ist. Gerade die Offenheit in Bezug auf Kosten hat mich sehr überrascht, aber auch gefreut, da man endlich auch einen Einblick bekommt, wie viel wirklich in einem Album steckt. Sowohl Zeit als auch Geld.

Weiterhin musste ich in dem, was und wie Bene mir die Sachen erzählte, oft an die Briten von Enter Shikari denken. Sie teilen sich eine ähnliche Einstellung, die mir sehr imponiert.

Fotocredit: Julia Haider

Brew Berrymore auf Facebook

Brew Berrymore auf Instagram

Brew Berrymore Shop

Die Empfehlungen von Bene:

Walther, angenehm auf Facebook

Walther, angenehm auf Instagram

The Smoking Pipes auf Facebook

The Smoking Pipes auf Instagram

Share
Patrick

Patrick

geb. 1993, Musik-Fan seit 2010, Verlobt, Ein Sohn, Bevorzugte Genres: Metalcore, Post-Hardcore, Progressive Metal, Pop-Punk, Alternative Rock. Neben seiner sozialen Ader ist Patrick auch für feinste Recherche und Tiefe in seinen Reviews und Berichten bekannt.

Danke für deinen Besuch.
Vielleicht willst du uns ja auch auf Facebook kennenlernen?
Danke für dein „Gefällt mir“!

Translate »