Falkenfels, 5. September 2026
Vormittags sah es erst mal nicht so aus, als ob es der Wettergott besonders gut mit uns meinen würde. Es regnete und beim Frühstückskaffee sah es nicht unbedingt danach aus, als würde sich das so schnell ändern. Aber auch in diesem Jahr hatte Stephan Moro Glück und zur Mittagszeit klarte es auf. Die Sonne zeigte sich von ihrer besten Seite und lockte uns mal wieder nach Falkenfels. Immerhin findet hier am ersten Septemberwochenende seit Jahren seine ganz eigene Form von Metal-Wahnsinn statt: das Hard Summer Festival!
Mit knapp 700 Besuchern bestimmt nicht die größte Veranstaltung des Landes, aber dafür ist es hier familiär as fuck! Hier ist vor allem die Liebe zur Musik groß. Das Festival selbst bleibt angenehm überschaubar. Und genau das scheint eines der Erfolgsgeheimnisse zu sein. Bei unserem Eintreffen sind wir gleich mal den fast komplett anwesenden Seasons in Black in die Arme gelaufen, die an diesem Tag zwar keinen Auftritt hatten, es sich aber dennoch nicht nehmen ließen, hier aufzuschlagen.
Und auch für 2026 wurde wieder ein Programm zusammengestellt, das sich nicht sonderlich darum schert, ob eine Band nun exakt in die eine oder andere Metal-Schublade passt. Stattdessen geht es einmal mehr quer durch den Garten: Heavy Metal, Power Metal, Death Metal, Hauptsache, man kann die Regler der Anlage auf 10 drehen!
Eine dieser Bands sind Rushmoon, die ihren Gig mit ordentlich Druck im Kessel starten. Die Landshuter lassen sich nur schwer in eine musikalische Schublade stecken und überraschen mit den unterschiedlichsten Einflüssen. So wird auch bei ihrem Auftritt „klassischer“ Heavy Metal mit Fragmenten aus Thrash-, Power- oder Nu-Metal vermischt und zu einem erstaunlich homogenen Ergebnis zusammengerührt. Das Quintett konnte ohne unnötigen Brimborium, aber mit viel Energie und ausgestrahlter Spielfreude schnell einen Draht zum Publikum aufbauen. So wie das ausgesehen hat, stehen Rushmoon auch nach mehr als 20 Jahren Bandgeschichte noch immer mit derselben Lust am Rock’n’Roll auf der Bühne.
Die folgenden Moyra ließen es nicht minder krachen und servierten Melodic Death Metal mit ordentlich Wumms. Frontfrau Margo Szkoda-Hreczuch pendelte zwischen giftigen Growls und klaren Vocals und gab den Songs so die richtige Portion Druck und Dynamik. Der Sound der bestens aufgelegten Band sorgte dafür, dass vor der Bühne schnell Bewegung in die Sache kam und die Songs live richtig schön nach vorne gingen. Titel wie Rats, Bleed und Rising bleiben da sicherlich nicht nur bei mir hängen.
Es wurde dazwischen dann auch mal Zeit für ein kühles Hopfengetränk und einen Gang übers Festivalgelände. Und hier trifft man immer wieder Bekannte, die jedes Jahr dabei sind. Wer schon einmal in Falkenfels war, weiß, was einen erwartet: kein gigantisches Festivalgelände, keine kilometerlangen Laufwege und keine unüberschaubaren Menschenmassen. Stattdessen ist es hier sehr familiär und es sind erstaunlich viele Menschen unterwegs, die sich offenbar nicht zum ersten Mal hier treffen. Und das zieht sich durch alle Altersklassen. Was beim Hard Summer bestimmt nicht kleiner ist als bei den großen Veranstaltungen, ist die Stimmung. Die ist großartig und entspannt.
Auch nicht zum ersten Mal hier sind Power Theory, die schon 2015, 2016 und 2023 in Falkenfels waren. Letztes Jahr mussten sie krankheitsbedingt absagen. Das „Fuck Cancer“-Shirt von Bassist Alan D’Angelo lässt dabei gewisse Vermutungen zu, wen es erwischt hat und mit was. Aber egal, gut, dass die Band wieder am Start ist, denn deren Heavy Metal passt halt verdammt gut zum Hard Summer. Alan, wen wundert’s, rockt und posed, als gäbe es kein Morgen mehr. Und der Rest der Band gibt sich auch keine Blöße und kann problemlos mithalten. So schnörkellos die Musik und das Auftreten auch sind, so mitreißend sind die Songs der Amis. Entsprechend gut gefüllt ist das Zelt, in dem die Bühne steht.
Und auch Dragony sind keine Unbekannten in Falkenfels, denn die Österreicher waren 2026 dann auch schon zum dritten Mal vor Ort. Für eine Überraschung sorgte allerdings Maria Nesh, die diesmal anstelle von Siegfried Samer am Mikro stand und inzwischen fest zum Line-up der Band gehört. Sie brachte dabei nicht nur ein kraftvolles, angenehm rockiges Timbre mit, sondern verlieh den ohnehin pathetischen Hymnen der Österreicher eine zusätzliche Portion Biss. Die Wiener zeigten sich bestens aufgelegt und nicht nur Keyboarder Manuel Hartleb hatte immer wieder ein fettes Grinsen im Gesicht. Dragony zelebrierten ihren epischen Power Metal mit sichtbarer Spielfreude und lieferten einen überzeugenden Festivalauftritt, der bestimmt bei so manchem in fester Erinnerung bleiben dürfte.
Thomas Gurrath war auch nicht zum ersten Mal beim Hard Summer, so war er doch schon 2022 hier, um mit Debauchery seine blutigen Spuren zu hinterlassen. Dieses Mal hat er zur großen Blutfest-Show geladen, bei der er seine drei Bands Debauchery, Blood God und Balgeroth zu einer großen Show zusammengeschraubt hat, die musikalisch zwischen groovendem Death Metal, Heavy Rock und deutschem Fantasy Metal pendelte. Dazu gab es monströse Kostüme für seine Mitstreiter, martialische Optik und reichlich Pathos. Subtil geht anders. Muss es aber auch nicht. Wo andere Bands mit drei LED-Wänden Atmosphäre simulieren, stellt Gurrath lieber sein Schlachtfeld auf die Bühne. Musikalisch bleibt manches bewusst simpel, dafür sitzt der Groove. Und wenn der Blutzoll steigt, ist auch das Publikum schnell überzeugt. Dass das Ganze kurzzeitig unterbrochen werden musste, weil deren Drummer eine Bassdrum schrottete, so hart muss einer erst mal spielen können, und diese ausgetauscht werden musste, tat der Stimmung keinen Abbruch. Die Blutfest-Show brachte eine gehörige Portion düstere Fantasy nach Falkenfels und verwandelte die Bühne zeitweise in eine kleine Hölle mitten im niederbayerischen Wald. Davon kann man halten, was man will, aber langweilig ist anders.
Den Titel „Wiederholungstäter des Jahres“ dürfte allerdings an Herman Frank gehen. War er doch schon 2025 vor Ort, allerdings mit Victory. Und das hat ihm offensichtlich so gut gefallen, dass er dieses Jahr gleich noch mal nach Falkenfels gekommen ist. Dieses Mal allerdings unter dem Banner „Herman Frank Legacy“, unter dem er ein echtes Stück deutscher Metal-Geschichte auf die Bühne des Hard Summer brachte und das Publikum mit auf eine Reise durch seine musikalische Karriere nahm. Unterstützt wurde er dabei von seiner Frau Martina und Rick Altzi, die sich abwechselnd das Mikro teilten, um so die jeweils passende Klangfarbe in die Gesangspassagen zu bringen. Leider hat das bei Rick zu Anfang der Show nicht so gut geklappt, weil man ihn schlicht und einfach nicht hören konnte. Mikro zu leise. Aber das wurde schnell behoben und so konnte er auch die volle Power seiner Stimme an den Mann, oder die Frau, je nachdem, bringen. Am besten funktionierten natürlich die unsterblichen Accept-Klassiker Burning, Restless and Wild und das großartige Balls to the Wall, bei dem das Publikum vor der Bühne einen Wahnsinns „Männer“chor abgab. Aber auch das restliche Material hatte nicht weniger Klasse, nur oft einen geringeren Bekanntheitsgrad. Und so war es ein Abend Full of Surprises, den uns der Hitman an der Gitarre servierte, um die Teutonic Order unter die Leute zu bringen. Ich würde mal behaupten, dass diese Geschichtsstunde etwas Besonderes war und ihren Zweck bestens erfüllt hat: uns hervorragend zu unterhalten.
Eines ist klar, das Festival hat sich über die Jahre eine eigene Identität aufgebaut. Das Hard Summer ist eben keine gesichtslose Veranstaltung, sondern punktet mit familiärer Atmosphäre und der richtigen Art von Musik. Und so wird sich auch 2027 die Geschichte fortsetzen. Unter anderem mit den oben schon erwähnten Seasons in Black, deren Auftritt für das kommende Jahr bereits bestätigt wurde. Und so schließt sich auch dieser Kreis.
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