Für unsere Redaktionsräume wurde es mal wieder Zeit für einen neuen Lautsprecher. Der alte hatte nach etlichen ausschweifenden Redaktionspartys endgültig das Zeitliche gesegnet. Die Dinger halten heutzutage aber auch nichts mehr aus.
Rein vom Stil her war allerdings von Anfang an klar, dass es ein Marshall werden muss. Allein die schwarze Lederoptik, die Messingdetails und das ikonische Marshall-Logo auf der Front machen ordentlich etwas her. Die einzige Frage war: Welches Modell soll es werden?
Unsere Verbindung zum Hersteller half uns schnell weiter. Nachdem wir lediglich die Maße unseres „Meetingraums“ durchgegeben hatten, kam die Antwort prompt: „Jungs, ihr braucht den Woburn III. Der sollte groß genug für euch sein.“ Da wir grundsätzlich auf Experten hören, haben wir uns einen besorgt und ihn natürlich ausgiebig getestet, unter härtesten Bedingungen versteht sich. Das Ergebnis möchten wir euch natürlich nicht vorenthalten.

Als Testgelände dienten zunächst unser Redaktionsgarten bei bestem Wetter und laufendem Grill. Später wurde die Veranstaltung nach drinnen verlegt, um die Nachbarn nicht weiter zu strapazieren. Denn eines gleich mal vorneweg: Der Woburn III kann laut. Verdammt laut.
Marshall setzt hier auf ein überarbeitetes Drei-Wege-System mit nach vorne gerichteten Treibern und separaten Hochtönern. Das Ergebnis ist ein Klangbild, das kraftvoll, offen und erstaunlich dynamisch wirkt. Und da die Geschmäcker in unserer Redaktion so unterschiedlich sind wie die Charaktere, musste der Lautsprecher mit einer breiten Palette klarkommen: AC/DC, Manowar, Parkway Drive und natürlich auch Electric Callboy (zum Leidwesen des Schreibers dieser Zeilen) wanderten durch die Playlist.
Besonders beeindruckend ist dabei der Bass. Er kommt trocken, druckvoll und präzise, ohne das schwammige „HiFi-Sofa-Gewummer“, das viele moderne Bluetooth-Lautsprecher produzieren. Die Mitten rücken Gitarren angenehm in den Vordergrund, während die Höhen detailreich bleiben, ohne jemals aufdringlich zu wirken. Aber auch bei höheren Lautstärken behält der Woburn III die Kontrolle. Wo andere Lautsprecher anfangen zu komprimieren oder unruhig zu klingen, bleibt er souverän und liefert weiterhin Druck und Klarheit.
Beeindruckend ist außerdem, wie gut der Lautsprecher selbst in unserem chaotischen Büro eine breite und räumliche Bühne aufbaut. Ob das ausschließlich an der Technik lag oder teilweise auch am Verlauf des Abends, darüber gehen die Meinungen im Nachhinein auseinander. Was wir allerdings sicher wissen: Es wurde laut. Sehr laut. (Mehr Details dazu ersparen wir euch lieber, denn wie heißt es so schön? Was im Büro passiert, bleibt im Büro – die Red.)
Optisch macht das Teil ebenfalls einiges her. Während viele moderne Smart Speaker aussehen wie überdimensionierte Duftkerzen, bleibt Marshall seiner DNA treu. Der Lautsprecher erinnert an einen klassischen Verstärker und wirkt dadurch deutlich charakterstärker als viele Konkurrenzprodukte. Besonders gefallen haben uns die analogen Regler für Bass und Höhen. Sie sind nicht nur eine nette Retro-Spielerei, sondern machen tatsächlich Spaß in der Bedienung. Und allein das satte „Klack“ des Kippschalters beim Einschalten zaubert einem ein Grinsen ins Gesicht.

Ein bisschen was zum Meckern haben wir aber doch. Mit seinen rund 7,5 Kilogramm Gewicht und den großzügigen Abmessungen ist der Woburn III allerdings alles andere als kompakt. Wer nur wenig Platz zur Verfügung hat, sollte vorher prüfen, ob sich ein geeigneter Standort findet. Zudem besitzt der Lautsprecher keinen integrierten Akku. Ohne Steckdose läuft hier nichts. Der Woburn III ist klar für den stationären Einsatz konzipiert und nicht für spontane Ausflüge in den Park. Außerdem bewegt sich Marshall mit einem Preis von knapp 600 Euro bereits in einer Kategorie, in der man durchaus über klassische Stereo-Lösungen nachdenken kann. Allerdings haben diese selten die Optik eines Bühnenklassikers.
Dafür bietet er eine umfangreiche Anschlussausstattung. Neben Bluetooth 5.2 stehen ein 3,5-mm-Klinkeneingang, RCA-Anschlüsse sowie ein HDMI-Eingang zur Verfügung. Dadurch lässt sich nicht nur der Fernseher unkompliziert anschließen, sondern auch ein Plattenspieler über die entsprechenden Eingänge integrieren.

Fazit: Wer einen ultrakompakten Smart Speaker für Podcasts oder das Küchenradio sucht, ist hier an der falschen Adresse. Wer hingegen einen Lautsprecher möchte, der Musik mit einer ordentlichen Portion Rock-’n’-Roll-Attitüde serviert, dabei erwachsen klingt und auch hohe Lautstärken mühelos meistert, bekommt mit dem Marshall Woburn III ein überzeugendes All-in-One-System. Über Musikgeschmack herrscht in unserer Redaktion regelmäßig Uneinigkeit. Beim Woburn III herrschte allerdings überraschend schnell Einigkeit. Deshalb vergeben wir starke 9,5 von 10 Bängs.

Technische Daten
- Frequenzbereich: 35–20.000 Hz
- Maximaler Schalldruckpegel: 100,5 dB @ 1 m
- Verstärker:
- 1 × 90 Watt Class-D für den Bass
- 2 × 15 Watt Class-D für die Mitteltöner
- 2 × 15 Watt Class-D für die Hochtöner
- Bluetooth 5.2 mit bis zu 10 Metern Reichweite
- Anschlüsse: 3,5-mm-Klinke, RCA, HDMI
- Gewicht: 7,45 kg
- Abmessungen (B × H × T): 400 × 317 × 203 mm
