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écru – wherever you are – EP Review

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Genre: Post-Hardcore, Melodic Hardcore, Alternative, Spoken Word

Land: Deutschland

Es ergab sich in der Mitte des letzten Monats, dass ich durch einen reinen Zufall auf die Jungs von écru gestoßen bin. Um genau zu sein, hat Julius Krämer auf seinem Instagram Profil eine Kurzreview zu „wherever you are“ gepostet und schon hatte ich Blut geleckt, auch wenn es nochmal knapp zwei Wochen gedauert hat, bis ich mir die EP das erste Mal angehört hatte. Aber nun zur Musik.

Was dürfen wir erwarten? Man könnte nun sagen, uns erwartet einfacher 2000er Post-Hardcore á la Silverstein, doch steckt so viel mehr darin. Der Opener Mannequin startet ruhig und verheißungsvoll und baut sich nur langsam auf. Die dröhnenden Riffs und das experimental verspielte Drumming in Kombination mit den schon fast gehauchten Vocals erzeugen schon einmal eine schaurige Atmosphäre. Für den Refrain legen die Vocals dann ordentlich an Druck zu, bleiben aber dennoch immer angenehm zu hören. Der nur knapp zwei Minuten lange Track endet dann noch mit einem Knall in Form von feinen und unvermittelten Screams.

Groovig startet Insomniac. Ein straightes Intro, bevor in der Strophe dann wieder experimentiert wird. Zärtlich gehauchte Vocals, die in Verbindung mit der atmosphärischen Instrumentalarbeit an We Too, Will Fade erinnern. Im Refrain kommt dann wieder die Energie, die man schon aus dem Intro kennt. An sich ein guter Track, der im Vergleich zu den anderen Songs aber doch etwas hinterherhinkt.

Wo Insomniac zwar überzeugen, aber nicht begeistern konnte, nimmt Petrichor noch einmal die Bestandteile eben dieses in die Hand und fügt sie einerseits zu einem fetten Ohrwurm und andererseits zu einem melodischen Brett zusammen. Müsste ich den Sound von écru beschreiben, würde ich ihn wohl mit Petrichor gleichsetzen. Schon das melodische Intro kann mich total packen. Bis zum Refrain gibt es auch soweit nichts, was wir nicht schon vorher von den Jungs gekannt hätten. Mit dem Refrain aber kommt allerdings noch etwas Anderes um die Ecke als zu erwarten war. Eine Wand aus Riffs, mit der sie sich ohne Frage auch nicht vor anderen Bands dieses Genres verstecken müssen. Am interessantesten und überraschendsten sind aber die feinen Synth-Einlagen im Refrain, die so minimal und zurückhaltenden eingesetzt werden, dass man schon wirklich ganz genau hinhören muss, um sie auch wirklich zu hören.

Bei Of Soaring Hopes And Reaching Lows bekommen die Jungs dann kurz vor dem Ende noch Unterstützung von Levin Mertelsmann. Im Kern eine klassische Post-Hardcore Nummer, verfeinert mit den abermals echt schönen melodischen Parts. Auch ein paar Screams und Gang-Vocals wurden miteingebaut.

Das Ende naht. Leider. Lyer ist der vorletzte Song auf „wherever you are“ und zeigt, dass écru auch härter an die ganze Sache rangehen können. In Phasen erinnert Lyer an die „Sempiternal“-Ära von Bring Me The Horizon. Gerade dann, wenn die Vocals nur angeraut in den Ohren ankommen. Insgesamt bietet der Song auch noch einmal starke Tempowechsel und kann den geneigten Hörer mit einem Breakdown zum Ende hin noch richtig verzaubern.

Mit dem Titeltrack Wherever You Are endet nun wirklich der kleine, aber feine Dreher. Stilistisch wirkt er irgendwie losgelöst und scheint die Thematik des Artworks einzufangen. Ein sehr elektronischer Song, der mich an meine erste Reise mittels Tauchglocke in die Unterwasserstadt Rapture (bekannt aus der Videospielreihe BioShock) erinnert. Nach der Hälfte entfesselt sich dann ein kleines Ungetüm, das meinen Eindruck und die Atmosphäre noch enorm steigern kann, und mit einem Mix aus Melodik und Härte einen doch noch stimmigen Abschluss erzeugt.

Fazit:

Ich muss sagen, ich bin äußerst froh, über wherever you are gestolpert zu sein. Wir haben eine Post-Hardcore EP, in der sich aber auch so viel mehr verbirgt. Alternative, Melodic Hardcore, Spoken Word.

„wherever you are“ ist ein wunderbarer kleiner Dreher, den sich jeder Fan von obengenannten Musikstilen ohne Umschweife anhören sollte.

Ich vergebe 8,5 von 10 Bängs.

„wherever you are“ erschien bereits am 16. April und ist als CD (direkt über die Band und limitiert), Digitales Album und Stream erhältlich.


Line-Up:

Henrik Osthaar

Paul Y. Nagel

Andreas Blessmann

Tobias Bick

Dennis Czupial


Tracklist:

1. Mannequin

2. Insomniac

3. Petrichor

4. Of Soaring Hopes And Reaching Lows feat. Levin Mertelsmann

5. Lyer

6. Wherever You Are


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Patrick

geb. 1993, Musik-Fan seit 2010, Verlobt, Ein Sohn, Bevorzugte Genres: Metalcore, Post-Hardcore, Progressive Metal, Pop-Punk, Alternative Rock. Neben seiner sozialen Ader ist Patrick auch für feinste Recherche und Tiefe in seinen Reviews und Berichten bekannt.

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