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Sinisthra – The Broad And Beaten Way – Eine Reise der Melancholie – Album Review

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Wer wusste davon, dass Tomi Joutsen, der Sänger der finnischen Metallegenden Amorphis, noch eine Band hat?

Ich hatte bis vor kurzem auch keine Ahnung, aber das hat seine Gründe. Sinisthra wurde nach Joutsens Beitritt bei Amorphis mehr oder weniger auf Eis gelegt, aber jetzt sind sie zurück mit einem Album, das 15 Jahre lang im Entstehungsprozess war: The Broad And Beaten Way“.

Die erste Frage, die ich mir zu diesem Album stellte, war: „Hört es sich an wie Amorphis?“

Naja, ein paar Überschneidungen gibt es da schon. Der erste Song Eterne zum Beispiel besitzt Züge von Am Universum und die Abmischung des Albums erinnert allgemein stark an Circle, aber ansonsten sind Sinisthra ihre eigene Band.

Die nächste Frage, die in meinem Kopf herumschwirrte, war, ob ein Album mit Tomi Joutsen, aber ohne den Rest von Amorphis überhaupt gut werden könne, denn der Sänger ist keineswegs auch Songwriter bei den Finnen.

Und wer beim Opener noch nicht von The Broad And Beaten Way“ überzeugt war, wird es spätestens beim zweiten Song, dem über 13-minütigen Closely Guarded Distance sein. Riffs, die stark an Evergrey erinnern, läuten den Longplayer ein bis ruhigere Strophen das Ruder übernehmen. Es herrscht eine melancholisch-apokalyptische Stimmung, die durchweg im Album immer wieder zu spüren ist. Der doomige Song nimmt hin und wieder Ausflüge in Richtung Evergrey, mit Spoken Word-Parts und prominenten Synthesizern, verliert aber nie seine doomige Grundstimmung, bis zu einem Punkt: Joutsens Gesangsperformance (im Album übrigens ganz ohne seine Growls) ist durchweg sehr gut, aber wenn der Song dann plötzlich seine Metal-Seite fallen lässt und Joutsen in eine Situation wirft, in der er größtenteils alleine mit einem Piano singt, dann wird mir klar, dass diese Band etwas noch nie zuvor gehörtes geschaffen hat. So emotional hat man den Amorphis-Frontmann noch nie gehört! Aber hört es euch doch selbst an:

Abgeschlossen mit einem großen, doomigem Finale hat sich dieser Song schon jetzt auf den ersten Podiumsplatz dieses Albums katapultiert! Das kann Sinisthra nicht mehr toppen.

Der nachfolgende Song Halfway To Somewhere Else steigt ruhig mit unverzerrten Gitarren und leichten Drums ein und nimmt erst beim Gitarrensolo härtere Züge an. Die Band ist definitiv in das Doom Metal Genre einzuordnen, aber passt dort auch nicht zu 100 Prozent rein. Rockige Drums und Ausflüge in andere Genres, wie die immer wiederkehrenden balladesken Teile, bringen Abwechslung und unterstreichen die härteren Momente zusätzlich.

Morningfrail zum Beispiel startet nach einem vergleichsweise ruhigen Synth-Intro in den härteren Refrain ein, der mir bestimmt noch in zwei Wochen im Ohr sein wird.

Safe In The Arms Of Everlasting Now beginnt sehr jazzig und mit einer angeschlagenen Stimmung, besitzt auch wieder einen grandiosen Refrain, der den Einstieg verzerrter Gitarren mit sich bringt. Ein ruhiger Build-up zum Gitarrensolo des Songs und einem finalen Refrain verleiht dem Titel ein episches Ende.

Apropos Ende: Ephemeral  ist auch schon der letzte Song des Albums. Auch er startet ruhig, mit einer melancholischen Atmosphäre, geschaffen von Flötenklängen, Streichern (vom Band) und Joutsens Stimme. Der Song entlädt sich in einem Finale, das stark an die Russen von Kauan erinnert. Spoken Word-Parts, Gitarrenleads und ein wollig-warmer Synth-Hintergrund entlassen den Hörer aus The Broad And Beaten Way“, ein Album, dass definitiv am Stück gehört werden sollte, damit Atmosphäre und Stimmung direkt auf den Hörer überspringen können.

Einzeln können die Songs, bis auf ein paar Ausnahmen wie dem Longplayer, nicht voll überzeugen. Aber im Kontext des Albums funktionieren sie als Gesamtkonzept wunderbar.

Fazit: The Broad And Beaten Way“ ist ein Album zum Sich verlieren. Wer auf psychedelische Reisen und Doom Metal steht, sollte hier zugreifen!

Von mir gibt’s für die Reiseführer 8,5 von 10 Bängs.

„The Broad And Beaten Way“ erscheint am 15. Mai 2020 via Rockshots Records als CD und digitaler Release.

Die Band:

Tomi Joutsen – vocals
Markku Mäkinen – guitar
Erkki Virta – drums
Janne Telen – bass
Timo Vainio – keyboards
Marko Välimäki – guitar

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Elias

Elias

Schreiberling aus Leidenschaft, Metal-Enthusiast seit der Schulzeit. Von Symphonic bis Death Metal alles in der Playlist - Hauptsache gute Musik!

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