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Silverstein – A Beautiful Place To Drown – Silverstein ist tot, lang lebe Silverstein – Album Review

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20 Jahre. 20 Jahre haben die Jungs von Silverstein mittlerweile als Band auf dem Buckel. Unlängst tourten sie zum Jubiläum auch durch Deutschland, unser Review folgt in Kürze (versprochen).  Nun steht mit „A Beautiful Place To Drown“ das bereits zehnte Studioalbum der Band in den Startlöchern. Während „Dead Reflection“ den Härtegrad doch etwas angezogen hat wird das kommende Werk sicherlich einige Fans überraschen können.

Mit Bad Habits starten wir noch relativ gewohnt in die neue Ära. Wir haben ausgefeilte Riffs, starke Drums und extrem groovige und präsente Basslines. Shane switcht wie immer gekonnt zwischen seinen herrlich punkigen Cleans und seinen wunderbar bösen Screams. Hier erwartet uns mit dem Solo von Intervals nicht nur der erste sehr hörenswerte Gastbeitrag, nein auch Gitarrist Paul Marc darf wieder ein paar seiner wunderbar zart-schmelzenden Vocals beisteuern. Rund um mehr als nur gelungen.

Im Stile von Burning Hearts geht es mit dem bereits wohl bekannten Burn It Down weiter, welches auf der Tour als Opener bereits bewiesen hat, welch Energie hier vermittelt wird. Zur Gänze durch Shanes Cleans getragen steuert hier Beartooth Mastermind Caleb Shomo seine von den Fans geschätzten Vocals bei, die in einem kleinen aber feinen Breakdown münden. Ok, zwei Mal recht gewohnte Kost von meinen Lieblingskanadiern. Wo also die von mir erwähnte Veränderung?

Hier ist sie. Where Are You bringt das erste Mal richtig frischen Wind in die Sache. Mit klar Djent orientierten Gitarren, dem groovigen Bass, stampfenden Drums und kleinen aber fein eingesprühten Samples. Wunderbar, dazu der Ohrwurm Text, der nicht nur auf den Refrain begrenzt ist, sondern einfach komplett in seinen Bann zieht. Extrem tanzbar und wird sicherlich zu einem Fanliebling avancieren können. Mich hat die Nummer auf jeden Fall und still sitzen kann ich hier absolut nicht.

Die Live- und Studiounterstützung in Form des Multiinstrumentalisten Mike Tompa zeigte sich bereits in der Single Infinite. Mehr Elektronik und auch irgendwie mehr Bombast im Sound. Während man definitiv mehr Pop-Punk heraus hören kann, überzeugt mich vor allem der gescreamte Pre-Chorus und natürlich die Gänsehaut Performance von Underoath Clean Vocalist Aaron Gillespie.

Das Atmosphäre mehr als je zuvor extrem präsent ist zeigt auch der erste Gänsehautmoment in Form von Shape Shift. Alles klingt sehr spacig und dennoch sehr geerdet. Bill, Josh, Paul Marc, Paul und Mike holen an ihren jeweiligen Instrumenten alles raus und lassen die Instrumentals extrem harmonisch klingen. Jeder hat seinen Part. Keiner sticht hier hervor. Es ist die Summe aller Teile, auf der die Vocals von Shane thronen.

All On Me startet als Elektro Ballade, bis dann im Refrain das gesamte Soundgewand gezeigt wird. Erinnert etwas an die „amo“-Ära von Bring Me The Horizon. Mit einem mega intensiven Bass und einem Saxophon Solo von Mike. Einsame Spitze und mit Sicherheit der unerwartetste Song der Jungs.

Madness leitet die zweite Albumhälfte ein. Und hier zeigen sie wieder, was man erwartet. Wohl die härteste Nummer des Albums, dennoch bei weitem nicht mehr so hart, wie man es von Silverstein durchaus kennt. Während die erste Hälfte des Songs in hauptsächlich von Shanes Cleans lebt, ändert sich das mit dem ersten Rap-Feature, das in der 20 jährigen Karriere entstanden ist. Die Lines, die Princess Nokia mit einem super Flow beisteuert, fügen sich perfekt ein und rufen dann auch wieder Shanes Screams an den Tag. Mittlerweile einer meiner absoluten Favoriten.

Kurz und bündig kommt die spritzige Pop-Punk Nummer Say Yes um die Ecke. Ohne Frage der positivste Track und könnte sicherlich in gewisser Weise den Band-Klassiker Still Dreaming beerben und auf so mancher Hochzeit laufen. Was soll man noch sagen? Eine super Nummer, die gerade durch die Unbeschwertheit dem Album extrem gut tut.

So und jetzt wird es rebellisch. Mit der Geschwindigkeit einer Punk Nummer und der Härte des Hardcore kommt Stop angelaufen und möchte sich mit seinen genialen Riffs und dem Ohrwurm Refrain in unseren Gehörgang fressen, einnisten und Eier legen. Was soll ich sagen? Meine Ohren sind bereits voller Würmer. Der recht unerwartete Breakdown mit anschließender Referenz des Albumtitels rundet das Hörerlebnis dann noch endgültig ab.

Beim Hören der Songs kommen mir relativ oft Parallelen zu Klassikern der Band in den Sinn, so erinnert September 14th stilistisch an My Heroine und American Dream. Obgleich die neue Nummer über weite Strecken definitiv im Punk zu beheimaten ist, doch gerade die Screams vermitteln ein sehr vertrautes Gefühl und das mag ich. September 14th ist zwar für mich klar die schwächste Nummer des Albums, dennoch steckt extrem viel Potenzial darin um weiter zu wachsen und sich in die Herzen von uns Fans zu spielen.

„I´ve been falling so long I forgot what it feels like to be alright. I´ve been falling so long Can´t see me now“ singt Shane im Refrain meines Favoriten Coming Down. Doch nicht nur mit diesen Worten verpassen uns die Jungs hier eine fette Gänsehaut, denn der Text ist durchwegs extrem rührend, zumindest für mich. Und verpasst mir die ganzen drei Minuten durchwegs ein schauerliches Gefühl auf meiner Oberhaut. Dazu wird die Stimme im Refrain dann auch noch verzerrt, was dem Ganzen noch mehr Tiefe verleiht. Instrumental kann man auch nur den Hut vor allen Beteiligten ziehen. Es ist verspielt dennoch straight nach vorne, hart und trotzdem soft. Aktuell muss sich für mich jeder neue Song der Herren an diesem unglaublich intensiven Track messen, der dann überraschend schnell endet um das große Finale einzuleiten.

Silverstein haben uns bereits alles geboten, was könnte also noch fehlen? Wie wäre es mit einem soliden Radio-Hit? Genau das erwartet uns mit Take What You Give und Frieden. Den Frieden mit sich selbst schließen. Unbeschwert, ähnlich wie auch Say Yes, reflektierend und zielstrebig, was durch die Instrumente unterstrichen wird. Alles sehr melodisch, mit sehr viel Groove und einem immer noch klar zu hörenden Spielspaß. Hier steuert auch Sänger Pierre Bouvier (Simple Plan) noch ein paar Zeilen bei. Insgesamt hätte es so auch von Pierres Band kommen können. Mit den abschließenden Worten „You can´t take what you give“ endet nun die Reise.

Fazit:
Seit Jahrhunderten suchen unzählige Leute nach dem Heiligen Gral und ich habe ihn für mich gefunden. Nach etwa 50 Durchgängen hat sich keinerlei Ernüchterung eingestellt und lässt „A Beautiful Place To Drown“ auf Platz 2 meiner All Time Favourites klettern. Wir haben es hier mit der Neuerfindung einer Band zu tun. Eine Band die sich nach 20 Jahren und 10 Alben nicht scheut, neues zu probieren. Wir haben hier eine wunderbar stimmige Reise in die emotionale Welt, die textlich sehr oft das „Sinken“ thematisiert, ohne es einem auf die Nase zu binden.

Ein Meisterwerk, das ohne Frage 10 von 10 Bängs mit Sternchen verdient und die Messlatte für dieser Jahr in astronomische Höhen hebt.

„A Beautiful Place To Drown“ erscheint am 6. März via UNFD und wird als CD, Vinyl, Digitales Album und Stream erhältlich sein.

Line-Up:
Shane Told – Vocals
Josh Braford – Guitar
Paul Koehler – Drums
Bill Hamilton – Bass/Backing Vocals
Paul Marc Rousseau – Guitar/Backing Vocals

Mike Tompa – Strings/Organ

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Patrick

Patrick

geb. 1993. Musik-Fan seit 2010. Verlobt Ein Sohn. Bevorzugte Genres: Metalcore, Post-Hardcore, Progressive Metal, Pop-Punk. Neben seiner sozialen Ader ist Patrick auch für feinste Recherche und Tiefe in seinen Reviews und Berichten bekannt.

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