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Metalmorphosen: Die unwahrscheinlichen Wandlungen des Heavy Metal (DR. JÖRG SCHELLER) – Buchkritik

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„Okay, ein Doktor der Philosophie schreibt über Heavy Metal. Und das Buch erscheint in einem Verlag, der bekannt ist für wissenschaftliche Abhandlungen über Altphilosophie, Geschichte oder Wirtschaft. Na, servus…“ – Das waren meine ersten Gedanken, als das Buch „Metalmorphosen: Die unwahrscheinlichen Wandlungen des Heavy Metal“ von Jörg Scheller zur Rezension auf meinem Schreibtisch aufgetaucht war.

Zuerst mal Folgendes: ich hab mich schwer getäuscht. Das Buch von Jörg Scheller ist eine wahre Fundgrube, eine Enzyklopädie des Metal, wie ich sie noch selten gelesen habe. Aber … Leute – das ist kein Buch für eine Nacht. Zu vielfältig sind die Themen, zu umfangreich die Sammlung an Zitaten und Querverweisen. Für Metalmorphosen: Die unwahrscheinlichen Wandlungen des Heavy Metal“ braucht man Zeit und Muse als Leser.

Viele kommen zu Wort oder werden erwähnt: BLACK SABBATH und deren Vorgängern von COVEN, die New Wave Of British Heavy Metal wird ebenso aufgearbeitet wie die Geschichte z. B. von IRON MAIDEN, JUDAS PRIEST und MOTÖRHEAD.

Neben vielen Zitaten und kleinen, abschweifenden Geschichten aus der Historie des Heavy Metal beschäftigt sich Dr. Jörg Scheller auch mit Heavy Metal und Religion, Heavy Metal als (Anti-)Religion, Heavy Metal und Politik und abschließend Heavy Metal und Feminismus.

Und sogar in der aktuellen Gesundheitslage findet der Autor im Interview mit dem Deutschlandfunk einen Metal Bezug: „Metal hat sich immer gegen das Positive Thinking gewendet. Im Heavy Metal wimmelt es von Viren, Seuchen und von Pandemien. Wer mit Metal aufgewachsen ist, der wächst mit einem apokalyptischen Grundfeeling auf und ist nicht überrascht, wenn eine Pandemie über uns herreinbricht.“ (Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/metalmorphosen-autor-scheller-heavy-metal-wimmelt-von-viren.807.de.html?dram:article_id=477319)

Ob die musikanalytischen Exkurse von Dennis Bäsecke-Beltrametti das Buch ergänzen oder nur für Freaks geeignet sind – das muss jeder für sich entscheiden.

Die Interviews mit Sabina Classen (Holy Moses), Cronos (Venom), Ben Weinman (The Dillinger Escape Plan), Mille Petrozza (Kreator), Freddy Lim (Chthonic) und Prika Amaral (Nervosa) sind auf jeden Fall lesenswert und geben einen guten Einblick in Szene und Geschichte.

Mein Fazit zu Metalmorphosen: Die unwahrscheinlichen Wandlungen des Heavy Metal

Für mich gehört dieses Buch zu den neuen Standardwerken über Heavy Metal. Es ist nicht immer leicht zu lesen, aber selten hat man eine so weitreichende und hervorragend recherchierte Aufarbeitung der Geschichte dieser Musikrichtung gelesen. Und trotz des wissenschaftlichen Hintergrunds des Autors ist es immer noch gut lesbar und unterhaltsam.

Von mir gibts 8 von 10 Bängs.

acht von zehn

Zum Autor: Dr. Jörg Scheller (geb. 1979 in Stuttgart) lebt als Kunstwissenschaftler, Journalist und Musiker in diversen Schnellzügen. So schreibt er es zumindest in seiner Biographie auf seiner Homepage.

Neben der lauten Musik huldigt Jörg Scheller auch dem Körperkult. Seine Doktorarbeit (Dr. phil.) beschäftigte sich mit Arnold Schwarzenegger.

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Uli

Seit den 90er Jahren journalistisch unterwegs. Sehr schlechter Schlagzeuger mit deutlichen Rechtschreibschwächen. Mitbegründer der legendären Punkrockband "The Ketchup Boys", welche 1989 ihren einzigen Auftritt hatte. Spricht mehrere Sprachen, kann einhändig Fahrrad fahren und mag Musik.

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