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Mentally Blind – Stage: Zero – Album Review

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Genre: Progressive Metal(core)

Land: Polen

2021 – Das Jahr der Erlösung!? Im Moment fühlt es sich für mich eher nach dem Sequel zu 2020 an. Erst die Verlängerung und Verschärfung des Lockdowns mit Ausgangssperren und dann der Sturm auf das Capitol in den USA. Die Welt steht Kopf. Und auch in der Metal-Szene ist es nicht besser: Jon Schaffer entpuppt sich als einer der Mitstürmer bei der Capitol-Aktion und als ob das nicht schon genug Enttäuschung für den Januar wäre, gab Marko Hietala gerade bekannt, dass er Nightwish und sein öffentliches Leben verlassen werde.

Es sieht nicht gut aus. Die Szene leidet genauso unter den Folgen der Pandemie wie alle Menschen. Dementsprechend ist auch die Musik, die dieses Jahr herauskommt, sehr besonders. Geprägt von Isolation, Pandemie, Corona und Co. Doch steigert sich deswegen die musikalische Qualität oder verschlechtert sie sich?

Mentally Blind aus Polen veröffentlichen am 10. Februar dieses Jahres ihr Debütalbum „Stage: Zero“. Bitte merkt euch vor allem das Wort „Debüt“, denn diese Band klingt professioneller als manch Alteingesessene. Dabei ist zu erwähnen, dass die Jungs schon seit 2009 zusammenspielen und auch schon eine EP herausgebracht haben. „Stage: Zero“ selbst besitzt eine runde Produktion, wie man sie heutzutage von Vollprofis erwarten würde. Das ist in meinem Buch schon mal ein dickes Plus. Jetzt fehlt es nur noch, die wichtigste Komponente zu analysieren: das Songwriting.

„Stage: Zero“ beginnt mit einem lauter werdenden Wind-/Glockenspiel-Intro, dass den Song Somewhere You’d Never Go einleitet. Das mystische Gefühl des Glockenspiels verfliegt schnell, denn bald übernehmen die Bandinstrumente das Ruder. Es entsteht ein Track, der mich persönlich stark an Make Them Suffer erinnert: Ein breakdownartiges Zusammenspiel von Riffgebilden und Drums, djentiges Gitarrenspiel und der Wechsel von Growls und Klargesang charakterisieren den Song.

Die Band nutzt diese Stilmittel sehr häufig auf dem Album, aber hinzu kommen immer wieder andere Parts wie Gitarrensoli oder ruhige Interludes. Der Opener besitzt diese Dinge ebenfalls und ist somit eine perfekte Vorstellung der Band. Und nebenbei gesagt, auch ein Banger-Song!

The Loop wird durch die Gitarren eingeleitet und klingt sehr melodisch. Melancholisch klingende Strophen werden von herzzerreißendem Klargesang unterstützt. Die Growls sind hierbei größtenteils im Hintergrund, nur der Breakdown in der Mitte des Songs fokussiert diese mehr. Der Ohrwurmrefrain komplettiert den Song und macht ihn perfekt zum Mitsingen geeignet. Hoffentlich darf die Band ihn bald live vor Publikum spielen.

Der nächste Song One For No One wurde bereits im Vorfeld als Single ausgekoppelt. Er folgt mehr dem Fußstampfen des Openers und lässt den Growls und Headbanger-Parts mehr Spielraum. Djentige Breakdowns schmücken den Song, der vom geladenen Refrain und der ruhigen Bridge gekrönt wird. Dieser Track ist eines meiner persönlichen Highlights des Albums, aber urteilt doch einfach selbst!

Mit XYZ geht es erstmal ruhig weiter. Ein pulsierender Synthesizer und sanftes Gitarrenzupfen leiten den Song ein, bevor schließlich auch der Klargesang dazu stößt. Aber selbst als schließlich auch die Growls und härtere Riffs einsetzen, fühlt sich der Track nicht so wie seine Vorgänger an. Das Drumming wirkt zurückhaltender und die Band fokussiert sich auf die traurig-depressive Atmosphäre des Songs. Nach einem weiteren ruhigen Part explodiert das Lied in einem epischen Finale mit fade-out. XYZ war für mich einer der Songs, die mehrere Durchgänge gebraucht haben, um wirklich zu zünden. Da sieht man mal wieder: es lohnt sich, dran zu bleiben!

Der nächste Song mit dem wortspielerischen Titel Saviour Self geht nach einem kurzen Intro komplett in die Vollen. Growls und Screams haben hier die stimmliche Führung, wenngleich der Klargesang hier für den Refrain verwendet wird. Durch diesen wird die Härte des Songs etwas ausgeglichen und auch die gefühlvollen Gitarreneinsätze geben dem Hörer etwas Raum zum Atmen. Ein weiterer, großartiger Track!

Nach dem mysteriös klingenden Interludien 4Am In Nowhere darf bei Everything’s Great wieder das Haar geschüttelt werden. Auch wenn dieses Songduo für mich persönlich den „schlechtesten“ Teil des Albums repräsentiert, ist das nur ein weiteres Argument dafür, wie hervorragend Mentally Blind eigentlich sind. Denn was auf dieser Platte „schlecht“ ist, würden andere Bands als die besten Songs ihrer Karriere betrachten.

Traces drückt dann wieder auf die emotionale Tränendrüse. Eine wunderbare Klargesangperformance, zusammengehalten von einem progressiven Songkonstrukt, das problemlos zwischen metallischen und akustischen Parts wechselt. Auch der gutturale Gesang kommt immer mal wieder zum Einsatz. Die Gitarren glänzen besonders mit verschiedensten Spieltechniken. Der Track ist zu 100 % Favoritenmaterial!

Der vorletzte Titel Beyond Me fängt wieder mit einem mysteriös klingenden Instrumental an, das klingt, als würde man nachts allein durch eine dunkle Gasse laufen. Der Einstieg mit dem Synth-Background unterstützt dieses beklemmende Gefühl. Selbst mit gutturalem Gesang wirkt dieser Song aber dennoch eher getragen und nimmt zum Ende hin epische Züge an.

Der Titel- und gleichzeitig letzte Track des Albums fährt die Epicness noch etwas hoch. Mit Streichern und Hörnern im Finale beendet er „Stage:Zero“ und entlässt den Hörer mit einem kleinen Fade-out aus seinem Griff.

2021 hat schwach angefangen, aber Mentally Blind dafür umso stärker! Was für ein Debütalbum. Für mich ist das nunmehr ein Beweis dafür, dass Musik gerade in Krisensituationen gedeihen kann. Ausdruck von Gefühlen und Kreativität brauchen Extremsituationen, um richtig zu wirken. Komfortzonen-Sesselfurzer hätten solch ein Debütalbum nicht schreiben können!

Fazit: Mentally Blind erschufen mit „Stage: Zero“ ein hochwertig produziertes, proggiges Metal(core)-Album, das gerade als Debüt sehr beeindruckend ist. Trotz noch etwas Luft nach oben ein steiler Start in eine vielversprechende Karriere.

Von mir gibt es dafür 8 von 10 Bängs, weiter so!

acht von zehn

„Stage: Zero“ erscheint am 10.02.2021 via Blood Blast Distribution.

Die Band:

Filip MieszkalskiGuitars (lead)
Oliver ŻyźniewskiGuitars
Antek OlechVocals (lead) 
Marcin WojtasBass
Sebastian JarusDrums

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Elias

Schreiberling aus Leidenschaft, Metal-Enthusiast seit der Schulzeit. Verirrt sich gern in den Tiefen des Prog und bestaunt moderne Ansätze zu Rock und Metal.

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