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ICON OF SIN – Hat Bruce Dickinson Iron Maiden verlassen??? – Bandvorstellung und Album-Release zum Debut

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Herkunftsland : Brasilien

Für Fans von : Iron Maiden, Bruce Dickinson Solo und klassischen Metal

In Zeiten der Pandemie hat so manch ein Musiker übermäßig Zeit, um sich anderen Projekten oder seinem Solo-Alben zu widmen. So dachte ich beim Hören der ersten Töne dieser Platte zunächst, das Iron Maiden-Frontmann Bruce Dickinson die freie Zeit nach der ins Jahr  2022 verschobenen Legacy of the Beast-Tour der eisenen Jungfrauen genutzt hat, um ein weiteres Solo-Album zu veröffentlichen.

Klingt brutal nach Bruce und die allseits geliebten Maiden-Trademarks sind überall auch definitiv nicht zu überhörten. Aber von wegen Bruce, das selbst betitelte Debutalbum von der gleichnamigen Band Icon Of Sin hat mit Maiden zunächst mal eigentlich rein gar nichts zu tun.

Vielmehr handelt es sich hier um ein brandneues Projekt aus dem Hause Frontiers Records, welches von Serafino Perugino, seines Zeichens Präsident und A&R-Direktor Initiiert wurde und bei dem der brasilianische Youtube-Star Raphael Mendes den Posten des Frontmannes übertragen wurde.  Der Sound der Band kann ein liebevolles Bekenntnis zu ihrer Liebe zum Heavy Metal der 80er Jahre, gepaart mit einem modernen Ansatz bezeichnet werden.

Raphael Mendes © Frontiers Records

Raphael Mendes hatte  in der YouTube-Welt durch seine atemberaubenden Gesangs-Cover für Aufsehen gesorgt.  Seine Laufbahn am Micro startete er 2016, als er von Gitarrist Fabio Lima eingeladen wurde ein YouTube-Video aufzunehmen, das schließlich viral ging. Schnell galt er nicht nur in seiner Heimat Brasilien als einer der heißesten neuen Gesangs-Talente im Metalbereich. Ermutigt durch die vielen positiven Reaktion, startete Mendes seinen eigenen YouTube-Kanal, um mehr Videos für seine Follower zu erstellen. Als immer mehr Fans auf der ganzen Welt begannen ihn zu folgen, wurde er bald zu anderen musikalischen Projekten eingeladen, darunter Marius Danielsens „Legend Of Valley Doom Part 2“, an dem unter anderem auch Michael Kiske, Vinny Appice, Mark Boals, Michele Luppi und Diego Valdez beteiligt waren.

Einen großen Popularitätsschub erhielt er, als Anfang 2020 eine Videoserie auf Youtube startete mit dem Titel „What If Bruce Dickinson Sang In Other Bands?“. Mit Mendes stark an Bruce Dickinson erinnernden Gesangsstil wurden neben Iron Maiden-Songs auch Cover von u.a.Dio, Megadeth gecovert. Diese Versionen begeisterte Fans weltweit und die Gesangsqualitäten Mendes`s sprachen  sich schnell in der Metal-Community herum. Es folgten weitere  gemeinsame Versionen mit einigen aufstrebenden Rock-Künstlern aus Brasilien und verschiedenen Musikern aus der weltweiten Metal-Szene, wie z.B. dem Schlagzeuger Aquiles Priester (ex-Angra, Primal Fear, W.A.S.P.).

https://www.youtube.com/channel/UC1_lQ3zw19DaL3GARtxiNSw

Als Frontiers  Records, die in der jüngeren Vergangenheit verstärkt ein Auge auf vielversprechende neue Bands, schwerpunktmäßig auch auf  südamerikanische Talente werfen, dann die Videos von Raphaels zu hören und sehen bekam, entstand die Idee für ein klassisches Metalalbum mit ihm am Micro. Perugino suchte dann noch die passenden Musiker für das geplante Bandprojekt. Dies gestaltete sich recht einfach, konnte er doch aus dem übergroßen Fundus von Frontiers  zwei der herausragenden Musiker der Metalszene von Curitiba finden, die beide bereits ihre Werke und musikalischen Talente mit Ihren eigenen Bands auf dem italienischen  Label veröffentlicht haben: Sergio Mazul, Sänger von Semblant und Marcelo Gelbcke, Gitarrist von Landfall.

Sergio Mazul, Raphael Mendes, Marcelo Gelbcke © Frontiers Records

Obwohl die Musik ihrer jeweiligen Bands recht unterschiedlich ist, haben beide eine Leidenschaft für traditionellen Heavy Metal. Mazul und Gelbcke schrieben daraufhin hauptverantwortlich die Songs, immer ausgerichtet auf den Gesang von Raphael – und so war Icon Of Sin geboren.

Das  Erstwerk sollte ein Album mit schnörkelloses, geradliniges, klassisches, reines Heavy Metal Album werden, das perfekt zu Mendes‚ atemberaubendem Gesang passen würde.

Dies ist Ihnen durchweg gelungen, soviel sei schon mal verraten.

Nach dem selbstbetitelten Einstiegssong Icon of Sin, ein richtig klassischer Metalkracher par Excellence folgen 12 weitere hochklassige Metalsongs, bei denen jeder Maiden Fan begeistert sein dürfte.  Wie bereits angedeutet, erinnert Raphael`s Stimme  unwahrscheinlich der von Old-Bruce. Bislang habe ich noch keinen Sänger gehört, der auch nur annähernd an dessen Gesangsleistung heranreichen konnte, aber Raphael schafft es bereits mit seinem Debutalbum, sich beinahe auf eine Stufe mit der lebenden Metallegende der eisernen Jungfrauen zu stellen.

Was Raphael auf diesem Album abrockt, ist aller Ehren wert. Wahnsinnig erfrischende Songs, und die typischen Dickinson`schen Screams die mal an das Piece of Mind-Album , mal an Seventh Son erinnern, immer den Ton treffend, besser könnte es Bruce auch nicht machen.

Ob nun das mit einer Prise Powermetal mit Doublebass aufwartende  „Road Rage“, das saugeile „Shadow Dancer“, oder das auch mal an Judas Priest erinnernde „Pandemic Euphoria“, die Scheibe macht einfach Laune. Wem die letzten Alben von Iron Maiden teils zu langweilig waren, der sollte unbedingt hier reinhören, denn hier bekommt er  die Vollbedienung.

 „Nightbreed“ ist für mich dabei der Übersong, der bereits mit dem ersten Takten sofort das Blut aufkochen lässt und den Fuß zum Mitwippen verleitet. Wie auch bei Maiden wird hier der Refrain etwas übermäßig wiederholt, der geile Rhythmus des Songs und die Tempobremse vor dem Riff lassen den Song jedoch sofort  zum Ohrwurm werden und hätte auf jedem Maiden-Album sicherlich auch ein Platz in der Tracklist ergattern können.

Auch die etwas langsamer beginnende „Clouds Over Gotham“ steigert sich zu einem echten Metalkracher, der an Bruce`s  Solosong „Tears of a Dragon“ erinnert

Sol Perez und Mateus Cantaleãno bilden auf dieser Scheibe ein erstklassiges Gitarrenduo, welches immer mal wieder bei Adrian Smith, Dave Murray und Janick Gers räubert, die trotz vieler  Maiden-Anleihen jedoch nicht als Kopie dastehen und trotzdem ihr eigenes Ding durchziehen, insgesamt etwas rauer und ungeschliffener als die großen Maiden-Axemen.  Caio Vidal am Bass tritt insgesamt nicht so in den Vordergrund wie Steve Harris, macht aber trotzdem einen guten Job.

Bei dem fernöstlich angehauchten „Hagakure / The Last Samurai“ geht dann richtig die Post ab und CJ Dubiella darf seine  Doublebass bei diesem Powermetal-Song malträtieren.

Den Abschluss dieses erstklassigeen Debutalbums schließt „Survival Instinct“ fulminant ab.

War das etwa der Nachfolgealbum von „The Book of Souls“ in der falschen Verpackung? Würde ich sofort akzeptieren.

Fazit:

Auch wenn man Icon Of Sin vielleicht zu viel Ähnlichkeit mit Iron Maiden vorwerfen könnte, so schaffen es die Brasilianer doch, mit tollen Songs und einen überzeugen Debut zu begeistern.  Frisch und unbekümmert, toll produziert mit erstklassigem Sound, eine tolle Entdeckung/Zusammenstellung  von Frontiers, die sich von den teils etwas seichten, oftmals sehr ähnlich klingenden Veröffentlichung der Italiener im AOR/Hardrock sehr positiv abhebt. Bitte mehr solcher Bands, auch wenn Icon of Sin zunächst mal eher als weiteres zusammengestelltes Projekt den als gewachsene Band gelten müssen. Aber wer weiß, was noch nicht ist, kann ja noch werden. Bleibt zu hoffen, dass man die Brasilianer auch mal Live zu sehen bekommt, den zu Viele der Frontiers-Projekte werden wohl eher selten bis gar nicht live auftreten.

Von Raphaels Mendes Gesangskünsten wird künftig sicherlich noch viel zu hören sein, und sollte Bruce mal in Rente gehen, Raphael könnte sicherlich gesangstechnisch aus dem Stand den Posten am Micro übernehmen.

So fällt es nicht ganz so schwer, wenn die Briten mal in einigen Jahren verdientermaßen in den Ruhestand gehen. Maiden 3.0 wäre gerettet.

Anspieltipps: „Icon Of Fire“, „Shadow Dancer“, „Nightbreed“

Für Icon of Sin gibt’s von mir 9,5 von 10 Bangs.

Tracklist:

Icon Of Sin
Road Rage
Shadow Dancer
Unholy Battleground
Nightbreed
Virtual Empire
Pandemic Euphoria
Clouds Over Gotham
Arcade Generation
Hagakure (Intro)
The Last Samurai
The Howling
Survival Instinct

ICON OF SIN  sind:

Raphael Mendes – Gesang

Caio Vidal – Bass

Sol Perez – Gitarre

Mateus Cantaleãno – Gitarre

CJ Dubiella – Schlagzeug

© Frontiers Records

Das Album „Icon of Sin“ wurde in den Studios in Curitiba / Brasilien aufgenommen  und erschien am 16.04. als CD (Jewel Case)  bei Frontiers Records. Ihr könnte es hier direkt bestellen: https://www.frontiers.shop/new-releases/1149/icon-of-sin-icon-of-sin-cd-jewelcase

Internet:

https://www.facebook.com/IconOfSinMusic/

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Thomas

Thomas

Musikalisch bin ich seit den 80er vor allem im melodischen Hard& Heavy-Dschungel unterwegs und immer auf der Suche nach neuen und alten Perlen. Meine absoluten Faves sind Queenaryche, Y&T, Die Toten Hosen... u.v.a......teilweise geht mein Blick aber auch mal über den Tellerrand in Richtung Speed/Trash/Death...solange Melodien erkennbar sind. Auch wenn ich schon zu der Ü50-Fraktion gehöre, findet man mich bei Konzerten und Festivals fast immer Front of Stage, denn Sitzplatz bei Rockkonzerten, das geht gar nicht. Erst wenn es ohne Rollator mal nicht mehr gehen sollte, ist die Tribüne vielleicht ne Alternative.

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