Bandanalyse, Reportagen

Ice Nine Kills – Abnützungserscheinung? Hat der Horrorcore der Band ein Ablaufdatum?

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Die Arbeit von Ice Nine Kills verfolge ich seit dem Release von „The Predator Becomes The Prey (2014). Ich bin also kein Fan der ersten Stunde, aber auch nicht durch den Horrorcore, den sie aktuell zocken, auf die Band aufmerksam geworden. Prinzipiell würde ich mich als relativ großen Fan von INK bezeichnen, und doch gibt es da ein paar Sachen, die man im Bezug auf das anstehende Album „The Silver Scream 2: Welcome To Horrorwood“ einfach mal aussprechen muss.

„Welcome To Horrorwood“ wird das dritte Konzeptalbum der Band sein und das zweite, das sich an bekannte Horrorfilme anlehnen wird. Für mich bedeutet das schon mal das einen großen Pluspunkt von „Every Trick In The Book“ und „The Silver Scream“ auf „Welcome To Horrorwood“ weg fällt: Der Überraschungseffekt. Wir können uns ziemlich sicher sein, dass auch die Songs des kommenden Albums Horrorklassiker aus der Sicht des Killers zum Leben erwecken, was natürlich auch zur Story passt, die mit den Videos vorangetrieben wird. Dennoch wissen die Psychos (so wird der Fanclub der Band genannt), dass Sänger und Kopf der Band Spencer Charnas ein großer Horror-Fan ist. Ich hatte mir nach „The Silver Scream“ gewünscht, dass sie ihren eigenen Horrorfilm vertonen. Eine eigene Idee, einen eigenen Killer, um vielleicht damit sogar etwas Großes zu erschaffen. Den Killer hätten sie auch schon, doch leider bekommen wir in den Songs wohl noch keine eigene Geschichte gezeigt.

Nun stellt sich für mich die Frage, wie lange sie diese Schiene noch fahren wollen. Ohne Frage bin ich ein riesiger Fan von Konzeptalben, doch laufen sie mit „Welcome To Horrorwood“ Gefahr, sich selbst zu kopieren. Blickt man hinter den Schleier, so sind Assault & Batteries und Hip To Be Scared zwei Metalcore Songs, die okay sind. Von der Masse heben sie sich nur durch akustisches Einbinden der Film-Vorbilder ab. Das funktionierte auf „The Silver Scream“ schon wunderbar, doch viel subtiler und nicht so aufgezwungen. Ist man sich ehrlich, herrscht bei Ice Nine Kills seit dem Release von „Every Trick In The Bookstilistischer Stillstand, was für mich besonders deshalb bedauerlich ist, da die Alben davor immer einen gewissen eigenen Charme versprühten. Natürlich gehen die beiden Vorab-Singles gut in die Ohren, aber nur weil die Truppe um Spencer es weiß, wie man Ohrwürmer produziert. Gerade Assault & Batteries hat einige richtig geile Parts, hört man sich aber dann zum Beispiel Thank God It´s Friday an, merkt man, dass man diese nicen Parts schon seit mindestens drei Jahren kennt (mittlerweile vermutlich in und auswendig).

Im Vergleich: Assault & Batteries

Und Thank God It´s Friday

Und auch wenn man außerhalb der INK-Blase schaut, kennen wir viele der Elemente natürlich von den unzähligen anderen Metalcore Bands, die wir nur nicht mit INK in Verbindung bringen, weil diese sich nicht in einem so abgesteckten Rahmen bewegen wie Ice Nine Kills. Auch wenn wir lupenreinen Metalcore geboten bekommen, so gibt es genug Bands, die es insgesamt besser schaffen, ihr eigenes Ding zu machen. Bestes Beispiel Fit For A King, die ihre Spielweise mit weiteren Genres anregen und so von brutalem Core zu lässigem Hard Rock switchen, ohne sich zu verbiegen.

Gerade wenn man sich ansieht, welche Leute Spencer nach dem Release von „The Silver Scream“ in die Band geholt hat, sind die beiden Singles bisher nicht mehr als auf Nummer sicher und zeigen nicht ansatzweise, was diese Truppe wirklich drauf hat. Egal ob zu ähnlich oder nicht, „Welcome To Horrorwood“ wird wie sein Vorgänger auch einschlagen wie ein neuer Titel des Helloween Franchise. Ob verdient oder nicht, erfahren wir dann im Oktober.

So oder so hoffe ich, dass sich die Band wieder mehr traut. Aktuell macht die Musik von Ice Nine Kills noch Spaß, aber ich glaube, noch ein weiteres Album in diesem Stil und wir kommen in der Belanglosigkeit an, und das hat die Band gewiss nicht verdient.


Fotocredit: F Scott Schafer


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Patrick

geb. 1993, Musik-Fan seit 2010, Verlobt, Ein Sohn, Bevorzugte Genres: Metalcore, Post-Hardcore, Progressive Metal, Pop-Punk, Alternative Rock. Neben seiner sozialen Ader ist Patrick auch für feinste Recherche und Tiefe in seinen Reviews und Berichten bekannt.

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