Album Reviews, Reviews

Hell:on – Scythian Stamm – Schamanische Reise durch den Metal – Album Review

hellon-scythian-stamm-schamanische-reise-durch-den-metal-album-review

Genre: Death Metal mit orientalischen Elementen

Land: Ukraine

Ich mag Reisen. Ausbrechen aus dem schnöden Alltag, die Welt erkunden, verschiedene Kulturen kennenlernen und so Vieles mehr! All das konnte ich dieses Jahr (aufgrund offensichtlicher Pandemie-Gründe) nicht tun.

Als ich dann das Promopaket des neuen Albums „Scythian Stamm“ einer ukrainischen Band namens Hell:on in den e-Mails des Rockmagazines fand, weckte ein kleines Detail in der Beschreibung der Band meinen Reisedurst: Death Metal mit orientalischen Elementen!

Sekunden später setzte der Gedanke an die vielen Bands, die mich mit der exakt selben Phrase angelockt und komplett enttäuscht hatten, meiner Freude einen Dämpfer auf. 

Sollte ich das erneut riskieren?

Natürlich!

Beginnend mit Spreading Chaos realisiere ich zuallererst wie sehr Death Metal dieses Album ist. Nach dem sehr melodischen Gitarrenintro übernehmen Blastbeats und monströse Riffs die Führung. Trotz der Growls des Sängers bin ich fast gewillt den Refrain sofort mitzusingen. Selten hat ein mehr oder weniger pures Death Metal-Album ohne Klargesang einen so hohen Ohrwurmfaktor für mich gehabt wie „Scythian Stamm“. In der Mitte des Songs frage ich mich dann langsam, wo denn die hoch angepriesenen „orientalischen Elemente“ versteckt seien und sofort springt der Song für das letzte Drittel zu einem Zitat-Solo. Unglaublich!

The Architect’s Temple folgt der Natur von Spreading Chaos: Nach dem fast nahtlosen Übergang zwischen den Songs kommt zuerst ein metallastiger Teil. Synthesizer sind immer wieder im Lied zu finden und bilden oft ein Kontra zu den Gitarren. Zum Ende gibt es einen herrlichen Breakdown mit Doublebass und Zitarklängen, aber hört selbst:

Ashes Of The Gods rückt anfangs vor allem die Drums ins Rampenlicht, egal ob orientalisch-klingend oder dem altbekannten Death Metal-Drumkit. Zusammen mit der ominösen Erzählerstimme und dem oftmals wiederholten Refrain kreiert der Song eine sehr schamanische Stimmung.

Chorale Schlachtrufe leiten den absoluten Banger Under The Protection From Beyond ein. Im Refrain lassen die Gitarren fernöstliche Klänge und in den Strophen Riffgewitter verlauten. Ich kann mir nur ausmalen wie ein Live-Publikum mit diesem Song zum Moshen gebracht wird.

Epischer und auch etwas langsamer geht es dann mit Movements Of The Godless zur Sache. Aber auch dieser Track braucht nicht lange um sich in ein Doublebass-Massaker zu verwandeln. Die Drone-Sounds von Hörnern und die Chöre unterstützen die epische Seite des Songs, der mit Fade-out abschließt.

Besonders die Hörner spielen im nächsten Lied wieder eine prominente Rolle. The Denial Of Death wechselt zwischen ritualartigen Gesangsparts und Gitarrensoli, bis er schließlich zu einem erneut epischen Ende kommt.

BSB baut im Intro langsam eine beängstigende Atmosphäre auf. Als einer der ruhigsten Songs des Albums (auch wenn das bei Death Metal nicht viel bedeutet) zeigt er viel von den orientalischen Elementen, die die Band sehr dynamisch in ihre Songs einbauen. Außerdem realisiert der Hörer wie sehr die traditionellen Bandinstrumente zur fernöstlichen Atomsphäre beitragen: Gitarrenmelodien, Beats, bestimmte Tempi, uvm.

Whispers Of The Past Yet To Come ist für mich bisher der schwächste Song des Albums, der mir aber ironischerweise erst zeigt wie gut „Scythian Stamm“ wirklich ist. Die vielen Headbang-Momente, die kreativen Soli und die hochgradig eingängigen Refrains machen dieses Album aus!

An diesem Punkt brauch ich eigentlich nicht weiter um den heißen Brei herumreden. Die letzten zwei Songs Roaring Silence und My Testament sind auch saustarke Tracks und bis auf einen einzigen Song hat jeder der zehn mich vollkommen überzeugt! Normalerweise würde ich hier noch auf meine Reise-Allegorie vom Anfang eingehen und sagen, wie sehr diese orientalischen Melodien meinen Durst nach fremden Kulturen gelöscht haben, aber…Scheiß drauf! Hier ist mein Fazit:

„Scythian Stamm“ ist DAS Album für Fans von gutem Death Metal und orientalischen Klängen! Hell:on war nicht faul, sondern haben sich einzigartige Soli und hitverdächtige Refrains einfallen lassen, die den Hörer auch nach dem 666sten Durchgang noch mitreißen.

Von mir gibt’s dafür 9 von 10 Bängs!

neun von zehn

„Scythian Stamm“ erscheint am 1. November 2020 via Hell Serpent Music.

Die Band:

Oleksiy Pasko
Oleh Talanov
Anton Vorozhtsov
Oleksandr Sitalo
Oleksandr Baiev

Tracklist:

Spreading Chaos

The Architect’s Temple

Ashes Of The Gods

Under The Protection From Beyond

Movements Of The Godless

The Denial Of Death

BSB

Whispers Of The Past Yet To Come

Roaring Silence

My Testament

Share
Elias

Elias

Schreiberling aus Leidenschaft, Metal-Enthusiast seit der Schulzeit. Verirrt sich gern in den Tiefen des Prog und bestaunt moderne Ansätze zu Rock und Metal.

Danke für deinen Besuch.
Vielleicht willst du uns ja auch auf Facebook kennenlernen?
Danke für dein „Gefällt mir“!

Translate »