EP Review

Green Donna´s Day – Absolute Newcomer Band steigt auf Platz 3 der UK Album Charts ein – EP Review

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Land: Schottland

Genre: History Core

Es kommt nicht oft vor, dass Bands bereits mit ihrem Erstling den Einstieg in die obersten Regale der Musikbranche schaffen. Einer jungen Band aus Oldshoremore im Nordwesten Schottlands aber ist dies nun zweifelsfrei gelungen. Die gleichnamige EP der Band Green Donna´s Day mit dem Sänger Jesse Christ, dem Schlagzeuger Ponti Pilates sowie den beiden jungen Green-Schwestern Donna und Minna, die sich wahlweise den Bass oder die Leadgitarre schnappen, führt über die fünf Tracks hinweg durch historische Ereignisse in Oldshoremore, die sich dort exakt zu dieser Jahreszeit vor rund zwei Jahrtausenden zugetragen haben sollen, und einem extrem gelungenen Ausflug in östliche Musikwelten. Das alles hat dafür ausgereicht, mit diesem Erstling von Null auf Drei in die UK-Album-Charts einzusteigen, was noch umso bemerkenswerter ist, wenn man weiß, dass die Band alles über einen kleines, eigenes Label selbst auf eigene Faust regelt. Respekt!

Für den titelgebenden Einstiegstrack Green Donna´s Day hat sich die Band zusätzlich einen 12 Mann starken Männerchor eingeladen, der zusammen mit Sänger Jesse Christ über starke Growls und recht ausgelassene Cleans eine gewisse Party-Stimmung erzeugt. Anlass dieser Party soll wohl laut alten Überlieferungen die bevorstehende Exekution eines religiösen Fanatikers und dessen letzten Zusammenkunft mit seinen Sektenmitgliedern sein. Die recht unverblümt daherkommenden Riffs von Donna Green schaffen es aber dennoch, diese mehrstimmigen und in manchen Parts auch gelegentlich nicht mehr ganz nüchtern wirkenden Vocals einerseits in Bezug auf die Stimmung zu unterstützen, andererseits aber auch so weit zu dominieren, dass der Titel Green Donna´s Day trotz der zahlenmäßigen Unterlegenheit von Donna gegenüber den Jungs durchaus berechtigt erscheint. Gegen Ende des Tracks steigt dann auch Minna Green mit einem recht düster wirkenden Bass in das Geschehen ein und leitet mit einem unheilvollen Track-1-Outro und Track-2-Intro in den vorläufigen Höhepunkt der EP ein.

An sich wollte die Band den zweiten, betont düster gehaltenen Track Green Minna´s Day nennen, da er auch vom Transport der Hauptfigur der damaligen Geschehnisse zu seiner Exekution mit dem Pferd Green Minna handelt. Man hat sich aber seitens der Band einen dramaturgischen Kniff erlaubt und die Szenerie in die Jetztzeit transponiert, um nun das Pferd gegen ein Auto auszutauschen sowie die Exekution mittels eines elektrischen Stuhls durchführen zu lassen. So kam es nun also zum Car Fry Day. Zunächst dominieren hier noch das düstere, schleppende und über gurgelnde Zwischensequenzen das Auto repräsentierende Bassspiel von Minna, während Jesse Christ seinen Gesangspart ausschließlich über klagendes Stöhnen definiert. Der Track steigert sich langsam, bis schließlich zum Höhepunkt Drummer Ponti Pilates zu seinem Einsatz kommt und unterstützt mit eigenen, wütenden Growls als Backing Vocals hammerharte 80 bpm-Schläge auf seine Felle und Becken donnert. Donna lässt ihre Gitarre in höchsten Tönen aufjaulen und schaukelt sich hier zu wahren Riffexplosionen hoch. Jesse Christ muss sich hier schon mächtig ins Zeug legen, um mit seinen Mark und Bein erschütternden Lead Growls noch gegen diese ekstatische Soundkulisse anzukommen, schafft dies aber dennoch absolut vorzüglich. Den Ausstieg aus dem Track bewerkstelligen unter nachlassenden Growls von Jesse dann wieder die Green Sisters. Der Bass wird von Minna zunächst noch gleichmäßig rhythmisch geschlagen, lässt aber nach und nach in Schnelligkeit und Lautstärke nach und übergibt schließlich an Donna, die mit einem gleichmäßigen Sinus-Ton aus ihrer wirklich gut gestimmten Gitarre die Szenerie abschließt.

Der Track Car Satur´s Day ist ein (fast) reiner Instrumental-Track, in welchem den historischen Begebenheiten nach eigentlich der uneheliche Sohn der Hauptfigur Jesse, nämlich Satur, auf seinem Pferd reitend seinen unehelichen Vater an dessen Grabstätte besuchen will. Aber auch hier wird, um den modernen Kontext nicht zu verlassen, das Pferd gegen Auto ausgetauscht und so grölen aufheulende und abflauende Bassläufe aus den magischen Händen von Minna durch den 60-Minuten-Track, der den historischen Ritt des jungen Saturs von Alltnacaillich, seinem Heimatdorf, nach Oldshoremore und wieder zurück nachempfinden lassen soll. Der fortlaufende Basslauf wird in der Trackmitte nur durch zwei einzelne, mühevoll und angestrengt herausgepresste Growls von Jesse unterbrochen, die den erfolglosen Versuch von Satur, das Grab seines unehelichen Vaters zu öffnen, symbolisieren.

Easter Sun Day – so lautet der vierte Track dieser EP. Mit ihm verlassen Green Donna´s Day komplett den geschichtlichen Kontext und widmen sich nun dem Lauf der Dinge und beschreiben über wunderbar harmonisch gestaltetes Songwriting und gefühlvollen Cleans aus dem Munde Jesses den eigentlich kaum in seiner Schönheit beschreibbaren Aufgang der Sonne im Osten dieser Welt. Donna lässt ihre Gitarre wahrhaft belebend sprudeln und die heilvoll heraufdräuenden Drums von Ponti lassen ein wahrhaft euphorisches Glücksgefühl im Bauchraum entstehen. Minna hält sich hier mit ihrem Bass noch vornehm zurück, aber wiederum obliegt es ihren magischen Händen, mit einem kleinteiligen und vertrackt konzipierten Outro am Ende in den Schlusstrack dieser EP abzubiegen.

Und so ist es nicht oh Wunder, dass Green Donna´s Day diesen Easter Moon Day nennen. Sie bleiben im Osten, den man aufgrund der zunächst noch recht verspielt daherkommenden Melodien auf Donnas Tonspur, den fast schon falsettartigen Cleans von Jesse, sowie auch dem ziemlich beckenlastigen Drumming von Ponti Pilates durchaus in China verorten könnte. Minna Green leitet mit schneller werdenden Bassschlägen die letzte Veränderung der Szenerie ein. Donnas eben noch verspielte Herangehensweise dreht nun komplett in Richtung aufjaulender Riffs ab und bietet uns nun ein klar erkennbares Anjaulen des Moons an. Absolut klar und deutlich wird schließlich diese Erkenntnis, als Jesse nun wieder zu seinen alles durchdringenden Screams und Growls ansetzt und damit ein echtes Finale Furioso initiiert, das alles, was man bisher irgendwie als musikalisch umgesetzte Werwolf-Szenarien bezeichnen konnte, in Grund und Boden schmettert. Aufgrund des extrem guten Mixing bleiben dennoch alle Bandmitglieder für sich erkennbar, was Easter Moon Day zu einem echten Meilenstein im Core-Bereich werden lassen könnte.

Fazit: Green Donna´s Day bieten hier ein absolut herausragendes Meisterwerk in Sachen rockiger Aufarbeitung historischer Ereignisse unter Verwendung aktueller Bezüge. Aber auch die beiden Schlusstracks spiegeln mit ihren extremen Stimmungswandlungen das zweifellos überrandvoll vorhandene Talent der vier Bandmitglieder wider. Es gibt also nichts mehr zu sagen, außer – her mit dem Ding, rauf auf den Plattenteller und ab die Post!

Ein klares und unverrückbares „Ja“ zu 10 von 10 Bängs bleibt mir hier noch als letztes Schlusswort.

Mehr zu dieser Newcomer-Band gibt´s über …

https://www.instagram.com/green.donnas.day/

https://www.facebook.com/Green-Donnas-Day-102468551951105/

Tracklist:

  1. Green Donna´s Day
  2. Car Fry Day
  3. Car Satur´s Day
  4. Easter Sun Day
  5. Easter Moon Day

Die EP kann als CD und Vinyl sowie als Download über die Band selbst bezogen werden, die (noch) alles im Selbstvertrieb über ein eigenes, kleines Label organisiert.

Green Donna´s Day:

Jesse Christ – Gesang

Donna Green – Leadgitarre

Minna Green – Bass

Ponti Pilates – Drums

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Manfred

Medienkaufmann, Lektor, Texter, Autor, früher auch freier Journalist bei mehreren lokalen Tageszeitungen sowie Herausgeber mehrerer Magazine. Musikalisch auf vielen unterschiedlichen Terrains bewandert und zudem in den 80ern kurzzeitig Sänger der Coverband "The Flying Ashtrayers". Steht auf (fast) alles in Musik, Kunst und Kultur, was sich als "verrückt", "abgefahren" und "experimentell" bezeichnen lässt.

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