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Enter Shikari – Nothing is TRUE & everything is possible – Das ist Kunst – Album Review

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Oft gehen gerade erfolgreiche Bands den Weg des geringsten Widerstands und bleiben ihrem Stil treu, oder wissen das dieser Stil am meisten Kohle einbringt. Immer wieder gibt es eine handvoll Bands, die sich aber nicht auf einen Stil versteifen und auch gerne mal herum experimentieren. Eine von diesen sind ohne Frage die Briten von Enter Shikari. Mit ihrem Debut Album „Take To The Skies“ und dem Nachfolger „Common Dreads“ gelten sie als die Gründerväter des Trancecore, welchen viele Bands (bis heute) praktizieren. Aber keine der Nachfolgenden schlug so weite Wellen wie meine Lieblingsbriten. Sie touren weltweit und zelebrieren jedes mal einen Abriss (wenn auch nicht mehr mit der Aggression der Anfänge). Und als wäre das nicht schon genug, klingt jedes Album auch anders. Man hört, von wem es kommt, aber keines gleicht dem Anderen. Hier ist auch das neue Werk „Nothing is TRUE & everything is possible“ keine Ausnahme. Während „The Spark“ ruhig und für ihre Verhältnisse schon schlicht daher kam, zeigt das neue Album eine wieder andere Seite der Pioniere.

Copyright by Derek Ridgers

THE GREAT UNKOWN leitet sanft mit Klavier ein, bis der anfangs verzerrte Gesang von Rou einsetzt und ein Trancemonster vom Stapel gelassen wird. Nach dem sehr elektronischen Intro gesellen sich auch Rory, Chris und Rob dazu. Wie gewohnt fügen sich alle Teile der Band zu einem wunderbaren großen Ganzen zusammen und plätten mich schon am Anfang mit einer fetten Gänsehaut. Erwähnenswert sind auch definitiv noch die wunderbaren hohen Töne von Rou. Kennt man so nicht wirklich.

Crossing The Rubicon ist ein eher klassischer Enter Shikari Song, der mit einem sensationellen Refrain, der auch exzellent in Szene gesetzt wurde, aufwarten kann. Andere Töne werden dann mit { The Dreamer´s Hotel } angeschlagen. Vorab als erste Single erschienen und ein Ohrwurm von vorne bis hinten. Erinnert mit seinem dominanten Sprachgesang etwas an Rabble Rouser. Dazu abgespacete Elektroeinlagen. Auch einen kurzen vierstimmigen Part gibt es kurz vor einem elektronischen Break. Ultra tanzbar und mega eingängig, ohne dabei zu seicht zu wirken.

Was hat man bisher noch nicht wirklich in den Songs der Jungs gehört? Bläser. Diese packen sie in Waltzing off the Face of the Earth (I. Crescendo) aus. Für sie ungewöhnlich, passt aber beim vermeintlichen Titeltrack wunderbar. In den Vocals, die wieder gesprochen werden, spürt man förmlich Rous Wut. Hier wird einiges thematisiert,  was in unserer Welt aufrüttelt oder falsch läuft. Zelebriert im Stile eines Poetry Slams, der in einem völlig abgedrehten Bläser-Kuddel-Muddel am Ende gipfelt.

Rockig funkig geht es bei modern living…. zur Sache. Fette Riffs treffen auf satte Beats, dazwischen die unglaubliche Stimme von Rou, die mich hier in den gerappten Parts etwas an Twenty One Pilots erinnert. Insgesamt eine doch recht positiv wirkende Nummer, die perfekt zum ersten feinen Interlude apøcaholics anonymøus (main theme in B minor) überleitet. Textlich wird hier modern living…. noch einmal sehr gut mit den verfremdeten Vocals dargeboten und in ein Drum´N´Bass Kostüm verpackt. Richtig starkes Teil.

Mit the pressure´s on. sollten sie sicherlich in irgendeinem Land dieser Welt die Charts erreichen können. Hier haben wir eine Elektro Pop-Rock Nummer, die unglaublich schnell ins Ohr geht und mir immer wieder eine Gänsehaut und einen wohligen Schauer bereitet. Das sind einfach so die Momente, für die man Enter Shikari liebt. Egal wie heftig in anderen Genres herum gegraben wird. Immer wieder bieten sie uns so Nummern wie the pressure´s on. an, das, wie Shinrin-yoku auf „The Spark“, einfach nur schön ist und zum Träumen einlädt.

Ganz ein besonderer Moment folgt mit dem 46 Sekunden kurzen Reprise 3. Eine verfremdete Stimme wiederholt immer wieder die Worte „and still we will be here standing like statues“. Fans sollte diese Zeile ein Begriff sein, wurden diese ja seiner Zeits schon bei Solidarity auf „Common Dreads“ gesungen. Dazu fungiert es als perfekte Einleitung zu T.I.N.A.. Ganz klar eine gute Nummer aber die einzige, die mich bisher noch nicht vollends überzeugen konnte. Mir gefällt hier die ganze Dynamik nicht wirklich, ebenso wie die Beats.

Wie wäre es jetzt mit einem Abstecher in die Oper? Dies erwartet uns bei Elegy For Extinction. Eine rein instrumentale Klassik Nummer, aufgenommen vom Prager Symphonieorchester und bearbeitet vom renommierten Soundtrack Komponist George Fenton, die hier gut platziert für eine kleine Verschnaufpause sorgt, bevor es ähnlich turbulent wie zuvor weitergeht. Mit Marionettes (I. The Discovery of Strings) gehen wir partiell in Richtung Jazz und haben es mit einer recht düsteren Stimmung zu tun, bis im Refrain wieder die verfremdeten Vocals auftauchen. Mit einer ganz anderen Stimmung kommt dann Marionettes (II. The Ascent) daher. Rebellisch und kraftvoll, mit einem wieder mal überragenden Refrain.

Recht gesittet und fast schon normal geht es bei satellites* * zu. Für mich der schnelle Bruder von the pressure´s on.. Ich sehe hier die Leute schon eskalieren. Hier wird einfach wieder jedes Element geboten. Fette Riffs, starkes Drumming und schönen Beats.

Auch etwas „A Flash Flood Of Colour“ Flair kommt kurz vor dem Ende mit thē kĭñg noch auf. Wie schon damals herrlich abgespacte Beats und einen schon fast schreienden Rou. Ein richtiges Brett, bevor wir mit Waltzing off the Face of the Earth (II. Piangevole) am Ende angekommen sind. Am Anfang hört man leise ein paar Stimmen durcheinander, als würden Menschen ihren Platz im Theater aufsuchen. Dann wird scheinbar noch einmal das ganze Album in Fragmenten rekapituliert. Immer wieder wiederholt sich die Zeile „Nothing is true and we waltzing off the face of the Earth“, bis ein Störsignal das Kommando übernimmt. Ende.

Fazit:
Ich habe es bei meiner Live Review im letzten Jahr schon geschrieben: Diese Band hat noch Großes vor sich!

„Nothing is TRUE & everything is possible“ ist ein weiteres Zeichen dafür, welch Genialität die vier Musiker an den Tag legen. Hier haben wir es mit einem Album zu tun, das womöglich die Musik nachhaltig verändern könnte. Es werden so unzählig viele Stile hinein geworfen und doch haben wir den unvergleichlichen Enter Shikari-Sound, einen Sound, den man eigentlich nicht wirklich in Worte fassen kann.

Müsste ich das Album mit einem Wort beschreiben wäre das Kunst.

Ein unvergleichbares Album verdient natürlich 10 von 10 Bängs.

zehn von zehn

„Nothing is TRUE & everything is possible“ erscheint am 17. April via So Recordings/The Orchard und wird als CD, Vinyl, Digitales Album und Stream erhältlich sein.

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Patrick

Patrick

geb. 1993. Musik-Fan seit 2010. Verlobt Ein Sohn. Bevorzugte Genres: Metalcore, Post-Hardcore, Progressive Metal, Pop-Punk. Neben seiner sozialen Ader ist Patrick auch für feinste Recherche und Tiefe in seinen Reviews und Berichten bekannt.

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