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Endlich wieder Livemusik „in the Real World“ – Review zum THUNDERMOTHER-Gig in Kaiserslautern

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Man glaubt es kaum, aber am Samstag war es wieder mal soweit und die coronabedingte Leidenszeit hatte ein Ende. Endlich stand der erste Konzerttermin für mich im noch mehr als beschaulich gefüllten Konzertkalender 2021. Nach über 15 Monaten zwangsweiser livekonzertfreier Zeit durfte endlich wieder vor und mit Publikum gerockt werden. Kurzfristig ergab sich für unser Team dank Tourmanager Michael Thiesen von Schubert Music Agency noch die Möglichkeit, einen der ersten Gigs der Schwedinnen von THUNDERMOTHER während ihrer Fortsetzung der „Heat Wave-Release Tour“ besuchen zu können. So machte ich mich am Samstag zusammen mit Redaktionskollege und Fotograf Oliver bei bestem Festival-Wetter auf den Weg ins beschauliche pfälzer Städtchen Kaiserslautern.

Mit jedem gefahrenen Kilometer stieg die Vorfreude auf die Livepräsentation der tollen Songs des im Juli 2020 erschienenen Albums „Heat Wave“, welches einen sensationellen Platz 6 in den deutschen Verkaufschart ergattern konnte. Als kleiner Bonus für die Fans wurde das Album ja gerade erst zusätzlich als Doppel-Deluxe-Edition mit 10 neuen Songs erneut veröffentlicht, von denen einige auch den Weg in die Setlist fanden.

THUNDERMOTHER waren eine der letzten Bands, die sich verzweifelt gegen die Pandemie stemmten. Im letzten Sommer und Herbst präsentierten sie sich auf dem Dach eines eigens für sie umgebauten Feuerwehrautos live ihren Fans in Deutschland.

In Kaiserslautern konnte auf das Feuerwehrauto verzichtet werden und die vier Ladies spielten wie gewöhnlich auf einer kleinen, aber feinen Bühne auf dem Freigelände des Kulturzentrums „Kammgarn“.

Wegen der aktuellen Gesundheitsvorschriften wurden für dieses Event wie auch für die gesamte Tour nur 150 Zuschauer je Gig zugelassen, so dass das „Kammgarn“ schon lange vor dem Gig das Schild „Ausverkauft“ aufhängen musste.

Schade für sicherlich viele alte und neue Fans der Schwedinnen, die unter normalen Bedingungen ebenfalls nach Kaiserslautern gepilgert wären und den Laden bzw. das Freigelände sicherlich zum Platzen gebracht hätten. Um die vorgegebene Begrenzung der Zuschauerzahl zu kompensieren, hat man sich im Lager von THUNDERMOTHER daher als Entschädigung und Ausgleich für eine intensive Deutschlandtour durch die gesamte Republik entschieden und wird in den kommenden Monaten noch mehr als 40 weitere Auftritte von Nord bis Süd durchführen.

Völlig problemlos verlief der Zutritt zum Veranstaltungsgelände – noch nie machte das Schlange stehen so viel Spaß – selbst die Einlassprozedur mit Luca-App oder Kontaktverfolgungsbogen ging entspannt vonstatten. Jeder Zuschauer wurde an seinen mit ausreichend Sicherheitsabstand aufgestellten Zweier- oder Vierer-Tisch auf dem Außengelände des Kammgarn geführt, an dem er/sie dann ohne Maske das Konzert genießen konnte. Kulinarisch war alles geboten, was zu einem kleinen Open-Air-Abend bei besten Wetter gehörte: Bier, Wein und sonstige Getränke, sowie leckerer Flammkuchen, rundeten das Angebot ab.

Punkt 20 Uhr begrüßte Tourmanager Michael das Publikum, und freute sich ebenfalls, dass es endlich wieder losging mit den Touraktivitäten. Natürlich animierte er die Fans auch sich mit Shirts und Merch-Artikeln der Band einzudecken, da die Einnahmen eins zu eins in die Bandkasse fließen würden, ein nicht zu unterschätzender Umstand in diesen für Musiker schwierigen Zeiten.

Allerdings musste er auch verkünden, dass die für gewöhnlich geplanten Aftershow-Treffen mit den Mädels der Band am Merchstand aus gegebenem Anlass verständlicherweise leider nicht möglich waren.

Dies tat der guten Stimmung jedoch keinen Abbruch, und so wurde die Band lautstark auf der Bühne begrüßt, waren doch alle Anwesenden ausgehungert nach Livemucke und Rock ’n‘ Roll. Und so nutzten THUNDERMOTHER die Gunst der Stunde und legten gleich mit „Whatever“ aus ihrem selbstbetitelten 2018er Album richtig los. Mit Ihrem teils an AC/DC erinnernden, kernigen Hardrock konnten sie das Publikum sofort auf ihre Seite ziehen und legten dann das Hauptaugenmerk auf die Songs aus ihrem aktuellen und nicht nur in Deutschland so erfolgreichen „Heat Wave“-Album.

Sofort fiel auf, dass am Bass ein neues Gesicht auf der Bühne stand. Die etatmäßige Viersaiterin Majsan Lindberg konnte aufgrund einer gerade erst begonnenen Ausbildung heute nicht dabei sein und wurde wie auch für die gesamte Tour durch ihre Landsfrau Mona Lindgren vertreten, die einen tollen Job hinlegte und den Ausfall der Stammkraft ohne Probleme kompensieren konnte. Stets in Aktion machte sie auch als Background-Sängerin einen guten Eindruck.

Sängerin Guernica Mancini überzeugte mit Ihrer teils bluesig angehauchten, rockigen Stimme, die wohl auch einer der Gründe für den Erfolg des Albums sein dürfte. Auch wenn sie bei ihrem Stageacting teils noch etwas steif und manchmal schüchtern wirkte und man ihr etwas anmerkte, dass sie noch nicht die ganz große Bühnenerfahrung mitbrachte, konnte sie die Unerfahrenheit gekonnt durch ihre Gesangsleistung wettmachen.

Anschließend wurde mit „Dogs from Hell“ der Höllenhund von der Leine gelassen, bevor Thundermother beim Rocker „In the Mud“ dann ihr eigentliches Motto und ihre Einstellung präsentierten : „For the love of rock and what we do, nothing stops the mothers coming through“, die Sehnsucht nach Open-Air Feeling, Schlamm und Bier, ganz egal was drum herum passiert.

Dann wurde es mit „Just a Tease“ rotzig rockig, und Bandgründerin und Gitarristin Filippa Nässil zeigte, dass Angus Young wohl einer ihrer großen Vorbilder an der Gitarre ist. Immer in Action wie ihr Idol, konnte sie auch ohne Schuluniform überzeugen und zeigte wer die Chefin ist, während sie am Ende des Songs zu einem kleinen Solo ansetzte.

Dann durfte Drummerin Emlee Johansson mit kleinem Drumsolo(chen) „Hellevator“ einleiten. Sie sorgte während des gesamten Gigs im Hinter-grund für den nötigen Wums und Groove, begnügte sich dabei mit einem kleinen Drumset ohne großen Schnickschnack.

Es folgte die erste Singleauskopplung der Deluxe-Edition mit „Road is ours“. Der sofort im Ohr hängenbleibende Song, konnte auch Live mit seiner eingängigen Melodie sofort das Publikum begeistern.

Zwischendurch wurde von Filippa eine neue Tradition vorgestellt, die künftig alle THUNDERMOTHER-Konzerte begleiten soll. „Bier`o Clock“ war angesagt und anstatt Schampus wurde den Ladies ein ½ Meter Bier gereicht und genüsslich von der Bühne dem Publikum zugeprostet.

Nach „Mexico“ und dem Titelsong „Heat Wave“ folgte dann die Huldigung von Lemmy Kilmister von Motörhead, dem der Song „Deal with the Devil“ gewidmet wurde. Natürlich mit typischen Motörhead-Anleihen und groovendem Bass. Mit „Shoot To Kill“, ihrem Lieblingssong vom „Thundermother“-Album, beendete Guernica den regulären Teil des Auftritts.

Nach kleiner Unterbrechung und den mehr als verdienten Zugaberufen folgte der Zuschlag. Hier wurde nochmals ein gekonnter Querschnitt durch alle Veröffentlichungen der Band präsentiert. Mit einem Schlagzeugsolo eingeleitet, machte „Revival“ den Anfang, gefolgt von „Give Me Some Lights“, bei dem sich Filippa – natürlich mit Maske ausgestattet – direkt unters Publikum mischte, und dabei ausnahmsweise auch mal die Abstandsregeln nicht ganz so genau nahm.

„Thunderous“ sowie die Hitsingle „Driving in Style“ läuteten das Ende der Gigs ein, dessen Abschluss mit „We Fight for Rock ’n‘ Roll“ nicht besser hätte gewählt werden können, zeigte er doch die Einstellung und das Motto der Band sehr deutlich: die vier „Donnermütter“ reißen sich im Rahmen der mehrfach verschobenen Heat Wave-Tour regelrecht den Arsch dafür auf, ihr Ding durchzuziehen und Live auf der Bühne (oder auf dem Dach des Feuerwehrautos) stehen zu können.  

Das ist Rock ’n‘ Roll wie ihn Lemmy so liebte. Er wäre stolz auf die Mädels gewesen und hätte – wenn er noch unter uns weilen würde – THUNDERMOTHER ganz bestimmt vom Stand weg als Support für die nächste Motörhead-Tour gebucht, um mal mit den Damen zusammen Backstage einen Whiskey zu schlürfen.

Ein toller Abend in toller Lokation. Das Team vom „Kammgarn“ in Kaiserslautern hat mit seinem Sicherheitskonzept alles getan, damit sich alle Besucher sicher und wohlfühlen konnten. Da auch das Wetter hätte nicht besser sein können, hatte alles gepasst, sodass der Re-Start in das Konzertjahr 2021 zu 100% gelungen ist.

Anders als noch bei Ihrem Livestream-Auftritt im Olympiastadion Berlin, bei dem mich die 4 Schwedinnen nicht ganz überzeugt hatten (den Bericht dazu könnt ihr unter https://rockmagazine.net/thundermother-auftritt-beim-groessten-kleinsten-konzert-im-olympiastaion-berlin-zugunsten-corona-helfer/ nachlesen) war im „Kammgarn“ der Sound perfekt und alle Instrumente klar und deutlich rauszuhören, Kompliment an den Mann an den Schiebereglern.

Natürlich war es für die Band auch recht einfach das anwesende Publikum zu begeistern, lechzten doch alle Anwesenden nach so langer Zeit förmlich nach echtem Rock ’n‘ Roll und guter Livemusik.

Leider war nach ca. 85 Minuten schon das Ende des Gigs gekommen. Hier hätte man sich sicherlich noch den ein oder anderen Song mehr gewünscht, wurde doch schon auf eine Vorband verzichtet. Auf die Ballade „Sleep“ wurde leider verzichtet, gehört für mich aber zu den Highlights des Albums und hätte sicherlich noch irgendwo in die Setlist reingepasst.

THUNDERMOTHER haben mit Ihrem Album „Heat Wave“ und ihrem rockigen, teils mal an AC/DC, mal an Motörhead erinnernden Sound eine regelrechte Blaupause geschaffen, die perfekt dafür geeignet ist, um im Sommer mit guter Laune die Seele baumeln zu lassen, durch die Gegend zu fahren und die beschissene konzertfreie Zeit vergessen zu lassen. Die nächsten Open-Airs in 2022 werden sicher für THUNDERMOTHER den nächsten Schritt  auf der Karriereleiter bedeuten, denn der (was nicht negativ ausgelegt werden soll) recht einfach gestrickte Rock ’n‘ Roll trifft gerade voll den Nerv der Zeit und ist bestens für die Open-Air-Saison geeignet.

THUNDERMOTHER werden sicherlich ihren Weg gehen, ganz egal welche Umstände sie begleiten werden.

Setlist „Kammgarn“ Kaiserslautern 26.06.2021                  

  1. Whatever
  2. Dog From Hell
  3. Into the Mud
  4. It’s Just a Tease
  5. Back In ’76
  6. Hellevator
  7. The Road Is Ours
  8. Loud and Alive
  9. Mexico
  10. Heat Wave
  11. Deal With the Devil
  12. Rock N‘ Roll Heaven
  13. Shoot to Kill
  14. ————————————–
  15. Revival
  16. Give Me Some Lights
  17. Thunderous
  18. Driving in Style
  19. We Fight for Rock ’n‘ Roll

Vocals:            Guernica Mancini      

Guitar:            Filippa Nässil             

Bass :  Majsan Lindberg vertreten durch Mona Lindgren

Drums:            Emlee Johansson

“Heat Wave Release Tour 2021“
präsentiert von Radio Bob, Classic Rock & Rock Hard

24.06.2021 Ingolstadt – Eventhalle *
25.06.2021 Trier – Mergener Hof *
26.06.2021 Kaiserslautern – Kammgarn *
27.06.2021 Romanshorn – Swiss Rock Cruise *
29.06.2021 Nürnberg – Hirsch *
01.07.2021 Hamburg – Schrødingers *
02.07.2021 Münster – Jovel *
03.07.2021 Hademarschen – Hall Operation Festival *
04.07.2021 Hallig Langeneß – Kultur auf den Halligen *
28.07.2021 Cham – Strandkorb Open Air *
29.07.2021 Ulm – Hexenhaus – HX25 Open Air *
30.07.2021 Selb – Rockclub Nordbayern *
31.07.2021 Memmingen – Kaminwerk *
01.08.2021 Weinheim – Café Central *
03.08.2021 Hannover – KommRaus – Die Sommerbühne *
05.08.2021 Großheubach – Bikes & Kultur *
06.08.2021 Saarbrücken – Garage (Rock’N’Eat) *
07.08.2021 Montabaur – TBA *
10.08.2021 Frankfurt – Batschkapp *
11.08.2021 Lindau Club – Vaudeville *
14.08.2021 Sandstedt – Rock For Animal Rights *
15.08.2021 Kiel – Together Kiel Open Air *
01.09.2021 Hamburg – Indra *
02.09.2021 Hamburg – Fabrik *
03.09.2021 Taarstedt – Angeliter Open-Air *
04.09.2021 Kalletal – Kalletal Rockt *
08.09.2021 Osnabrück – HafenSommer 21 Open Air *
09.09.2021 Würzburg -Posthalle *
10.09.2021 Altengrounau – SinnerRock Festival *
11.09.2021 Oberhausen – RADIO BOB! Rocknacht *
03.10.2021 Freiberg – Rock um zu helfen!
27.10.2021 Stuttgart – Universum
28.10.2021 Kempten – kultBOX
14.11.2021 Friedrichskoog – Haus des Kurgastes
15.11.2021 Bonn – Harmonie
03.12.2021 Fulda – Kreuz
05.12.2021 Bochum – Rockpalast
07.12.2021 Köln – MTC
08.12.2021 Hannover – Lux
09.12.2021 Münster – Rare-Guitar
11.12.2021 Viersen – Rockschicht
12.12.2021 Bremen – Tower
13.12.2021 Berlin – Galaxy
18.12.2021 Wetzlar – Black Pearl
19.12.2021 Trier – Mergener Hof
20.12.2021 Bensheim – Rex
21.12.2021 Aschaffenburg – Colos-Saal

* Diese Shows finden Corona konform mit limitierter Kapazität statt

Veranstalter: Schubert Music
Homepage: www.thundermother.com

Websites und Social Links

Foto Credits :  Oliver Haremsa (Emeraldpics)

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Thomas

Musikalisch bin ich seit den 80er vor allem im melodischen Hard& Heavy-Dschungel unterwegs und immer auf der Suche nach neuen und alten Perlen. Meine absoluten Faves sind Queenaryche, Y&T, Die Toten Hosen... u.v.a......teilweise geht mein Blick aber auch mal über den Tellerrand in Richtung Speed/Trash/Death...solange Melodien erkennbar sind. Auch wenn ich schon zu der Ü50-Fraktion gehöre, findet man mich bei Konzerten und Festivals fast immer Front of Stage, denn Sitzplatz bei Rockkonzerten, das geht gar nicht. Erst wenn es ohne Rollator mal nicht mehr gehen sollte, ist die Tribüne vielleicht ne Alternative.

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