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THUNDERMOTHER – Auftritt beim „größten kleinsten Konzert“ im Olympiastadion Berlin zugunsten vergessener Corona-Helfer

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Thundermother, die oft als weibliche AC/DC bezeichnete All-Girl Band aus Växjö in Schweden, gehört aktuell sicherlich mit zu den angesagtesten Newcomern in der Rockszene. Haben sie doch mit ihrem letzten Album „Heat Wave“ für ordentlich Aufmerksamkeit gesorgt. Ein straightes Rockalbum, das richtig fetzt. Mit einer ordentlichen Prise AC/DC und dem knackigen Gesang von Frontfrau Guernica Mancini konnten die Schwedinnen ihre Fans begeistern und sogar bis auf Platz 6 der deutschen Albumcharts vordringen. Sicherlich ein gutes Indiz dafür, dass die Schwedinnen den Nagel auf den Kopf getroffen haben und mit ihrem inzwischen 4. Album ihre Fanbase sicherlich gehörig ausbauen konnten.

Nachdem Thundermother im Rahmen der „Heat Wave“-Tour im letzten Herbst bereits Deutschland auf einem umgebauten Feuerwehrauto (!) intensiv betourten, wollte die Band nun ein weiteres ganz spezielles Event in unseren Landen veranstalten. Als Dank für ihren unermüdlichen Einsatz in der Corona-Pandemie wollte Thundermother in Zusammenarbeit mit STAR FM Berlin und der Online Plattform concertVR allen vergessenen Helfern ein ganz spezielles Dankeschön-Konzert im altehrwürdigen Berliner Olympiastadion widmen und bei diesem als „größtes kleinstes Konzert“ angekündigten Gigs symbolisch eine kleine Gruppe dieser Helden der Pandemie wie Feuerwehrleute, Krankenschwestern und -pfleger einladen.

Am 4. Mai war es dann soweit und der Auftritt der Schwedinnen stand bevor. Da offiziell keine Tickets für den Auftritt verkauft wurden, konnten alle anderen Fans den Auftritt ein paar Tage später als kostenpflichtigen Stream anschauen.

Leider war ich von der Streaming-Veranstaltung insgesamt etwas enttäuscht, da der Auftritt, auf den ich mich schon riesig gefreut hatte, meine aufgrund des hervorragenden Albums „Heat Wave“ vielleicht zu hohen (?) Erwartungen leider bei Weitem nicht erfüllen konnte. Dies lag jedoch weniger an der Band, sondern hauptsächlich an einem sehr dürftigen Sound, der recht dünn und scheppernd rüberkam, wodurch sich die Power der Songs der Schwedinnen, die auf dem Album viel besser zur Geltung kommt, nur bedingt widerspiegeln ließ.

Auch die Bildqualität des Livestreams war mehr als dürftig, bei mir stockte die Übertragung regelmäßig und Daten mussten nachgeladen werden. Dies war so nervig, dass ich den Stream am Dienstag enttäuscht abgebrochen hatte. Am nächsten Tag wagte ich nochmal einen Versuch. Als Konserve lief der Stream zumindest durch, auch wenn die Bildqualität nicht überragend war.

Am Anfang der Übertragung gab es für die Zuschauen einen Blick hinter die Kulissen in den Backstage-Room, der zeigte, wie sich die Mädels auf ihren Auftritt vorbereiten und sich das finale Make-Up auflegten, ein letztes Kaltgetränk zu sich nahmen oder wie sich Drummerin Emlee Johansson aufwärmte – ganz nett, mal zu sehen, was so vor einem Gig abläuft. Nach einer kleinen Begrüßung der Fans durch Emlee gings nach ca. 6 Minuten raus auf die Bühne. Etwas befremdlich und überraschend war die Kurzhaarfrisur von Bassistin Majsan Lindberg, die mich irgendwie an Eurythmics Sängerin Annie Lennox erinnerte. Eine etwas gewöhnungsbedürftige Optik für meinen Geschmack, langes Haar steht ihr wesentlich besser.

Die kleine Bühne, bestehend aus einem kleinen Schlagzeug und 6 Marshall-Boxen links sowie 2 Lautsprechern auf der rechten Seite, wurde auf der Aschenbahn im Stadion aufgebaut und wirkte etwas verlassen in dem riesigen Olympia Stadion. Insgesamt gab es 3 Kameraeinstellungen zur Auswahl, zwischen denen man wählen konnte. Auch eine 360° Ansicht war möglich. Doch leider wirkte die feste Kameraeinstellung auf Dauer recht monoton und so fehlte das Salz in der Suppe, sprich: der Bildschnitt mit wechselnden Kameraeinstellungen. Ein Wechsel der Kamera verursachte jedoch eine Unterbrechung der Übertagung, sodass das Wechseln der Kamera auch nicht der Weisheit letzter Schluss war. Auch der Versuch mit der 360° Einstellung half da nur bedingt weiter. Damit konnte man zwar mal nach hinten ins Publikum schauen (wo waren denn eigentlich die eingeladenen Fans? – von der kleinen Zuschauermenge war nicht viel zu sehen), doch auch dieses Gimmick war nicht so der absolute Bringer, denn  wer will schon die gähnend leeren Tribünen eines riesigen Stadions sehen? Auch am Rande der Aschenbahn ließen sich nur eine Handvoll Personen erkennen, von denen dann wohl noch die Helfer und Kameraleute abgezogen werden mussten. Dadurch kam auch nur sehr bedingt Stimmung auf und die Mädels taten sich etwas schwer, mit dem Stage Acting – ein Lob an dieser Stelle an den Thundermother-Fan, der vor der Tribüne alles gab und sich recht allein zum Takt der Musik bewegte.

Doch kommen wir zum Wichtigsten, der Musik.

Thundermother starteten mit den beiden Songs „Revival“ und „Whatever“ von ihrer selbstbetitelten 2018er EP „Thundermother“, ehe sich die Schwedinnen an die Songs des aktuellen Album ranmachten, welche den Schwerpunkt des Abends bildeten. Dazwischen streuten die Mädels aber immer wieder auch Songs vom 2015er Album „Road Fever“ ein. Ihrem Vorbild und Inspirator Lemmy Kilmister von Motörhead widmeten sie den Song „Deal with the devil“.  „Give me some lights“ wäre dabei bei entsprechend anwesendem Publikum sicherlich ein richtiger Mitgröhlsong geworden. Heute jedoch wirkte das Ganze aus bereits genannten Gründen etwas dünn, da konnte auch der Background-Gesang von Bassistin Majsan nicht viel retten.

Nach insgesamt 14 Songs bildete dann „We fight for Rock`n`Roll von der EP den Abschluss des nur 55-minütigen Gigs, bei dem Filippa deutlich ihre besondere Vorliebe für Angus Youngs Gitarrenspiel zu erkennen gab.

Insgesamt konnte ich das frühe Ende des Auftritts aufgrund der genannten Gründe verschmerzen, jedoch verstehe ich nicht, weshalb man es nicht schaffte, wenigstens 80 min zu spielen, wenn man schon den Aufwand betreibt, ein solches Event zu veranstalten. Auch als Fan zuhause vor dem Bildschirm, der immerhin auch ein Ticket erworben hat, darf für sein Geld sicherlich etwas mehr Spielzeit als ca. 55 min erwarten.

Und wenn man dann immer hört, dass sich die Bands freuen, endlich wieder vor Publikum zu spielen, ja weshalb ist man dann nicht motiviert und haut mal einen richtig langen Auftritt raus? Das bleibt mir weiterhin ein Rätsel und hinterlässt einen faden Beigeschmack.

Ich möchte jetzt den Auftritt insgesamt nicht nur schlechtreden, Thundermother und speziell Guernica am Micro bemühten sich stets, für Stimmung zu sorgen, jedoch machte der scheppernd klingende Sound, der eher an einen mittelmäßigen Bootleg erinnerte denn an ein Rockkonzert, das Ganze leider zunichte und nicht wirklich zu einem Genuss. Da hab ich in den vergangenen Monaten z. B. von Evergrey ein deutlich anderes Kaliber an Streaming-Gig erlebt.

Ich bin schon gespannt, wann mir Thundermother mal „richtig“ Live über den Weg laufen, denn ich möchte diesen Auftritt nicht als Messlatte für die musikalische (Live-) Qualität und Bühnenshow der Band ansetzen.

Guernica und Filippa versuchten zwar ihr Bestes zu geben, aber natürlich fehlte ihnen das Publikum und die Stimmung aus den Fanreihen als Gegenpol, dann zünden auch die Songs richtig. Sicherlich hätte der ganze Auftritt bei besserem Sound wie dem gebotenen und entsprechendem Einsatz einer Bildregie mit Bildschnitt einen wesentlich besseren Eindruck bei mir hinterlassen.

Setlist:

1. Revival

2. Whatever

3. Loud and alive

4. Into the Mud

5. Hellavator

6: Dog From Hell

7. It`s just a tease                               

8. Deal with the devil

9. Heat Wave                                       

10. The Road is ours

11. Give me some lights

12. Thunderous      

13. Driving in style

14. We fight for Rock`n`Roll  

Thundermother sind :

Guernica Mancini – Vocals

Filippa Nassil – Gitarre

Majsan Lindberg – Bass

Emlee Johansson – Drums

Am 21. Mai 2021 erscheint nun die „Heat Wave Deluxe Edition“ als 2-CD Digipak und zusätzlich mit verschiedenen limitierten farbigen Doppelvinyl-Versionen. Darauf ist nicht nur das komplette Original-Album zu finden, sondern auch eine Bonus CD/Vinyl mit gleich 10 weiteren, bisher noch unveröffentlichten Tracks. Drei brandneue Songs, unveröffentlichte Live Tracks und Acoustic Versionen sind darauf enthalten, mit zwei besonderen Gastmusikern: Jesper Binzer (D-A-D) und Dregen (Backyard Babies/Hellacopters) geben sich die Ehre.
Die „Heat Wave Deluxe Edition“ ist hier erhältlich: https://afm.fanlink.to/HeatWaveDeluxeEdition

Fotocredits:

Bild 1 + 2 : ©Guido Karp für GKP.LA

Bild 3-7: ©Sibylle Wegner

Foto 8: ©Vincent Grundke

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Thomas

Musikalisch bin ich seit den 80er vor allem im melodischen Hard& Heavy-Dschungel unterwegs und immer auf der Suche nach neuen und alten Perlen. Meine absoluten Faves sind Queenaryche, Y&T, Die Toten Hosen... u.v.a......teilweise geht mein Blick aber auch mal über den Tellerrand in Richtung Speed/Trash/Death...solange Melodien erkennbar sind. Auch wenn ich schon zu der Ü50-Fraktion gehöre, findet man mich bei Konzerten und Festivals fast immer Front of Stage, denn Sitzplatz bei Rockkonzerten, das geht gar nicht. Erst wenn es ohne Rollator mal nicht mehr gehen sollte, ist die Tribüne vielleicht ne Alternative.

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