In unserer „neuen alten“ Rubrik „Die Plattenratten“ (vormals Vinylstube) wühlen wir uns durch neue, alte und auch gegenwärtige Veröffentlichungen auf Vinyl. Wir zerlegen diese in sämtliche Einzelteile und stellen fest, ob der Sound darauf ein Hörgenuss oder ein Rohrkrepierer ist.
Dieses Mal haben wir eine sehr bunte Mischung für Euch zusammengestellt mit Folk Metal aus der Mongolei (the Hu), Heavy Rock aus Hamburg (Sloppy Joe´s) und Blues-/Folk-Rock aus London (Ferris & Sylvester)

Ferris & Sylvester – It’s A Joy To Be Alive (Archtop Records)
Mit It’s A Joy To Be Alive zeigen Ferris & Sylvester, dass sie sich musikalisch nicht so leicht in eine Schublade stecken lassen wollen. Zwischen Americana, Soul, Folk und einer ordentlichen Portion Sixties- und Seventies-Flair serviert das Duo elf abwechslungsreiche Songs, bei denen vor allem der harmonische Gesang und die detailverliebten Arrangements punkten. Der Sound wurde im Gegensatz zu den vorherigen Veröffentlichungen zwar etwas geglättet, langweilig wird die Sache deshalb aber noch lange nicht. Kurz: Unterm Strich ist eine charmante Scheibe mit viel Gefühl, starken Melodien und jeder Menge musikalischer Lebensfreude entstanden.
Die Scheibe kommt in einer einfachen, übersichtlich gestalteten Außenhülle, die optisch sehr gut zum Sound von Ferris & Sylvester passt. Das klassische Artwork kommt schon cool, so ganz ohne unnötigen Firlefanz. Im Inneren findet man erst einmal eine großformatige Aufnahme des Paares, sehr intim und innig das Ganze. Auf der Rückseite davon ist dann nix, nada, Leere. Alles einfach nur eine große weiße Fläche. Aber keine Angst, Texte und Infos finden sich auf der Innenhülle, die aus stabilem Papier gefertigt wurde. Leider ist das Ding mal wieder nicht gefüttert, aber wir wollen mal nicht so sein. Denn das Vinyl, das da herausflutscht, ist in freundlichem Zartrosa gehalten, und das stimmt einen schon allein wegen der Farbe milde. Weniger zart ist die Kante außen herum: Die hat so einige Kratzer beziehungsweise raue Stellen, allerdings nicht so, dass man sich daran verletzen könnte – Glück gehabt. Das Einzige, was ich am Sound bemängeln könnte, ist, dass die Platte beim Abspielen zu wenig knackt. Oder zumindest zwischen den Songs. Das wäre dem Stil der Band eigentlich nur angemessen gewesen. Aber keine Angst, das kommt mit den Jahren sicher von allein, wenn man sie oft genug auflegt.
Sloppy Joe´s – Eight Reasons To Rock (Timezone Records)
Zehn Jahre hat das Debüt von Sloppy Joe’s mittlerweile auf dem Buckel, und zum Jubiläum gibt’s die Scheibe endlich auch auf Vinyl. Eight Reasons To Rock ist dabei genau das, was der Titel verspricht: schnörkelloser Rock ’n’ Roll, der sich irgendwo zwischen Hardrock, Punk und Glam breitmacht und dabei lieber ordentlich aufs Gaspedal tritt, als sich mit musikalischen Experimenten aufzuhalten. Eingängige Riffs, knackige Refrains und eine gehörige Portion Spielfreude sorgen dafür, dass die Hamburger nicht lange um den heißen Brei herumreden. Für die Jubiläumsausgabe wurde das Album neu gemastert und um zwei Live-Bonustracks ergänzt. Das Ganze erscheint auf silbernem Vinyl, ist auf 100 Exemplare limitiert und dürfte vor allem bei Freunden handgemachter Rockmusik für zufriedenes Kopfnicken sorgen. Aber genug der Theorie, dann machen wir uns mal ans Eingemachte! Der Karton der Außenhülle ist zwar stabil, fällt aber etwas dünner aus, als man es von Platten normalerweise gewohnt ist. Ansonsten ist alles ordentlich bedruckt und verklebt, also gibt es hier nichts weiter auszusetzen. Auf dem Innensleeve findet man auf der einen Seite das Logo der Band und auf der anderen die Texte sowie weitere Infos, die man so benötigt. Aber auch hier ist mal wieder leider nichts gefüttert.
Nun wollen wir aber zum Wichtigsten kommen: dem Inhalt ganz tief drinnen. Und in diesem Fall ist die Scheibe schon schick! Die Schlieren im Silber sind hoffentlich gewollt, aber wenn nicht, ist das auch kein Ding, denn optisch kommt das Ganze schon besonders gut und ist auf jeden Fall ein Hingucker. Bei Pressung und Endbearbeitung gibt es nichts zu bemängeln. Hier ist alles sauber und ordentlich, dafür gibt es die volle Punktzahl. Ebenso beim Sound. Und dann gibt es tatsächlich bei den ersten Sekunden des ersten Songs auch noch „gewolltes“ Vinylknacken. Wie geil ist das denn bitte? Die Scheibe landet in Zukunft wohl öfter mal auf meinem Plattenteller!


The Hu – Hun (Better Noise Music)
The HU haben sich schon lange in der Rock- und Metalszene etabliert und beweisen mit HUN, dass die Band längst mehr ist als „nur“ ein exotischer Metal-Gimmick. Das Album klingt nicht nach einer bloßen Wiederholung eines Erfolgsrezepts, sondern vielmehr nach dem selbstbewussten nächsten Schritt einer Band, die ihre kulturellen Wurzeln zum Fundament eines eigenständigen, modernen Rocksounds macht. Aber taugt der Sound auch für Vinyl? Allerdings war es gar nicht so einfach, sich für eine der vielen Varianten zu entscheiden (wir sind auf neun gekommen, wenn wir uns nicht verzählt haben – die Red.). Ich habe mich dann einfachheitshalber für die exklusive Amazon-Edition entschieden, die für den deutschsprachigen Raum angeboten wird. Hierzu findet man allerdings keine Angabe, wie sich die Farbvariante nennt bzw. schimpft und wie hoch die genaue Stückzahl dieser Pressung ist.
Die elf Songs sind auf zwei Platten und drei Seiten verteilt, deswegen kommt das schicke Teil im Gatefold. Dieses besteht aus verdammt glattem Hochglanzkarton, auf dem das Cover-Artwork sehr gut zur Geltung kommt. Aufgeklappt finden wir dann ein Bild der Band im Großformat und die schaut darauf so finster drein, dass sich so manche Black-Metal-Band fürchten dürfte. Ebenfalls aufklappbar ist das bedruckte Inlay, ebenfalls in Hochglanz. Auf der einen Seite finden sich verschiedene Symbole, die wohl die einzelnen Songs darstellen dürften. Auf der anderen Seite findet man die Texte auf Mongolisch und Englisch, was ich sehr gut finde, denn so kann auch ich herausfinden, worüber The HU eigentlich singen. Leider sind auch die Innenhüllen aus Hochglanzkarton und fallen etwas dünner aus als die Außenhülle. Dafür ist jede Seite mit Porträtbildern der Musiker bedruckt. Da gäbe es meiner Meinung nach bessere Methoden, um das in diesem Fall bunte Gold zu schützen, hier hätte ich mir einfache, gefütterte Innenhüllen gewünscht. Beim Vinyl selbst gibt es allerdings keinen Grund zu meckern. Die Platten sind ordentlich gepresst und das Beste: Der Rand ist sauber und angenehm abgerundet, sodass man sich beim Auflegen der Scheibe nicht gleich in Verletzungsgefahr bringt. Da sich, wie oben schon erwähnt, die Songs auf drei Seiten verteilen, findet sich auf der vierten Seite ein Druck mit einem Drachenornament, das stilistisch sehr gut zum Rest der Platte passt. Und der Sound? Der ist schnell erklärt, denn der lässt keine Wünsche offen. Mit einer guten Anlage und ordentlich aufgedrehtem Pegel kann man förmlich spüren, wie eine Horde Pferde über die mongolische Steppe donnert, während einen der Sound von The HU mitreißt. Das komplette Review zu HUN findet ihr hier
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